Miha Hrobat: Wenn Skirennfahrer schief landen — was Sportmediziner nach gefährlichen Sprüngen empfehlen

Österreichischer Skirennfahrer beim Abfahrtslauf der Olympischen Winterspiele 2026 in Bormio

Photo : Dispe / Wikimedia

Claudia Claudia GruberGesundheit
4 Min. Lesezeit 15. Juni 2026

Miha Hrobat: Wenn Skirennfahrer schief landen — was Sportmediziner nach gefährlichen Sprüngen empfehlen

Am 14. März 2025 sorgte Miha Hrobat bei der Ski-WM in Saalbach-Hinterglemm für den ersten Schreckmoment der Weltmeisterschaften: Der slowenische Skirennfahrer landete nach einem Sprung in der Abfahrt so schief, dass Kommentatoren und Zuschauer den Atem anhielten. Hrobat konnte zwar die Balance halten, musste das Rennen aber dennoch aufgeben. Was passiert biomechanisch in einem solchen Moment — und wann sollten Skifahrerinnen und Skifahrer nach einem Schreckmoment einen Sportmediziner aufsuchen?

Ein Jahrzehnt Weltcup — und dann dieser Schreckmoment

Miha Hrobat, geboren am 3. Februar 1995 in Kranj, Slowenien, brauchte zehn Jahre im Weltcup, bevor er in der Saison 2024/25 seine ersten Podiumsplätze feiern durfte. Am 6. Dezember 2024 holte er in Beaver Creek seinen ersten Weltcup-Podestplatz — Platz drei in der Abfahrt. Wenige Wochen später folgte ein zweiter dritter Platz in der legendären Lauberhornabfahrt in Wengen, womit er als erster Slowene überhaupt auf dem Lauberhorn-Podium stand. Im März 2025 rundete er die Saison mit einem weiteren dritten Platz im Super-G in Kvitfjell ab.

Und dann, ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt in Saalbach: jener schräge Sprung, jener Atem anhaltende Moment. Hrobat schied aus dem Rennen aus, blieb aber unverletzt. Doch der Vorfall illustriert, wie schmal der Grat zwischen Podest und Katastrophe im Hochgeschwindigkeitsskilauf ist.

Was passiert biomechanisch bei einer Schieflandung?

In der Abfahrt und im Super-G werden Geschwindigkeiten von 130 bis 150 km/h erreicht. Bei einem normalen Sprung verteilen sich die Landekräfte gleichmäßig auf beide Ski und über die gesamte Beinmuskulatur. Bei einer Schieflandung — also wenn ein Ski früher als der andere aufsetzt — konzentriert sich die gesamte kinetische Energie auf eine Körperseite.

Sportmediziner beschreiben folgende Hauptrisiken bei asymmetrischen Landungen:

Kreuzbandriss (VKB): Das vordere Kreuzband ist in Abfahrt und Super-G besonders gefährdet. Wenn das Kniegelenk bei einer schrägen Landung seitlich kippt, kann das Band in Bruchteilen einer Sekunde reißen — oft ohne direkten Sturz, allein durch die Rotationskraft.

Sprunggelenk und Unterschenkel: Asymmetrische Landungen belasten das Sprunggelenk extrem. Bänderrisse oder Knochenfrakturen können entstehen, noch bevor der Fahrer selbst Schmerzen wahrnimmt.

Hüftgelenk und Lendenwirbelsäule: Rotationsmomente beim schrägen Aufprall können Weichteilschäden oder Mikrofrakturen im Beckenbereich verursachen, die sich erst Stunden nach dem Rennen bemerkbar machen.

Laut den Sicherheitsauswertungen des Weltverbandes FIS sind Knieprobleme für rund 40 Prozent aller schwerwiegenden Verletzungen im alpinen Weltcup verantwortlich — mit einem deutlich höheren Anteil in der Abfahrt und im Super-G als in technischen Disziplinen wie Slalom oder Riesenslalom. Detaillierte Verletzungsstatistiken veröffentlicht der Weltverband auf seiner Plattform fis-ski.com.

Olympia 2026: Hrobat kehrt zurück

Trotz des WM-Schocks kehrte Hrobat für die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina (Bormio) zurück. Im Super-G der Herren am 11. Februar 2026 belegte er Platz 13 mit einer Zeit von 1:26.53 — 1,21 Sekunden hinter Sieger Franjo von Allmen aus der Schweiz. In der Abfahrt folgten die Plätze 12 und 25.

Dass Hrobat nach dem Schreckmoment so schnell wieder auf internationalem Niveau konkurrieren konnte, verdankt er neben körperlicher Stärke auch intensiver sportmedizinischer und sportpsychologischer Betreuung. Für die Saison 2026/27 wurde er bereits als Anführer des slowenischen Speedteams nominiert.

Drei Warnsignale, die Skifahrer ernst nehmen sollten

Nicht jeder Schreckmoment endet so glimpflich. Sportmediziner empfehlen nach einem heftigen Sprung oder einer schrägen Landung — auch wenn keine offensichtliche Verletzung erkennbar ist — eine professionelle Untersuchung. Folgende Signale sollten nicht ignoriert werden:

  1. Schwellung oder Instabilität im Kniegelenk innerhalb von 24 Stunden nach dem Aufprall. Das ist ein klassisches Zeichen für eine mögliche Kreuzbandverletzung, die oft erst durch ein MRT bestätigt werden kann und bei Verzögerung zu dauerhaften Schäden führt.

  2. Schmerzen beim Belasten einer Körperseite, die beim Abfahren oder nach dem Rennen auftreten. Mikrofrakturen oder Bänderschäden sind auf den ersten Röntgenaufnahmen oft unsichtbar, verschlimmern sich aber bei weiterer Belastung.

  3. Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Füßen oder Unterschenkeln nach dem Aufprall. Dies kann auf eine Nervenkompression infolge des asymmetrischen Aufpralls hinweisen — ein Zeichen, das sofortige medizinische Abklärung erfordert.

Was Breitensportler von Hrobat lernen können

Hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher fahren jede Saison Ski — und auch auf der Familienpiste kann ein schiefer Sprung über eine Welle oder einen Buckel zu denselben biomechanischen Problemen führen wie im Weltcup. Die Intensität ist geringer, das Risiko jedoch real.

Wer nach einem Sturz Zweifel hat, ob alles in Ordnung ist, sollte nicht auf die Rückkehr der Schmerzen warten. Frühzeitige sportmedizinische Abklärung schützt vor Folgeschäden, die eine Rückkehr zum Sport dauerhaft erschweren können. Auf ExpertZoom finden Sie Sportmediziner und Gesundheitsexperten, die auf Sportverletzungen spezialisiert sind und Ihnen helfen, die richtige Diagnose zu stellen — egal ob nach einem Schreckmoment auf der Piste oder einem Sturz beim Freizeit-Skifahren.

Auch die psychologische Dimension sollte nicht unterschätzt werden. Sportpsychologische Begleitung hilft Athletinnen und Athleten aller Leistungsstufen, die Kontrolle über angstauslösende Bewegungsabläufe zurückzugewinnen — und so sicherer und selbstbewusster zurück auf die Piste zu kommen.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei akuten Beschwerden nach einem Sturz wenden Sie sich bitte umgehend an einen Arzt oder eine Ärztin.

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