Jannik Schuster wechselt für 20 Mio. zu Brentford: Was österreichische Auslandskarrieren steuerlich bedeuten

FC Red Bull Salzburg Spieler im Bundesliga-Match gegen SK Sturm Graz, September 2025

Photo : Werner100359 / Wikimedia

Markus Markus WeberVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 15. Mai 2026

Jannik Schuster verlässt Red Bull Salzburg und wechselt in die Premier League: Der 20-jährige Innenverteidiger hat beim englischen Erstligisten Brentford FC einen Vertrag bis 2031 unterschrieben. Laut übereinstimmenden Medienberichten zahlt Brentford eine Ablöse von rund 18 Millionen Euro, mit möglichen Boni auf insgesamt rund 20 Millionen Euro. Schuster wird damit zum teuersten Österreicher, der je aus der heimischen Bundesliga ins Ausland transferiert wurde.

Der Wechsel des Sohns von Skisprung-Trainer Werner Schuster und Bruder von ÖSV-Skirennläufer Jonas Schuster ist nicht nur sportlich ein Meilenstein – er wirft auch Fragen auf, die für viele junge österreichische Fach- und Leistungsträger relevant sind: Was passiert steuerlich, wenn man jung und mit großem Gehalt ins Ausland wechselt?

Doppelbesteuerung: Das Abkommen Österreich-Großbritannien

Wer aus Österreich in die Premier League wechselt, verlässt nicht nur einen Verein – er verlässt auch den österreichischen Steuerjurisdiktionsbereich. Der erste Begriff, mit dem Profisportler und ihre Berater dann konfrontiert werden, lautet: Doppelbesteuerungsabkommen (DBA).

Österreich hat mit Großbritannien ein solches Abkommen abgeschlossen, das regelt, welcher Staat das Besteuerungsrecht auf welche Einkünfte hat. Laut dem österreichischen Bundesministerium für Finanzen gelten für Sportler und Künstler dabei besondere Regelungen: Das Land, in dem ein Sportler seine Leistung erbringt – in Schusters Fall England –, hat in der Regel das primäre Besteuerungsrecht auf das dort erzielte Einkommen.

Konkret bedeutet das: Schusters Gehalt als Premier-League-Spieler unterliegt primär der britischen Einkommensteuer. Da Großbritannien seit dem Brexit kein EU-Mitglied mehr ist, können sich zudem zusätzliche Komplikationen ergeben – etwa bei Sozialversicherungsbeiträgen oder der gegenseitigen Anrechnung von Steuern.

Mehr über das österreichische Doppelbesteuerungsrecht und die geltenden Abkommen finden Interessierte direkt beim Bundesministerium für Finanzen.

Die 183-Tage-Regel und der Wohnsitz

Für österreichische Profis im Ausland ist die sogenannte 183-Tage-Regel von zentraler Bedeutung. Wer mehr als 183 Tage im Ausland verbringt und dort seinen Lebensmittelpunkt hat, wird in der Regel im Tätigkeitsland unbeschränkt steuerpflichtig. Wer jedoch weiterhin einen Wohnsitz in Österreich behält und sich regelmäßig hier aufhält, bleibt unter Umständen auch in Österreich steuerpflichtig – zumindest für Einkünfte mit Österreich-Bezug.

Für junge Profis wie Schuster, die oft noch enge familiäre Bindungen in Österreich haben, ist die klare Trennung des steuerlichen Wohnsitzes entscheidend. Ein Fehler beim formalen Wohnsitzwechsel kann zu Doppelbesteuerungsansprüchen beider Staaten führen – und zu erheblichem Nachzahlungsrisiko.

Signing-Bonus und Ablösegebühr: Wer bekommt was?

Ein häufiges Missverständnis: Die Transferablöse von 18 bis 20 Millionen Euro fließt an Red Bull Salzburg – nicht an den Spieler selbst. Schuster profitiert nicht direkt vom Transfererlös.

Was der Spieler aber sehr wohl erhält, ist ein möglicher Signing-Bonus bei Vertragsunterzeichnung – und ein deutlich höheres Gehalt als in der österreichischen Bundesliga. Solche Boni werden in der Regel im Land der Auszahlung besteuert. Wird der Bonus in Großbritannien ausgezahlt, greift britisches Steuerrecht, unabhängig von Schusters Wohnsitz zum Zeitpunkt der Unterzeichnung.

Für österreichische Steuerbehörden relevant: Bezieht Schuster Einkünfte aus Österreich (z.B. aus Werbeverträgen oder Immobilien), sind diese weiterhin in Österreich zu versteuern – selbst wenn er hauptsächlich in England lebt.

Kurzkarriere, langes Leben: Finanzplanung für junge Spitzenathleten

Die Karriere eines Profifußballers ist statistisch auf zehn bis fünfzehn aktive Jahre begrenzt. Verletzungen, Formschwankungen oder Vertragsstreitigkeiten können dieses Fenster noch weiter verkürzen. Was in den Jahren hoher Einnahmen nicht gespart, investiert oder abgesichert wird, steht danach oft nicht mehr zur Verfügung.

Erfahrene Vermögensberater empfehlen Spitzenathleten daher folgende Grundregeln:

Notgroschen zuerst: Mindestens sechs Monatsgehälter als liquide Reserve, unabhängig von Investitionen oder Immobilien.

Strukturierte Vermögensdiversifikation: Immobilien, Wertpapiere und Rentenprodukte statt Klumpenrisiko auf ein einziges Land oder einen einzigen Sektor.

Internationales Steuermonitoring: Bei Auslandskarrieren mit Einkünften in mehreren Ländern ist eine jährliche Steuerberatung durch einen international erfahrenen Steuerberater unverzichtbar.

Agentenhonorare prüfen: Agenten erhalten in Österreich und England unterschiedliche Gebührenstrukturen. Wer diese nicht verhandelt oder prüft, zahlt möglicherweise zu viel – über eine Fünfjahres-Karriere summieren sich die Beträge erheblich.

Was Schusters Transfer für österreichische Berufstätige bedeutet

Der Fall Schuster ist ein Extrembeispiel – aber das Grundprinzip betrifft hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher, die beruflich ins Ausland wechseln. Ob IT-Experte nach London, Ingenieur nach Deutschland oder Ärztin nach der Schweiz: Sobald Einkünfte in einem anderen Land fließen, entstehen steuerliche Fragen, die ohne Fachberatung schnell kostspielig werden können.

Ein Steuerberater oder Vermögensberater mit internationaler Expertise kann:

  • Den günstigsten steuerlichen Wohnsitz für den konkreten Fall ermitteln
  • Signing-Boni korrekt in der Steuererklärung abbilden
  • Eine Anlagestrategie entwickeln, die das Risiko kurzer Einkommensphasen ausgleicht
  • Bei der Rückkehr nach Österreich den steuerlichen Wechsel begleiten

Auf ExpertZoom finden Sie geprüfte Vermögensberater und Steuerexperten in Österreich, die Erfahrung mit internationalen Karrierewechseln haben. Ob junges Talent oder erfahrene Fachkraft – die Fragen rund um Doppelbesteuerung und Auslandsgehalt stellen sich früher, als die meisten erwarten.

Versicherung und Absicherung: Das unterschätzte Kapitel

Ein weiteres Thema, das junge Spitzenathleten oft unterschätzen: die Absicherung der eigenen Arbeitskraft. Wer als Profi seinen Lebensunterhalt mit dem Körper verdient, braucht eine auf Sport ausgerichtete Berufsunfähigkeitsversicherung – keine Standard-Police für Büroangestellte. Diese versichert Einkommensausfälle bei Verletzungen, die zwar nicht die allgemeine Arbeitsfähigkeit, wohl aber die sportliche Karriere beenden. In England sind solche Produkte unter dem Begriff „Permanent Health Insurance" bekannt; in Österreich empfiehlt sich die Beratung durch einen spezialisierten Versicherungsexperten.

Auch die Frage der Rentenvorsorge ist für Auslandskarrieren komplex. Beitragszeiten in Großbritannien werden nicht automatisch mit der österreichischen ASVG-Rente zusammengezählt, sofern kein entsprechendes Sozialversicherungsabkommen greift – und das britisch-österreichische Verhältnis seit dem Brexit entsprechend neu geregelt wurde.

Jannik Schusters Wechsel zur Premier League ist ein Karrieresprung, der mit den richtigen Beratern zum nachhaltigen Fundament für die Zeit nach dem aktiven Sport werden kann.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Fachberatung. Bitte konsultieren Sie für Ihre persönliche Situation einen qualifizierten Steuerberater oder Vermögensexperten.

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