Am 20. April 2026 lief die vorerst letzte Ausgabe von „Wer wird Millionär?" mit Günther Jauch auf RTL. Ab dem 27. April 2026 übernimmt ein völlig neues Format den Sendeplatz: „Die Weisheit der Vielen" mit Comedian Ralf Schmitz, bei dem ein Kandidat gegen 200 Studiogäste antritt. Millionen Österreicher und Deutsche schauten seit 1999 bei WWM zu — viele davon als Kinder. Der Abgang des Kult-Quiz löst eine wichtige Frage aus: Was lernen Kinder eigentlich wirklich durch Quizshows — und was nicht?
Warum Quizshows keine Schule ersetzen können
„Wer wird Millionär?" fasziniert, weil es Wissen inszeniert. Kandidaten zittern, Publikum fiebert mit, Günther Jauch fragt nach — und plötzlich scheint Allgemeinbildung aufregend. Für Eltern, die ihre Kinder beim Zuschauen beobachten, liegt der Gedanke nahe: Diese Art von Lernen funktioniert.
Doch Nachhilfepädagogen sehen das differenzierter. Quizshows trainieren vor allem das Abrufgedächtnis — also die Fähigkeit, bereits gespeichertes Wissen schnell zu aktivieren. Was sie nicht leisten: Verständnis aufbauen, komplexe Zusammenhänge erklären, individuell auf Lernschwächen eingehen.
Ein Kind, das bei WWM mitfiebert, lernt vielleicht die Hauptstadt Boliviens. Ein Kind, das seine Mathehausaufgaben nicht versteht, braucht aber jemanden, der die Denkschritte erklärt — keinen Buzzer.
Was Quizshows trotzdem positiv bewirken
Nicht alles an Quizformat-Lernen ist schlecht. Bildungsforschung zeigt konsistent: Retrieval Practice — das aktive Abrufen von Wissen — ist eine der effektivsten Lernmethoden. Wer eine Frage beantwortet, stärkt die neuronalen Verbindungen zu diesem Wissen stärker als rein passives Lesen.
Quizshows wie WWM nutzen diesen Effekt auf mehreren Ebenen:
- Zuschauen aktiviert: Viele Zuschauer denken die Antwort aktiv mit, auch ohne Buzzer
- Emotionale Bindung: Aufregung erhöht die Konsolidierung von Erinnerungen — wir erinnern uns besser an Dinge, die uns berühren
- Breite Abdeckung: Fragen zu Geschichte, Geografie, Naturwissenschaften und Kultur fördern Allgemeinbildung
Das erklärt, warum Generationen von Kindern durch „Schlag den Star", „Wer wird Millionär?" oder Quiz-Apps ihre Allgemeinbildung erweitert haben — auch wenn sie nie im Unterricht saßen.
Der Quiz-Hype und Schulnoten: Kein direkter Zusammenhang
Ein weit verbreitetes Missverständnis: Wer gut bei Quizzes abschneidet, ist ein guter Schüler. Und umgekehrt. In Wirklichkeit messen Schulnoten in Österreich vor allem drei Dinge: strukturiertes Denken, Fachwissen in Tiefe (nicht Breite) und die Fähigkeit, unter Prüfungsbedingungen zu performen.
Quizshows testen Breite, nicht Tiefe. Ein Kind kann alle europäischen Hauptstädte kennen und trotzdem Schwierigkeiten mit dem Pythagoras-Satz haben — weil das mathematische Konzeptverständnis erfordert, kein Abrufgedächtnis.
Laut dem Bildungsministerium Österreich (BMBWF) ist eines der Kernziele des österreichischen Lehrplans eben dieses konzeptionelle Denken: nicht das Auswendiglernen von Fakten, sondern das Verstehen von Zusammenhängen. Quizshows liefern nur einen kleinen Teil davon.
Was der Abgang von WWM für Österreichs Schulkinder bedeutet
Günther Jauchs Show hatte einen gesellschaftlichen Nebeneffekt: Sie machte Allgemeinbildung zum Gesprächsthema. Familien diskutierten beim Abendessen, welche Antwort richtig war. Lehrer berichteten, dass WWM-Fragen Schüler dazu brachten, selbstständig zu recherchieren.
Dieser informelle Lerneffekt verschwindet nicht — er wandert ins Internet. Kinder und Jugendliche nutzen YouTube, TikTok und Quiz-Apps wie Kahoot oder Quizlet. Das Lernen wird individueller, aber auch fragmentierter.
Die Gefahr: Ohne strukturierte Begleitung verfestigt informelles Lernen manchmal Fehlinformationen. Wer auf TikTok lernt, dass historische Ereignisse „anders waren", braucht jemanden, der Quellen kritisch einordnet — etwas, das weder eine Quizshow noch ein Algorithmus leisten kann.
Quiz-Apps als Ergänzung: Chancen und Grenzen
Mit dem Rückzug klassischer TV-Quizformate übernehmen digitale Alternativen. Kahoot!, Quizlet und Duolingo verzeichnen in Österreich Millionen aktiver Nutzer — viele davon Schüler und Studierende. Diese Apps nutzen denselben Retrieval-Practice-Mechanismus wie WWM, aber personalisiert.
Der Vorteil: Lernende können ihr Tempo selbst bestimmen, Lücken gezielt identifizieren und sofort Feedback erhalten. Studien der Universität Wien zeigen, dass spaced repetition — also das wiederholte Abrufen von Wissen in ansteigenden Zeitintervallen — das Langzeitgedächtnis deutlich besser trainiert als einmaliges Durchlesen.
Der Nachteil: Apps messen nur, was abgefragt werden kann. Aufsätze schreiben, mathematische Beweise führen, chemische Gleichungen verstehen — das können Apps nicht wirklich beurteilen. Für diese Kompetenzen braucht es menschliche Begleitung.
Wann Nachhilfe wirklich hilft — und wann nicht
Der WWM-Abgang ist eine gute Gelegenheit, über Lernförderung nachzudenken. Nachhilfe ist kein Ersatz für schulisches Engagement — aber ein gezieltes Werkzeug:
Nachhilfe hilft bei:
- Verständnislücken in strukturierten Fächern (Mathematik, Physik, Chemie, Grammatik)
- Vorbereitung auf Prüfungen mit konkreten Lernzielen
- Motivation und Lernstruktur, wenn Selbstorganisation fehlt
- Sprachen, wo Übung und Wiederholung entscheidend sind
Nachhilfe hilft nicht bei:
- Allgemeinbildungslücken, die über aktives Lesen und Medienkonsum geschlossen werden
- Fehlender Motivation, die aus dem Schulsystem selbst stammt
- Konflikten zwischen Schüler und Lehrperson, die strukturelle Lösungen brauchen
Ein erfahrener Nachhilfelehrer auf Expert Zoom kann die spezifischen Lernlücken Ihres Kindes identifizieren — und unterscheiden, ob es ein Wissensproblem oder ein Verständnisproblem ist. Das ist der Unterschied zwischen Quizformat und echter pädagogischer Begleitung. In Österreich steht ein breites Netz an qualifizierten Lehrpersonen für alle Schulstufen und Fächer zur Verfügung — von der Volksschule bis zur Matura.
Passende Artikel für Sie: Schlag den Star: Warum Quizshows das Gehirn trainieren und Nachhilfe in Österreich: der vollständige Leitfaden
