Herbert Prohaska verlässt den ORF mit 70: Was sein Abschied über Gesundheit im Alter lehrt

Älterer österreichischer Mann beim Vorsorgecheck beim Allgemeinmediziner in Wien
Claudia Claudia GruberGesundheit
4 Min. Lesezeit 27. März 2026

Herbert Prohaska wird 2026 nach dem Weltmeisterschaft den ORF verlassen — „Bin 70 und fühle mich auch so", zitiert ihn meinbezirk.at. Der Abschied von Österreichs bekanntestem Fußballexperten ist mehr als eine TV-Meldung: Er wirft eine Frage auf, die viele Österreicher in seinem Alter beschäftigt. Was bedeutet es, mit 70 Jahren noch voll aktiv zu sein — und wann sollte man anfangen, seine Gesundheit bewusster zu managen?

Prohaska mit 70: Ein Leistungsträger geht, eine Debatte beginnt

Herbert Prohaska, geboren am 8. August 1955, hat seit Jahrzehnten das österreichische Fußballkommentieren geprägt. Sein geplanter Rückzug nach der WM 2026 ist keine Überraschung — er selbst hat ihn offen kommuniziert. Was er dabei klar macht: Mit 70 Jahren nimmt man Erschöpfung und körperliche Grenzen anders wahr als mit 50.

Das ist kein Zufall. Nach Angaben des österreichischen Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger verzeichnet Österreich ein kontinuierliches Ansteigen chronischer Erkrankungen bei Menschen über 65 Jahren — Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bewegungsapparat-Beschwerden stehen dabei an der Spitze.

Für viele aktive Österreicher ab 65 lautet die eigentliche Botschaft nicht "aufhören", sondern: "rechtzeitig hinschauen".

Was passiert im Körper mit 70?

Der menschliche Körper verändert sich ab dem 60. Lebensjahr spürbar — unabhängig davon, wie fit jemand ist. Folgende Prozesse sind medizinisch gut belegt:

Herz-Kreislauf-System: Das Herz pumpt mit dem Alter weniger effizient. Die Elastizität der Gefäße nimmt ab, der systolische Blutdruck steigt typischerweise an. Bei Männern ab 65 verdoppelt sich das Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses im Vergleich zu Männern Mitte fünfzig.

Muskelmasse und Knochen: Sarcopenie — der altersbedingte Muskelschwund — beginnt bereits ab dem 40. Lebensjahr und beschleunigt sich nach dem 60. Gleichzeitig nimmt die Knochendichte ab, was das Sturzrisiko erhöht.

Kognition und Schlaf: Tiefschlafphasen verkürzen sich ab dem 60. Lebensjahr. Das beeinflusst die Regeneration, das Gedächtnis und die Stressresistenz.

Diese Veränderungen sind normal — aber sie sind beeinflussbar. Das ist die zentrale Botschaft der modernen Geriatrie und Allgemeinmedizin.

Vorsorge ab 60: Welche Untersuchungen sind wirklich wichtig?

In Österreich haben Versicherte ab 45 Jahren Anspruch auf den kostenlosen Vorsorgecheck bei ihrem Hausarzt — einmal jährlich. Ab 60 Jahren empfehlen Ärzte jedoch zusätzliche gezielte Untersuchungen:

  • Kardiovaskuläres Screening: EKG, Blutdruckmessung, Cholesterin- und Blutzuckertest — besonders für Männer mit Familiengeschichte kardiologischer Erkrankungen
  • Darmkrebsvorsorge: Kolonoskopie alle zehn Jahre ab 50 (in Österreich empfohlen und kassenfrei)
  • Augenuntersuchung: Grüner Star (Glaukom) und Makuladegeneration nehmen ab 65 deutlich zu
  • Knochendichte-Messung: Besonders für postmenopausale Frauen, aber auch für Männer mit Risikofaktoren
  • Gedächtnischeck: Früherkennung von Demenz ermöglicht bessere therapeutische Maßnahmen

Viele dieser Untersuchungen werden von Allgemeinmedizinern koordiniert — der Hausarzt ist der erste Ansprechpartner. Für spezifische Abklärungen überweist er weiter an Fachärzte.

"Ich fühle mich wie 70" — Was dieser Satz bedeutet

Prohaskas Aussage ist ehrlicher als sie klingt. Viele Menschen seines Alters würden in einem Interview sagen: "Ich fühle mich wie 50." Er sagt: wie 70. Das ist Selbstkenntnis, keine Schwäche.

Die Medizin unterscheidet zwischen dem kalendarischen Alter (Jahreszahl) und dem biologischen Alter (Zustand der Organe und Gewebe). Menschen mit ähnlichem Lebensstil können im selben kalendarischen Alter einen biologischen Altersunterschied von bis zu 15 Jahren aufweisen — je nach Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement.

Ein Arzt kann heute relativ gut abschätzen, wie "jung" Ihr Körper im Verhältnis zu Ihrer Jahreszahl ist — und was die wichtigsten Hebel sind, diesen Wert zu verbessern.

Was tun, wenn man wie Prohaska am Scheideweg steht?

Der Abschied vom Berufsleben — ob freiwillig oder altersbedingt — ist ein Gesundheitsereignis. Studien zeigen, dass der Übergang in den Ruhestand mit einem erhöhten Risiko für Depression und kognitiven Abbau verbunden sein kann, wenn er nicht gut vorbereitet wird.

Was hilft:

  1. Regelmäßige Bewegung beibehalten — 150 Minuten moderate Ausdauerbelastung pro Woche, laut Weltgesundheitsorganisation, bleiben auch nach dem 70. Lebensjahr die effektivste Maßnahme für kardiovaskuläre Gesundheit
  2. Soziale Kontakte aktiv pflegen — sozialer Rückzug nach dem Ruhestand ist ein eigenständiger Risikofaktor für Demenz
  3. Regelmäßige Arztbesuche planen — nicht nur wenn es wehtut, sondern prophylaktisch

Österreich und Vorsorge: Wo stehen wir wirklich?

Österreich schneidet im europäischen Vergleich beim Thema Gesundheitsvorsorge ab 60 gemischt ab. Während die Lebenserwartung mit rund 82 Jahren (Männer: 79,6, Frauen: 84,4 Jahre laut Statistik Austria 2024) über dem EU-Durchschnitt liegt, zeigen Daten der Sozialversicherungen, dass nur etwa 40 Prozent der Anspruchsberechtigten den kostenlosen Vorsorgecheck jährlich wahrnehmen.

Das bedeutet: Sechs von zehn Österreichern über 45 verzichten auf eine Untersuchung, die ihnen kein Geld kostet und bei der regelmäßige Erkrankungen früh erkannt werden könnten. Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben die häufigste Todesursache in Österreich — und sie sind zu einem großen Teil preventabel.

Prohaskas offen kommunizierter Abschied ist deshalb auch eine Einladung an sein Publikum: Nicht erst dann zum Arzt gehen, wenn die Erschöpfung zu laut wird. Sondern regelmäßig. Bevor es nötig wird.

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