Zuckersteuer im Bundesrat: Was Mediziner zum Vorstoß von Daniel Günther sagen
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat eine Bundesratsinitiative für eine Zuckersteuer auf zuckerhaltige Getränke eingebracht — trotz einer Niederlage auf dem CDU-Bundesparteitag im Februar 2026. Die Ärzteschaft begrüßt den Vorstoß. Doch was würde eine solche Steuer für Verbraucher und ihre Gesundheit tatsächlich bedeuten?
Was plant Daniel Günther?
Nach einer knappen Niederlage auf dem CDU-Parteitag in Berlin will Günther nun den Weg über den Bundesrat gehen. Schleswig-Holstein hat im ersten Quartal 2026 eine entsprechende Initiative eingebracht, die auf eine abgestufte Besteuerung von Getränken mit hohem Zuckeranteil zielt — ähnlich wie das britische Modell (Soft Drinks Industry Levy), das seit 2018 gilt.
Günther begründet den Vorstoß mit dem Anstieg ernährungsbedingter Erkrankungen und den damit verbundenen volkswirtschaftlichen Folgekosten. Mehrere Bundesländer haben bereits Sympathie für den Vorschlag signalisiert. Der Bundesrat hat die Initiative in die zuständigen Ausschüsse verwiesen — ein erster formaler Schritt.
Was sagen Mediziner und Fachverbände?
Die Reaktionen aus der Ärzteschaft fallen überwiegend positiv aus. Der Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sprechen sich seit Jahren für eine Zuckersteuer aus.
Laut der DDG leben aktuell rund 9 Millionen Menschen in Deutschland mit Diabetes Typ 2 — Tendenz steigend. Zu hoher Zuckerkonsum, insbesondere durch flüssige Kalorien wie Limonaden und Energy Drinks, gilt als einer der Haupttreiber dieser Entwicklung.
Laut Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) beliefen sich die gesamten Gesundheitsausgaben in Deutschland 2023 auf über 490 Milliarden Euro — ein erheblicher Anteil davon geht auf Folgeerkrankungen von Übergewicht und Diabetes zurück. Die DDG schätzt allein die Folgekosten der Adipositas auf bis zu 60 Milliarden Euro jährlich.
Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, etwa sechs Prozent sogar adipös. Das Deutsche Kinderhilfswerk betont: Kinder und Jugendliche würden von einer Zuckersteuer besonders profitieren, weil sie besonders vulnerabel gegenüber Zuckermarketing und kostengünstigen Süßgetränken sind.
Wie wirkt eine Zuckersteuer in anderen Ländern?
Das britische Modell gilt als internationaler Beweis, dass Zuckersteuern funktionieren können. Nach Einführung der Soft Drinks Industry Levy 2018 reduzierten die meisten großen Getränkehersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte erheblich — um einer höheren Steuerbelastung zu entgehen. Der Anteil von Getränken mit sehr hohem Zuckeranteil ging laut britischen Behörden um rund 50 Prozent zurück.
In Mexiko führte eine 2014 eingeführte Zuckersteuer zu einem messbaren Rückgang des Konsums zuckerhaltiger Getränke um 5,5 Prozent im ersten Jahr. In ärmeren Bevölkerungsgruppen war der Effekt noch stärker.
Kritiker warnen jedoch vor sozialer Ungleichheit: Eine Zuckersteuer belaste einkommensschwache Haushalte überproportional. Befürworter entgegnen, dass die Steuereinnahmen gezielt in Prävention für Kinder und Jugendliche investiert werden sollen.
Was können Verbraucher schon jetzt tun?
Unabhängig vom Ausgang der politischen Debatte können Verbraucher bereits jetzt ihren Zuckerkonsum aktiv senken. Ärzte und Ernährungsmediziner empfehlen:
Flüssige Kalorien reduzieren: Limonaden, Fruchtsäfte, Energy Drinks und Eistee enthalten oft mehr Zucker als sichtbar. Eine 0,5-Liter-Flasche Cola enthält rund 53 Gramm Zucker — mehr als die WHO-Tagesempfehlung von 25 Gramm für Erwachsene. Wasser, ungesüßter Tee oder Mineralwasser sind die besseren Alternativen.
Zutatenlisten lesen: Zucker versteckt sich unter dutzenden Namen: Glucose-Fructose-Sirup, Maltodextrin, Dextrose, Raffinose. Wer die Etiketten liest, ist im Vorteil.
Glykämischen Index beachten: Nicht alle Kohlenhydrate wirken gleich. Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Gemüse lassen den Blutzucker langsamer steigen als Weißbrot oder Süßigkeiten. Ein Ernährungsberater oder Diabetologe kann einen individuellen Ernährungsplan erstellen.
Früh screenen lassen: Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend. Ein einfacher Blutzuckertest beim Hausarzt kann feststellen, ob ein erhöhtes Risiko vorliegt. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen ab 35 Jahren alle drei Jahre einen Diabetes-Screening-Check.
Was passiert mit dem Zuckersteuer-Vorstoß im Bundesrat?
Der Bundesrat hat Schleswig-Holsteins Initiative in die zuständigen Ausschüsse für Finanzen, Gesundheit und Wirtschaft verwiesen. Ein konkretes Abstimmungsdatum steht noch nicht fest. Beobachter rechnen damit, dass das Thema im zweiten Halbjahr 2026 wieder auf die politische Agenda kommt.
Die Bundesregierung hat sich bislang zurückhaltend geäußert: Der Koalitionsvertrag sehe keine Zuckersteuer vor, so das Bundesfinanzministerium. Dennoch zeigen Umfragen, dass eine knappe Mehrheit der deutschen Bevölkerung eine solche Steuer befürwortet, wenn die Einnahmen gezielt für Kinder- und Jugendgesundheit verwendet werden.
Wann lohnt sich ein Gespräch mit dem Arzt?
Wer Übergewicht, eine familiäre Vorbelastung mit Diabetes oder häufig erhöhte Müdigkeit und Durst bemerkt, sollte nicht zu lange warten. Typ-2-Diabetes ist in frühen Stadien durch konsequente Lebensstiländerungen oft vollständig reversibel oder zumindest deutlich verlangsambar.
Ernährungsberater, Diabetologen und Allgemeinmediziner bieten heute strukturierte Präventionsprogramme an — viele davon werden von gesetzlichen Krankenkassen finanziert, etwa das DMP Diabetes Typ 2 (Disease Management Programm). Ein Expertenrat kann helfen, den richtigen Einstieg zu finden. Für Kinder mit Übergewicht gibt es spezielle Schulungsprogramme wie "Obeldicks", die von vielen Kassen übernommen werden.
Wer proaktiv handeln möchte, muss nicht auf die politische Entscheidung warten. Die eigene Gesundheit liegt zu einem guten Teil in den eigenen Händen — unabhängig davon, ob der Bundesrat die Zuckersteuer beschließt oder nicht.
Auf Expert Zoom finden Sie erfahrene Ärzte und Ernährungsberater für Gesundheitsberatung und Diabetesprävention, die individuell auf Ihre Situation eingehen können.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über individuelle Risikofaktoren.

Lena Meyer