Europäisches Paar am Strand der Kanarischen Inseln beim Auftragen von Sonnencreme

Kanaren-Urlaub: Ärzte warnen vor Saharastaub und UV-Gefahr im Frühjahr

Lena Lena SchmidtGesundheit
4 Min. Lesezeit 21. März 2026

Millionen Deutsche planen in den kommenden Wochen ihren Osterurlaub auf den Kanarischen Inseln, doch Ärzte warnen vor unterschätzten Gesundheitsrisiken durch das dortige Frühjahrsklima. Besonders die zunehmenden Calima-Ereignisse mit Saharastaub und die extrem hohe UV-Strahlung erfordern medizinische Vorsichtsmaßnahmen.

Die Kanarischen Inseln sind das beliebteste Reiseziel deutscher Urlauber im Frühjahr – rund drei Millionen Deutsche besuchen die Inselgruppe jährlich, mehr als aus jedem anderen Land. Viele unterschätzen jedoch die gesundheitlichen Herausforderungen, die das subtropische Klima mit sich bringt.

Calima: Saharastaub belastet die Atemwege

Das Calima-Phänomen, bei dem Sandstürme aus der Sahara die Luft mit feinstem Staub anreichern, tritt im März und April an durchschnittlich fünf bis zehn Tagen pro Monat auf. Klimaforscher beobachten seit 2020 eine Zunahme dieser Ereignisse um 20 bis 30 Prozent.

Pneumologen warnen besonders Patienten mit Asthma, COPD oder Allergien vor Reisen während Calima-Perioden. Der feine Wüstenstaub dringt tief in die Atemwege ein und kann akute Beschwerden auslösen. Auch gesunde Reisende berichten von Reizhusten, trockenen Schleimhäuten und brennenden Augen.

Atemwegserkrankungen sind während Calima-Ereignissen um etwa 30 Prozent häufiger, wie Studien der kanarischen Gesundheitsbehörden zeigen. Ärzte raten Risikopatienten, vor der Buchung die Wettervorhersage zu prüfen und gegebenenfalls einen späteren Reisetermin zu wählen.

UV-Strahlung: Sonnenbrand in 20 Minuten

Der UV-Index auf den Kanaren erreicht im Frühjahr Werte zwischen acht und zehn – deutlich höher als in Deutschland zur gleichen Zeit. Dermatologen warnen: Ohne Sonnenschutz mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 drohen bereits nach 20 Minuten Hautschäden.

Die starke Sonneneinstrahlung birgt jedoch nicht nur kurzfristige Risiken. Wiederholte UV-Schäden erhöhen das Hautkrebsrisiko erheblich. Besonders gefährdet sind Menschen mit heller Haut, Kinder und Personen mit Hauterkrankungen wie Rosazea oder Vitiligo.

Hautärzte empfehlen neben hohem Lichtschutzfaktor auch das Tragen von UV-Schutzkleidung und Sonnenhüten. Die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr sollte gemieden werden. Ein Irrtum vieler Urlauber: Auch im Schatten oder bei bewölktem Himmel beträgt die UV-Belastung noch 50 bis 80 Prozent.

Temperatursprung belastet Kreislauf

Der abrupte Wechsel von deutschen Frühjahrstemperaturen um fünf bis zehn Grad auf kanarische 18 bis 21 Grad stellt den Organismus vor Herausforderungen. Der Körper benötigt zwei bis drei Tage zur Akklimatisation, in denen das Herz-Kreislauf-System besonders beansprucht wird.

Kardiologen raten älteren Menschen ab 65 Jahren und Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ersten Urlaubstage ruhig anzugehen. Intensive sportliche Aktivitäten sollten erst nach der Anpassungsphase erfolgen.

Die konstanten Passatwinde mit 15 bis 20 Kilometern pro Stunde verstärken die Austrocknung der Schleimhäute zusätzlich. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei bis drei Litern täglich ist daher unerlässlich.

Positive Gesundheitseffekte nutzen

Trotz der Risiken bietet das kanarische Klima auch medizinische Vorteile. Die warme, feuchte Meeresluft wirkt bronchienerweiternd und kann Asthma-Symptome lindern – vorausgesetzt, es liegt kein Calima vor.

Der hohe Jodgehalt der Meeresluft unterstützt die Schilddrüsenfunktion. Die intensive Sonneneinstrahlung fördert die körpereigene Vitamin-D-Produktion, was gerade nach dem deutschen Winter gesundheitlich wertvoll ist.

Allergiker profitieren oft von der pollenarmen Luft auf den Inseln. Viele Patienten berichten von einer deutlichen Besserung ihrer Symptome während des Aufenthalts.

Kinder und Senioren besonders schützen

Für Familien mit kleinen Kindern unter fünf Jahren gelten verschärfte Vorsichtsmaßnahmen. Kleinkinder können Körpertemperatur und Flüssigkeitsverlust schlechter regulieren als Erwachsene. Kinderärzte empfehlen, die Hauptaktivitäten in die frühen Morgenstunden oder in den Abend zu verlagern und Babys grundsätzlich aus der direkten Sonne zu halten.

Senioren ab 65 Jahren stehen vor besonderen Herausforderungen. Der Flüssigkeitsbedarf steigt bei Hitze erheblich, während das Durstempfinden im Alter nachlässt. Herzmedikamente wie Betablocker und Diuretika können die Wärmeregulation zusätzlich beeinflussen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte vor Reiseantritt die Verträglichkeit im warmen Klima mit seinem Hausarzt besprechen.

Schwangere Frauen sollten ebenfalls einen Arzt konsultieren, bevor sie einen Flug auf die Kanaren buchen. Dehydration und Hitzebelastung können Komplikationen verursachen, insbesondere im zweiten und dritten Trimester.

Wann Sie vor der Reise zum Arzt sollten

Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen sollten vor der Buchung ihren Pneumologen konsultieren. Dieser kann die individuelle Reisetauglichkeit einschätzen und gegebenenfalls die Medikation anpassen.

Auch Patienten mit Hauterkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Immunschwäche sollten ärztlichen Rat einholen. Besonders bei geplanten Aktivitäten wie Wanderungen oder Wassersport ist eine medizinische Einschätzung wichtig.

Das Auswärtige Amt und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin bieten detaillierte reisemedizinische Informationen. Eine Reiseapotheke mit persönlichen Medikamenten, Sonnenschutz und Mittel gegen Atemwegsbeschwerden sollte in keinem Koffer fehlen.

Experten betonen, dass mit angemessener Vorbereitung die meisten Gesundheitsrisiken minimierbar sind. Eine gute Faustregel: Wer im Alltag gesundheitliche Einschränkungen hat, sollte diese nie als selbstverständlich ignorieren, wenn das Klima sich drastisch verändert. Wie Ärzte bei anderen Naturphänomenen raten, gilt auch hier: Information und Vorsorge sind der beste Schutz.

Wer dennoch während des Urlaubs gesundheitliche Beschwerden bemerkt – anhaltender Husten, Atemnot, Kreislaufprobleme oder starke Hautreizungen – sollte nicht zögern, vor Ort einen Arzt aufzusuchen. Auf den Kanarischen Inseln stehen öffentliche Gesundheitszentren (Centros de Salud) auch für Touristen zur Verfügung. Im Notfall ist die europäische Krankenversichertenkarte (EHIC) unerlässlich.


Gesundheitshinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder Apotheker.

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