Ärztin untersucht Patientin mit Ultraschall auf Venenerkrankung in einer deutschen Klinik

Höhle der Löwen: Wann Kompressionsstrümpfe nicht ausreichen und ein Arztbesuch notwendig wird

Lena Lena SchmidtGesundheit
5 Min. Lesezeit 24. März 2026

Höhle der Löwen: Wann Kompressionsstrümpfe nicht ausreichen und ein Arztbesuch notwendig wird

Am 23. März 2026 präsentierten Arta und Mergim Klimenta aus Heilbronn ihr Strumpfhosen-Schutzspray "Nylam" in der VOX-Sendung "Höhle der Löwen" und sicherten sich einen Deal mit Ralf Dümmel für 100.000 Euro bei 30 Prozent Firmenanteilen. Während das Spray für 6,99 Euro modische Strumpfhosen vor Laufmaschen schützen soll, stellt sich für viele die Frage: Wann reichen handelsübliche Strümpfe oder Schutzsprays nicht mehr aus und medizinische Kompressionsstrümpfe werden notwendig?

Der Unterschied zwischen Mode-Strumpfhosen und medizinischen Kompressionsstrümpfen

Mode-Strumpfhosen und medizinische Kompressionsstrümpfe erfüllen völlig unterschiedliche Funktionen. Während Nylam die Fasern gewöhnlicher Strumpfhosen gegen mechanische Beschädigung stabilisiert, dienen medizinische Kompressionsstrümpfe der Behandlung von Venenerkrankungen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie sind Kompressionsstrümpfe ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie phlebologischer Erkrankungen. Diese werden in Kompressionsklassen I bis IV eingeteilt und müssen individuell angemessen werden, um therapeutisch wirksam zu sein.

Medizinische Kompressionsstrümpfe verbessern den venösen Rückfluss zum Herzen und senken den Venendruck, der bei chronischer venöser Insuffizienz deutlich erhöht ist. Sie sind kein Modeaccessoire, sondern medizinische Hilfsmittel, die auf ärztliche Verordnung in Sanitätshäusern maßgefertigt werden.

Warnsignale: Wann der Gang zum Phlebologen unverzichtbar ist

Etwa 20 bis 30 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an chronischer venöser Insuffizienz (CVI). Viele Betroffene ignorieren erste Symptome und versuchen, mit handelsüblichen Stützstrümpfen oder Hausmitteln gegenzusteuern. Dabei gibt es klare Warnsignale, bei denen ein Facharztbesuch nicht aufgeschoben werden sollte.

Schwere Beine, die besonders abends auftreten, sichtbare Krampfadern (Varizen), anhaltende Beinschwellungen (Beinödeme) und Schmerzen in den Beinen sind deutliche Hinweise auf eine venöse Erkrankung. Hautveränderungen wie bräunliche Verfärbungen, verhärtete Hautareale oder gar offene Beingeschwüre (Ulcus cruris) erfordern sofortige ärztliche Behandlung. Bei diesen Symptomen reichen weder Mode-Strumpfhosen noch Schutzsprays aus.

Risikofaktoren für Venenerkrankungen

Venenerkrankungen entstehen nicht zufällig, sondern werden durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer – etwa 15 Prozent der erwachsenen Frauen leiden an ausgeprägten Krampfadern, während es bei Männern nur etwa 10 Prozent sind. Dies liegt unter anderem an hormonellen Einflüssen während Schwangerschaft und Wechseljahren.

Das Alter spielt eine bedeutende Rolle: Mit zunehmendem Lebensalter lässt die Elastizität der Venenwände nach, und die Venenklappen funktionieren weniger effizient. Übergewicht und Adipositas belasten das Venensystem zusätzlich, da der erhöhte Druck im Bauchraum den Blutrückfluss aus den Beinen erschwert. Berufstätige, die viel sitzen oder stehen müssen – etwa Bürokräfte, Verkäufer oder Friseure – haben ein erhöhtes Risiko für Venenerkrankungen, da die Muskel-Venen-Pumpe bei fehlender Bewegung nicht ausreichend aktiviert wird.

Die genetische Veranlagung ist ebenfalls entscheidend: Kinder von Eltern mit Krampfadern haben ein 90-prozentiges Risiko, selbst Venenprobleme zu entwickeln. Schwangerschaften stellen einen besonderen Risikofaktor dar, da das erhöhte Blutvolumen und die hormonellen Veränderungen die Venenwände belasten. Nach der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie entwickeln bis zu 30 Prozent der Frauen während oder nach einer Schwangerschaft erstmals Krampfadern.

Die richtige Diagnose: Phlebologe oder Gefäßspezialist

Ein Phlebologe ist Facharzt für Venenerkrankungen und der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf chronische venöse Insuffizienz. Alternativ können Gefäßchirurgen oder auf Phlebologie spezialisierte Allgemeinmediziner erste Untersuchungen durchführen. Die Diagnostik umfasst in der Regel eine Ultraschalluntersuchung (Duplexsonographie), um den Zustand der Venen und Venenklappen zu beurteilen.

Nur ein Facharzt kann entscheiden, welche Kompressionsklasse notwendig ist und ob zusätzliche Behandlungen wie Verödung, Lasertherapie oder operative Eingriffe erforderlich sind. Die selbstständige Behandlung mit frei verkäuflichen Produkten kann bei fortgeschrittenen Venenerkrankungen wertvolle Zeit kosten und zu Komplikationen führen.

Wie wird chronische venöse Insuffizienz diagnostiziert?

Der erste Schritt beim Phlebologen ist eine ausführliche Anamnese, bei der der Arzt nach Beschwerden, Vorerkrankungen, familiärer Belastung und Lebensgewohnheiten fragt. Anschließend erfolgt eine klinische Untersuchung der Beine im Stehen und Liegen, bei der der Arzt sichtbare Venenveränderungen, Schwellungen und Hautveränderungen beurteilt.

Das wichtigste diagnostische Verfahren ist die Duplexsonographie – eine spezielle Ultraschalluntersuchung, die sowohl die Struktur der Venen als auch den Blutfluss sichtbar macht. Mit dieser schmerzfreien Methode kann der Arzt feststellen, ob Venenklappen undicht sind, wo genau Rückflüsse auftreten und wie stark die Venenwände bereits geschädigt sind. Die Untersuchung dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten und liefert präzise Informationen über das Ausmaß der Venenerkrankung.

In bestimmten Fällen können weitere Untersuchungen notwendig sein, etwa eine Phlebographie (Röntgendarstellung der Venen mit Kontrastmittel) oder spezielle Funktionstests. Patienten sollten zur Untersuchung bequeme Kleidung tragen und keine Cremes oder Lotionen auf die Beine auftragen. Die meisten Untersuchungen können ambulant durchgeführt werden, und die Ergebnisse liegen unmittelbar vor.

Moderne Behandlungsmethoden

Neben der Basistherapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen stehen heute zahlreiche moderne Behandlungsverfahren zur Verfügung. Die Sklerotherapie oder Verödung eignet sich besonders für kleinere Krampfadern und Besenreiser. Dabei wird ein Verödungsmittel in die betroffene Vene gespritzt, das die Venenwand reizt und zum Verschluss der Vene führt. Das Blut sucht sich anschließend andere, gesunde Wege. Die Behandlung erfolgt ambulant und ist wenig schmerzhaft.

Bei größeren Krampfadern kommen minimalinvasive endovenöse Verfahren zum Einsatz. Die Radiofrequenzablation und die endovenöse Lasertherapie (EVLT) verschließen die erkrankte Vene von innen durch Hitzeeinwirkung. Über einen kleinen Hautschnitt wird ein dünner Katheter in die Vene eingeführt, der die Venenwand durch Laser- oder Radiofrequenzenergie verschließt. Diese Verfahren werden unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ermöglichen eine schnelle Rückkehr in den Alltag.

Die klassische operative Entfernung (Stripping) von Krampfadern ist heute nur noch selten notwendig, etwa bei sehr ausgeprägten Befunden oder wenn minimalinvasive Verfahren nicht geeignet sind. Nach allen Eingriffen ist das konsequente Tragen von Kompressionsstrümpfen für mehrere Wochen erforderlich, um das Behandlungsergebnis zu sichern und Komplikationen zu vermeiden.

Kompressionstherapie als Basistherapie

Laut der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie ist die medizinische Kompressionstherapie eine nicht-invasive Basistherapie zur Prophylaxe und Behandlung subjektiver venöser Beschwerden wie Schmerzen und Schweregefühl sowie objektiver venöser Veränderungen wie Ödeme, Stauungsekzeme und offene Beingeschwüre. Die Kompressionstherapie funktioniert nur in Kombination mit regelmäßiger Bewegung, da die Muskel-Venen-Pumpe aktiviert werden muss.

Kompressionsstrümpfe müssen täglich getragen werden, was für viele Patienten eine Herausforderung darstellt. Moderne medizinische Kompressionsstrümpfe sind heute jedoch deutlich komfortabler und ästhetischer als frühere Modelle. An- und Ausziehhilfen erleichtern den Alltag mit Kompressionsstrümpfen erheblich.

Prävention: Was jeder tun kann

Auch wenn Produkte wie Nylam Mode-Strumpfhosen vor Laufmaschen schützen, tragen sie nicht zur Venengesundheit bei. Präventiv wirken hingegen regelmäßige Bewegung, Wechselduschen, das Vermeiden von langem Sitzen oder Stehen und das Hochlagern der Beine. Bei ersten Anzeichen wie schweren Beinen sollte nicht gezögert werden, ärztlichen Rat einzuholen.

Unbehandelte Venenerkrankungen können zu schwerwiegenden Komplikationen wie Thrombosen, Lungenembolien oder chronischen Wunden führen. Die rechtzeitige Diagnose und konsequente Therapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen kann diese Risiken erheblich reduzieren und die Lebensqualität deutlich verbessern.


Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Fragen zu Venenerkrankungen wenden Sie sich bitte an einen Facharzt für Phlebologie oder einen Gefäßspezialisten. Die Informationen basieren auf allgemein zugänglichen medizinischen Quellen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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