Deutscher Verbraucher liest im Supermarkt sorgfältig das Etikett einer Ketchupflasche

Stiftung Warentest testet Ketchup: Schimmelgifte in 3 Produkten — was Verbraucher jetzt wissen müssen

Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 25. März 2026

Stiftung Warentest hat im März 2026 insgesamt 23 Tomatenketchups unter die Lupe genommen — und das Ergebnis ist alarmierend: Drei Produkte enthielten Alternaria-Schimmelpilzgifte in bedenklichen Mengen. Ein Ketchup erhielt die Note "mangelhaft". Doch was dürfen Verbraucher in Deutschland verlangen, wenn ein Lebensmittel den Test nicht besteht?

Was Stiftung Warentest beim Ketchup-Test gefunden hat

Der aktuelle Test von Stiftung Warentest umfasst bekannte Marken wie Heinz sowie Eigenmarken von Discountern wie Lidl (Kania Classic) und Edeka (Gut & Günstig). Das Ergebnis: 12 von 23 Ketchups wurden mit "gut" bewertet, 7 mit "befriedigend", 3 mit "ausreichend" — und einer schnitt "mangelhaft" ab.

Der Hauptkritikpunkt: Alternaria-Toxine, Schimmelpilzgifte, die entstehen, wenn Tomaten während der Ernte oder Verarbeitung mit dem Schwarzschimmel Alternaria alternata befallen werden. Drei Produkte überschritten laut Testergebnissen die empfohlenen Richtwerte. Alternaria-Toxine stehen im Verdacht, erbgutverändernd zu wirken; die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sie seit 2023 als prioritären Untersuchungsgegenstand eingestuft.

Ebenfalls beanstandet wurde ein erhöhter Zuckergehalt in mehreren Produkten — zwischen 3,6 und 19,3 g pro 100 ml — sowie der Einsatz von Sucralose, einem Süßungsmittel, das laut Testurteil Gewässer belasten kann, weil es von Kläranlagen nicht vollständig abgebaut wird.

Der einzige Ketchup mit einer tadellosen Geschmacksnote von 1,0: Born Tomatenketchup, der für sein fruchtiges Tomatenaroma und seine ausgewogene Säure ausgezeichnet wurde.

Welche Rechte haben Verbraucher bei bedenklichen Lebensmitteln?

Die Testergebnisse stellen viele Menschen vor eine praktische Frage: Was kann ich tun, wenn ein Produkt im Regal steht, das Schadstoffe enthält oder mangelhaft ist?

Rückgaberecht beim Händler: In Deutschland gilt das gesetzliche Gewährleistungsrecht (§ 437 BGB). Wer ein mangelhaftes Lebensmittel gekauft hat, kann es beim Händler umtauschen oder den Kaufpreis erstattet verlangen. Wichtig: Die Mängelgewährleistung gilt 24 Monate ab Kauf, wobei bei verderblichen Waren die Beweislast nach sechs Monaten beim Verbraucher liegt.

Produktrückruf: Wenn ein Hersteller oder die Lebensmittelüberwachung einen Rückruf anordnet, sind Verbraucher verpflichtet, das Produkt zurückzugeben. Der Händler muss in diesem Fall den Kaufpreis erstatten — auch ohne Kassenbon, da die Rückrufpflicht unabhängig vom Nachweis des Kaufzeitpunkts gilt.

Schadensersatz bei gesundheitlichen Schäden: Hat ein Lebensmittel nachweislich Schaden verursacht, haftet nach dem Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG) der Hersteller. Schäden unter 500 Euro trägt der Verbraucher selbst (Selbstbehalt); darüber hinaus muss der Hersteller zahlen. Zusätzlich ist Schmerzensgeld möglich, wenn eine Gesundheitsbeeinträchtigung nachgewiesen werden kann.

Meldung an die Behörden: Verbraucher können mangelhafte Lebensmittel kostenlos beim zuständigen Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung melden. Die Behörden können eigene Proben nehmen ("Beschwerdeprobe") und den Hersteller zu Maßnahmen verpflichten.

Wie erkenne ich, ob mein Ketchup betroffen ist?

Die Testergebnisse im Detail — welche Marken genau negativ aufgefallen sind — sind auf der Website von Stiftung Warentest gegen eine geringe Gebühr abrufbar. Kostenlose Produktwarnungen gibt es auf lebensmittelwarnung.de, dem offiziellen Verbraucherinformationsportal des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Praktischer Tipp: Registrieren Sie sich für Push-Benachrichtigungen auf lebensmittelwarnung.de — so erfahren Sie in Echtzeit, wenn ein Produkt, das Sie im Kühlschrank haben, zurückgerufen wird.

Was tun bei einem Verdacht auf Lebensmittelunverträglichkeit?

Alternaria-Toxine können bei empfindlichen Personen — vor allem Kindern, Schwangeren und immungeschwächten Menschen — Beschwerden verursachen. Typische Symptome einer Lebensmittelvergiftung reichen von Übelkeit und Bauchkrämpfen bis zu Durchfall und Erbrechen.

Wenn Sie oder ein Familienmitglied nach dem Verzehr eines Produkts Symptome entwickelt haben, empfiehlt sich eine ärztliche Konsultation — auch um die Ursache dokumentieren zu lassen, falls später rechtliche Schritte erforderlich werden.

Ein Verbraucherrechtsexperte kann zudem prüfen, ob ein Schadensersatzanspruch gegen den Hersteller besteht. Auf ExpertZoom finden Sie Rechtsanwälte, die auf Verbraucherschutz und Produkthaftung spezialisiert sind und Sie online beraten.

Gut, besser, Born: Was Sie beim nächsten Ketchupkauf beachten sollten

Für den nächsten Einkauf lohnt ein Blick auf die Testergebnisse: Die günstigsten "gut"-bewerteten Produkte — etwa von Edeka und Lidl — kosten nur 0,26 Euro pro 100 ml und schnitten beim Schimmelpilztoxin-Test besser ab als deutlich teurere Markenprodukte. Heinz-Ketchup, der Weltmarktführer, gehörte laut Stiftung Warentest nicht zu den Gewinnern des Tests.

Besonderes Augenmerk gilt den fünf im Test enthaltenen Kinderketchups: Gerade bei Produkten, die gezielt für Kinder vermarktet werden, ist eine erhöhte Vorsicht bei Schimmelpilzgiften geboten, da Kinder empfindlicher auf Toxine reagieren als Erwachsene. Eltern sollten auf unabhängige Testergebnisse achten und nicht allein dem Marketing vertrauen.

Der Preistipp: Nicht immer ist teuer gleich sicher. Vertrauen Sie unabhängigen Tests wie dem von Stiftung Warentest — und wissen Sie, dass Sie als Verbraucher in Deutschland starke Rechte haben, um sich gegen mangelhafte Produkte zu wehren.

Verbraucherschutz: Wann brauche ich einen Anwalt?

Viele Verbraucher wissen nicht, dass bei Lebensmittelschäden rechtliche Ansprüche oft einfacher durchzusetzen sind, als man denkt — vorausgesetzt, man handelt schnell und dokumentiert den Fall sorgfältig.

Ein Verbraucheranwalt kommt ins Spiel, wenn:

  • Der Händler eine Rückgabe verweigert oder hinzieht
  • Der Hersteller einen Schadensersatzanspruch ablehnt
  • Gesundheitsschäden dokumentiert sind und eine Entschädigungsklage geprüft werden soll
  • Sie Teil einer Sammelbeschwerde gegen einen Hersteller werden möchten

In Deutschland gibt es seit 2023 die Möglichkeit der Abhilfeklage (früher: Musterfeststellungsklage), die es Verbraucherverbänden erlaubt, gemeinsam für eine Gruppe von Betroffenen zu klagen. Wenn eine größere Anzahl Menschen durch dasselbe Produkt geschädigt wurde, kann dies eine kostengünstige Alternative zur Einzelklage sein.

Auf ExpertZoom können Sie einen auf Verbraucherrecht spezialisierten Anwalt online konsultieren — schnell, vertraulich und ohne Wartezeit. Ein Erstgespräch kann klären, ob Ihr Fall Aussicht auf Erfolg hat.

Zusammenfassung: Das können Sie jetzt tun

  1. Prüfen Sie Ihren Ketchup — Schauen Sie auf lebensmittelwarnung.de, ob Ihr Produkt betroffen ist
  2. Heben Sie den Kassenbon auf — Als Nachweis für eventuelle Rückgaben
  3. Melden Sie Beschwerden der Behörde — Das Amt für Lebensmittelüberwachung nimmt Beschwerdeproben kostenlos an
  4. Konsultieren Sie einen Arzt bei Symptomen — Und lassen Sie sich den Besuch schriftlich dokumentieren
  5. Holen Sie rechtliche Beratung ein — Wenn Sie Schäden erlitten haben oder eine Rückgabe abgelehnt wurde

Als Verbraucher in Deutschland sind Sie nicht schutzlos. Die Kombination aus gesetzlicher Gewährleistung, Produkthaftungsgesetz und unabhängigen Verbraucherschutzorganisationen schafft ein starkes Netz. Nutzen Sie es.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Bei konkreten rechtlichen Fragen wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Verbraucherrecht.

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