Raphaël Guerreiro verlässt den FC Bayern: Was Profisportler beim Vertragsende wissen müssen
Am Ende einer langen Saison nimmt der FC Bayern Abschied von drei langjährigen Leistungsträgern: Raphaël Guerreiro, Leon Goretzka und Nicolás Jackson verlassen den Verein im Sommer 2026. Guerreiro hat in drei Jahren 93 Pflichtspiele für die Münchner absolviert, 14 Tore erzielt und im entscheidenden 4:2-Sieg gegen VfB Stuttgart am 19. April 2026 – der Bayern den Bundesliga-Titel sicherte – das erste Tor geschossen. Sein Vertrag läuft aus, eine Verlängerung wurde im März 2026 offiziell ausgeschlossen.
Das Ende eines Profivertrags ist weit mehr als ein Abschied: Es ist ein rechtlicher und finanzieller Wendepunkt. Was passiert bei einem Vertragsauslauf in der Bundesliga – und welche Fallstricke sollten Profisportler kennen?
Was bedeutet ein ausgelaufener Vertrag rechtlich?
Im deutschen Arbeitsrecht gilt: Ein Arbeitsverhältnis mit befristetem Vertrag endet automatisch mit dem vereinbarten Enddatum. Es bedarf keiner Kündigung. Der Spieler ist ab diesem Zeitpunkt vertragsfreier Akteur – im Fußball spricht man von einem ablösefreien Transfer oder einem „Bosman-Spieler".
Seit dem bahnbrechenden Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 1995 können Spieler nach Vertragsablauf ablösefrei wechseln. Dieser Grundsatz gilt bis heute und hat den europäischen Fußball revolutioniert. Clubs verlieren dann jede Ablösesumme – was bei einem Spieler wie Guerreiro mit internationalem Renommee einen erheblichen wirtschaftlichen Verlust bedeutet.
Für den Spieler selbst bietet die Vertragsfreiheit jedoch Vorteile: Er kann das Gehalt frei aushandeln, ohne dass ein Transferkostenrahmen das Gespräch dominiert. In der Praxis erzielen ablösefreie Spieler oft höhere Grundgehälter und Signing Bonuses als bei einem klassischen Transfer – weil der aufnehmende Verein an anderer Stelle spart.
Welche finanziellen Aspekte sind beim Vertragsauslauf zu beachten?
Signing Bonus und Handgeld. Viele Profiverträge enthalten eine sogenannte Loyalitätszahlung oder ein Handgeld beim Vertragsabschluss mit einem neuen Club. Diese Einmalzahlungen sind in Deutschland als Einkommen zu versteuern – zu den jeweiligen Steuersätzen, die je nach Wohnsitzstaat erheblich variieren können. Spieler, die international wechseln, sollten vor dem Unterschreiben einen Steuerberater einschalten.
Transferberater-Provisionen. Spielerberater verhandeln üblicherweise eine Provision von 5 bis 10 Prozent des Jahresgehalts pro Vertragsjahr. Bei Millionengehältern summiert sich das schnell auf sechsstellige Beträge. Seit der FIFA-Reform von 2023 unterliegen Spielerberater strengeren Regulierungen. In Deutschland gilt: Spielerberatungsverträge müssen schriftlich vorliegen und die Provisionsregelung transparent aufführen, sonst riskiert der Berater den Provisionsanspruch.
Bildrechte und Sponsoring-Verträge. Viele Bundesliga-Spieler haben Bildrechte und persönliche Sponsoring-Deals neben dem Vereinsvertrag. Was passiert damit, wenn der Vereinsvertrag endet? Bildrechte-Vereinbarungen laufen in der Regel über gesellschaftliche Konstrukte (zum Beispiel eine GmbH des Spielers). Ohne rechtliche Beratung können hier Ansprüche verloren gehen oder Konflikte mit dem neuen Club entstehen.
Was Profisportler beim Vereinswechsel oft übersehen
Das Wettbewerbsverbot. Manche Bundesliga-Verträge enthalten Klauseln, die einen Wechsel zu einem direkten Konkurrenten (z. B. von Bayern zu Dortmund) für eine bestimmte Zeit untersagen oder an Abstandszahlungen knüpfen. Ob solche Klauseln bei ausgelaufenen Verträgen noch wirksam sind, ist juristisch strittig und hängt vom konkreten Vertragstext ab.
Rentenabsicherung und Nachsorge. Profisportler verdienen viel – aber die aktive Karriere ist kurz. Viele ehemalige Bundesliga-Spieler geraten nach dem Karriereende in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie keine adäquate Altersvorsorge aufgebaut haben. In Deutschland bietet die VBL (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder) Bundesliga-Spielern keinen automatischen Schutz. Private Vorsorgelösungen – zum Beispiel über Versicherungen oder Investmentportfolios – müssen aktiv aufgebaut werden.
Verletzungsversicherungen und Berufsunfähigkeit. Guerreiro erlitt in der Saison 2025/26 einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel. Was, wenn die Verletzung schwerer gewesen wäre? Profisportler sollten prüfen, ob ihre Vertragsvereinbarungen oder private Versicherungen eine Absicherung bei karrierebeendenden Verletzungen beinhalten – und ob diese nach dem Vertragsende weiterläuft.
Mehr zu sportrechtlichen Aspekten beim Vereinswechsel lesen Sie in unserem Artikel über den Abschied von Thomas Müller beim FC Bayern.
Der Berater als wichtigster Schutz im Profi-Fußball
Ob Spieleranwalt, Steuerberater oder Vermögensberater: Die Komplexität des modernen Profifußballs erfordert professionelle Unterstützung an mehreren Fronten. Ein Spieleranwalt verhandelt Vertragsbedingungen und prüft Klauseln auf Rechtswidrigkeit. Ein Steuerberater strukturiert Einkünfte steueroptimal und verhindert teure Nachzahlungen. Ein Vermögensberater sichert den Wohlstand aus der aktiven Karriere für die Zeit danach.
Das gilt nicht nur für Spitzenspieler wie Guerreiro. Auch Spieler in der zweiten und dritten Liga, Handballer, Basketball-Profis oder Leichtathleten haben Arbeitsverträge – und sollten diese professionell absichern lassen. Auf ExpertZoom finden Sie Anwälte und Finanzberater, die auf Sportrecht und Sportlerfinanzierung spezialisiert sind.
Raphaël Guerreiro verlässt München mit Respekt und Dankbarkeit – das ist ein guter Abschied. Für jeden Profisportler gilt: Der rechtlich und finanziell gut vorbereitete Abschied ist noch besser.
Lessons für Nachwuchsspieler: Vorbeugen ist besser als Nachverhandeln
Wer als Nachwuchsspieler in der Akademie von Bayern München, Borussia Dortmund oder einem anderen Bundesligaverein spielt, schließt bereits früh erste Profiverträge. Viele dieser Verträge enthalten Klauseln, die Spieler kaum kennen: Rückkaufrechte des Vereins, Ausbildungsentschädigungen bei Transfers vor dem 23. Lebensjahr oder Sonderregelungen bei Auslandswechseln.
Ein Fachanwalt für Sportrecht sollte solche Verträge vor der Unterzeichnung prüfen. Das kostet einmalig einige Hundert Euro – kann aber Tausende oder Zehntausende Euro an späteren Verlusten verhindern. Gerade bei jungen Spielern, die unter Zeitdruck unterschreiben, ist rechtliche Beratung keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Karriereende: Wann anfangen zu planen?
Ein Profifußballer ist statistisch gesehen mit spätestens 35 Jahren aus dem Hochleistungssport ausgeschieden. Was dann? Die aktive Karriere dauert oft weniger als 15 Jahre. Für die Finanzplanung bedeutet das: Der Aufbau des Alterskapitals muss parallel zur aktiven Karriere erfolgen – nicht danach.
Experten empfehlen, mindestens 20 bis 30 Prozent des Nettoeinkommens in langfristige Investments zu lenken: Immobilien, ETFs, Unternehmensanteile oder geschlossene Fonds mit stabiler Rendite. Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Vermögensberater, der keine eigenen Produkte verkauft – sondern im Interesse des Spielers handelt.
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Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Rechts- oder Anlageberatung dar. Für Ihren konkreten Fall konsultieren Sie einen zugelassenen Fachmann.

Lena Müller