Am 22. Mai 2026 präsentierte Thomas Tuchel der Welt seinen 26-Mann-Kader für die FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Noch vor dem ersten Spiel hatte der gebürtige Stuttgarter für Schlagzeilen gesorgt — nicht nur durch die überraschende Nicht-Nominierung von Phil Foden und Cole Palmer, sondern auch durch die Verlängerung seines Trainervertrags mit dem englischen Fußballverband (FA) bis 2028. Tuchel bleibt damit einer der bekanntesten deutschen Fachkräfte im Ausland — und sein Fall lehrt viel über die rechtlichen Realitäten internationaler Arbeitsverträge.
Tuchel, England und der WM-Kader 2026
Die Vorbereitung auf die WM verlief nach Plan: England besiegte Neuseeland in Tampa mit 1:0, Harry Kane erzielte das entscheidende Tor. Im Abschlusstraining gab Tuchel ein positives Fitness-Update zu Bukayo Saka vor dem letzten Testspiel gegen Costa Rica. Die Erwartungen dämpfte er dennoch bewusst: „Wir sind nicht die Favoriten", sagte Tuchel laut Sky Sports und nannte Portugal, Brasilien und Spanien als stärkere Titelkandidaten. Auf Kritik an seiner Herkunft reagierte er mit Humor: „Sorry, ich habe einen deutschen Pass."
Genau dieser „deutsche Pass" macht Tuchels Fall arbeitsrechtlich so interessant: Wie funktioniert ein Beschäftigungsverhältnis, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer in verschiedenen Ländern beheimatet sind?
Welches Recht gilt bei einem internationalen Arbeitsvertrag?
Diese Frage ist nicht trivial. Nach der EU-Verordnung Rom I können Arbeitgeber und Arbeitnehmer das anwendbare Vertragsrecht frei wählen. Eine wichtige Einschränkung gilt jedoch: Der Arbeitnehmer darf durch die Rechtswahl nicht schlechter gestellt werden als nach dem Recht des Landes, in dem er tatsächlich tätig ist. Für Tuchel bedeutet das: Selbst wenn sein Vertrag deutschem Recht unterliegen sollte, gelten zusätzlich bestimmte britische Mindeststandards.
Für Fachkräfte — ob IT-Experte, Ingenieur oder Ärztin — bedeutet das: Vor der Unterschrift muss klar sein, welches Rechtssystem im Streitfall gilt. Ein Anwalt mit Erfahrung im internationalen Arbeitsrecht kann diese Analyse leisten und Schutzlücken im Vertrag schließen.
Sozialversicherung und Steuern: Doppelte Pflichten im Ausland
Ein weiterer komplexer Punkt ist die Sozialversicherungspflicht. Wer dauerhaft im Vereinigten Königreich arbeitet, zahlt in der Regel in das britische National Insurance System ein — und verliert gleichzeitig den direkten Anspruch auf deutsche Sozialleistungen. Seit dem Brexit gibt es kein EU-Koordinierungsrecht mehr, das dies automatisch regelt.
Deutschland und das Vereinigte Königreich haben jedoch ein bilaterales Doppelbesteuerungsabkommen, das verhindert, dass Einkünfte in beiden Ländern vollständig besteuert werden. Dennoch müssen Betroffene in beiden Ländern aktiv Steuererklärungen einreichen, um Ansprüche geltend zu machen. Wer das versäumt, riskiert Steuernachforderungen oder den Verlust von Rückerstattungen.
Ergänzend dazu: Laut den FIFA-Statuten sind nationale Verbände verpflichtet, die FIFA-Regularien einzuhalten — auch beim Abschluss von Trainerverträgen. Das betrifft unter anderem Regelungen zur Vertragsauflösung und zu Entschädigungen.
Haben übergangene Spieler wie Foden rechtliche Optionen?
Die Nicht-Nominierung von Phil Foden und Cole Palmer sorgte für Debatten. Doch haben Spieler rechtlich gesehen eine Chance, gegen eine Nicht-Nominierung vorzugehen?
Grundsätzlich: Nein. Die Kadernominierung liegt im alleinigen Ermessen des Trainers — es besteht kein Rechtsanspruch auf Aufnahme in den Nationalmannschaftskader. Dennoch gibt es Ausnahmen:
- Bonusklauseln im Vereinsvertrag: Viele Profiverträge enthalten Bonuszahlungen, die an Nationalmannschaftseinsätze geknüpft sind. Wird ein Spieler ohne sachlichen Grund übergangen, könnten Bonusansprüche berührt sein — auch wenn der Rechtsweg schwierig bleibt.
- Diskriminierungsrecht: Falls eine Nicht-Nominierung auf diskriminierenden Motiven beruht, könnte das britische Equality Act 2010 greifen.
- Vertragliche Nebenklauseln: Vereinzelt enthalten Spielerverträge Kooperationsklauseln mit Nationalverbänden, aus denen sich indirekte Ansprüche ergeben können.
In der Praxis sind Klagen rund um Nominierungsentscheidungen äußerst selten — aber das Thema zeigt, wie komplex Arbeitsrecht im Profifußball ist. Ähnliche Fragen tauchen bei Umstrukturierungen, Versetzungen oder leistungsgebundenen Boni auch in anderen Branchen auf. Mehr Hintergrund dazu bietet dieser Beitrag zu Mikel Artetas Trainervertrag bei Arsenal.
Was Tuchels Verlängerung für normale Arbeitnehmer bedeutet
Tuchels Vertrag bis 2028 ist strukturiert wie viele Führungskräfteverträge: Fixgehalt (Branchenbeobachter schätzen 8 bis 10 Millionen Euro jährlich laut Fox News), Erfolgsboni für WM- oder EM-Erfolge, Ausstiegsklauseln für beide Seiten und Regelungen zur Freistellung von Vereinsspielern für den Nationalkader.
Fachkräfte auf allen Ebenen können daraus lernen: Auch in normalen Anstellungsverhältnissen im Ausland sollten Verträge klare Regelungen zu Kündigungsfristen, Erfolgskriterien und dem anwendbaren Recht enthalten. Wie der Fall von Jürgen Klopps Karrierewechsel zu Red Bull zeigt, können solche Übergänge erhebliche arbeitsrechtliche Konsequenzen haben — ein Anwalt kann hier entscheidend sein.
Wann lohnt sich ein Rechtsanwalt für internationale Verträge?
Ein Rechtsanwalt für internationales Arbeitsrecht ist empfehlenswert, wenn:
- Sie einen Arbeitsvertrag mit einem ausländischen Arbeitgeber abschließen oder verlängern
- Ihr Vertrag in einer Fremdsprache verfasst ist und die rechtlichen Folgen unklar sind
- Sie nach dem Brexit als Deutscher im Vereinigten Königreich arbeiten und Ihre Sozialversicherungs- und Steuerrechte klären möchten
- Sie Boni, Konkurrenzschutzklauseln oder Abfindungsansprüche verhandeln
- Im Streitfall unklar ist, welches nationale Gericht zuständig ist
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Für konkrete Fragen zu Ihrem Arbeitsvertrag wenden Sie sich an einen qualifizierten Rechtsanwalt.

Charlotte Schneider