Xatar-Doku in der ARD: Was Künstler über ihren Nachlass und ihre digitale Erbschaft wissen müssen

Rapper Xatar alias Giwar Hajabi bei einem Auftritt 2018

Photo : Giwar Hajabi / Wikimedia

Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 min de lecture 3. Mai 2026

Xatar-Doku in der ARD: Was Künstler über ihren Nachlass und ihre digitale Erbschaft wissen müssen

Seit dem 1. Mai 2026 ist die dreiteilige ARD-Dokumentarserie "XATAR – Ein Leben ist nicht genug" in der Mediathek abrufbar. Sie zeichnet das Leben von Rapper und Labelboss Giwar Hajabi nach, der im Mai 2025 im Alter von 43 Jahren unerwartet an einem Herzstillstand nach einem Schlaganfall starb. Am 7. Mai 2026 kommen 20.000 Fans in die Kölner LANXESS Arena, um sein Lebenswerk zu feiern. Xatars Geschichte wirft eine wichtige Frage auf: Was passiert mit dem Werk eines Künstlers nach seinem Tod – und welche Fehler können Erben und Labels dabei machen?

Urheberrecht erlischt nicht mit dem Tod

Das Urheberrecht an musikalischen Werken erlischt in Deutschland 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers – nicht beim Tod selbst. Das ist ein oft missverstander Grundsatz. Xatars Musik, seine Texte und seine Produktionen bleiben also bis mindestens 2095 urheberrechtlich geschützt.

Was ändert sich beim Tod? Die Verwertungsrechte – also das Recht, die Musik zu verkaufen, zu lizenzieren, für Werbung zu verwenden oder als Stream anzubieten – gehen auf die Erben über. Wer Erbe ist und wie der Nachlass aufgeteilt wird, bestimmt sich zunächst nach dem Erbrecht (BGB, §§ 1922 ff.) und, wenn vorhanden, nach einem Testament.

Bei Xatar sprach erstmals seine Witwe Farvah Hajabi öffentlich über seinen Tod – ein Zeichen dafür, dass der persönliche und rechtliche Umgang mit dem Nachlass Zeit braucht und oft unter erheblichem emotionalem Druck stattfindet.

Künstlernachlass: Was ohne Testament passiert

Stirbt ein Künstler ohne Testament, gilt die gesetzliche Erbfolge. Beim Tod von Xatar hätte das bedeutet:

  • Kinder (1. Ordnung): Erben zu gleichen Teilen
  • Ehepartner: erhält je nach Güterstand ein Viertel bis die Hälfte zusätzlich
  • Eltern (2. Ordnung): erben nur, wenn keine Kinder vorhanden sind

Für das Werk eines Musikers ist das problematisch: Wenn mehrere Erben gemeinsam über die Verwertung der Musik entscheiden müssen, ist Einstimmigkeit in der Regel erforderlich. Ein Erbe kann Lizenzverträge blockieren, Streaming-Deals verzögern oder Entscheidungen über neue Veröffentlichungen torpedieren. Das kann zu jahrelangen Rechtsstreitigkeiten führen – und das kreative Erbe eines Künstlers einfrieren.

Ein Testament oder besser noch eine sorgfältig aufgesetzte Verfügung, die auch Verwertungsrechte und Entscheidungsbefugnisse regelt, kann das verhindern.

Labelmitgliedschaft und Verträge: Was nach dem Tod gilt

Xatar war nicht nur Künstler, sondern auch Gründer des Labels 385idéal. Label-Verträge mit anderen Künstlern enthalten typischerweise Klauseln für den Fall des Todes des Labelchefs. Diese können vorsehen:

  • Automatische Kündigung: Der Vertrag endet mit dem Tod des Vertragspartners
  • Übertragung auf die Erben: Die Erben treten in alle Rechte und Pflichten ein – auch laufende Verpflichtungen gegenüber Künstlern
  • Auflösungsklauseln: Bei Tod des Inhabers einer Personengesellschaft kann das Unternehmen zwingend aufgelöst werden

Wer ein Musiklabel oder eine Produktionsfirma besitzt, sollte dringend prüfen, ob Gesellschaftsvertrag und Testamentsvollstreckung aufeinander abgestimmt sind. Fehlt diese Abstimmung, drohen Liquidation des Labels, Verlust bestehender Verträge und finanzielle Einbußen für alle beteiligten Künstler.

Digitale Erbschaft: Streaming-Konten, Playlists und Social Media

In der digitalen Welt wirft der Tod eines Künstlers weitere Fragen auf. Xatars YouTube-Kanal mit Millionen von Aufrufen, sein Spotify-Profil und seine Social-Media-Konten existieren nach seinem Tod weiter. Was gilt rechtlich?

Streaming-Einnahmen: Spotify, Apple Music und YouTube zahlen Tantiemen weiter aus – an wen, hängt davon ab, wem die Verwertungsrechte zustehen und ob die Rechteinhaber ihre Daten bei den jeweiligen Plattformen aktualisiert haben. Nicht geklärte Rechte führen dazu, dass Einnahmen in einem Treuhandkonto eingefroren werden.

Social Media: Facebook und Instagram bieten sogenannte "Gedenkkonten" an. Bei Spotify können Künstlerprofile nicht von Erben übernommen, aber mit dem Plattenlabel koordiniert werden. Wer als Künstler bestimmen möchte, was nach seinem Tod mit seinen Profilen geschieht, sollte dies schriftlich in einer digitalen Nachlassregelung festhalten.

GEMA: Die GEMA verwaltet Verwertungsrechte ihrer Mitglieder auch nach deren Tod. Erben können gegenüber der GEMA Ansprüche geltend machen – müssen sich aber zunächst als rechtmäßige Erben ausweisen.

Was Künstler jetzt regeln sollten

Xatars Tod mit 43 Jahren zeigt: Niemand kann vorhersehen, wann ein Nachlass geregelt werden muss. Musiker, Produzenten, Podcaster, Youtuber und jeder andere Kreativschaffende sollten folgende Punkte frühzeitig klären:

  1. Testament erstellen – mit expliziten Regelungen zu Verwertungsrechten
  2. Testamentsvollstrecker benennen – idealerweise jemand mit Kenntnissen im Musikrecht
  3. Digitale Nachlassregelung – Passwörter und Zugangsdaten sicher hinterlegen
  4. GEMA und VG Wort informieren – Erbengemeinschaft als Rechteinhaber eintragen lassen
  5. Gesellschaftsverträge des Labels prüfen – Todesklausel und Nachfolge regeln

Offizielle Informationen zur Nachlassabwicklung und Erbscheinsbeantragung stellt das Bundesministerium der Justiz auf bmj.de bereit. Dort lässt sich auch die Grundstruktur der gesetzlichen Erbfolge nachvollziehen.

Der Xatar-Nachlass zeigt exemplarisch, was passieren kann, wenn Künstler ihr rechtliches Erbe nicht rechtzeitig gestalten. Auf Expert Zoom finden Sie Anwälte für Erbrecht und Urheberrecht, die Kreativschaffende beim Aufbau eines rechtssicheren Nachlasses begleiten.

Wann ein Anwalt für Erbrecht und Urheberrecht helfen kann

Die Schnittstelle zwischen Erbrecht und Urheberrecht ist juristisch komplex. Ein Erbrechtsanwalt allein kennt nicht unbedingt die Besonderheiten der GEMA-Verwaltung oder der Plattenlabelverträge – und ein Urheberrechtsanwalt ist nicht automatisch Experte für Testamentsvollstreckung oder Pflichtteilsansprüche. Für Künstler mit einem nennenswerten Werk empfiehlt sich ein Anwalt, der beide Gebiete abdeckt oder eng mit einem spezialisierten Kollegen zusammenarbeitet.

Zu den typischen Aufgaben gehören: Erstellung eines rechtssicheren Testaments, Klärung von Verwertungsrechten im Todesfall, Auseinandersetzung mit Co-Autoren oder -Produzenten sowie die Beratung der Erbengemeinschaft bei Entscheidungen über neue Veröffentlichungen, Sampling-Anfragen oder Lizenzierungen.

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