Freiburg gegen Leipzig – und warum das 3 Millionen Euro Unterschied für Österreicher machen kann

Europa-Park Stadion in Freiburg Außenansicht mit SC-Freiburg Schriftzug

Photo : Andreas Schwarzkopf / Wikimedia

Markus Markus WeberVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 16. Mai 2026

Freiburg kämpft um Europa: Das letzte Bundesliga-Wort fällt am 16. Mai

Am 16. Mai 2026 steht SC Freiburg vor dem entscheidendsten Spiel der Saison: Ein Heimsieg gegen RB Leipzig – mit 65 Punkten bereits Champions-League-gesichert – würde dem Breisgauer Club einen Platz in der Conference League sichern. Ein ausverkauftes Europa-Park Stadion erwartet das Duell, das mehr als Punkte bedeutet.

Denn wer in die UEFA Conference League einzieht, gewinnt nicht nur Prestige. Es geht um mehrere Millionen Euro an UEFA-Prämien, TV-Geldern und Sponsoring-Aufschlägen. Für Freiburg als regional verwurzelter Club ohne Großinvestor sind diese Einnahmen von erheblicher Bedeutung – und sie werfen steuerliche und finanzstrategische Fragen auf, die auch für österreichische Unternehmen und Privatanleger hochrelevant sind.

Was die UEFA Conference League wirklich einbringt

Für die Saison 2025/26 schüttet die UEFA für die Conference League insgesamt rund 285 Millionen Euro aus. Clubs, die die Gruppenphase überstehen, erhalten je nach Leistung zwischen 3 und 12 Millionen Euro.

Die Einnahmen setzen sich zusammen aus:

  • Startprämie für die Qualifikation (ca. 2,94 Mio. Euro)
  • Erfolgsbonus je nach Weiterkommen (Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale)
  • Marktpool-Anteil abhängig von der TV-Reichweite im Herkunftsland
  • Sponsoring durch UEFA-Vertragspartner

Für SC Freiburg könnte die Conference League in einer ersten Saison Einnahmen von 5 bis 8 Millionen Euro bedeuten – ein erheblicher Zuwachs gegenüber dem nationalen Grundbudget.

Wie werden internationale Sport-Einnahmen in Österreich besteuert?

Das Prinzip lässt sich auf österreichische Unternehmen und Freiberufler übertragen, die Einkünfte aus EU-Staaten – insbesondere aus Deutschland – erzielen.

Das österreichisch-deutsche Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) regelt, dass Einkünfte aus sportlicher Tätigkeit grundsätzlich im Quellenstaat besteuert werden. Für einen österreichischen Fußballprofi, der in Deutschland spielt, heißt das: Einkommensteuer in Deutschland. In Österreich wird das Welteinkommensprinzip angewendet, aber das DBA vermeidet die Doppelbesteuerung: Die in Deutschland gezahlte Steuer wird auf die österreichische Steuerschuld angerechnet.

Für Unternehmer und Investoren gilt Ähnliches: Wer Kapitalgewinne oder Unternehmensgewinne aus Deutschland bezieht, muss diese in Österreich deklarieren – aber doppelt zahlen muss er nicht.

Investieren in Fußball: Was österreichische Anleger wissen müssen

Der Fußball hat sich in den letzten Jahren als Anlageklasse etabliert. Private Equity-Fonds, Fantoken-Plattformen und Royalty-Modelle versprechen Renditen – doch die Risiken sind erheblich.

Fantoken und Kryptowährungen: Clubs wie Freiburg haben bisher keine eigenen Fan-Token ausgegeben. Clubs, die Fan-Token anbieten (Juventus, PSG, FC Bayern), verlassen sich auf volatile Krypto-Märkte. Für österreichische Anleger gilt: Gewinne aus Krypto-Assets sind seit der Öko-Steuerreform 2022 mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer (KESt) steuerpflichtig – auch bei Token von Fußball-Clubs.

Club-Anleihen: Einige Clubs finanzieren Infrastruktur über Anleihen. Diese sind in Österreich steuerpflichtig wie alle Kapitalerträge – mit 27,5 Prozent KESt auf Zinserträge.

Private Equity in Fußball: Fonds, die in Spielerrechte oder Club-Beteiligungen investieren, werben mit überdurchschnittlichen Renditen. Doch die rechtliche Due-Diligence ist komplex: FIFA-Regulierungen, nationale Ligastatuten und Anti-Money-Laundering-Vorschriften machen solche Investments ohne professionelle Beratung riskant.

Spielergehälter und UEFA-Einnahmen: Die Verteilung im Club

Nicht alle UEFA-Prämien fließen in die Betriebskosten des Clubs. Spieler-, Trainerverträge sehen häufig automatische Gehaltsboni bei europäischer Qualifikation vor. Das schmälert den Nettogewinn für den Club erheblich.

Für Freiburg bedeutet das: Gewinnt der Club 5 Millionen Euro an UEFA-Prämien, könnten bis zu 30-40 Prozent durch automatische Gehaltserhöhungen abgeführt werden, sofern entsprechende Klauseln im Tarifgefüge vereinbart sind. Hinzu kommen Betriebskosten für internationale Spielreisen, Übernachtungen, erweiterten Kader und Visa-Regulierungen für Nicht-EU-Spieler.

Dieser Aspekt ist für österreichische Unternehmen ebenfalls relevant: Wer neue Märkte erschließt, muss die indirekten Kosten – Compliance, Lohnsteuer im Ausland, Sozialversicherung für entsandte Mitarbeiter – von vornherein in die Kalkulation einbeziehen.

Österreichische Clubs und Europa: Ein Blick auf RB Salzburg

Österreich ist durch RB Salzburg regelmäßig in der Champions League präsent. Trotzdem ist das Wissen über UEFA-Prämien und internationale Steuerplanung in österreichischen Fußballclubs oft lückenhaft, besonders in der mittleren Ligaebene (Bundesliga, 2. Liga).

Für Clubs wie Sturm Graz, LASK oder Austria Wien – die gelegentlich in der Conference League vertreten sind – stellen UEFA-Einnahmen eine willkommene Ergänzung des Budgets dar. Doch ohne kluge Finanzberatung drohen Steuerfallen: zum Beispiel bei der Behandlung von UEFA-Zahlungen als Betriebseinnahmen versus Kapitalerträge, oder bei der Umsatzsteuer auf Übertragungsrechte in verschiedenen EU-Ländern.

Was österreichische Unternehmer von der Conference League lernen können

Die finanzielle Strategie von SC Freiburg ist ein Lehrbeispiel für österreichische Mittelständler: Der Club hat keine Großinvestoren, wirtschaftet nachhaltig und setzt auf organisches Wachstum. Der Einzug in Europa wäre das Ergebnis dieser Strategie – finanziert durch cleveres Kostenmanagement und Spielerausbildung.

Österreichische Unternehmer, die grenzüberschreitend tätig sind und plötzlich höhere Einnahmen aus EU-Staaten erzielen (durch Exportgeschäfte, Lizenzen oder digitale Dienste), stehen vor ähnlichen Fragen:

  • Muss ich in Deutschland/Tschechien/Ungarn eine Betriebsstätte begründen?
  • Wie wird der Gewinn zwischen den Ländern aufgeteilt?
  • Welche Verrechnungspreisregeln gelten?

Ein Vermögensberater mit internationaler Expertise kann hier entscheidend helfen, die steuerliche Last zu minimieren und rechtliche Risiken zu vermeiden.

Wenn Freiburg Europa-fähig wird: Ein Praxisbeispiel

Nehmen wir an, ein österreichischer Textillieferant liefert Trikots an einen europäisch spielenden Bundesliga-Club. Die Einnahmen fließen von Deutschland nach Österreich. Für die Umsatzsteuer gilt: Lieferungen an einen deutschen Geschäftskunden sind in der Regel steuerbefreit (innergemeinschaftliche Lieferung), aber der Lieferant muss korrekte Zusammenfassende Meldungen beim BMF abgeben.

Dieses Beispiel zeigt, wie eng Sport, Wirtschaft und Steuerrecht verknüpft sind – und warum sich eine steuerliche Beratung lohnt, bevor man neue Märkte betritt.

Auf Expert Zoom finden österreichische Unternehmer und Privatanleger spezialisierte Vermögensberater für internationale Steuerplanung und Finanzstrategie.

Mehr zu den finanziellen Aspekten des internationalen Fußballs: Leverkusen gegen Leipzig: Wenn der Champions-League-Platz über Millionen entscheidet.

Informationen zur österreichischen Steuergesetzgebung finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen.

Hinweis: Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Für konkrete Fragestellungen empfehlen wir, einen zugelassenen Steuerberater oder Vermögensberater zu konsultieren.

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