Gladbach jagt Janneh: Was passiert, wenn Atlético sein Vorkaufsrecht auslöst?
Borussia Mönchengladbach hat einen neuen Stürmer im Visier: Omar Janneh, 19 Jahre alt, aktuell bei FC Lausanne-Sport unter Vertrag, gilt als eines der heißesten Talente des europäischen Fußballs. Mit 8 Toren und 2 Vorlagen in 17 Super-League-Spielen seit seinem Wechsel von Atlético Madrid im Januar 2026 hat der 1,88 m große Angreifer die Bundesliga-Scouts aufhorchen lassen. Transfermarkt-Berichte vom 8. Mai 2026 bestätigen das Interesse der Gladbacher – doch der Transfer hat einen rechtlichen Haken: Atlético Madrid hält ein Vorkaufsrecht auf den Spieler.
Für Sportrechtler und Fußballfans ist das ein seltener, aber lehrreicher Vertragsrechtsfall.
Was ist ein Vorkaufsrecht im Fußballtransfer?
Ein Vorkaufsrecht – auf Englisch „matching right" oder „right of first refusal" – ist eine vertragliche Klausel, die dem ursprünglichen Verein das Recht gibt, beim nächsten Verkauf des Spielers die gleichen Konditionen anzubieten wie der potenzielle Käufer. Es ist ein Werkzeug des Sportrechts, das häufig eingesetzt wird, wenn Vereine talentierte Jugendspieler unter Wert abgeben – aber sicherstellen wollen, dass sie im Erfolgsfall von der Wertentwicklung profitieren können.
Im Fall Janneh: Atlético Madrid verkaufte den damals 19-Jährigen im Januar 2026 für rund 2 Millionen Euro an Lausanne-Sport. Der aktuelle Marktwert wird auf 8 bis 11 Millionen Euro geschätzt – eine Wertsteigerung um das Vier- bis Fünffache in nur vier Monaten. Genau deshalb macht das einverleibte Vorkaufsrecht jetzt einen Unterschied.
Wie funktioniert die Klausel in der Praxis?
Wenn Borussia Mönchengladbach und Lausanne-Sport eine Einigung über einen Transferbetrag erzielen – nehmen wir an, 10 Millionen Euro – dann muss dieser Deal Atlético Madrid mitgeteilt werden. Die Madrilenen haben dann eine vertraglich festgelegte Frist (typischerweise 15 bis 30 Tage), um folgende Entscheidung zu treffen:
- Vorkaufsrecht nicht ausüben: Atlético verzichtet auf den Rückkauf. Der Transfer zu Gladbach geht durch.
- Vorkaufsrecht ausüben: Atlético bietet exakt dieselben 10 Millionen Euro und holt den Spieler zurück – Gladbach geht leer aus, trotz monatelanger Verhandlungen.
Dieses Recht ist bindend und wirkt sich direkt auf die Transferstrategie der interessierten Vereine aus. Wer einen Spieler mit Vorkaufsrecht erwerben will, riskiert, alle Vorverhandlungen, Reisekosten und Spielerberater-Gespräche umsonst geführt zu haben. In manchen Verträgen ist auch eine gestaffelte Ausübungsfrist je nach Angebotshöhe festgelegt – ein weiterer Aspekt, der anwaltliche Prüfung erfordert.
Was bedeutet das für Gladbach – und für die Spielerseite?
Aus Sicht von Borussia Mönchengladbach ist die Frage entscheidend: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Atlético das Recht tatsächlich ausübt? Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle:
- Kaderplanung bei Atlético: Haben die Madrilenen aktuell Bedarf an einem Mittelstürmer? Wenn der eigene Kader bereits besetzt ist, wäre eine Rückholung sportlich wenig sinnvoll.
- Finanzielle Lage: Ist Atlético bereit und in der Lage, 10 Millionen Euro sofort auszugeben?
- Vertragslaufzeit Janneh: Sein Vertrag bei Lausanne läuft bis 2030. Es besteht kein Zeitdruck auf den Spieler, eine Entscheidung zu überstürzen.
Für Janneh selbst ist die Situation ebenfalls rechtlich relevant: Er hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die Ausübung des Vorkaufsrechts – dieses ist ein bilateraler Vertrag zwischen den Clubs. Er kann jedoch durch seinen Berater frühzeitig kommunizieren, welchen Verein er bevorzugt. Janneh ist spanisch-gambischer Doppelstaatler, hat 18 Einsätze für die spanische U19-Nationalmannschaft und war bei der UEFA U19-EM 2025 Finalist.
Das FIFA-Solidaritätsmechanismus: Wer verdient noch mit?
Weniger bekannt, aber praktisch wichtig: Bei jedem internationalen Transfer eines Spielers unter 23 Jahren greift der sogenannte FIFA-Solidaritätsmechanismus. Dabei werden 5 Prozent der Transfersumme automatisch anteilig an alle Vereine ausgeschüttet, bei denen der Spieler zwischen dem 12. und 23. Lebensjahr ausgebildet wurde.
Im Fall Janneh bedeutet das: Die Akademien von Atlètic Segre, Espanyol, Granada und Atlético Madrid würden bei einem Transfer nach Mönchengladbach automatisch ihren Anteil erhalten – unabhängig davon, ob das Vorkaufsrecht ausgeübt wird oder nicht. Die Berechnung und Auszahlung dieser Gebühren ist juristisch komplex und führt regelmäßig zu Streitigkeiten zwischen Vereinen und der FIFA.
Die vollständigen Regeln für internationale Spielertransfers, einschließlich Vorkaufsrechten und Ausbildungsentschädigungen, sind in den Statuten der FIFA festgelegt, die auf der FIFA-Rechtsseite abrufbar sind.
Wann brauchen Vereine und Spieler einen Sportrechtsanwalt?
Fälle wie Janneh verdeutlichen: Fußballtransfers sind komplexe Rechtsvorgänge, bei denen mehrere Vertragsebenen, internationale Verbandsregelungen und Spielerrechte zusammentreffen. Ein Sportrechtsanwalt ist in folgenden Situationen unverzichtbar:
Für kleinere Vereine und Amateurklubs: Auch im deutschen Amateur- und Halbprofifußball kommen Transferklauseln, Ausbildungsentschädigungen und Wettbewerbsverbote vor. Wer unüberlegt einen Spieler entlässt oder verpflichtet, riskiert Nachzahlungen oder Klagen.
Für Spielerinnen und Spieler: Profis, die Vertragsverhandlungen führen, sollten die Bedeutung von Klauseln wie Vorkaufsrechten, Ausstiegsklauseln und Prämienregelungen rechtlich bewerten lassen, bevor sie unterschreiben.
Bei Streitigkeiten um Transferzahlungen: Wenn ein Verein die vereinbarte Ablösesumme nicht zahlt oder Ausbildungsentschädigungen verweigert, braucht es anwaltliche Expertise, um Ansprüche vor dem FIFA-Spielerstatusausschuss oder dem Deutschen Sportschiedsgericht durchzusetzen.
Erfahrene Anwälte für Sportrecht und Vertragsrecht finden Sie auf Expert Zoom. Eine erste Einschätzung zu Transferklauseln und Spielerverträgen ist oft bereits in einer 30-minütigen Videosession möglich.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Rechtsinformation. Für individuelle rechtliche Beratung wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt.

Lena Müller