Ulli Potofski starb 11 Wochen nach der Diagnose: Die Leukämie-Warnsignale, die nicht warten dürfen

Erschöpfter älterer Mann in deutschem Arztwarteraum, Blutentnahme-Tablett mit Teströhrchen im Hintergrund
Lena Lena MeyerGesundheit
6 Min. Lesezeit 2. August 2026

Am 2. August 2025 starb Ulli Potofski, eine der bekanntesten Stimmen des deutschen Sportfernsehens, in Krefeld an Leukämie — heute jährt sich sein Tod zum ersten Mal. Der 73-Jährige wurde erst Mitte Mai desselben Jahres diagnostiziert: Zwischen der Schockdiagnose und seinem Tod lagen kaum elf Wochen. Sein Fall zeigt, wie tückisch Blutkrebs verlaufen kann — und warum viele Betroffene die ersten Warnsignale irrtümlich als harmlosen Stress abtun. Sein Jahrestag ist ein Anlass, genauer hinzuschauen, welche körperlichen Signale niemand ignorieren sollte.

Eine Diagnose mit tödlichem Verlauf

Potofski, 1952 in Gelsenkirchen geboren, war jahrzehntelang das Gesicht des deutschen Sportjournalismus. Zunächst beim WDR, ab 1984 bei RTL als Chefmoderator des Formats „Anpfiff", später bei DSF und Sky — er begleitete Generationen von Fußballfans durch Bundesliga-Samstage, WM-Turniere und Wimbledon-Endspiele. Nebenbei schrieb er eine vielgelesene Jugendbuchreihe über Fußball und stand bis zuletzt für ein Leben im Dienst des Sports.

Im Frühjahr 2025 bemerkte der damals 72-Jährige eine zunehmende Erschöpfung und einen ungewollten Gewichtsverlust. Er und sein Umfeld deuteten die Signale zunächst als Folge von Überarbeitung und Alter — ein Muster, das Mediziner als eine der häufigsten Fehleinschätzungen bei der Selbstwahrnehmung von Blutkrebssymptomen kennen. Erst ein Blutbild, das ein befreundeter Arzt im Mai 2025 veranlasste, brachte die erschreckende Diagnose: Leukämie.

Die Chemotherapie begann sofort. Ende Juli erhielt Potofski die Nachricht, dass das Knochenmarkspenderregister einen passenden Spender gefunden hatte — eine echte Hoffnung auf Heilung. Die für den 1. August 2025 geplante Transplantation am Universitätsklinikum Essen musste jedoch verschoben werden, weil der Spender im Urlaub war. Einen neuen Termin gab es nicht mehr: Ulli Potofski starb am 2. August 2025.

Sein Schicksal ist kein Einzelfall. Nach Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten erkrankten im Jahr 2022 rund 13.454 Menschen in Deutschland an Leukämie. Bei etwa 37 Prozent der Betroffenen wurde eine chronisch lymphatische Leukämie (CLL) festgestellt, bei 23 Prozent eine akute myeloische Leukämie (AML) — jene Form, die sich besonders schnell lebensbedrohlich entwickeln kann.

Warum Erschöpfung kein harmloses Warnsignal ist

Das Tückische an Leukämie: Es gibt keine unverwechselbaren Frühanzeichen. Die Warnsignale ähneln denen vieler harmloser Erkrankungen und werden deshalb oft zu spät erkannt. Wer dauerhaft erschöpft ist, schläft länger — und schiebt den Arzttermin auf nächste Woche.

Laut Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zählen zu den häufigsten Symptomen einer Leukämie:

  • Anhaltende Müdigkeit und Abgeschlagenheit ohne erkennbare Ursache
  • Ungewollter Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent des Körpergewichts in drei Monaten
  • Wiederholte Infektionen, die länger als gewöhnlich andauern
  • Nachtschweiß, der die Bettwäsche durchnässt
  • Unerklärliche Blutergüsse oder verlängerte Blutungszeit bei kleinsten Wunden
  • Blässe und Kurzatmigkeit bei alltäglichen Aktivitäten

Jedes dieser Symptome für sich allein ist unspezifisch. Erst das gleichzeitige Auftreten mehrerer Zeichen über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen sollte konsequent Alarm schlagen.

Besonders betroffen sind Menschen ab 60 Jahren. Etwa zwei Drittel aller Leukämie-Neudiagnosen in Deutschland werden bei Patienten über 60 Jahren gestellt. Das Risiko steigt mit dem Alter deutlich an. Genau in dieser Altersgruppe aber neigen Betroffene und ihr Umfeld am häufigsten dazu, Erschöpfung, Blässe oder häufige Infekte als „normales Altern" einzuordnen — anstatt sie medizinisch abzuklären.

Unterschiedliche Verlaufsformen — unterschiedliche Dringlichkeit

Nicht jede Leukämie entwickelt sich gleich schnell. Die CLL, die häufigste Form bei Erwachsenen, verläuft oft über Jahre und wird teils zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt. Viele Betroffene können damit ohne unmittelbare Behandlung über lange Zeiträume symptomarm leben.

Die AML hingegen kann sich innerhalb von Wochen entfalten und führt ohne rasche Behandlung zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Bei akuten Formen ist die Zeit zwischen Diagnosesicherung und Therapiebeginn eine der entscheidenden Variablen für den weiteren Verlauf.

Laut DKFZ liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei der CLL, wenn sie früh erkannt wird, bei über 80 Prozent. Bei der AML sinken diese Werte je nach Stadium und Alter erheblich. Früherkennung durch ein Blutbild kann bei beiden Formen über den weiteren Krankheitsverlauf mitentscheiden — auch wenn keine offizielle Leukämie-Vorsorgeuntersuchung in den deutschen Krebsfrüherkennungsprogrammen verankert ist.

Zeigt ein einfaches großes Blutbild auffällige Werte — etwa erhöhte oder erniedrigte Leukozyten, Anämie-Zeichen oder veränderte Thrombozyten —, folgt in der Regel eine Überweisung an einen Hämatologen. Dieser kann innerhalb weniger Tage eine Knochenmarkpunktion veranlassen, die zuverlässig Aufschluss über eine mögliche Leukämieerkrankung gibt. Zwischen einem auffälligen Blutbild beim Hausarzt und einem gesicherten Befund beim Spezialisten vergehen in Deutschland durchschnittlich sieben bis vierzehn Tage — vorausgesetzt, der erste Arztbesuch erfolgt zeitnah.

Weitere Einblicke in ähnliche Krankheitsverläufe bieten der Fall von Jilke Michielsen und Knochenkrebssymptome bei Jugendlichen sowie was Johann Lafers Lymphdrüsenkrebs-Diagnose über das Erkennen von Metastasen zeigt.

Sechs Wochen Erschöpfung, vier Kilo Gewichtsverlust — wann der Arztbesuch nicht warten darf

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein 62-jähriger Lehrer aus Dortmund leidet seit sechs Wochen unter einer Erschöpfung, die trotz ausreichend Schlaf nicht nachlässt. In den vergangenen zwei Monaten hat er ungewollt rund vier Kilogramm Körpergewicht verloren — ohne Diät, ohne besondere körperliche Belastung. In diesem Zeitraum hatte er dreimal Infekte, die jeweils länger als zehn Tage anhielten, ungewöhnlich für einen Mann, der sonst kaum krank wird. Außerdem bemerkte er mehrfach Blutergüsse an Armen und Beinen ohne erkennbaren Anlass und eine zunehmende Kurzatmigkeit beim Treppensteigen.

Er ordnet alles als Folge von Überarbeitung ein — und verschiebt den Arzttermin.

Hier greift eine klare medizinische Faustformel: Wenn drei oder mehr dieser Warnsignale gleichzeitig auftreten und länger als vier Wochen anhalten, ist ein sofortiges Blutbild dringend angeraten — ohne weiteren Aufschub. Ein großes Blutbild, das eine erste Einschätzung des Blutbildes einschließlich der weißen Blutkörperchen ermöglicht, kostet als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) zwischen 15 und 35 Euro. In der Regel liegen die Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden vor. Liegt ein medizinisch begründbarer Verdacht vor — was bei dieser Symptomkonstellation der Fall ist —, kann das Blutbild über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet werden, ohne Eigenkosten für den Patienten.

Im konkreten Fall des Lehrers aus Dortmund: Hätte er nach Woche vier gehandelt und umgehend eine Überweisung zum Hämatologen eingeholt, hätte eine mögliche Leukämie in einem früheren Stadium erkannt werden können — mit deutlich besseren Therapiechancen. Die Zeit zwischen ersten Symptomen und Diagnose ist einer der wenigen Faktoren, den Patienten durch eigenes Handeln beeinflussen können.

Kurzmerksatz: Drei Warnsignale + vier Wochen + keine Besserung = sofort zum Arzt, aktiv nach einem Blutbild fragen.

Was jetzt zu tun ist

Der erste Jahrestag von Ulli Potofskis Tod ist mehr als ein Moment des Gedenkens an einen verdienten Sportjournalisten. Er ist eine Erinnerung daran, dass die häufigsten Leukämiesymptome bewusst leicht als Alltäglichkeiten missdeutet werden — und dass genau dieses Muster über Monate wertvolle Behandlungszeit kosten kann.

Wer mit einem Arzt spricht, sollte konkret sein: Symptome mit Beginn und Häufigkeit notieren, Gewichtsveränderungen dokumentieren, Infektionshäufigkeit der letzten drei Monate benennen. Ein vorbereites Gespräch führt schneller zur richtigen Diagnostik. Das Krebsinformationsdienst-Portal des DKFZ bietet kostenlose, wissenschaftlich geprüfte Informationen über Leukämie-Arten, Symptome, Diagnoseabläufe und aktuelle Behandlungswege.

Wer sich unsicher ist, ob anhaltende Symptome wie anhaltende Erschöpfung, ungewollter Gewichtsverlust oder häufige Infekte ernster genommen werden sollten, kann über ExpertZoom unkompliziert einen Gesundheitsexperten kontaktieren. Eine erste Einschätzung — wann ein Spezialistenbesuch sinnvoll ist, welche Fragen beim Arztgespräch gestellt werden sollten, was ein Blutbild aussagen kann — ist oft der entscheidende Schritt zwischen Abwarten und rechtzeitigem Handeln.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder medizinische Beratung. Bei anhaltenden oder besorgniserregenden Symptomen wenden Sie sich bitte zeitnah an einen Arzt oder medizinischen Fachmann.

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