Michelle Gisin, Olympiasiegerin und eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen der Welt, wäre nach ihrem schweren Trainingssturz in St. Moritz im Dezember 2025 beinahe querschnittgelähmt gewesen. Ihr Fall macht deutlich: Bestimmte Symptome nach einem Sturz sind medizinische Notfälle – und wer sie ignoriert, riskiert dauerhafte Schäden.
Was passierte Michelle Gisin in St. Moritz?
Beim Abfahrtstraining in St. Moritz erlitt die 31-jährige Schweizerin im Dezember 2025 einen Sturz, der ihr Leben für immer hätte verändern können. Die Diagnose war erschreckend: eine schwere Verletzung der Halswirbelsäule, die noch am selben Tag operiert werden musste. Die Notfall-Operation an der Wirbelsäule verhinderte schlimmere Schäden – doch die vollständige Liste der Verletzungen war lang: Kreuzbandriss und Innenbandriss am linken Knie sowie zwei teilabgerissene Sehnen in der linken Schulter.
Die Schwere der Verletzungen beendete nicht nur die laufende Saison, sondern zerstörte auch ihren Traum von den Olympischen Winterspielen 2026 in Milano Cortina. Trotzdem: Die Heilung verläuft nach Angaben der Mediziner erfreulich gut.
„Hätte querschnittgelähmt sein können" – die erschreckende Wahrheit
Gisin sprach nun erstmals öffentlich über das Ausmaß ihres Unfalls. „Das Röntgenbild war gfürchig", sagte sie in einem Interview – und schilderte, dass die Verletzung sie zur Tetraplegikerin hätte machen können. Querschnittlähmung: ein Schicksal, das durch das schnelle Eingreifen der Ärzte verhindert wurde.
„Ob ich ein Comeback will, möchte ich auf Skiern herausfinden", erklärte Gisin. Als mögliche Motivation für eine Rückkehr nannte sie die Heim-WM 2027 in Crans-Montana. Doch zunächst entscheidet ihr Körper – und sie selbst die entscheidende Frage: Will sie das überhaupt noch?
Wirbelsäulenverletzungen in Österreich – häufiger als gedacht
Wirbelsäulenverletzungen betreffen nicht nur Spitzensportlerinnen wie Michelle Gisin. In Österreich passieren jährlich tausende Stürze – beim Skifahren, bei Freizeitunfällen, im Alltag oder bei der Arbeit. Verletzungen im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule können ernste Folgen haben, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden.
Das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at bietet umfassende Informationen über Wirbelsäulenerkrankungen, Verletzungen und die richtige medizinische Erstversorgung. Wer die Warnzeichen kennt, kann im Ernstfall entscheidend schnell reagieren.
5 Warnzeichen nach einem Sturz, die sofort ärztliche Hilfe erfordern
Nach einem Sturz auf den Kopf, den Nacken oder Rücken gibt es Symptome, die nicht ignoriert oder „ausgesessen" werden dürfen. Diese fünf Zeichen können auf eine schwere Wirbelsäulen- oder Nervenverletzung hinweisen:
1. Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen
Ein Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühl in den Extremitäten nach einem Sturz kann auf eine Verletzung des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln hinweisen. Auch wenn das Gefühl nach kurzer Zeit nachlässt, muss es sofort medizinisch abgeklärt werden – solche Symptome sind kein Zufall.
2. Intensive Schmerzen im Nacken oder entlang der Wirbelsäule
Starke, unmittelbar nach dem Sturz einsetzende Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule können auf Frakturen, Bandscheibenvorfälle oder schwere Bandverletzungen hinweisen. Besonders Nackenschmerzen nach einem Sturz auf den Kopf oder den Hals dürfen niemals auf die leichte Schulter genommen werden – genau hier lag Gisins lebensbedrohliche Verletzung.
3. Muskelschwäche oder eingeschränkte Bewegungsfähigkeit nach dem Aufprall
Können Sie nach einem Sturz Arme oder Beine nicht mehr normal bewegen, oder fühlt sich die Muskulatur plötzlich ungewöhnlich schwach an? Das kann ein Hinweis auf eine Rückenmarksverletzung sein – ein medizinischer Notfall, der sofortiges Handeln erfordert. Zuwarten kann zu bleibenden Schäden führen.
4. Schwindel, Übelkeit oder kurzzeitige Bewusstlosigkeit
War der Kopf oder der Nacken beim Sturz betroffen, und leiden Sie anschließend unter Schwindel, Übelkeit, starken Kopfschmerzen oder kurzer Bewusstlosigkeit? Diese Kombination kann auf eine Gehirnerschütterung oder eine Verletzung der Halswirbelsäule hinweisen. Wichtig: Fahren Sie in keinem Fall selbst in die Notaufnahme – rufen Sie den Rettungsdienst unter 144.
5. Veränderte Kontrolle über Blase oder Darm
Dieses Symptom ist ein absolutes medizinisches Alarmzeichen. Wenn nach einem Sturz die Blasen- oder Darmfunktion plötzlich verändert ist, handelt es sich um einen Hinweis auf eine schwere Rückenmarksverletzung – ein Notfall, der keine Minute warten darf. Sofort 144 anrufen.
Was uns Gisins Fall lehrt: Schnelles Handeln entscheidet
Michelle Gisins Horror-Sturz zeigt eindrucksvoll, wie wichtig schnelles medizinisches Handeln nach einer Wirbelsäulenverletzung ist. Dass dauerhafter Schaden verhindert werden konnte, liegt auch an der unmittelbaren Versorgung durch das medizinische Personal in St. Moritz. In einem weniger gut ausgestatteten Umfeld hätte der Ausgang möglicherweise anders sein können.
Für Amateursportler und Menschen, die im Alltag stürzen, gilt dasselbe Prinzip: Im Zweifel immer sofort zum Arzt oder Notarzt. Wer eines der oben genannten Warnzeichen verspürt, sollte keine Zeit verlieren.
Auch Mikaela Shiffrin hat nach ihrer schweren Verletzung gezeigt, was mit der richtigen medizinischen Betreuung möglich ist. Comebacks gelingen – aber nur mit professioneller Unterstützung von Anfang an.
Auf Expert Zoom finden Sie spezialisierte Ärztinnen und Ärzte für Sportmedizin, Orthopädie und Wirbelsäulenerkrankungen in Österreich – für eine rasche Diagnose nach einem Sturz oder eine gezielte Rehabilitation.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Verletzungen oder Beschwerden nach einem Sturz suchen Sie sofort einen Arzt auf oder rufen Sie den Rettungsdienst unter 144.

Claudia Gruber