Knasmüllner wechselt zu Tulln: Was österreichische Profifußballer beim Karriereende finanziell wissen müssen

Christoph Knasmüllner im FC Admira Wacker Trikot beim Spiel gegen Red Bull Salzburg, österreichisches Fußballstadion

Photo : Steindy / Wikimedia

Markus Markus WeberVermögensberatung
6 Min. Lesezeit 5. Oktober 2026

Christoph Knasmüllner — einst einer der kreativsten Spielmacher der österreichischen Bundesliga, Publikumsliebling bei Rapid Wien und Abenteurer in der englischen Championship bei Barnsley — trägt seit Anfang 2026 das Trikot des FC Tulln. Ein Verein in der vierten Liga, weit entfernt von der Swarco-Arena oder dem Ernst-Happel-Stadion. Der 34-jährige Niederösterreicher hat damit die letzte Etappe seiner aktiven Laufbahn eingeschlagen. Und genau dieser Moment stellt eine Frage, die im österreichischen Sport kaum laut gestellt wird: Was passiert finanziell, wenn die Karriere eines Profifußballers endet — und ist die soziale Absicherung wirklich so gut, wie viele Sportler glauben?

Was passiert mit der Pension, wenn ein Profifußballer aufhört?

Die Antwort ist ernüchternd. Das österreichische Pensionssystem belohnt langjährige, kontinuierliche Erwerbskarrieren — und genau das ist bei Profisportlern strukturell kaum möglich. Das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) sieht vor, dass idealerweise 45 Versicherungsjahre für eine volle Alterspension vorliegen sollten. Wer mit 20 Jahren Profi wird und mit 34 oder 35 die Schuhe an den Nagel hängt, hat — selbst ohne jede Unterbrechung — bestenfalls 14 bis 15 ASVG-Versicherungsjahre angesammelt.

Profifußballer in der österreichischen Bundesliga sind in der Regel als Dienstnehmer beim Verein beschäftigt und damit ASVG-pflichtversichert. Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile fließen in die Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Das klingt solide — bis man die tatsächliche Pensionsberechnung betrachtet. Die monatliche Alterspension ergibt sich aus den angesammelten Pensionsgutschriften: pro Versicherungsjahr werden 1,78 Prozent des Bemessungsbetrags gutgeschrieben. Bei 15 Jahren entspricht das lediglich 26,7 Prozent des Lebensdurchschnittsgehalts — kein ausreichendes Fundament für den Ruhestand.

Die gesetzliche Mindestpension (Ausgleichszulage) lag in Österreich im Jahr 2026 bei rund 1.217 Euro netto pro Monat für Alleinstehende — aber nur dann, wenn keine wesentlichen anderen Einkünfte oder Vermögenswerte vorhanden sind. Viele Ex-Profis mit kleinen Ersparnissen aus ihrer aktiven Zeit fällt nicht automatisch in dieses Netz. Das Ergebnis: weder eine eigenständige Pension in ausreichender Höhe noch das soziale Sicherheitsnetz greift vollständig.

Wie groß ist die Pensionslücke bei einem Profifußballer wirklich?

Die häufigste Frage, die Ex-Sportler einem Vermögensberater stellen, lautet: „Ich habe doch über zehn Jahre in die Pension eingezahlt — reicht das nicht?" Die direkte Antwort: nein, in der Regel nicht.

Laut Pensionsversicherungsanstalt Österreich kann jeder Versicherte kostenlos eine Kontenabfrage und Pensionsvorschau online beantragen. Diese Abfrage zeigt exakt, wie viele Beitragsjahre vorliegen und wie hoch die zu erwartende ASVG-Pension bei unverändertem Karriereverlauf wäre. Erschreckend viele Ex-Sportler haben diese Abfrage noch nie durchgeführt.

Ein weiteres strukturelles Problem: Wer nach dem Karriereende in einem Angestelltenverhältnis weiterarbeitet — als Co-Trainer, Nachwuchsbetreuer oder auch in einem fachfremden Beruf — sammelt weiter ASVG-Beitragsjahre und nähert sich der 45-Jahres-Marke. Wer hingegen selbständig als Sportagent, Personaltrainer oder Medienkommentator tätig wird, wechselt in die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) — mit anderen Beitragssätzen und abweichenden Pensionsberechnungsgrundlagen. Dieser Wechsel wird von vielen Betroffenen nicht wahrgenommen, bis die erste SVS-Beitragsvorschreibung eintrifft.

Dazu kommt eine psychologische Dimension: Die hohen Gehälter der aktiven Zeit — in der Bundesliga bewegen sich Gehälter für Stammspieler häufig zwischen 3.000 und 8.000 Euro brutto pro Monat — erzeugen ein trügerisches Sicherheitsgefühl. Viele Ex-Profis unterschätzen, wie schnell ein Jahreseinkommen von 50.000 bis 80.000 Euro durch einen Lebensstil aufgebraucht wird, der an die aktive Zeit gewöhnt ist.

Welche Optionen stehen einem 34-jährigen Ex-Profisportler zur Verfügung?

Private Altersvorsorge ist für ehemalige Profisportler keine freiwillige Ergänzung, sondern ein strukturelles Muss. Österreich bietet hierfür mehrere Instrumente an:

Staatlich geförderte Zukunftsvorsorge: Das österreichische Modell der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge gewährt 2026 eine staatliche Prämie von 4,5 Prozent auf jährliche Einzahlungen bis zu einem Höchstbetrag. Die Kapitalanlage erfolgt in Aktien- und Rentenfonds mit gesetzlich geregelten Sicherheitsanforderungen.

Wertpapierportfolios und ETFs: Langfristige Kapitalmarktinvestments — etwa über breit gestreute ETFs auf Weltaktienindizes — haben historisch Durchschnittsrenditen von 6 bis 8 Prozent pro Jahr erzielt. Bei einem 30-jährigen Anlagehorizont (von 35 bis 65) ermöglicht selbst ein bescheidener monatlicher Sparplan ein substanzielles Kapitalpolster.

Immobilien in Niederösterreich und Wien: Nach der Preiskorrektur zwischen 2022 und 2024 haben sich die Immobilienmärkte in der Ostregion Österreichs ab 2023 stabilisiert. Für ehemalige Profisportler mit einem gewissen Startkapital aus der aktiven Zeit kann ein Immobilienerwerb als vermietbares Anlageobj ekt langfristige Mieteinnahmen im Ruhestand sichern.

Nachversicherung in der PVA: Wer freiwillig zusätzliche Beiträge in die PVA einzahlt, kann Lückenjahre nachversichern und damit die spätere Pensionshöhe verbessern. Dies ist besonders sinnvoll für Zeiträume, in denen im Ausland gespielt wurde und keine österreichischen Beiträge flossen.

Konkretes Szenario: Was bedeutet die Pensionslücke in Euro und Cent?

Stellen Sie sich folgenden Modellfall vor: Markus T., 35 Jahre alt, aus Niederösterreich. Er spielte ab dem Alter von 21 Jahren 14 Jahre lang Profifußball — davon 10 Jahre in der österreichischen Bundesliga mit einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 4.500 Euro pro Monat, sowie 4 Jahre bei einem Mittelklasseverein in der Slowakei. Seit seinem Karriereende im Oktober 2026 ist er als Co-Trainer eines Regionalligaklubs tätig und verdient 2.600 Euro brutto monatlich.

Markus hat 14 österreichische ASVG-Versicherungsjahre. Bis zum Pensionsantritt mit 66 benötigt er theoretisch noch 31 weitere Beitragsjahre. Wenn er in seinem aktuellen Angestelltenverhältnis bleibt, wird er auf 45 Beitragsjahre kommen — aber mit einem deutlich gesunkenen Lebenseinkommens-Durchschnitt, der seine gut dotierten Profijahrgehälter verwässert.

Szenario A — ohne private Vorsorge: Markus verlässt sich ausschließlich auf die ASVG-Pension. Mit einem gewichteten Lebensdurchschnitt von rund 3.200 Euro brutto ergibt sich laut PVA-Rechenmodell eine vorläufige Pensionsschätzung von ungefähr 1.540 Euro netto pro Monat ab 66.

Szenario B — Privatvorsorge ab sofort: Markus legt monatlich 450 Euro in ein ETF-Portfolio an (angenommene Durchschnittsrendite 6 % p. a., konservative Schätzung auf Basis historischer MSCI-World-Daten). Bei Zinseszinseffekt über 31 Jahre ergibt das einen Kapitalstock von rund 453.000 Euro. Verrentet über 22 Jahre, ergibt das ein monatliches Zusatzeinkommen von etwa 1.720 Euro.

Das Ergebnis: Im Szenario B verfügt Markus über ein monatliches Ruhestandseinkommen von rund 3.260 Euro netto — mehr als doppelt so viel wie ohne private Vorsorge. Die Entscheidung, jetzt mit 35 zu beginnen, ist dabei kaum verhandelbar: Wer stattdessen 10 Jahre wartet und erst mit 45 mit denselben 450 Euro monatlich beginnt, erzielt bei gleicher Rendite nur noch rund 875 Euro Zusatzrente — gut die Hälfte, für dieselbe monatliche Sparleistung. Die 10 Jahre Verzögerung kosten real über 845 Euro pro Monat im Alter.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung dar. Die genannten Zahlen dienen der Veranschaulichung und basieren auf vereinfachten Annahmen. Bitte konsultieren Sie einen zugelassenen Vermögensberater für eine auf Ihre persönliche Situation zugeschnittene Empfehlung.

Was ändert sich für Sie — und wann sollten Sie handeln?

Knasmüllners Karriereweg ist exemplarisch für eine ganze Generation österreichischer Profisportler: Bundesligajahre, Auslandsabenteuer, Abstieg in niedrigere Ligen, Karriereende. Was dabei bleibt, ist oft weniger als erwartet — nicht wegen mangelnder Leistung, sondern wegen struktureller Lücken im Vorsorgesystem.

Für alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden — ob aktiver Sportler, Ex-Profi oder Elternteil eines ambitionierten Nachwuchsathleten — empfehlen Vermögensberater drei konkrete Sofortschritte:

1. Pensionskonto abfragen: Die kostenlose Online-Kontenabfrage bei der PVA zeigt in wenigen Minuten, wo man aktuell steht. Kein Vermögensberater kann seriös beraten, ohne diese Grundlage.

2. Versorgungslücke berechnen lassen: Aus Pensionsstatus und Wunscheinkommen im Alter ergibt sich das monatliche private Ansparziel. Dieser Schritt dauert in einem Beratungsgespräch 30 bis 60 Minuten und ist der wichtigste Wegweiser für alle weiteren Entscheidungen.

3. Sofort beginnen — nicht übermorgen: Das stärkste Argument für sofortiges Handeln ist der Zinseszinseffekt: Jedes Jahr Verzögerung kostet nicht nur ein Jahr Ansparzeit, sondern multipliziert sich über den gesamten Anlagehorizont. Wie das Szenario oben zeigt, macht ein Beginn mit 35 statt 45 am Ende des Erwerbslebens einen Unterschied von über 200.000 Euro Kapitalstock aus.

Wer diese Schritte nicht allein angehen möchte, findet auf Expert Zoom spezialisierte Vermögensberater in Österreich, die auf den Übergang von der Sport- in die Erwerbskarriere ausgerichtet sind. Ergänzende Informationen zu Vertragsrechten im österreichischen Sportbereich finden sich auch im Artikel über Goretzkas ablösefreien Abgang und was das für ASVG-Versicherte bedeutet.

Das Karriereende eines Profisportlers markiert nicht das Ende der finanziellen Möglichkeiten — aber es verlangt sofortiges Handeln. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Berater an der Seite ist der Weg zur gesicherten zweiten Lebenshälfte strukturierter, als die meisten Ex-Profis erwarten.

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