Orest Shala vor Waldhof-Trainerjob: Was Coaches beim Vereinswechsel rechtlich beachten

SV Waldhof Mannheim Spieler im Einsatz – Trainersuche 2026 und rechtliche Aspekte

Photo : Sven Mandel / Wikimedia

Lena Lena MüllerRechtsanwälte
4 Min. Lesezeit 20. Mai 2026

Orest Shala soll Luc Holtz beim SV Waldhof Mannheim ersetzen: Was müssen Trainer beim Vereinswechsel rechtlich beachten? Vertragsklauseln, internationale Abwicklung und Wettbewerbsverbote können zur Falle werden.

Beim SV Waldhof Mannheim (3. Liga) ist die Trainersuche in vollem Gange. Luc Holtz hat nach nur einer Saison seinen Wunsch geäußert, den Verein zu verlassen. Als sein wahrscheinlichster Nachfolger gilt laut übereinstimmenden Berichten von Kicker und Mannheimer Morgen der 34-jährige Orest Shala. Der deutschstämmige Coach mit kosovarischen Wurzeln hält die höchste Trainerlizenz im deutschen System – die DFB-Pro-Lizenz – und war zuletzt als Cheftrainer beim portugiesischen Drittligisten CD Mafra tätig, wo sein Vertrag am 30. Juni 2026 ausläuft. Sein Engagement bei Waldhof wäre der erste signifikante Schritt in den deutschen Profifußball. Doch bevor Shala oder ein anderer Coach unterschreibt, stellen sich wichtige rechtliche Fragen.

Wer ist Orest Shala?

Shala arbeitete mehrere Jahre als Co-Trainer beim FC St. Gallen in der Schweizer Super League, bevor er als Chefcoach nach Portugal wechselte. Der Erwerb der DFB-Pro-Lizenz – der höchsten UEFA-Trainerqualifikation im deutschen System – zeigt, dass er langfristig eine Karriere im deutschen Profifußball anstrebt. Der Berichten zufolge beobachtete Shala Waldhofs 1:0-Sieg gegen Jahn Regensburg vom Stadion aus – ein übliches Zeichen ernsthaften Interesses.

Was muss ein Trainervertrag im deutschen Profifußball enthalten?

Ein Trainervertrag im Profifußball ist grundsätzlich ein befristeter Arbeitsvertrag im Sinne des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 611a BGB). Die Befristung muss sachlich gerechtfertigt sein oder auf einer ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage beruhen – im Sport ist die sportliche Eigenart des Arbeitsverhältnisses ein anerkannter Sachgrund.

Folgende Bestandteile sollte ein Trainervertrag auf jeden Fall klar regeln:

Laufzeit und Verlängerungsoptionen: Wann beginnt der Vertrag genau? Gibt es einseitige Verlängerungsoptionen für den Verein? Wenn ja, bis wann müssen sie ausgeübt werden?

Vergütung: Grundgehalt, Prämien für Siege, Klassenerhalt oder Aufstieg, Bonuszahlungen. Prämienregelungen ohne genaue Definition führen regelmäßig zu Streit.

Kündigung: Unter welchen Bedingungen kann jede Seite kündigen? Gibt es Sonderkündigungsrechte beim Abstieg? Ist eine ordentliche Kündigung ausgeschlossen?

Freistellungsrecht: Darf der Verein den Trainer ohne Kündigung von der Arbeit freistellen – mit oder ohne Vergütung? Freistellung ist im Fußball üblich, sollte aber klar geregelt sein.

Wettbewerbsverbot: Gilt ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot? In welchen Ligen oder Ländern? Wie lange? Ist eine Karenzentschädigung vereinbart?

Freistellung und Wettbewerbsverbot: Häufige Streitpunkte

Gerade beim Thema Freistellung gibt es im Profifußball immer wieder Konflikte. Wird ein Trainer freigestellt, bleibt er formell Arbeitnehmer – erhält sein Gehalt, darf aber nicht arbeiten. Das bedeutet: Er kann keinen anderen Verein trainieren, solange er nicht offiziell entlassen oder sein Vertrag aufgelöst wurde.

In der Praxis führt das häufig zu langen Freistellungsphasen, in denen Verein und Trainer über Abfindungen verhandeln. Trainer, die schnell wechseln möchten, haben dabei wenig Druckmittel – außer sie klagen auf Beschäftigung oder akzeptieren eine geringere Abfindung für schnelle Vertragsauflösung.

Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot ist in Deutschland nur wirksam, wenn der Arbeitgeber eine Karenzentschädigung von mindestens 50 Prozent des zuletzt bezogenen Bruttogehalts zahlt. Ohne diese Entschädigung ist das Verbot für den Trainer nicht verbindlich – ein Fakt, der vielen Coaches und auch Vereinen nicht bewusst ist.

Internationaler Wechsel: Was bei einem Wechsel aus dem Ausland gilt

Shala wechselt aus Portugal nach Deutschland – das bringt arbeitsrechtliche Besonderheiten mit sich. Sein Vertrag beim CD Mafra unterliegt portugiesischem Recht. Für die Beendigung dieses Vertrags gelten die dortigen Kündigungsfristen und Abfindungsregeln.

Läuft sein Vertrag am 30. Juni 2026 regulär aus, ist der Wechsel unkompliziert: keine Ablöse, kein Streit. Würde er aber vorzeitig wechseln wollen, könnte der portugiesische Verein Schadensersatz geltend machen – ähnlich wie bei einem Spielertransfer.

Der neue Vertrag bei Waldhof Mannheim würde dann deutschem Recht unterliegen. Wichtig: Steuerpflicht entsteht in Deutschland ab dem Zeitpunkt der Aufnahme der Tätigkeit. Shala sollte rechtzeitig klären, wann er seinen Wohnsitz nach Deutschland verlegt, um Doppelbesteuerungsprobleme zu vermeiden.

Warum ein Arbeitsrechtsanwalt beim Vertragsabschluss sinnvoll ist

Trainerverträge im Profifußball sind oft komplex und enthalten Klauseln, die bei oberflächlicher Lektüre harmlos wirken, aber erhebliche Konsequenzen haben können. Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot ohne Karenzentschädigung wäre beispielsweise für den Trainer nicht bindend – aber ohne anwaltlichen Rat unterschreiben viele Coaches solche Klauseln, ohne ihre Rechte zu kennen.

Folgende Punkte sollte ein Trainer vor Unterschrift prüfen lassen:

  • Ist die Befristung des Vertrags rechtswirksam begründet?
  • Sind alle Prämienregelungen eindeutig und nachvollziehbar formuliert?
  • Ist ein einseitiges Freistellungsrecht des Vereins vereinbart – und wenn ja, mit welchen finanziellen Folgen?
  • Enthält das Wettbewerbsverbot eine Karenzentschädigung – und ist diese hoch genug?
  • Gibt es Abstiegsklauseln, die das Gehalt automatisch reduzieren?

Das Recht des Arbeitsvertrags ist in § 611a BGB geregelt und bildet die Grundlage für die rechtliche Einordnung eines Trainerengagements. Die konkrete Vertragsgestaltung im Profisport erfordert jedoch spezialisiertes Wissen.

Orest Shala steht möglicherweise vor dem wichtigsten Schritt seiner Trainerkarriere. Der Schritt, einen spezialisierten Rechtsanwalt für Arbeitsrecht hinzuzuziehen, bevor man unterschreibt, kostet wenig – und kann langfristig vor teuren Überraschungen schützen. Auf ExpertZoom finden Trainer, Sportler und Vereinsverantwortliche erfahrene Anwälte für Sportarbeitsrecht, die schnell und unkompliziert unterstützen.

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