Im Januar 2026 wählte der Landtag von Sachsen-Anhalt Sven Schulze (CDU) mit 58 von 97 Stimmen zum neuen Ministerpräsidenten des Bundeslandes – er übernahm das Amt von seinem Vorgänger Reiner Haseloff, der das Land seit 2011 geführt hatte. Für Bürgerinnen und Bürger, aber auch für Unternehmen und Investoren stellt sich die entscheidende Frage: Was ändert sich unter der neuen Führung konkret?
Wer ist Sven Schulze – und was hat er vor?
Sven Schulze, Jahrgang 1979, ist kein politischer Newcomer. Seit 2021 war er Wirtschaftsminister des Landes und damit maßgeblich an der Standortpolitik für Unternehmen in Sachsen-Anhalt beteiligt. Davor vertrat er das Bundesland von 2014 bis 2021 im Europäischen Parlament. Er kennt sowohl die Brüsseler Politikebene als auch die wirtschaftliche Realität des ostdeutschen Strukturwandels.
Schulze hat klar gemacht, dass die CDU die bisherige Koalition mit SPD und FDP fortsetzen will. Eine Zusammenarbeit mit der AfD oder der Linkspartei schließt er kategorisch aus. Politisch positioniert er sich damit als stabiles Gegengewicht zu einer AfD, die in Sachsen-Anhalt zuletzt in Umfragen stark zulegte.
Im Vorfeld der Landtagswahl im September 2026 hat Schulze die wirtschaftliche Entwicklung des Landes als zentrales Thema ausgerufen. Sein Credo: Sachsen-Anhalt braucht Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Fachkräfte – und das rasch.
Was bedeutet die neue Regierung für Arbeitnehmer?
Sachsen-Anhalt gehört zu den Ländern mit den niedrigsten Durchschnittslöhnen in Deutschland. Die neue Regierung unter Schulze setzt auf die Ansiedlung neuer Industriebetriebe und die Stärkung bestehender Unternehmen – insbesondere in den Bereichen Chemie, Agrarwirtschaft und Logistik.
Für Arbeitnehmer bedeutet das konkret: Wer in Wachstumsbranchen tätig ist oder in solche wechseln möchte, findet in Sachsen-Anhalt zunehmend Möglichkeiten. Das Bundesland versucht aktiv, Fachkräfte durch Förderprogramme anzuziehen – unter anderem mit bezuschussten Weiterbildungen und Umzugsförderungen.
Für Personen, die berufliche Veränderungen planen, empfiehlt es sich, die eigenen Arbeitsverträge und mögliche Kündigungsschutzrechte vorab mit einem Arbeitsrechtler zu prüfen – insbesondere wenn Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen bestehen, die durch Betriebsübergänge oder Restrukturierungen berührt werden könnten.
Was ändert sich für Unternehmen und Selbständige?
Wirtschaftspolitisch setzt Schulze auf Deregulierung und Bürokratieabbau. Konkret hat seine Regierung angekündigt, Genehmigungsverfahren für Unternehmensgründungen und Investitionsprojekte zu beschleunigen. Das ist ein Signal, das vor allem mittelständische Unternehmen und Start-ups aufhorchen lässt.
Für Selbständige und Freiberufler in Sachsen-Anhalt bieten die politischen Vorhaben eine interessante Perspektive: Wer plant, im Bundesland ein Unternehmen zu gründen oder zu expandieren, sollte die aktuellen Förderprogramme des Landes genau im Blick behalten. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt (IB) stellt dafür verschiedene Kreditprogramme und Zuschüsse bereit.
Steuerlich bleibt die Lage unverändert: Die Einkommens- und Körperschaftsteuer wird auf Bundesebene geregelt. Auf Landesebene relevant sind vor allem die Grunderwerbsteuer (aktuell 5 Prozent in Sachsen-Anhalt) sowie kommunale Gewerbesteuer-Hebesätze, die je nach Standort variieren.
Immobilien und Vermögen: Lohnt sich Sachsen-Anhalt?
Sachsen-Anhalt hat im bundesweiten Vergleich nach wie vor eines der niedrigsten Preisniveaus bei Wohnimmobilien. In Magdeburg und Halle (Saale) sind die Preise in den vergangenen Jahren gestiegen, liegen aber noch weit unter dem Niveau west- oder süddeutscher Großstädte.
Für Immobilieninvestoren, die auf langfristige Wertsteigerung setzen, könnte die politische Stabilität unter Schulze ein positives Signal sein. Eine Regierung, die auf wirtschaftliches Wachstum setzt und Infrastrukturinvestitionen priorisiert, schafft tendenziell bessere Rahmenbedingungen für den lokalen Immobilienmarkt.
Wer konkrete Investitionsentscheidungen in Sachsen-Anhalt plant – ob als privater Käufer, Vermieter oder unternehmerischer Investor – sollte jedoch eine aktuelle steuerrechtliche und vermögensberatende Einschätzung einholen. Die steuerliche Behandlung von Mieteinnahmen und Immobilienerträgen folgt bundeseinheitlichen Regeln, aber regionale Besonderheiten bei Grunderwerbsteuer und kommunalen Abgaben können die Rendite spürbar beeinflussen.
Bildung und Schule: Was Eltern wissen sollten
Schulze hat eindringlich davor gewarnt, dass ein Regierungswechsel hin zur AfD Schulschließungen in ländlichen Regionen riskieren würde. Das zeigt, dass das Bildungsthema in Sachsen-Anhalt politisch heiß umkämpft ist.
Für Eltern in kleineren Gemeinden bedeutet das: Die Schulversorgung im ländlichen Raum bleibt ein politisches Streitthema. Wer Kinder mit besonderem Förderbedarf hat oder Nachhilfebedarf erkennt, sollte nicht auf staatliche Lösungen warten. Private Nachhilfeangebote und individuelle Förderung werden gerade in Phasen politischer Ungewissheit besonders wichtig.
Was Schulzes Regierung für das Verhältnis zu EU und Bundesebene bedeutet
Durch seine Jahre als Europaparlamentarier bringt Schulze Erfahrung in der Zusammenarbeit mit EU-Institutionen mit. Das könnte für Sachsen-Anhalt von Bedeutung sein, wenn es um die Beantragung und Verwaltung von EU-Fördermitteln geht. Das Bundesland ist traditionell ein Empfänger von Strukturfondsmitteln der Europäischen Union.
Laut der Investitionsbank Sachsen-Anhalt (IB) stehen Unternehmen und Investoren EU-kofinanzierte Förderprogramme zur Verfügung – von der Ansiedlungsförderung über zinsgünstige Unternehmenskredite bis hin zu Zuschüssen für Digitalisierungsmaßnahmen im Mittelstand.
Auf Expert Zoom finden Sie Experten, die Ihnen helfen, diese Programme zu navigieren – darunter Steuerberater, Rechtsanwälte und Unternehmensberater, die mit dem Förderlandschaft in Sachsen-Anhalt vertraut sind. Ähnliche Veränderungen auf Bundesebene – etwa im Bereich Energiepolitik – haben gezeigt, wie Regierungswechsel konkrete Auswirkungen auf Planungen haben können. Mehr dazu finden Sie im Bericht zur neuen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich an einen qualifizierten Fachmann in Ihrer Region.

Lena Schmidt