Per Mertesacker verlässt den FC Arsenal nach acht Jahren als Akademie-Leiter und wird als Kandidat für eine Führungsposition beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gehandelt. Was dieser Karriereschritt arbeitsrechtlich bedeutet – und welche Fragen jeder Sportmanager kennen sollte.
Mertesacker-Abschied: Ein WM-Champion wechselt die Seiten
Nach 15 Jahren bei Arsenal – zunächst als Abwehrspieler (2011–2018), dann als Leiter der Nachwuchsakademie – endet die Ära von Per Mertesacker in London. Zum Ende der Saison 2025/26 verlässt der 41-Jährige den Klub, den er mitgeprägt hat wie kaum ein anderer Deutscher in der Premier League.
Parallel dazu gibt es konkrete Spekulationen um eine Führungsrolle beim DFB. Mertesacker, der während der WM 2026 als TV-Experte arbeitet, soll Interesse an der DFB-Akademie gezeigt haben – einer Institution, die für die Ausbildung von Trainern und Sportdirektoren im deutschen Fußball zuständig ist. Sein Vertrag als Fernsehexperte läuft nach dem Turnier aus, was einen nahtlosen Übergang ermöglichen würde.
Der Fall Mertesacker ist kein Einzelfall: Im Sport- und Managementbereich wechseln hochrangige Führungskräfte regelmäßig zwischen Clubs, Verbänden und Medienunternehmen. Dabei entstehen rechtliche Fragen, die häufig unterschätzt werden. Ein spezialisierter Anwalt kann hier wichtige Orientierung geben.
Was passiert rechtlich beim Ausscheiden aus einem Premier-League-Klub?
Mertesackers Abgang aus Arsenal ist kein einfacher Jobwechsel. Als Akademie-Leiter eines Premier-League-Clubs unterliegt er einem komplexen Vertragswerk. Für Sportmanager in ähnlichen Positionen gelten dabei grundlegende arbeitsrechtliche Fragen.
1. Welche Kündigungsfristen gelten für leitende Angestellte im Profifußball?
Leitende Angestellte – dazu zählen Akademieleiter, Sportdirektoren und Cheftrainer – genießen besondere arbeitsrechtliche Stellung. In Deutschland regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) die Mindestkündigungsfristen (§ 622 BGB), doch individuelle Verträge können erheblich längere Fristen und Abfindungsregelungen vorsehen. Wer aus einem Spitzenjob ausscheidet, sollte die genauen Vertragsbedingungen mit einem Anwalt prüfen, bevor er eine neue Position annimmt.
2. Gilt ein Wettbewerbsverbot – und wie weit reicht es?
Gerade im Sport, wo Insider-Wissen über Talente, Scouting-Netzwerke und Trainingsmethoden wertvoll ist, sind nachvertragliche Wettbewerbsverbote üblich. Arsenal könnte Mertesacker vertragliche Einschränkungen auferlegt haben, die eine sofortige Tätigkeit für einen direkten Konkurrenten – also einen anderen Premier-League-Club – untersagen. Ein Wechsel zum DFB hingegen dürfte unproblematisch sein, da es sich um einen nationalen Verband handelt, nicht um einen direkten Wettbewerber im englischen Clubfußball.
3. Wie werden Vertraulichkeit und Datenschutz geregelt?
Akademieleiter haben Zugang zu Leistungsdaten, medizinischen Berichten und Persönlichkeitsprofilen junger Spieler. Strenge Vertraulichkeitsklauseln schützen diese sensiblen Informationen auch nach dem Ausscheiden. Wer in eine neue Funktion wechselt – sei es beim DFB oder anderswo –, darf solche Daten nicht mitführen oder verwenden. Ein Verstoß kann zu Schadensersatzforderungen führen.
4. Was ist bei einem Wechsel von einem Privatclub zu einem nationalen Verband zu beachten?
Der mögliche DFB-Wechsel bringt eine grundlegende Strukturveränderung mit sich: Privatrechtlicher Arbeitgeber (Arsenal plc) versus gemeinnütziger Verband (DFB e.V.). Dies beeinflusst Steuerregelungen, Versorgungsansprüche und Verhandlungsspielräume beim Gehalt. Verbände unterliegen anderen Tarifstrukturen als Kapitalgesellschaften. Wer diesen Wechsel vollzieht, sollte die Unterschiede in der Rentenversicherung, Zulagen und Vertragsgestaltung kennen.
5. Welche Rolle spielt das deutsche Arbeitsrecht für Rückkehrer?
Mertesacker lebt und arbeitet seit Jahren in England. Ein Wechsel zur DFB-Akademie in Frankfurt würde eine Rückkehr ins deutsche Rechtssystem bedeuten. Das hat Konsequenzen: Deutsches Arbeitsrecht bietet Arbeitnehmern einen sehr starken Kündigungsschutz (Kündigungsschutzgesetz, KSchG), aber auch andere Regelungen bei Probezeiten, Urlaubsansprüchen und Überstunden. Wer nach Jahren im Ausland zurückkehrt, braucht eine aktuelle rechtliche Orientierung.
Was Sportmanager in Deutschland häufig unterschätzen
Der Fall Mertesacker illustriert ein breiteres Phänomen: Viele erfolgreiche Sportführungskräfte verfügen über exzellentes Fachwissen im Sport, aber kaum Kenntnis ihrer eigenen arbeitsrechtlichen Situation. Gerade bei Vertragsverhandlungen mit Verbänden oder beim Jobwechsel zwischen internationalen Positionen können ohne rechtliche Beratung kostspielige Fehler entstehen.
Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) haben Arbeitnehmer in Deutschland das Recht auf Einsicht in ihren vollständigen Arbeitsvertrag sowie auf schriftliche Kündigungen mit Begründung – Grundrechte, die im internationalen Sportgeschäft häufig vernachlässigt werden.
Ähnliche Rechtsfragen stellten sich zuletzt auch bei Mikel Artetas verlängertem Trainervertrag bei Arsenal: Auch dort zeigt sich, wie komplex die Vertragsgestaltung im Profifußball sein kann und wie wichtig juristische Begleitung bei wichtigen Karriereentscheidungen ist.
Die DFB-Option: Mehr als ein Job
Sollte Mertesacker tatsächlich zur DFB-Akademie wechseln, wäre dies ein Signal für den deutschen Fußball: Ein 2014er-Weltmeister mit internationaler Managementerfahrung an der Spitze der deutschen Trainerausbildung hätte Symbolkraft. Zudem bringt er praktisches Wissen aus der Arsenal-Akademie mit, die unter seiner Leitung mehrere Eigengewächse in den Profikader brachte.
Parallel dazu hat Mertesacker während der WM 2026 eine weitere Aufgabe: Als TV-Experte erklärt er Millionen Zuschauern das Spiel der deutschen Nationalmannschaft. Sein TV-Vertrag läuft danach aus – ideal als Sprungbrett für eine neue Funktion.
Eine ähnliche Karriereentwicklung vom aktiven Sport in eine Verbands- oder Medienrolle zeigt auch der Fall von Pepe: Karriere-Experten über die Zeit nach dem Profifußball.
Was kommt als nächstes?
Der Sommer 2026 wird zeigen, ob Mertesacker die DFB-Position antritt oder einen anderen Weg geht. Klar ist: Der Markt für erfahrene Sportmanager mit internationaler Führungserfahrung ist heiß umkämpft – und wer in diesem Bereich tätig ist, sollte seine rechtliche Position kennen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei arbeitsrechtlichen Fragen zu Sportverträgen oder Karrierewechseln empfiehlt sich die Konsultation eines spezialisierten Rechtsanwalts über Expert Zoom.

Charlotte Schneider