Die Heizsaison 2026/2027 beginnt in weniger als vier Wochen — und Heizungsbauer-Termine sind bereits Mangelware. Wer jetzt noch keinen Wartungstermin gebucht hat, riskiert nicht nur einen Ausfall mitten im Winter, sondern auch Notdienstkosten, die schnell das Dreifache einer normalen Wartung erreichen. Die Zahlen sind eindeutig: Eine versäumte Herbstwartung kann im schlechtesten Fall die Heizrechnung im Januar um mehrere Hundert Euro in die Höhe treiben. Dabei gilt es nicht nur Kosten zu vermeiden — eine funktionsfähige Heizung ist in Deutschland auch eine rechtliche Verpflichtung für Vermieter, die ohne fachkundige Wartung schwer zu erfüllen ist.
Was die Energiepreise 2026 bedeuten
Die Heizperiode beginnt offiziell am 1. Oktober und läuft bis zum 30. April 2027. Vermieter sind in dieser Zeit rechtlich verpflichtet, Räume auf mindestens 20 Grad Celsius tagsüber und 18 Grad Celsius nachts zu halten. Kommt die Heizung nicht auf diese Temperaturen, drohen Mietminderungen — ein Risiko, das keiner eingehen muss.
Gleichzeitig sind die Energiepreise weiterhin hoch: Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kostet Erdgas im August 2026 durchschnittlich 11,93 Cent pro Kilowattstunde für ein Einfamilienhaus, Haushaltsstrom liegt bei 37,0 Cent pro Kilowattstunde. Eine schlecht gewartete oder verkalkte Heizungsanlage verbraucht nach Angaben von SHK-Fachverbänden typischerweise 15 bis 20 Prozent mehr Energie als eine gewartete. Bei einem durchschnittlichen Jahresgasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden sind das rund 360 bis 480 Euro unnötige Mehrkosten — Jahr für Jahr.
Eine Herbstwartung zahlt sich also rechnerisch bereits im ersten Winter aus.
Der Engpass: Warum Termine jetzt knapp werden
Das eigentliche Problem ist nicht die Heizung selbst — es ist der Zeitdruck. Im September und Oktober sind SHK-Betriebe (Sanitär, Heizung, Klima) in ganz Deutschland erfahrungsgemäß ausgebucht. Viele Fachhandwerksbetriebe berichten, dass Wartungstermine ab Mitte Oktober erst wieder im Dezember oder Januar verfügbar sind — also mitten in der Hochsaison, wenn die Nachfrage am größten ist.
Wer dann einen Heizungsausfall erlebt, ist auf den Notdienst angewiesen. Und der hat seinen Preis: Die Verbraucherzentrale Hessen empfiehlt, Notdienstzuschläge von 50 bis 70 Prozent des Rechnungsbetrags als realistischen Orientierungswert zu kennen. Eine Diagnose und Reparatur im Notdienst kostet laut Fachportalen zwischen 300 und 800 Euro — deutlich mehr als eine reguläre Wartung, die in der Regel zwischen 100 und 250 Euro liegt.
Dazu kommt: Kleine Defekte, die bei einer Herbstwartung für 150 Euro behoben werden könnten, entwickeln sich über den Winter leicht zu größeren Schäden. Ein defektes Ausdehnungsgefäß, das im Oktober rund 200 Euro kostet, kann durch anhaltende Druckschwankungen andere Komponenten beschädigen und zu einer deutlich teureren Reparatur führen.
Herbst-Checkliste: Was geprüft werden muss
Vor Beginn der Heizsaison sollten Hausbesitzer und Vermieter folgende Punkte auf der Liste haben:
Selbst machbar:
- Heizkörper entlüften: Gurgelgeräusche oder kalte Stellen am Heizkörper deuten auf Luftblasen im System hin. Das Entlüften dauert pro Heizkörper etwa fünf Minuten und erfordert nur einen Entlüftungsschlüssel (rund 3 Euro im Baumarkt).
- Thermostate auf Funktion prüfen: Jeden Thermostatkopf einmal auf Maximum und zurück drehen — das löst festsitzende Ventile.
- Druck am Manometer ablesen: Das Druckmanometer am Ausdehnungsgefäß sollte zwischen 1,5 und 2,0 Bar zeigen. Liegt er deutlich darunter, fehlt Wasser im System.
Nur durch Fachhandwerker:
- Jahreswartung der Heizungsanlage (Reinigung, Dichtungsprüfung, Brennereinstellung)
- Abgasmessung gemäß der Bundesimmissionsschutzverordnung (1. BImSchV) bei Gasheizungen
- Hydraulischer Abgleich — besonders nach Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen
- Überprüfung des Wärmetauschers auf Risse, Ablagerungen oder Korrosion
Der hydraulische Abgleich ist dabei oft unterschätzt: Er stellt sicher, dass alle Heizkörper im Gebäude gleichmäßig versorgt werden und die Pumpe nicht überlastet wird. Laut dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) kann er in Kombination mit anderen Effizienzmaßnahmen die Heizkosten dauerhaft um bis zu 15 Prozent senken.
Wie rund um vergleichbare Haushaltsthemen auf Expert Zoom zu lesen ist, sind saisonale Vorbereitungen bei Handwerkern und Hausverbesserungen oft der größte Hebel gegen ungeplante Kosten im Winter.
Was ein Heizungsnotfall konkret kostet
Stellen Sie sich vor: Es ist der 15. Januar 2027, minus acht Grad draußen, und Ihre Gasheizung springt morgens nicht mehr an. Das Ausdehnungsgefäß ist defekt — ein Schaden, den ein Techniker bei der Herbstwartung im Oktober für rund 200 Euro hätte beheben können.
Im Notfalleinsatz sieht die Rechnung so aus:
- Anfahrtskosten Notdienst: 80 bis 120 Euro
- Stundensatz Notdienst inklusive Nacht- oder Wochenendzuschlag: 120 bis 180 Euro pro Stunde
- Material (Ausdehnungsgefäß plus Kleinmaterial): 220 bis 280 Euro
- Gesamtkosten Notfall: 420 bis 580 Euro
Wenn durch den anhaltend überhöhten Druck auch der Wärmetauscher beschädigt wurde, steigt die Rechnung auf 600 bis 900 Euro. Bei einem Totalausfall der Heizungsanlage und nötigem Komplettaustausch stehen Kosten zwischen 8.000 und 35.000 Euro im Raum — je nach Typ (Gas, Wärmepumpe, Fernwärme) und Gebäudegröße.
Die Logik ist eindeutig: Wenn Sie heute eine reguläre Wartung für 150 bis 200 Euro buchen, dann vermeiden Sie im Ernstfall Notdienstkosten von über 400 Euro — und schützen sich vor Schäden, die ein Vielfaches des Wartungspreises kosten können. Das Verhältnis von präventiver Investition zu möglichem Schaden liegt bei mindestens 1 zu 3, oft bei 1 zu 10.
Für Mieter gilt dabei eine zusätzliche Perspektive: Liegt die Raumtemperatur durch einen Heizungsausfall dauerhaft unter 18 Grad Celsius und hat der Mieter den Mangel dem Vermieter schriftlich angezeigt, besteht nach der Rechtsprechung vieler deutscher Gerichte ein Recht auf Mietminderung von 10 bis 20 Prozent der Miete. Wer als Vermieter hingegen eine ordnungsgemäße Wartungsdokumentation vorlegen kann, ist in einer deutlich stärkeren rechtlichen Position. Hinweis: Diese Ausführungen ersetzen keine individuelle Rechtsberatung — bei konkreten Mietrechtsfragen empfiehlt sich die Konsultation eines Fachanwalts oder eines zertifizierten Experten.
Welche Förderungen 2026 noch laufen
Wer nicht nur warten, sondern die alte Heizung ersetzen will, sollte jetzt handeln: Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ermöglicht noch Zuschüsse beim Umstieg von fossiler Heizung auf Wärmepumpe, Fernwärme oder Biomasseheizung. Die Förderquote liegt je nach Einkommenssituation und Gebäudeart zwischen 30 und 70 Prozent der förderfähigen Investitionskosten.
Eine Wärmepumpe mit Installation kostet je nach Gebäudegröße und Modell zwischen 15.000 und 35.000 Euro brutto. Mit der maximalen Förderung reduziert sich der Eigenanteil auf 4.500 bis 10.500 Euro — ein erheblicher Unterschied, der allerdings voraussetzt, dass der Antrag vor Baubeginn gestellt wird. Und: Den Antrag kann nur stellen, wer auch einen Handwerker mit freiem Termin findet.
Was Sie jetzt tun sollten
Drei Schritte für die nächsten zwei Wochen:
Wartungstermin heute buchen: Rufen Sie noch heute einen lokalen SHK-Fachbetrieb an und fragen Sie nach einem Termin vor dem 30. September. Danach werden Termine rar und teurer. Fragen Sie beim Buchen explizit nach der Jahreswartung inklusive Abgasmessung — das deckt alle gesetzlichen Anforderungen ab.
Selbstcheck durchführen: Entlüften Sie Ihre Heizkörper und prüfen Sie den Wasserdruck — das dauert zusammen weniger als 30 Minuten und kostet nichts außer einem Entlüftungsschlüssel aus dem Baumarkt.
Notfallnummer sichern: Fragen Sie beim Wartungstermin nach dem 24-Stunden-Notdienst des Betriebs und speichern Sie die Nummer direkt ins Telefon. Im Akutfall erspart das stundenlange Suche in der Kälte.
Wenn Sie unsicher sind, welche Wartungsmaßnahmen Ihr Vermieter schuldet, ob Ihr Handwerkerbetrieb für Ihre spezifische Anlage zugelassen ist oder welche Fördermittel für Ihre Situation in Frage kommen, lohnt sich das kurze Gespräch mit einem Fachexperten. Auf Expert Zoom finden Sie geprüfte Handwerker und Fachleute, die sowohl technische als auch rechtliche Fragen rund um Heizung, Miete und Förderung beantworten können.
Der Herbstcheck ist keine optionale Maßnahme — er ist die günstigste Versicherung, die Sie für den Winter abschließen können.

Andreas Richter