Joachim Löw lehnt das Ghana-Angebot ab und erklärt, ein Trainer-Comeback sei für ihn „eher unwahrscheinlich". Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die viele erfolgreiche Sportler und Trainer früher oder später beschäftigt: Was passiert finanziell, wenn der Beruf plötzlich endet – und wie sichert man ein Leben auf Spitzenniveau langfristig ab?
Fünf Jahre ohne Trainerbank: Was Löw bewegt
Joachim Löw, 66, war von 2006 bis 2021 Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft – 15 Jahre lang einer der bestbezahlten Trainer Europas. Sein Jahresgehalt wurde laut Medienberichten zuletzt auf rund 3 Millionen Euro geschätzt. Im Mai 2026 sagte er gegenüber deutschen Medien, das „innere Feuer" fehle ihm für ein Engagement auf Vereins- oder Nationalteamebene. Der Grund laut Löw selbst: Er wisse nicht mehr, ob er die Energie aufbringe, ein Team täglich zu pushen. Gerüchte über eine Übernahme der ghanaischen Nationalmannschaft vor der WM 2026 wies er zurück.
Was auf den ersten Blick wie eine persönliche Entscheidung wirkt, ist für Finanzexperten ein klassisches Beispiel: Ein Hochverdiener tritt aus dem Erwerbsleben aus – und steht plötzlich vor Fragen, die er jahrelang nicht stellen musste. Wie der Fall Robert Klauß bei Rapid Wien zeigt, sind Fußballtrainer mit dieser Herausforderung nicht allein.
Hohe Einnahmen, komplexe Strukturen
Spitzentrainer wie Löw beziehen ihre Einkünfte selten aus einem einzigen Gehalt. Typisch sind vielmehr mehrere Einkommensquellen gleichzeitig:
- Festgehalt vom Verband oder Verein (oft als freier Dienstvertrag oder Werkvertrag strukturiert)
- Prämien für Turniersiege und Qualifikationen
- Werbeverträge und Sponsoring (Bildrechte, Testimonials)
- Medienarbeit (Kommentatoren-Honorare, Buchprojekte)
- Beteiligungen an Unternehmen oder Beratungshonorare
In Österreich wie in Deutschland unterliegen diese Einkünfte unterschiedlichen steuerlichen Regeln. Werbeeinnahmen und Bildrechte können – je nach Vertragsgestaltung – als selbstständige Tätigkeit, als Kapitaleinkünfte oder als Einkünfte aus sonstiger Leistung eingestuft werden. Die Folge: Ohne professionelle Vermögensplanung drohen empfindliche Steuernachzahlungen.
Die drei häufigsten Fehler beim Karriereende
Laut der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) sind schlechte Anlageentscheidungen nach dem Karriereende eine der häufigsten Ursachen für finanzielle Probleme bei ehemaligen Hochverdienern. Konkret zeigen sich drei wiederkehrende Muster:
1. Zu wenig Diversifikation Viele Ex-Sportler und Trainer investieren ihr Kapital konzentriert in eine Assetklasse – etwa Immobilien oder Aktienpakete einzelner Unternehmen. Ein Einbruch in diesem Segment trifft das gesamte Vermögen. Professionelle Vermögensberater empfehlen stattdessen eine breite Streuung über mehrere Anlageklassen.
2. Fehlende Liquiditätsreserve Auch ein Millionenvermögen kann schnell illiquide werden, wenn der Großteil in Immobilien oder geschlossenen Fonds gebunden ist. Für den laufenden Lebensunterhalt – und für Steuernachzahlungen – braucht es stets eine Reserve in liquiden Mitteln.
3. Unterschätzung der Steuerlast nach dem Berufsleben In Österreich gilt: Kapitalerträge über dem Sparerfreibetrag unterliegen der Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 Prozent. Wer nach dem Karriereende von Dividenden oder Zinsen lebt, muss das von Beginn an einkalkulieren.
Was das österreichische Recht regelt
In Österreich sind Vermögensberater durch das Gewerberecht reguliert. Wer Anlageberatung erbringt, braucht eine Konzession – entweder als Wertpapierdienstleister (unter FMA-Aufsicht) oder als Gewerbetreibender im Bereich der Vermögensberatung (unter WKO-Aufsicht). Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das: Der Berater muss zwingend registriert und haftpflichtversichert sein.
Seit der Umsetzung der EU-Richtlinie MiFID II gilt in Österreich außerdem eine strenge Informationspflicht für Finanzberater. Vor jeder Empfehlung müssen Berater die sogenannte „Geeignetheitsprüfung" durchführen: Sie müssen sicherstellen, dass das empfohlene Produkt zur Risikobereitschaft, zur Anlagedauer und zu den finanziellen Verhältnissen des Kunden passt. Wer einen Berater aufsucht, hat das Recht, schriftliche Protokolle dieser Beratungen zu verlangen – und sollte davon Gebrauch machen.
Ein häufiger Fehler: Ehemalige Spitzenverdiener vertrauen ihrem persönlichen Netzwerk statt lizenzierten Fachleuten. „Freundschaftliche" Anlageempfehlungen sind in Österreich ohne Konzession schlicht illegal – und schützen den Anleger bei Verlusten nicht.
Hinzu kommt die Frage der Altersvorsorge: Wer in Österreich als freier Dienstnehmer oder selbstständig tätig war, ist oft nur rudimentär in der gesetzlichen Pensionsversicherung abgesichert. Spitzentrainer, die Jahrzehnte über Werkverträge gearbeitet haben, müssen ihre Pension frühzeitig privat aufbauen – mit Produkten wie der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge oder privaten Rentenversicherungen.
Löws Fall als Blaupause
Was macht den Fall Joachim Löw so lehrreich? Er entschied sich bewusst gegen eine Rückkehr – ohne wirtschaftlichen Druck, so scheint es. Das setzt gute Finanzplanung voraus: Die Absicherung muss bereits während der aktiven Phase aufgebaut werden, nicht danach.
Viele ehemalige Profis hingegen unterschätzen, wie schnell das Kapital schwinden kann, wenn kein regelmäßiges Einkommen mehr fließt. Repräsentationskosten, Reisen, Immobilien in mehreren Ländern – ein Lebensstil, der sich während der aktiven Karriere problemlos finanziert, kann zur Belastung werden, wenn die Einnahmen ausbleiben. Hinzu kommt: Mit dem Ende des offiziellen Arbeitsverhältnisses erlischt in der Regel auch der Schutz durch die betriebliche Unfallversicherung und Teile der sozialen Absicherung.
Laut Experten sollten Spitzenverdiener folgende Maßnahmen noch während ihrer Karriere umsetzen:
- Trennungsrechnung: Privatvermögen sauber von beruflichen Strukturen trennen
- Stiftungsmodelle prüfen: In Österreich ermöglichen Privatstiftungen unter bestimmten Bedingungen steuerliche Vorteile bei der Vermögensweitergabe
- Altersvorsorge aktiv aufbauen: Betriebliche und private Vorsorge ergänzen die staatliche Pension
- Testamentarische Regelungen treffen: Spätestens ab einem Nettovermögen von 500.000 Euro empfehlen Experten ein Testament oder Übergabevertrag
Wer frühzeitig plant, muss im Ruhestand keine Angebote mehr annehmen – weder von Ghana noch von irgendjemandem sonst.
Wann ist ein Vermögensberater sinnvoll?
Die Antwort ist eindeutig: So früh wie möglich. Spätestens dann, wenn das Jahreseinkommen regelmäßig über 100.000 Euro liegt oder wenn Einkünfte aus mehreren Quellen fließen, lohnt sich die professionelle Begleitung durch einen lizenzierten Vermögensberater.
In Österreich finden sich lizenzierte Experten über die WKO-Berufsspartensuche für Finanzdienstleister. Wichtig: immer Konzession prüfen, Interessenskonflikte ansprechen, Honorarmodelle transparent besprechen.
Ein Beratungsgespräch kostet Geld – der Verzicht darauf kann deutlich mehr kosten. Joachim Löw hat offenbar beide Lektionen gelernt: die fußballerischen und die finanziellen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Bei konkreten Fragen zu Ihrer persönlichen Vermögenssituation wenden Sie sich an einen lizenzierten Finanzexperten.
