Während die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 läuft, steigt die Zahl der Nutzer kostenloser Sport-Apps und Streaming-Dienste in Deutschland sprunghaft an. Anbieter wie SPORT1 gehören zu den meistgesuchten Begriffen im Netz. IT-Datenschutzexperten warnen jedoch: Wer eine Gratis-App installiert, bezahlt oft mit seinen persönlichen Daten – ohne es zu merken.
Die WM eröffnete am 14. Juni 2026. Die deutsche Nationalmannschaft startete mit einem 7:1 gegen Curaçao, das nächste Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste folgt am 20. Juni. Millionen Fans verfolgen Ergebnisse, Highlights und Live-Ticker über das Smartphone. Genau in diesen Wochen lohnt sich ein genauer Blick darauf, welche Daten dabei im Hintergrund fließen – und wie man sich mit einfachen Mitteln schützt.
Was bei SPORT1 und kostenlosen Sport-Apps gerade passiert
SPORT1 hält nach eigenen Angaben die exklusiven Free-TV-Rechte an den Bundesliga-Highlights von der Saison 2025/26 bis 2028/29, auch für Österreich und die Schweiz. Die WM-Spiele selbst zeigen in Deutschland vor allem ARD (Sportschau) und ZDF kostenlos, ergänzt durch RTL, NTV und Sky.
Das Ergebnis: Eine Flut an kostenlosen Apps, Live-Tickern und Streaming-Angeboten, die Fans rund um die Uhr begleiten. Kostenlos für den Nutzer heißt aber nicht kostenlos für den Anbieter. Werbefinanzierte Dienste verdienen ihr Geld mit Reichweite – und mit Daten über das Verhalten ihrer Nutzer.
Warum Gratis-Apps Daten sammeln
Hinter fast jeder kostenlosen App stehen Werbenetzwerke und Analyse-Dienste. Sie ordnen jedem Gerät eine eindeutige Werbe-ID zu und protokollieren, welche Inhalte ein Nutzer ansieht, wie lange er bleibt und worauf er klickt. Aus diesen Daten entstehen Profile, die für zielgerichtete Werbung verkauft werden.
Die Zustimmung dazu holen sich viele Anbieter über Cookie-Banner und seitenlange Allgemeine Geschäftsbedingungen, die kaum jemand liest. Wer beim ersten Öffnen schnell auf „Akzeptieren" tippt, willigt häufig in ein umfangreiches Tracking ein.
Hinzu kommt: Manche Apps fordern Berechtigungen an, die mit dem eigentlichen Zweck nichts zu tun haben. Eine Live-Ticker-App braucht keinen Zugriff auf Kontakte, Standort oder Mikrofon. Wird er trotzdem verlangt, ist Vorsicht geboten.
Welche Daten konkret betroffen sind
Typischerweise erfassen werbefinanzierte Sport-Dienste folgende Informationen:
- Geräte- und Werbe-ID, die das Smartphone über Apps hinweg wiedererkennbar macht
- Nutzungsverhalten, also welche Teams, Spiele und Artikel jemand verfolgt
- Ungefährer Standort über die IP-Adresse, teils auch der genaue GPS-Standort
- Technische Daten wie Gerätemodell, Betriebssystem und Mobilfunkanbieter
Einzeln wirken diese Angaben harmlos. Zusammengeführt ergeben sie ein erstaunlich genaues Bild über Tagesablauf, Interessen und Kaufkraft eines Menschen. Genau das macht sie für die Werbeindustrie so wertvoll – und für Nutzer schwer kontrollierbar.
Das sagt der IT-Datenschutzexperte
Hier setzt die Arbeit von IT- und Datenschutzfachleuten an. Sie prüfen, welche Dienste eine App tatsächlich einbindet, ob die Datenverarbeitung mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vereinbar ist und wo unnötige Risiken bestehen.
In Deutschland gilt: Jede Verarbeitung personenbezogener Daten braucht eine Rechtsgrundlage. Nutzer haben nach der DSGVO ein Auskunftsrecht und können verlangen, dass ihre Daten gelöscht werden. Beschwerden nehmen die Datenschutzbehörden entgegen, etwa die oder der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Verbraucherinnen und Verbraucher finden dort auch verständliche Hinweise zu ihren Rechten (bfdi.bund.de).
Wer unsicher ist, ob eine App rechtskonform mit Daten umgeht, oder wer für ein kleines Unternehmen eine Sport- oder Event-App einsetzt, sollte einen IT-Spezialisten oder Datenschutzberater hinzuziehen. Ein Fachmann erkennt versteckte Tracker, bewertet die Berechtigungen und zeigt datensparsame Alternativen auf.
Vorsicht beim Public Viewing und in offenen WLAN-Netzen
Ein zweites Risiko entsteht dort, wo die Spiele gemeinsam geschaut werden. In Biergärten, Bahnhöfen und Cafés bieten viele Betreiber offene WLAN-Netze an. Diese sind bequem, aber selten verschlüsselt. Wer sich darüber bei Diensten anmeldet oder bezahlt, riskiert, dass Dritte die Verbindung mitlesen.
IT-Experten raten, in offenen Netzen keine sensiblen Anmeldungen vorzunehmen und nach Möglichkeit eine verschlüsselte VPN-Verbindung zu nutzen. Auch das automatische Verbinden mit unbekannten Netzwerken sollte abgeschaltet sein. So bleibt das Smartphone während des Public Viewings besser geschützt.
Hinzu kommt die Gefahr gefälschter Hotspots: Angreifer richten ein Netzwerk mit einem vertrauenswürdig klingenden Namen ein, um Datenverkehr abzufangen. Wer unsicher ist, fragt das Personal nach dem korrekten Netzwerknamen, bevor er sich verbindet.
Was Sie jetzt tun sollten
Mit wenigen Handgriffen lässt sich der Datenabfluss während der WM 2026 deutlich begrenzen:
- Werbe-ID zurücksetzen oder deaktivieren. In den Einstellungen von Android und iOS lässt sich das geräteübergreifende Tracking einschränken.
- Berechtigungen prüfen. Entziehen Sie Apps den Zugriff auf Standort, Kontakte und Mikrofon, wenn er für die Funktion nicht nötig ist.
- Cookie-Banner bewusst beantworten. Wählen Sie „Ablehnen" oder „Nur notwendige", statt reflexartig zuzustimmen.
- Apps aus offiziellen Stores laden. Anwendungen aus seriösen Quellen werden geprüft und aktualisiert.
- Im Zweifel nachfragen. Machen Sie von Ihrem Auskunftsrecht Gebrauch und lassen Sie sich zeigen, welche Daten gespeichert sind.
Die WM ist ein Fest für Fußballfans – und eine Hochsaison für die Datensammler. Wer ein paar Minuten in die richtigen Einstellungen investiert, kann die Spiele genießen, ohne nebenbei ein detailliertes Profil von sich preiszugeben. Bei komplexeren Fragen rund um App-Sicherheit und Datenschutz hilft ein IT-Experte schnell und gezielt weiter.

Jens Fischer