Das Ramazan Bayram — der islamische Fastenbrechen-Feiertag, auch bekannt als Eid al-Fitr oder Zuckerfest — beginnt in Deutschland in diesem Jahr am 20. März 2026, nach einem Ramadan-Monat, der am 19. Februar startete. Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) hat das Datum bestätigt. Millionen Muslims in Deutschland feiern das Ende eines 29-tägigen strengen Fastens — und genau dieser Übergang vom Fasten zum Essen birgt gesundheitliche Risiken, die kaum bekannt sind.
Was mit dem Körper nach einem Monat Fasten passiert
Während des Ramadan verzichten observante Muslims täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken — bei Ende März in Deutschland bedeutet das knapp 13 Stunden Fasten pro Tag. Der Körper reagiert auf diesen Rhythmus mit mehreren Anpassungsprozessen:
- Verdauungsenzyme werden reduziert. Magen und Darm produzieren weniger Verdauungssäfte, weil sie über Wochen einen anderen Rhythmus haben.
- Der Insulinspiegel sinkt strukturell ab. Der Blutzucker reagiert bei Menschen mit Diabetes oder Prädiabetes besonders sensibel auf Nahrungskarenz.
- Der Flüssigkeitshaushalt verändert sich. Wer auch das Trinken einschränkt (wie beim Ramadan üblich), kommt häufig mit leichtem Flüssigkeitsmangel aus dem Fasten heraus.
Diese Anpassungen sind physiologisch normal — aber sie erfordern beim Fastenbrechen besondere Umsicht.
Die häufigsten Fehler beim Fastenbrechen
Ärzte für Innere Medizin und Ernährungsmedizin sehen jedes Jahr nach dem Ramazan Bayram ähnliche Muster: Patientinnen und Patienten, die das Fasten zu abrupt und zu reichhaltig gebrochen haben.
Zu viel auf einmal essen. Der Magen hat sich auf kleinere Mengen eingestellt. Wer zum Iftar-Festmahl direkt große Portionen isst, riskiert Völlegefühl, Übelkeit, Reflux und in seltenen Fällen schwere Magenprobleme. Ernährungsmediziner empfehlen: klein anfangen, langsam essen, auf Sättigungssignale hören.
Zu fettig, zu süß, zu salzig. Das traditionelle Festessen mit süßen Baklava, fettem Fleisch und salzhaltigen Speisen ist kulturell tief verwurzelt — aber der Körper ist nicht darauf vorbereitet. Wer nach 29 Tagen Fasten sofort in üppige Mahlzeiten einsteigt, belastet Leber, Pankreas und Herz-Kreislauf-System.
Zu wenig trinken. Viele Menschen konzentrieren sich beim Zuckerfest auf das Essen und vergessen das Trinken. Mindestens 2,0 bis 2,5 Liter Wasser pro Tag sind nach dem Ramadan besonders wichtig, um den Flüssigkeitshaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Medikamente nicht anpassen. Wer während des Ramadan die Einnahmezeiten von Medikamenten (besonders Blutdruckmittel, Blutzucker-Tabletten oder Schilddrüsenhormone) verändert hat, muss nach dem Fastenbrechen schnell zum Ausgangsdosierungsschema zurückkehren. Das sollte idealerweise mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Wer besonders aufpassen muss
Nicht alle Menschen brechen das Fasten mit denselben Risiken. Ernährungsmediziner und Allgemeinmediziner weisen auf folgende Risikogruppen hin:
Diabetikerinnen und Diabetiker. Der Blutzucker reagiert nach einem Fastenmonat besonders sensibel auf schnell verfügbare Kohlenhydrate (Süßigkeiten, Weißbrot, Datteln). Wer Insulin oder orale Antidiabetika nimmt, sollte die ersten Tage nach dem Ramazan Bayram engmaschig messen und im Zweifel den Hausarzt konsultieren.
Bluthochdruckpatienten. Der durch salzreiche Festessen erhöhte Natriumkonsum kann den Blutdruck in die Höhe treiben. Bei vorbekannter Hypertonie ist Vorsicht geboten.
Ältere Menschen. Die Nierenfunktion nimmt mit dem Alter ab, was die Flüssigkeitsregulation erschwert. Bei älteren Fastenden ist das Risiko für Elektrolytentgleisungen (zu niedriger Natriumspiegel) nach dem Fastenbrechen erhöht.
Kinder und Jugendliche. Obwohl das Fasten für Kinder unter 14 Jahren religiös nicht obligatorisch ist, fasten manche älteren Jugendliche mit. Sie sollten nach dem Ramadan besonders gut hydratisiert werden.
Praktische Empfehlungen für die Festtage
Ärzte für Ernährungsmedizin empfehlen für die ersten 48-72 Stunden nach dem Ramadan:
- Erstes Essen: Leicht verdaulich — Datteln und Wasser (traditionell), dann Suppe oder Joghurt. Klein anfangen.
- Erste Festmahlzeit: Maßvoll, möglichst ohne zu viel Fett und Zucker auf einmal.
- Hydration: Mindestens 2 Liter Wasser täglich, Koffein reduzieren.
- Bewegung: Leichte Spaziergänge nach dem Essen helfen der Verdauung — intensive Sport direkt nach dem Fasten meiden.
- Schlaf: Den Schlafrhythmus schrittweise normalisieren, nicht abrupt wechseln.
Für chronisch kranke Patientinnen und Patienten gilt: Wenn Sie unsicher sind, wie Sie das Fastenbrechen am besten handhaben, ist ein Gespräch mit Ihrem Arzt vor dem Ramazan Bayram sinnvoller als danach.
Was die Wissenschaft über Ramadan und Gesundheit sagt
Das Interesse der Medizinforschung am Ramadan ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nutrients, wertete 35 Studien mit über 2.000 Teilnehmenden aus. Ergebnis: Ein kontrolliertes Ramadan-Fasten hat bei gesunden Menschen keine negativen Auswirkungen auf Herzgesundheit, Nierenfunktion oder Knochenmarkparameter — kann aber bei falscher Wiederaufnahme der Ernährung zu messbaren Stresssignalen im Verdauungstrakt führen.
Entscheidend ist also nicht das Fasten selbst, sondern das Fastenbrechen. Mediziner sprechen hier vom sogenannten "Refeeding-Effekt": Wer nach längerer Nahrungskarenz zu rasch und zu reichhaltig isst, kann das Verdauungssystem, den Blutzucker und den Elektrolythaushalt destabilisieren. In seltenen Fällen — besonders bei Unterernährten oder sehr langen Fastenperioden — kann es zum klinisch relevanten Refeeding-Syndrom kommen, das eine ärztliche Behandlung erfordert.
Für die große Mehrheit gesunder Fastender in Deutschland besteht dieses Risiko nicht — aber Bewusstsein und Vorsicht schützen vor unnötigem Unwohlsein an den Festtagen.
Online-Beratung: So klappt es ohne lange Wartezeiten
Gerade rund um Feiertage sind Arztpraxen oft überfüllt oder geschlossen. Eine Online-Sprechstunde bei einem Ernährungsberater oder Gastroenterologen über Expert Zoom ermöglicht eine individuelle Beratung auch während des Fests — in wenigen Minuten, bequem von zu Hause aus. So können Sie das Zuckerfest entspannt feiern und Ihren Körper gleichzeitig gut durch den Übergang begleiten.
Ramazan Bayram Mübarek Olsun — ein gesundes und frohes Zuckerfest!
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder bestehenden Erkrankungen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

Lena Schmidt