Deutscher IT-Spezialist analysiert SAP Cloud-Migrationsdaten an einem Dual-Monitor-Arbeitsplatz im modernen Büro

SAP-Aktie auf 12-Monats-Tief: Warum IT-Spezialisten jetzt knapp werden

Anna Anna SchmidtInformationstechnologie
4 Min. Lesezeit 24. März 2026

SAP-Aktie auf 12-Monats-Tief: Warum IT-Spezialisten jetzt knapp werden

Am 20. März 2026 fiel die SAP-Aktie auf ein 12-Monats-Tief von 152,76 Euro — ein Rückgang von 3,86 % an einem einzigen Handelstag. Der Kursrückgang ist kein Zufall: Er spiegelt strukturelle Probleme wider, mit denen Tausende deutsche Unternehmen kämpfen. Die Migration von SAPs veralteten ECC-Systemen zu S/4HANA Cloud kommt nicht voran — und qualifizierte IT-Spezialisten sind kaum zu finden.

Warum der SAP-Kurs unter Druck gerät

Seit Jahren verspricht SAP, seine Kunden von den Legacy-Systemen Enterprise Central Component (ECC) in die Cloud zu migrieren. Das Ergebnis bisher: Nur 39 % der rund 35.000 ECC-Kunden haben bislang eine Lizenz für S/4HANA erworben — ein Wert, der sich seit dem vierten Quartal 2023 (damals 34 %) kaum verändert hat. Analysten hatten für 2026 deutlich höhere Adoptionsraten erwartet.

Erschwerend kommt hinzu: 84 % der Unternehmen, die eine Cloud-Migration begonnen haben, sind gescheitert und haben ihre ursprünglichen Systeme wiederherstellen müssen. Dieses auffallend hohe Rollback-Verhältnis signalisiert, dass nicht nur die Technologie, sondern vor allem der Fachkräftemangel die Migrationsprojekte blockiert.

2027: Der Countdown für ECC-Kunden läuft

SAP hat angekündigt, den Support für die ECC-Plattform im Jahr 2027 einzustellen. Für Zehntausende Unternehmen bedeutet das: Migration oder Risiko. Wer bis dahin nicht auf S/4HANA umgestiegen ist, läuft ohne Sicherheitsupdates und ohne Herstellersupport — ein inakzeptabler Zustand für unternehmenskritische ERP-Systeme.

Dieser Deadline-Druck trifft auf einen Markt, der personell nicht vorbereitet ist. Laut einer aktuellen Branchenerhebung melden 84 % der deutschen Unternehmen erhebliche Engpässe bei erfahrenen S/4HANA-Spezialisten. Am stärksten nachgefragt sind derzeit Datenmigrations-Experten, Finance-Modul-Berater, Testing- und QA-Fachleute sowie DevOps-Spezialisten mit Cloud-Erfahrung.

Deutschland kämpft mit dem IT-Fachkräftemangel

Rund 60 % der deutschen Unternehmen setzen SAP-ERP-Systeme ein — entweder on-premises oder in der Cloud. 85 % dieser Kunden befinden sich nach eigenen Angaben in der Vorbereitungsphase einer Cloud-Migration. Die Nachfrage nach IT-Spezialisten übersteigt das Angebot bei Weitem.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) bestätigt, dass Deutschland bei der Besetzung von IT-Stellen zunehmend auf die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen ist. Demografischer Wandel, steigende Renteneintritte der Babyboomer-Generation und rückläufige Absolventenzahlen in MINT-Fächern verschärfen die Situation. Die deutschen Hochschulen produzieren nicht genug IT-Nachwuchs, um den Bedarf der Wirtschaft zu decken.

Was eine fehlgeschlagene Migration kostet

Ein SAP-Migrationsprojekt, das scheitert, ist keine abstrakte Zahl. Wenn Datenmigration fehlerhaft läuft, wenn Schnittstellen nicht funktionieren oder wenn das ERP-System nach der Umstellung nicht wie erwartet läuft, entstehen direkte Kosten: Systemausfälle, Datenverluste, Neustart des Projekts. In deutschen Mittelstandsunternehmen können solche Projekte schnell mehrere Millionen Euro kosten.

SAP hat für das erste Halbjahr 2026 ein "Transformation Incentive"-Programm aufgelegt: Bis zum 30. Juni 2026 können autorisierte SAP-Partner Implementierungsgutschriften in Höhe von 50 % des Anreizwerts direkt für S/4HANA Public Cloud Migrationsprojekte einsetzen. Doch auch diese Förderung hilft wenig, wenn die notwendigen Fachkräfte fehlen.

Welche IT-Kompetenzen jetzt besonders gefragt sind

Wer ein SAP-Migrationsprojekt stemmen will, braucht ein Team mit spezifischem Know-how. Die gefragtesten Kompetenzen im Jahr 2026:

Datenmigration und ETL-Prozesse: Die Übertragung von Stammdaten, Transaktionsdaten und historischen Daten aus dem Altsystem ist technisch anspruchsvoll. ETL-Spezialisten (Extract, Transform, Load) müssen Datenqualität sicherstellen, bevor ein produktives System gehen kann.

Finance-Modul-Expertise: Das S/4HANA-Finanzmodul unterscheidet sich strukturell vom ECC-Vorgänger. Berater mit spezifischem FI/CO-Wissen (Finanzbuchhaltung und Controlling) sind besonders schwer zu finden.

Testing und Qualitätssicherung: Jede Migration braucht umfassende Testphasen. Automatisierungstests, Regressionstest-Frameworks und Performance-Tests erfordern Fachleute, die sowohl SAP als auch moderne Testmethoden beherrschen.

Projektmanagement und Cutover-Planung: Der Übergang vom alten zum neuen System muss minutiös geplant werden, um Betriebsunterbrechungen zu minimieren.

Wie Unternehmen jetzt handeln sollten

Unternehmen, die noch keine konkreten Migrationsschritte eingeleitet haben, stehen unter Zeitdruck. Angesichts der 2027-Frist und des bekannten Fachkräftemangels empfehlen Experten folgende Schritte:

Zunächst sollte eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen IT-Infrastruktur stattfinden: Welche ECC-Module sind im Einsatz? Welche Schnittstellen bestehen zu anderen Systemen? Welche Datenqualität haben die vorhandenen Stammdaten? Diese Analyse ist die Grundlage für eine realistische Migrationsplanung.

Danach geht es darum, frühzeitig qualifizierte IT-Spezialisten zu identifizieren — entweder intern durch Weiterbildung oder extern über spezialisierte Beratungsfirmen und Freelancer-Plattformen. Die Erfahrung zeigt: Wer zu spät sucht, findet niemanden mehr oder muss unrealistische Tagessätze akzeptieren.

Die Rolle externer IT-Berater bei SAP-Projekten

Viele mittelständische Unternehmen in Deutschland verfügen nicht über das nötige interne Know-how für eine vollständige S/4HANA-Migration. Externe IT-Berater und Freelancer-Spezialisten spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie bringen projektspezifische Erfahrung mit, können schnell eingesetzt werden und sind nach dem Projektabschluss wieder flexibel einsetzbar.

Besonders gefragt sind Berater, die bereits mehrere erfolgreiche Migrationen begleitet haben und typische Fallstricke kennen: unklar definierte Datenmigrationsstrategie, fehlende Testumgebungen, unzureichendes Change-Management bei den Mitarbeitern. Erfahrene IT-Spezialisten helfen, diese Risiken frühzeitig zu erkennen und zu mitigieren.

Die Einbindung externer Expertise bedeutet nicht Kontrollverlust: Im Gegenteil, ein guter IT-Berater dokumentiert alle Prozesse sorgfältig und stellt sicher, dass das interne Team am Ende autonom mit dem neuen System arbeiten kann. Wissenstransfer ist dabei genauso wichtig wie die technische Implementierung.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Planung Ihrer SAP-Migration oder sind Sie auf der Suche nach einem qualifizierten IT-Spezialisten? Auf Expert Zoom finden Sie erfahrene IT-Experten und Technologieberater, die Ihnen bei Cloud-Migrationen, ERP-Projekten und IT-Strategiefragen helfen können. Jetzt einen IT-Spezialisten finden.

Unsere Experten

Vorteile

Schnelle und präzise Antworten auf alle Ihre Fragen und Hilfsanfragen in über 200 Kategorien.

Tausende von Nutzern haben eine Zufriedenheit von 4,9 von 5 für die Beratung und Empfehlungen unserer Assistenten erhalten.

Kontaktieren Sie uns

E-Mail
Folgen Sie uns