Pokémon Go & Datenschutz 2026: Was die App über Ihre Kinder weiß – und wie Sie das kontrollieren

Jugendliche spielen Pokémon Go in einer Hannoverschen Straße und schauen auf ihre Smartphones

Photo : Bernd Schwabe / Wikimedia

Jens Jens FischerInformationstechnologie
4 Min. Lesezeit 22. April 2026

Pokémon Go erlebt im April 2026 einen neuen Hype: Mit dem Event „Replay: GO Bigger" am 25. April kehren Gigantamax-Pokémon zurück – Millionen Kinder und Jugendliche werden wieder durch Parks und Straßen ziehen, Smartphones in der Hand. Doch während die Eltern vielleicht über Bildschirmzeit diskutieren, lauert ein unsichtbareres Problem: Die App sammelt weitreichende Daten über Ihre Kinder – und viele Familien wissen nicht, wie sie das kontrollieren können.

Was Pokémon Go über Ihre Kinder weiß

Pokémon Go wird von der US-amerikanischen Firma Niantic betrieben und nutzt GPS, Kamera und Bewegungsdaten des Smartphones. Konkret erfasst die App:

  • Standortdaten in Echtzeit: Jede Bewegung beim Spielen wird aufgezeichnet. Aus diesen Daten lassen sich exakte Bewegungsprofile erstellen – wo das Kind wohnt, welche Schule es besucht, wann es zu Hause ist.
  • Gerätedaten: Betriebssystem, Geräte-ID, IP-Adresse
  • Spielverhalten: Besuchte PokéStops, Gyms, Begegnungen mit anderen Spielerinnen und Spielern
  • Kommunikationsdaten: Bei aktivierten sozialen Features auch Freundeslisten und Chat-Verläufe

Die Stiftung Warentest hatte Pokémon Go bereits früh als datenschutzrechtlich problematisch eingestuft. Das Kernproblem: GPS-Daten sind besonders sensibel, weil sie unmittelbar Rückschlüsse auf den Lebensalltag einer Person – und insbesondere eines Kindes – ermöglichen.

DSGVO und Kinderdatenschutz: Was gilt in Deutschland?

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gilt europaweit – auch für US-Firmen, die ihre Dienste in der EU anbieten. Für Kinder gelten dabei besondere Schutzregeln:

Einwilligung der Eltern erforderlich: Laut Art. 8 DSGVO dürfen Dienste der Informationsgesellschaft Daten von Kindern unter 16 Jahren nur verarbeiten, wenn die Eltern ausdrücklich zugestimmt haben. In Deutschland gilt diese Altersgrenze von 16 Jahren.

Niantic Kids: Niantic hat dafür das „Niantic Kids"-Elternportal eingerichtet. Wenn sich ein Kind unter 16 Jahren registriert, wird ein Elternkonto verknüpft, das die Kontrolle über Datenzugriffe und soziale Features ermöglicht. In der Praxis umgehen jedoch viele Kinder diese Altersabfrage einfach durch das Eingeben eines falschen Geburtsdatums – und werden dann als Erwachsene behandelt.

Das Problem mit der Altersverifikation: Niantic versucht, das Mindestalter durch verschiedene Mechanismen zu überprüfen – darunter die Abbuchung eines Kleinstbetrags von einer Kreditkarte der Eltern. Dieser Schritt funktioniert in der Praxis jedoch häufig nicht zuverlässig, und die Kontrollmechanismen gelten in der Branche als unzureichend.

Laut Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und der DSGVO haben Eltern das Recht, jederzeit Auskunft über die gespeicherten Daten ihres Kindes zu verlangen, diese berichtigen oder löschen zu lassen.

Was ein IT-Experte prüfen würde

Ein IT-Sicherheitsexperte oder Datenschutzberater würde bei einer App wie Pokémon Go folgende Punkte analysieren:

1. Datenminimiierung: Werden wirklich nur die Daten erhoben, die für das Spielerlebnis notwendig sind? Bei Pokémon Go ist das Dauertracking des Standorts technisch nicht für alle Features notwendig.

2. Drittanbieterweitergabe: Welche Daten werden an Werbepartner, Analysedienste oder andere Dritte weitergegeben? Niantic arbeitet mit verschiedenen Analysediensten zusammen, deren Datenschutzpraktiken für Laien kaum nachvollziehbar sind.

3. Sicherheit der Übertragung: Werden die Daten verschlüsselt übertragen? Im Fall von Pokémon Go ja – aber das schützt nicht vor der Datensammlung selbst.

4. Elternkontroll-Tools: Sind die Einstellungen des Niantic Kids-Portals wirklich ausreichend, um eine vollständige Kontrolle zu ermöglichen?

5. App-Berechtigungen: Welche Berechtigungen fordert die App auf dem Gerät? Überprüfen Sie im Smartphone unter Einstellungen → Apps → Pokémon Go → Berechtigungen, ob Kamera, Mikrofon oder andere sensible Zugriffe aktiviert sind, die für das Spielen nicht nötig wären.

Praktische Tipps für Eltern

Was können Eltern heute konkret tun?

Niantic Kids aktivieren: Rufen Sie kids.nianticlabs.com auf und erstellen Sie ein Elternkonto. Verknüpfen Sie das Konto Ihres Kindes und prüfen Sie regelmäßig, welche sozialen Features aktiviert sind.

Berechtigungen prüfen: Gehen Sie regelmäßig die App-Berechtigungen auf dem Gerät Ihres Kindes durch. GPS-Zugriff sollte auf „Nur bei App-Nutzung" beschränkt sein, nicht dauerhaft.

Daten anfragen oder löschen: Schicken Sie eine Anfrage an privacy@nianticlabs.com, um eine Übersicht aller über Ihr Kind gespeicherten Daten zu erhalten – das ist nach DSGVO Ihr Recht.

Gerät und Account sichern: Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind kein falsches Geburtsdatum angegeben hat. Überprüfen Sie in den Account-Einstellungen, ob das Konto als „Minderjähriger" geführt wird.

Offenes Gespräch: Erklären Sie Ihrem Kind, warum GPS und Standortdaten sensibel sind – nicht als Verbotsdiskussion, sondern als Medienkompetenz.

Wann Sie einen IT-Experten hinzuziehen sollten

Für die meisten Familien reicht das Aktivieren des Niantic Kids-Portals. Wenn Sie jedoch mehrere Geräte verwalten, ein Unternehmen betreiben oder selbst nicht sicher sind, welche Daten Ihre Familie insgesamt preisgibt, kann ein IT-Sicherheitsberater helfen. Diese Fachleute können die gesamte digitale Infrastruktur Ihres Haushalts prüfen – nicht nur eine App, sondern das Gesamtbild aus Smart-TV, WLAN-Router, Apps und Cloud-Diensten.

Auf Expert Zoom lesen Sie außerdem, wie digitale Dienste im Alltag Ihre Daten sammeln – und was IT-Experten dagegen empfehlen.

Das „Replay: GO Bigger"-Event als Warnsignal

Das Event am 25. April 2026 illustriert ein grundlegendes Problem: Pokémon Go-Events sind so gestaltet, dass sie Kinder und Jugendliche dazu bringen, zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu sein. Zielorte wie PokéStops und Gyms sind echte physische Orte – Parkanlagen, Einkaufsstraßen, Plätze. Niantic nutzt Spielmechaniken, die das Standorttracking nicht nur ermöglichen, sondern belohnen.

Das schafft eine Situation, in der Eltern das GPS-Tracking nicht einfach deaktivieren können, ohne das Spielerlebnis vollständig zu zerstören. Die Alternative: mit offenen Augen mitspielen, Berechtigungen auf das Minimum reduzieren und regelmäßig die Datenschutzeinstellungen überprüfen.

Die gute Nachricht: Durch den zunehmenden Druck regulatorischer Behörden – insbesondere der irischen Datenschutzbehörde (DPC), die für EU-weite Verstöße von US-Firmen wie Niantic zuständig ist – verbessern sich die Datenschutzstandards bei großen App-Anbietern schrittweise. Eltern, die Verstöße bemerken, können sich an den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) wenden.

Fazit: Spielspaß und Datenschutz sind kein Widerspruch

Pokémon Go ist eine unterhaltsame App, die Kinder bewegt und soziale Kontakte fördert. Aber wie bei jedem digitalen Dienst gilt: Elterliche Kontrolle und Datenschutzbewusstsein sind keine Spielverderberei, sondern digitale Verantwortung. Nutzen Sie die verfügbaren Tools – und wenn Sie unsicher sind, was mit den Daten Ihrer Kinder passiert, ist ein IT-Experte auf Expert Zoom nur einen Klick entfernt.

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