O'Sullivan im Finale: Was Seniorensportler über Preisgeld und Steuern wissen müssen

Ronnie O'Sullivan beim Snooker-Turnier 2026 an der Queue

Photo : Andrej146 / Wikimedia

Julia Julia RichterVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 11. Mai 2026

Ronnie O'Sullivan, 50 Jahre alt, steht heute im Finale der World Seniors Snooker Championship 2026 im Crucible Theatre in Sheffield – bei seinem allerersten Auftritt bei diesem Turnier. Er trifft auf Joe Perry. Das Preisgeld für den Sieger: 30.000 britische Pfund aus einem Gesamtpool von 80.000 Pfund. Was kaum jemand thematisiert: Wie versteuern Profisportler im Seniorenalter eigentlich ihre Turniererfolge – und was können deutsche Hobbysportler und Ruheständler daraus lernen?

Das Turnier im Überblick

Die Jenningsbet World Seniors Snooker Championship 2026 findet vom 6. bis 10. Mai 2026 am legendären Crucible Theatre in Sheffield statt. Der Austragungsort ist weltbekannt: Seit 1977 wird dort jedes Jahr die Snooker-Weltmeisterschaft gespielt. Die Seniors-Version bringt Spieler zusammen, die 40 Jahre oder älter sind. Titelverteidiger Alfie Burden schied bereits in der zweiten Runde aus. O'Sullivan erlebt seinen Seniors-Einstand und steht prompt im Finale – ein Novum in der Geschichte des Turniers.

Preisgeld und Steuern – was Profisportler in Deutschland wissen müssen

O'Sullivan lebt in England. Doch das Thema Sporterfolg und Steuer ist universell. Für deutsche Profisportler oder international aktive Seniorenturnierspieler gelten je nach Situation unterschiedliche Regelungen:

Selbstständige Profisportler: Wer Sport gewerblich betreibt – also mit Gewinnerzielungsabsicht und auf Dauer –, erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Turnierpremien werden nach Abzug der Betriebsausgaben (Reisekosten, Trainer, Material) versteuert.

Doppelbesteuerungsabkommen: Spielt ein deutscher Profisportler im Ausland, greift in der Regel das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit dem jeweiligen Land. England und Deutschland haben ein DBA – Preisgelder aus britischen Turnieren müssen in beiden Ländern gemeldet, aber dank Anrechnungsmethode nicht doppelt gezahlt werden.

Quellensteuern: Viele Länder erheben eine Quellensteuer auf Sportprämien. In Großbritannien beträgt diese je nach Steuerklasse bis zu 45 Prozent. Wer als Nichtansässiger in Großbritannien antritt, sollte vorab klären, ob ein Rückerstattungsanspruch besteht.

Was Seniorensportler über Rentenversicherung wissen müssen

Für Hobbysportler, die im Rentenalter Preisgeld gewinnen, ist die Situation häufig unklar. Wer bereits die gesetzliche Rente bezieht und nebenbei Turnierpremien einnimmt, muss diese als zusätzliche Einnahmen in der Steuererklärung angeben.

Wichtig: Bis 2025 waren Rentner mit dem Grundfreibetrag von 12.096 Euro jährlich steuerfrei. 2026 steigt dieser auf 12.348 Euro. Wer neben der Rente Preisgeld aus Seniorenturnieren bezieht, muss prüfen, ob die Gesamteinkünfte den Grundfreibetrag übersteigen – erst dann wird Steuer fällig.

Auswirkung auf Grundsicherung: Wer im Alter Grundsicherung bezieht, sollte Turnierpremien unbedingt dem Sozialamt melden. Auch kleinere Gewinne können die Leistungen reduzieren.

Wenn Sport im Rentenalter zum Hauptberuf wird

Der Snooker-Seniors-Circuit zeigt: Professioneller Sport endet nicht mit 65. Was für die Stars gilt, ist auch in breiteren Kreisen ein Trend – Marathonläufer, Golfer, Schachspieler und Tennisspieler im Seniorenbereich erzielen zunehmend ernsthafte Einnahmen.

Wer im Rentenalter regelmäßig Preisgeld verdient, kann in eine steuerlich günstigere Situation kommen als im Berufsleben: Niedrigerer Steuersatz durch geringeres Gesamteinkommen, keine Sozialversicherungspflicht auf Preisgeld (in den meisten Fällen), und volle Abzugsfähigkeit der Sportausgaben als Betriebsausgaben.

Gleichzeitig gibt es Fallstricke: Wer ein Gewerbe als Seniorensportler anmeldet, verliert möglicherweise bestimmte Steuerprivilegien des Rentnerstatus. Ein Vermögensberater oder Steuerberater kann die optimale Struktur ermitteln.

Hobbysportler: Ab wann werden Turniergewinne steuerpflichtig?

Für Hobbysportler ohne gewerbliche Absicht – wer einfach am Stadtbezirks-Snookerturnier teilnimmt oder einen lokalen Golfcup gewinnt – gilt die sogenannte Liebhabereitätigkeit. Einnahmen sind dann grundsätzlich steuerfrei, weil kein Gewerbebetrieb vorliegt. Verluste sind allerdings auch nicht absetzbar.

Die Grenze zur Steuerpflicht zieht das Finanzamt bei dauerhafter Wiederholung und erkennbarer Gewinnabsicht. Wer jährlich mehrere tausend Euro aus Turniergewinnen erzielt, sollte die Einordnung mit einem Steuerberater prüfen.

Preisgeld international: Was im Auslandsturnier gilt

Viele Seniorensportler treten bei internationalen Meisterschaften an – auch aus Deutschland. Für Preisgeld aus dem Ausland gilt:

  • Immer in der deutschen Steuererklärung angeben (Welteinkommensprinzip)
  • Im Ausland einbehaltene Quellensteuer in vielen Fällen anrechenbar
  • Dokumentation aller Ausgaben für Fahrten, Unterkunft, Equipment
  • Bei Beträgen über 5.000 Euro: professionelle Beratung empfohlen

Das Thema ist auch für Turnierveranstalter in Deutschland relevant: Internationale Teilnehmer haben bestimmte Meldepflichten, die Veranstalter in Einzelfällen einhalten müssen.

Lehrreiche Lektion: O'Sullivan und das „aktive Altern" im Sport

O'Sullivan steht stellvertretend für einen globalen Trend: Sportler, die ihren Körper und Geist über das klassische Karriereende hinaus einsetzen. Im Snooker ist dieser Trend besonders ausgeprägt, da der Sport primär kognitive Leistungsfähigkeit erfordert – kein Ausdauersport, keine extremen körperlichen Anforderungen.

Für Vermögensberater ist diese Gruppe eine neue Zielgruppe: aktive Senioren mit variablen Einkommen aus Sport, Rente und Kapitalanlagen. Die Planung muss alle drei Säulen berücksichtigen und je nach Gesamteinkommen die Steuerlast optimieren. Besonders wichtig: Wie beeinflusst zusätzliches Preisgeld die Steuerprogression bei einem kombinierten Einkommen aus Rente und Sport?

Wann lohnt ein Vermögensberater?

Nicht nur für Ronnie O'Sullivan: Auch für ambitionierte deutsche Seniorensportler, die regelmäßig Preisgeld gewinnen, ist eine strukturierte Vermögens- und Steuerplanung sinnvoll. Ein Vermögensberater analysiert, ob Preisgeld als Gewerbeeinkommen oder Sonstige Einkünfte zu erfassen ist, welche Ausgaben absetzbar sind und wie die Einnahmen optimal in das Gesamtbild aus Rente, Ersparnissen und eventuellen Kapitalerträgen passen.

Konkrete Situationen, in denen ein Beratungsgespräch sinnvoll ist:

  • Regelmäßige Turnierteilnahme mit Preisgeld über 2.000 Euro pro Jahr
  • Internationale Turniere in mehreren Ländern (Doppelbesteuerungsfragen)
  • Kombination von Rentenbezug, Preisgeld und Kapitalerträgen
  • Geplante Aufnahme einer selbstständigen Trainertätigkeit im Seniorenalter

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für individuelle Steuer- und Vermögensfragen wenden Sie sich an einen Steuerberater oder Vermögensberater.

Ob O'Sullivan heute den Titel holt oder nicht – das Turnier zeigt: Snooker im Seniorenalter ist kein Rentnerhobby mehr. Es ist professioneller Sport mit echtem Preisgeld, echten Steuerpflichten und echtem Beratungsbedarf.

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