Stefan Kretzschmar: Entlassung als Sportvorstand – welche Rechte haben Führungskräfte im Profisport?

Führungskraft im Gespräch mit Arbeitsrechtsanwalt in modernem Berliner Büro über Kündigung

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Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 9. Mai 2026

Stefan Kretzschmar: Entlassung als Sportvorstand – welche Rechte haben Führungskräfte im Profisport?

Im September 2025 trennten sich die Füchse Berlin überraschend von Sportvorstand Stefan Kretzschmar und Trainer Jaron Siewert – unmittelbar vor einem Topspiel gegen SC Magdeburg. Kretzschmar beschrieb den Zeitpunkt als "ungünstig" und zeigte sich "emotional angeschlagen". Der pikante Haken: Kurz zuvor hatte er persönlich den Transfer des Superstars Dika Mem von FC Barcelona zu den Füchsen eingefädelt – ein Coup, den der Klub jetzt ohne ihn verwaltet. Trotz der Entlassung ist Kretzschmar heute als Handball-Experte bei Dyn Media präsent und wurde in diesem Frühjahr bei der Handball-WM 2026 zum prominenten Kommentator. Doch sein Fall wirft eine Frage auf, die viele Führungskräfte im Sport kennen: Welche rechtlichen Möglichkeiten hat ein Sportvorstand, wenn er plötzlich gefeuert wird?

Was ist ein Sportvorstand – und gilt das Kündigungsschutzgesetz?

Im deutschen Profisport ist die Bezeichnung "Sportvorstand" keine klar geregelte Arbeitsvertragskategorie. Je nach Vereins- oder Kapitalgesellschaftsstruktur kann der Sportvorstand:

  • Angestellter mit leitenender Funktion sein (dann gilt das Arbeitnehmerrecht inklusive Kündigungsschutz),
  • Organmitglied (z. B. Vorstand einer AG oder GmbH-Geschäftsführer) sein – dann greift das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) nicht.

Das ist entscheidend: Organmitglieder können im deutschen Recht grundsätzlich jederzeit mit der gesetzlichen Frist abberufen werden. Die Abberufung als Organ ist von der Kündigung des zugrundeliegenden Dienstverhältnisses zu trennen. Auf das Dienstverhältnis eines GmbH-Geschäftsführers oder Vorstands einer AG findet das KSchG nach ständiger Rechtsprechung keine Anwendung.

Trotzdem bedeutet das nicht, dass eine Entlassung folgenlos bleibt.

Was bleibt nach einer Kündigung als Sportvorstand?

Vertragsansprüche: Auch wenn der Kündigungsschutz nicht greift, bleibt das Dienstverhältnis mit seinen vertraglichen Ansprüchen bestehen. Hat ein Sportvorstand einen Vertrag mit einer festen Laufzeit – wie im Profisport üblich – kann der Verein nicht einfach außerordentlich kündigen, ohne eine entsprechende Regelung im Vertrag zu haben. Die verbleibende Vergütung ist dann als Abfindung oder Schadenersatz geltend zu machen.

Gestaltete Auflösungsvereinbarungen: In der Praxis werden Trennungen im Profisport häufig durch Aufhebungsverträge geregelt. Hier ist Vorsicht geboten: Ein Aufhebungsvertrag, der vorschnell unterzeichnet wird, kann erhebliche Ansprüche ausschließen. Wer keinen Anwalt hinzuzieht, gibt möglicherweise Abfindungsansprüche oder Gehaltsfortsetzungsansprüche auf.

Leistungsschutzrechte bei laufenden Projekten: Was passiert, wenn der Funktionär kurz vor seiner Entlassung einen wichtigen Vertrag angebahnt hat – wie Kretzschmar den Dika-Mem-Deal? Solche geleistete Arbeit kann in manchen Konstellationen Grundlage für einen Provisionsanspruch oder zumindest eine angemessene Berücksichtigung bei der Abfindungsverhandlung sein.

Laut dem Bundesministerium der Justiz unterliegen Vorstände und Geschäftsführer in Deutschland einem anderen Regelungsrahmen als normale Arbeitnehmer – was die Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Trennungen auf Führungsebene umso wichtiger macht.

Wie schützt man sich vor abrupten Entlassungen im Sport?

Für Sportfunktionäre und Trainer gilt ähnliches wie für Führungskräfte in anderen Branchen: Der Schutz liegt im Vertrag, nicht im Gesetz.

Wichtige Vertragsklauseln für Sportvorstände:

  1. Festlaufzeit mit Mindestabfindung – Kein Rauswurf ohne finanzielle Konsequenz
  2. Abberufungsschutz – Trennung von Organbestellung und Dienstvertrag, um doppelte Sicherheit zu schaffen
  3. Change-of-Control-Klauseln – Schutz bei Vereinsfusionen, Insolvenz oder Gesellschafterwechsel
  4. Leistungsschutz für laufende Deals – Ansprüche auf Provision oder Anerkennung bei Transfers, die nach der Kündigung rechtswirksam werden

Wer diese Klauseln vor Vertragsunterzeichnung nicht mit einem Anwalt besprochen hat, steht im Ernstfall oft schlechter da als gedacht.

Der Kretzschmar-Effekt: Karriere nach dem Rauswurf

Was Kretzschmar exemplarisch zeigt: Eine Entlassung aus einer Sportfunktion bedeutet keinen endgültigen Karriereknick. Seine schnelle Rückkehr in den Medienbereich – mit eigenem Podcast "Harzblut" auf Dyn Media und prominenter Präsenz bei der Handball-WM 2026 – zeigt, dass Netzwerk und Expertise im Profisport weiter wirken.

Ein Karriereberater oder Coach kann Führungskräften nach einer Entlassung helfen, die eigene Positionierung zu analysieren und neue Wege zu identifizieren. Der Schritt von der aktiven Funktionärsrolle in die Medien- oder Beraterrolle ist im Sport häufig und gut planbar – wenn man den Übergang strategisch angeht.

Wie auch beim Abgang von Uwe Gensheimer als Sportdirektor der Rhein-Neckar Löwen zeigt sich: Führungswechsel im Handball sind oft abrupt – umso wichtiger ist die rechtliche und persönliche Vorbereitung.

Tochter, Mikrofon und Neuanfang: Warum Kretzschmar's Geschichte Mut macht

Bemerkenswert ist auch, dass Kretzschmar's Tochter Lucie-Marie Kretzschmar mittlerweile selbst als Handball-Expertin im Fernsehen arbeitet – sie debütierte bei der Handball-WM 2026 als Kommentatorin. Eine Familiengeschichte, die zeigt: Auch nach einem beruflichen Bruch entsteht neues Potenzial, wenn man die eigenen Stärken kennt und eine klare Richtung findet.

Das gilt nicht nur im Sport. In Deutschland gibt es nach einer Entlassung auf Führungsebene oft mehr Optionen als zunächst gedacht – vorausgesetzt, man schützt seine Rechte rechtzeitig und handelt strategisch.

Was tun, wenn Sie selbst betroffen sind?

Wenn Sie als Führungskraft – ob im Sport oder in einem anderen Unternehmen – plötzlich mit einer Kündigung oder Aufforderung zur Aufhebungsvereinbarung konfrontiert werden:

  1. Nichts sofort unterschreiben – Aufhebungsverträge können nicht rückgängig gemacht werden
  2. Anwalt einschalten – Fachanwalt für Arbeitsrecht oder Gesellschaftsrecht, je nach Organstellung
  3. Fristen beachten – Bei Kündigungsschutzklagen gilt eine Dreiwochenfrist nach Zugang der Kündigung
  4. Abfindung verhandeln – Gerade bei laufenden Projekten und nachweislichem Wert für den Verein ist Spielraum vorhanden
  5. Vertrag prüfen lassen – Oft liegen ungeplante Ansprüche in den Vertragsdetails, die Betroffene ohne anwaltliche Hilfe nicht entdecken

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Wenden Sie sich bei einer konkreten arbeitsrechtlichen Frage bitte an einen Fachanwalt.

Bildnachweise : Dieses Bild wurde mittels künstlicher Intelligenz generiert.

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