Keith Richards sagt Tour ab: Was seine Arthritis über Gelenkgesundheit im Alter lehrt

Keith Richards der Rolling Stones spielt Gitarre auf der Bühne

Photo : Raph_PH / Wikimedia

Claudia Claudia GruberGesundheit
4 Min. Lesezeit 16. Mai 2026

Die Rolling Stones werden 2026 nicht auf Tour gehen. Gitarrist Keith Richards, der im Dezember 83 Jahre alt wird, ist laut Band-Umfeld nicht in der Lage, die körperlichen Anforderungen einer Stadiontournee zu stemmen. Der Grund: seine langjährige Arthritis. Sänger Mick Jagger (82) hat bestätigt, dass das neue Album "Foreign Tongues" am 10. Juli erscheint – doch Konzertauftritte sind für 2026 ausgeschlossen. Für Millionen Fans weltweit ist das eine Enttäuschung. Für Ärzte ist der Fall ein Lehrstück darüber, warum Arthritis im Alter so ernst genommen werden sollte.

Was steckt hinter der Absage?

Keith Richards kämpft seit Jahren mit Arthritis – einer Erkrankung, die seine Fingerbeweglichkeit und körperliche Ausdauer erheblich einschränkt. Das Gitarrespielen allein ist bei fortgeschrittener Arthritis der Finger- und Handgelenke schmerzhaft. Die Bühnenbelastung einer Welttournee – Bühnenpräsenz über Stunden, Klimawechsel, wenig Schlaf – wäre für viele Patienten mit dieser Diagnose schlicht zu viel. Ein Band-Sprecher ließ verlauten: "Die Stones kommen zurück, wenn sie bereit sind."

Was der Fall Richards eindrücklich zeigt: Arthritis ist keine Bagatelle. Sie kann Menschen aus dem aktiven Berufsleben drängen – und im Fall eines der bekanntesten Gitarristen der Welt sogar eine Millenniumsband zum Stopp bringen.

Arthritis: Was die Erkrankung wirklich bedeutet

Arthritis ist kein einheitliches Krankheitsbild. Die häufigste Form ist die Osteoarthritis (Arthrose), bei der der Gelenkknorpel über Jahrzehnte abgebaut wird. Sie betrifft in Österreich laut Schätzungen über eine Million Menschen – besonders häufig Knie, Hüften und die Fingergelenke. Davon abzugrenzen ist die rheumatoide Arthritis, eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem das Gelenkgewebe angreift.

Beide Formen führen zu Schmerzen, Steifigkeit und eingeschränkter Beweglichkeit. Der entscheidende Unterschied für die Behandlung liegt in der Ursache: Während Arthrose oft durch mechanischen Verschleiß entsteht, braucht rheumatoide Arthritis eine gezielte immunsuppressive Therapie.

Wann wird Arthritis ein dringender Fall?

Viele Menschen schieben Gelenkschmerzen zu lange auf. Das ist verständlich – die Beschwerden beginnen oft schleichend und werden als normale Alterserscheinung abgetan. Dabei gibt es klare Warnsignale, bei denen ein Arztbesuch nicht aufgeschoben werden sollte:

  • Morgendliche Steifigkeit über 30 Minuten: Besonders charakteristisch für rheumatoide Arthritis und ein Zeichen für aktive Entzündungsprozesse
  • Symmetrische Gelenkbeteiligung: Wenn beide Hände oder beide Knie gleichzeitig betroffen sind, deutet das auf systemische Ursachen hin
  • Schwellung, Wärme, Rötung: Akute Entzündungszeichen an einem Gelenk erfordern rasche Abklärung
  • Nachlassende Griffstärke oder Feinmotorik: Bei Fingergelenksarthritis kann die Alltagsfähigkeit schnell eingeschränkt sein
  • Schmerzen trotz Ruhe: Ruheschmerz ist ein Alarmzeichen, das über normalen Verschleiß hinausgeht

Wer diese Symptome bei sich oder Angehörigen beobachtet, sollte zeitnah einen Arzt aufsuchen – idealerweise einen Internisten mit rheumatologischer Spezialisierung oder direkt einen Facharzt für Rheumatologie.

Behandlungsmöglichkeiten in Österreich

Die gute Nachricht: Arthritis ist heute deutlich besser behandelbar als noch vor zwanzig Jahren. In Österreich stehen folgende Optionen zur Verfügung:

Physio- und Ergotherapie: Gezielte Bewegungsübungen erhalten die Gelenkfunktion, stärken die umgebende Muskulatur und verringern langfristig die Schmerzlast. Ergotherapeuten helfen dabei, Alltagsaufgaben gelenkschonend zu gestalten.

Medikamentöse Therapie: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) bekämpfen Schmerzen und Entzündungen kurzfristig. Bei rheumatoider Arthritis werden zusätzlich Basistherapeutika (DMARDs) oder moderne Biologika eingesetzt.

Injektionen: Kortison-Injektionen direkt ins Gelenk können bei akuten Schüben schnell Linderung bringen. Hyaluronsäure-Injektionen kommen bei Arthrose zum Einsatz, um den Gelenkknorpel zu schützen.

Operative Optionen: Bei fortgeschrittener Arthrose sind Gelenkersatz-Operationen (z. B. Knie- oder Hüftprothese) oft die effektivste Lösung. In Österreich gehören diese Eingriffe zu den häufigsten und am besten evaluierten orthopädischen Operationen.

Aktives Altern trotz Arthritis

Peter Kraus, mit 87 Jahren noch auf der Bühne aktiv, zeigt, dass hohes Alter und aktives Auftreten vereinbar sein können – mit der richtigen medizinischen Begleitung. Keith Richards' Situation bei den Rolling Stones ist ein Gegenbeispiel: Was passiert, wenn Arthritis zu lange ohne konsequente Behandlung bleibt.

Die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation betont: Frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie können das Fortschreiten von Arthritis deutlich bremsen. Wer mit 60 oder 70 anfängt, seine Gelenke professionell betreuen zu lassen, hat deutlich bessere Chancen, mit 80 noch mobil zu sein.

Laut dem österreichischen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at sind regelmäßige Bewegung, Gewichtsreduktion (bei Übergewicht) und eine entzündungshemmende Ernährung die wirksamsten nicht-medikamentösen Begleitmaßnahmen bei Arthrose.

Arthritis und Berufsleben: Unterschätztes Problem in Österreich

In Österreich ist Arthritis nicht nur ein Problem von Rentnern. Bereits ab dem 40. Lebensjahr können erste Zeichen von Gelenkverschleiß auftreten – besonders bei körperlich belastenden Berufen in der Pflege, im Handwerk oder im Gastgewerbe. Viele Betroffene arbeiten jahrelang mit Schmerzen, weil sie eine Diagnose scheuen oder befürchten, dadurch ihren Arbeitsplatz zu gefährden.

Das ist ein Irrtum: Ein ärztlich attestiertes Arthritis-Leiden begründet in Österreich keinen automatischen Grund für eine Kündigung. Im Gegenteil – Arbeitgeber sind unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet, leidensgerechte Arbeitsplätze anzubieten. Wer seine Erkrankung früh dokumentiert und ärztlich begleiten lässt, schützt sich langfristig besser – beruflich wie gesundheitlich.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie oder ein Familienmitglied unter chronischen Gelenkschmerzen leiden und bisher keine fachärztliche Diagnose erhalten haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Der Fall Keith Richards macht deutlich: Arthritis-Beschwerden können auch aktive, sportliche Menschen außer Gefecht setzen – wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden.

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