Uschi Glas misst ihre Knochendichte seit mehr als 30 Jahren regelmäßig – und macht damit vor, was Millionen Deutsche noch immer aufschieben. Als Botschafterin der bundesweiten Aufklärungskampagne „Osteoporose Verstehen" richtet die 82-jährige Schauspielerin einen klaren Appell an die Öffentlichkeit: „Warten Sie nicht auf den ersten Bruch." Hinter dieser Warnung steckt mehr als ein Promi-Ratschlag. Laut dem AOK-Gesundheitsatlas Deutschland, veröffentlicht im Oktober 2025, waren zuletzt rund 2,15 Millionen Menschen ab 35 Jahren hierzulande an Osteoporose erkrankt – und die meisten von ihnen wissen bis heute nichts davon.
Warum Osteoporose die „stille Krankheit" heißt
Osteoporose entzieht sich lange jeder Wahrnehmung. Die Knochen verlieren über Jahre hinweg an Dichte, ohne dass Schmerzen auftreten oder Warnsignale spürbar werden. Erst wenn es zu einem Bruch kommt – einem Wirbelkörper, dem Handgelenk oder der Hüfte – zeigt sich das ganze Ausmaß des Knochenschwunds. In vielen Fällen ist dieser Bruch das erste offizielle Symptom der Erkrankung.
Das Tückische: Der Prozess beginnt oft schon Jahrzehnte vor dem ersten Sturz. Frauen verlieren nach den Wechseljahren bis zu zwei Prozent ihrer Knochenmasse pro Jahr. Das Hormon Östrogen, das die Knochen schützt, fällt weg – und der Körper signalisiert nichts davon. Männer sind seltener betroffen, aber keineswegs sicher. Laut dem Robert Koch Institut gehört Osteoporose zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Alter – und zu den am stärksten unterschätzten.
Die Krankheitshäufigkeit variiert regional erheblich: Während in Sachsen-Anhalt 5,8 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, liegt der Wert in Hamburg bei nur 2,9 Prozent. Diese Unterschiede spiegeln laut WIdO-Analyse nicht nur genetische Faktoren wider, sondern auch Unterschiede in Prävention, Ernährung und dem Zugang zu spezialisierten Fachärzten.
Uschi Glas macht es vor: Was die 82-Jährige seit Jahrzehnten tut
Uschi Glas hat nicht nur öffentlich über das Thema gesprochen – sie hat selbst gehandelt, und zwar seit Jahrzehnten. In einem Interview mit dem ARD-Magazin Brisant beschrieb sie ihr häusliches Fitness-Programm zur Osteoporose-Vorsorge: tägliche Bewegungsübungen, gezieltes Gleichgewichtstraining, kalziumreiche Ernährung. Vor allem aber: die regelmäßige Knochendichtemessung, die sie seit über 30 Jahren konsequent durchführen lässt.
Gemeinsam mit Fachärzten – darunter der Aachener Orthopäde Dr. Eichhorn – und dem Deutschen Verband für Physiotherapie startete sie die Kampagne „Osteoporose Verstehen", die eine Botschaft über alle anderen stellt: Prävention muss vor dem ersten Bruch beginnen. Eine Knochendichtemessung dauert nur wenige Minuten. Wer wartet, bis ein Knochen bricht, hat die entscheidende Phase verpasst.
Das Engagement der Schauspielerin stößt nicht ins Leere. Laut Kampagnenangaben wissen viele Betroffene bis zum ersten Sturz nicht, dass sie an Osteoporose erkrankt sind. Dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten heute deutlich besser als noch vor zehn Jahren – wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird.
Die Risikogruppen: Wer jetzt handeln sollte
Fachärzte in Deutschland sind sich einig: Bestimmte Personengruppen sollten nicht auf den Hausarzt warten, sondern selbst das Gespräch suchen. Dazu zählen vor allem:
Frauen nach der Menopause ab 50 Jahren: Der Wegfall des Östrogenspiegels beschleunigt den Knochenschwund erheblich. Bei zusätzlichen Risikofaktoren empfehlen Orthopäden eine Knochendichtemessung (DXA-Messung) spätestens ab dem 50. Lebensjahr.
Männer ab 70 Jahren: Sie verlieren langsamer Knochenmasse als Frauen, aber das Risiko steigt ab dem siebten Lebensjahrzehnt signifikant.
Personen mit Vorbelastung oder Vorerkrankungen: Frühzeitige Menopause vor dem 45. Lebensjahr, familiäre Osteoporose-Geschichte, Langzeittherapie mit Kortikosteroiden, Rauchen, Untergewicht sowie Calcium- oder Vitamin-D-Mangel gelten als klare Risikosignale.
Menschen, die ohne adäquates Trauma gebrochen sind: Wer bei einem leichten Sturz oder einem Alltagsunfall einen Bruch erleidet, sollte stets auf Osteoporose untersucht werden.
Die DXA-Messung wird von der gesetzlichen Krankenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen erstattet. Als Selbstzahlerleistung kostet sie zwischen 40 und 80 Euro – eine Hürde, die deutlich niedriger ist, als viele erwarten.
Was ein Facharzt beim ersten Gespräch abklären sollte
Beim Verdacht auf Osteoporose reicht ein offenes Gespräch beim Hausarzt oft nicht aus. Qualifizierte Fachärzte – Orthopäden, Rheumatologen oder auf Osteologie spezialisierte Internisten – prüfen ein breiteres Bild:
- Anamnese: Risikofaktoren, Sturzvorgeschichte, Medikamente, familiäre Belastung
- Labor: Calcium, Vitamin D, alkalische Phosphatase, Nierenwerte, Hormonstatus
- DXA-Messung: Standardverfahren zur Knochendichtemessung an Wirbelsäule und Hüfte
- T-Score-Beurteilung: Wert von 0 bis -1,0 = normal; -1,0 bis -2,5 = Osteopenie; unter -2,5 = manifeste Osteoporose
- FRAX-Risikorechner: Schätzt das individuelle 10-Jahres-Frakturrisiko, unabhängig vom Knochendichte-Wert
Ein Facharzt sollte zudem immer prüfen, ob Medikamente die Knochen schwächen. Kortikosteroide (z. B. Cortison bei Asthma oder rheumatischen Erkrankungen), Protonenpumpenhemmer, Antidepressiva und bestimmte Antiepileptika stehen auf der Liste jener Mittel, die bei langfristiger Einnahme den Knochenstoffwechsel negativ beeinflussen. Wer eines dieser Medikamente dauerhaft nimmt, sollte diesen Punkt bei jedem Arztgespräch aktiv ansprechen.
Ähnlich wie bei anderen früh erkennbaren Erkrankungen gilt auch hier: Je präziser das Bild beim ersten Facharztbesuch, desto gezielter die Behandlung. Das zeigt sich auch beim Alzheimer-Früherkennungsbluttest 2026 – Früherkennung eröffnet Handlungsspielraum, der später nicht mehr existiert.
Wenn es wirklich passiert: Das Szenario, das niemand will
Nehmen wir das Beispiel einer 58-jährigen Frau aus Stuttgart, nennen wir sie Claudia R. Sie ist gesetzlich versichert, arbeitet als Projektmanagerin, geht zweimal pro Woche spazieren und ernährt sich ausgewogen. Seit ihrer Menopause mit 53 Jahren hat sie keine auffälligen Beschwerden. Eine Knochendichtemessung hat sie nie machen lassen – das Thema stand schlicht nicht auf ihrer Agenda.
Im September 2026 stolpert sie beim Treppensteigen und bricht sich das Handgelenk. Beim Orthopäden stellt sich heraus: Ihr T-Score liegt bei -2,9. Das entspricht manifester Osteoporose. Hätte Claudia R. nach ihrer Menopause, also vor fünf Jahren, eine DXA-Messung machen lassen, wäre damals wahrscheinlich ein T-Score von rund -1,7 festgestellt worden: Osteopenie, beginnender Knochenschwund.
Was das konkret bedeutet:
Bei einem T-Score von -1,7 wären keine Medikamente nötig gewesen. Stattdessen hätte ein Arzt ein strukturiertes Programm empfohlen: 1.000 bis 1.200 mg Calcium pro Tag durch Ernährung und Supplementierung, 800 bis 1.000 IE Vitamin D täglich, gezieltes Krafttraining zweimal pro Woche. Kosten: unter 30 Euro im Monat.
Bei einem T-Score von -2,9 und einem bereits erlittenen Bruch beginnt hingegen medikamentöse Therapie – typischerweise Bisphosphonate wie Alendronat oder Risedronate, bei höherem Frakturrisiko auch Denosumab oder Teriparatid. Die jährlichen Behandlungskosten liegen laut Bundesverband für Osteoporose Deutschland je nach Wirkstoff zwischen 400 und über 3.000 Euro. Dazu kommen Physiotherapie, Reha, möglicherweise Krankenhausaufenthalte.
Die Rechnung ist eindeutig: Wer früh handelt, spart – an Kosten, an Lebensqualität und an Schmerz.
Was Sie jetzt konkret tun können
Uschi Glas hat eine klare Antwort auf die Frage „Wann ist der richtige Zeitpunkt?": jetzt. Das gilt auch dann, wenn aktuell keine Beschwerden bestehen – gerade dann. Denn die wichtigste Eigenschaft von Osteoporose ist, dass sie schweigt. Kein Schmerz, kein Warnsignal, keine spürbare Veränderung – bis es zu spät ist.
Sofort umsetzbare Schritte:
Gespräch beim Hausarzt – Sprechen Sie das Thema Knochendichte aktiv an. Fragen Sie nach einer Überweisung zur DXA-Messung, insbesondere wenn Sie zu einer der oben genannten Risikogruppen gehören. Viele Hausärzte initiieren dieses Gespräch nicht von sich aus.
Vitamin-D-Spiegel prüfen lassen – Ein einfacher Bluttest gibt schnell Aufschluss über einen der wichtigsten Schutzfaktoren für die Knochen. Ein Spiegel unter 20 ng/ml gilt als Mangel und sollte behandelt werden.
Bewegung als Medizin verstehen – Kraftübungen sind für die Knochen kein Bonus, sondern eine Notwendigkeit. Treppensteigen, Kniebeugen, Yogaübungen, Nordic Walking: Jede dieser Aktivitäten setzt mechanische Reize, die den Knochenaufbau stimulieren.
Calcium aus der Ernährung holen – Grünes Gemüse, Milchprodukte, mineralstoffreiches Wasser: Die tägliche Calciumzufuhr sollte bei Erwachsenen über 50 zwischen 1.000 und 1.200 mg liegen. Supplementierung nur bei echtem Defizit – nach Rücksprache mit dem Arzt.
Wer konkrete Fragen zu Risikofaktoren, zur Kassenerstattung der DXA-Messung oder zur richtigen Therapiestrategie nach einer Diagnose hat, findet auf Expert Zoom qualifizierte Fachärzte und Orthopäden – für ein erstes Gespräch, das keine Wartezeiten kennt.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Verdacht auf Osteoporose wenden Sie sich an einen qualifizierten Facharzt.

Lena Meyer