Die Tiroler Speed-Spezialistin Lena Wechner hat am 7. Juni 2026 ihr Karriereende bekanntgegeben – mit 25 Jahren. Damit zieht sich nach Mirjam Puchner und Christina Ager bereits die dritte ÖSV-Athletin innerhalb weniger Monate aus den schnellen Disziplinen zurück, wie der Österreichische Skiverband auf skiaustria.at bestätigte. Wechner war 2021 Junioren-Weltmeisterin im Super-G und holte 2023 den österreichischen Meistertitel in der Abfahrt auf der Reiteralm.
Die Häufung früher Rücktritte stellt eine ganze Generation österreichischer Wintersportler vor eine harte ökonomische Frage: Wie sichert man den Übergang ins zivile Leben, wenn die professionelle Karriere endet, bevor die größten Sponsoringverträge je unterschrieben wurden?
Wer ist Lena Wechner – und warum trifft es ausgerechnet die Speed-Damen?
In 28 Weltcup-Starts und 67 Europacup-Rennen hatte die Tirolerin nie ein Podium im Weltcup erreicht. Verletzungen verzögerten Saisonstarts, der Druck wuchs, die Förderquoten schmolzen. Der Reihe nach kündigten Puchner, Ager und nun Wechner an – ein Muster, das Sportökonomen seit Jahren analysieren: Die Speed-Disziplinen sind körperlich besonders belastend, und nur die absolute Weltspitze verdient genug, um langfristig Vermögen aufzubauen.
Im Schnitt verdient eine ÖSV-Athletin außerhalb der Top 15 laut Branchenschätzungen zwischen 30.000 und 80.000 Euro brutto pro Saison – aus Heeressport-Bezügen, Verbandsförderung und kleineren Sponsoring-Pools. Davon müssen Trainer, Material, Reisen und Steuern bezahlt werden. Bleibt der internationale Durchbruch aus, schrumpft das verfügbare Einkommen rasch unter das eines durchschnittlichen Angestellten.
Die finanzielle Falle des frühen Karriereendes
Mit 25 Jahren steht Wechner vor einer Situation, die viele Olympia- und Weltcup-Talente kennen: Sie hat seit dem 15. Lebensjahr Vollzeit trainiert. Die schulische Grundausbildung liegt zehn Jahre zurück, eine Berufslehre fehlt häufig, Berufserfahrung im klassischen Sinn ebenfalls. Gleichzeitig ist die Pensionsanwartschaft minimal – die Jahre im Heeressport oder als Vertragssportlerin werden zwar als Versicherungszeiten gezählt, das Pensionskonto bleibt aber dünn.
Ein Beispiel verdeutlicht das Problem: Wer von 18 bis 25 mit beispielsweise 35.000 Euro brutto jährlich versichert war, kommt nach der Pensionsformel der österreichischen Sozialversicherung später auf wenige hundert Euro Monatspension allein aus dieser Zeit. Wer keine private Vorsorge dazugekauft hat, verliert wertvolle Aufzinsungsjahre. Wertvolle Hinweise zur Karriereüberbrückung im Sport liefert die Bundes-Sportförderung des BMKOS, die Förderkriterien und Übergangsprogramme auflistet.
Drei Bausteine für den finanziellen Neustart
Vermögensberater mit Sportspezialisierung empfehlen ehemaligen Spitzensportlerinnen ein dreistufiges Vorgehen:
- Sofortliquidität sichern: Spar- und Vorsorge-Reserven für 12 bis 18 Monate aufbauen, um eine Aus- oder Weiterbildung ohne Einkommensdruck absolvieren zu können. Wer in den letzten Karrieresaisonen ausschließlich in laufende Trainingskosten investiert hat, muss diese Reserve über Abfindungen, Werbeerlöse aus den letzten Rennen oder familiäre Unterstützung aufbauen.
- Pensionslücke schließen: Eine vereinfachte Selbstberechnung über das pensionsversicherungs-eigene Pensionskonto-Tool zeigt die Lücke. Diese lässt sich über staatlich geförderte Vorsorgeprodukte – etwa die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge oder eine betriebliche Lösung beim neuen Arbeitgeber – schrittweise schließen.
- Humankapital reinvestieren: Die wichtigste Investition ist Bildung. Studien zeigen, dass ehemalige Athletinnen mit abgeschlossener Aus- oder Weiterbildung im Schnitt nach drei bis fünf Jahren wieder das Einkommensniveau ihrer Aktivkarriere erreichen – ohne Bildungsabschluss dauert es deutlich länger.
Der Fall von Benjamin Karl – Snowboard-Olympiasieger und heute selbständiger Unternehmer – zeigt, dass der Übergang gelingen kann, wenn er strategisch vorbereitet wird. Karl hatte schon während seiner aktiven Zeit eine zweite Ausbildung absolviert.
Steuerliche Fallstricke beim Karrierewechsel
Ein häufig unterschätzter Punkt: Sportlerinnen werden in Österreich oft als Selbständige geführt. Beim Karriereende fallen Schlussrechnungen, eventuell Übergangsverluste und steuerliche Auflösungen an. Wer Prämienverträge mit Auszahlung in mehreren Jahresraten hat, sollte den Cashflow präzise planen, um nicht in höheren Steuerklassen zu landen. Auch die Auflösung einer betrieblichen Vorsorgekasse kann je nach Auszahlungsform unterschiedlich besteuert werden.
Die Finanzmarktaufsicht stellt auf fma.gv.at eine zentrale Anlaufstelle für Verbraucherinformationen zu Vorsorgeprodukten bereit – inklusive Hinweise zu Kostenstrukturen und Mindestlaufzeiten.
Was Wechner und ihre Kolleginnen jetzt brauchen
Für die Tirolerin, die wie Mirjam Puchner ebenfalls vor der Karriere-Entscheidung stand, beginnt nun die wichtigste Phase: die nächsten sechs Monate. Sportpsychologische Begleitung wird im ÖSV mittlerweile angeboten, finanzielle und juristische Beratung dagegen kaum strukturiert. Hier müssen Athletinnen aktiv werden.
Konkret empfehlen Berater drei sofortige Schritte: Erstens, ein Inventar der aktuellen Vermögens- und Schuldenlage erstellen – inklusive offener Sponsorverträge und Werbeerlöse. Zweitens, einen Termin mit einem unabhängigen Vermögensberater vereinbaren, der nicht produktverkaufsgetrieben arbeitet (Honorarberatung statt Provision). Drittens, parallel die Bildungsperspektive klären: Welche Studien werden in Österreich angerechnet, welche Spitzensportler-Stipendien gibt es noch?
Wer als ehemalige Athletin in Tirol, Salzburg oder Wien einen spezialisierten Vermögensberater sucht, findet auf Expert Zoom Berater mit Erfahrung im Bereich Sportler-Finanzplanung. Das erste Beratungsgespräch ist in der Regel kostenlos und liefert eine erste Einschätzung, wie viel Vorsorge realistisch ist und welche Förderungen genutzt werden können. Für Karrierewechslerinnen wie Lena Wechner kann diese strukturierte Begleitung entscheidend sein – sie verkürzt die Phase der finanziellen Unsicherheit oft um Jahre.
Disclaimer und weiterführende Hinweise
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung. Die genannten Beispielzahlen zu Sportler-Einkommen und Pensionsanwartschaften beruhen auf öffentlich zugänglichen Branchenschätzungen und können im Einzelfall stark abweichen. Insbesondere die Berechnung der Pensionsbeiträge aus Heeressport-Bezügen und gemischten Selbständigen-/Angestellten-Einkommen erfordert eine individuelle Prüfung durch einen befugten Berater. Sportlerinnen mit internationalen Sponsorverträgen sollten zusätzlich die steuerliche Behandlung von Einkünften aus dem Ausland klären – hier gelten je nach Doppelbesteuerungsabkommen unterschiedliche Regeln.
Auch nach einem Karriereende bleiben Sportlerinnen oft öffentlich sichtbar – sei es als Markenbotschafterin, Expertin im Fernsehen oder Trainerin. Diese Einkünfte fließen in die Vorsorgeplanung mit ein und können die finanzielle Übergangsphase deutlich entspannen, wenn sie früh strukturiert werden.

Markus Weber