Matthias Ginter verlängert beim SC Freiburg: Was sein Karriereweg über Altersvorsorge lehrt

Matthias Ginter und die deutsche U21 im Einsatz – Symbolbild für Sportlerkarriere und finanzielle Vorsorge

Photo : Sven Mandel / Wikimedia

Julia Julia RichterVermögensberatung
6 Min. Lesezeit 6. Oktober 2026

Am 6. Oktober 2026 verkündete der SC Freiburg offiziell, was viele schon geahnt hatten: Matthias Ginter verlängert seinen Vertrag beim Sportclub. Der 32-jährige Innenverteidiger und Weltmeister von 2014 bleibt damit dort, wo er einst Fußball spielen gelernt hat – und das, obwohl Spieler in seiner Position statistisch gesehen bereits auf die Endphase ihrer Karriere zugehen. Was diese Meldung jenseits des Sportplatzes bedeutet, beschäftigt einen anderen Expertenkreis: Vermögensberater und Finanzplaner, die täglich erklären müssen, warum der richtige Zeitpunkt für Altersvorsorge immer heute ist.

Ein außergewöhnliches Karriereleben – und ein realistisches Ablaufdatum

Matthias Ginter ist seit seinem Bundesliga-Debüt im Januar 2012 Profi. Das sind fast 15 Jahre auf höchstem Niveau – eine Ausnahmeerscheinung in einem Sport, der den menschlichen Körper fordert wie kaum ein anderer. Nach seiner Ausbildung im Freiburger Nachwuchs wechselte er 2014 zu Borussia Dortmund, kurz nachdem er im Sommer desselben Jahres Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft geworden war. 2017 folgte der Schritt zu Borussia Mönchengladbach, ehe er im Sommer 2022 in seinen Heimatclub zurückkehrte. Laut Clubangaben hat er seitdem 255 Pflichtspieleinsätze bestritten, 20 Tore erzielt und 19 Vorlagen gegeben – eine bemerkenswerte Bilanz für einen defensiven Feldspieler.

Vorstandsmitglied Jochen Saier ließ sich zur Vertragsverlängerung wie folgt zitieren: „Matze ist eine Säule unserer Mannschaft, das Niveau und die Konstanz seiner Leistungen sind beeindruckend und haben die Gesamtentwicklung der Mannschaft sportlich geprägt."

Und doch: Statistisch nähert sich Ginter dem Ende. Laut Daten der Spieleranalyseplattform Transfermarkt liegt das durchschnittliche Karriereende für Innenverteidiger in der Bundesliga bei etwa 34 Jahren. Das gibt Ginter – optimistisch geschätzt – noch zwei bis drei Saisons. Karrieren im Profifußball können, wie der Fall Tanguy Nianzou im Sommer 2026 gezeigt hat, jederzeit durch Verletzungen oder unerwartete Transfers eine Wendung nehmen. Was dann kommt – das ist für die meisten Sportler die eigentlich schwierige Frage. Und die Antwort liegt nicht auf dem Spielfeld, sondern in einem Finanzplan.

Die stille Rentenlücke: Was das deutsche System für Kurzzeit-Verdiener bedeutet

Deutschland hat eines der ältesten Rentensysteme der Welt – und eines, das auf langen Erwerbsbiografien aufgebaut ist. Laut Deutscher Rentenversicherung braucht man 45 Beitragsjahre, um ohne Abzüge in Rente zu gehen. Wer zwischen 18 und 35 als Profi tätig war, kommt auf bestenfalls 17 Beitragsjahre – weniger als 40 Prozent der vollen Beitragszeit.

Das gesetzliche Rentenrecht basiert auf Entgeltpunkten. Ein Entgeltpunkt entspricht einem Beitragsjahr mit dem Bundesdurchschnittsverdienst – 2026 liegt dieser bei rund 46.500 Euro brutto. Profifußballer in unteren Ligen verdienen oft deutlich weniger; Bundesliga-Profis deutlich mehr. Doch selbst wer gut verdient, erzielt nach 17 Beitragsjahren lediglich eine monatliche GRV-Rente von rund 500 bis 800 Euro – je nach Einkommenshöhe. Für jemanden, der als aktiver Profi mehrere Tausend Euro im Monat verdient hat, ist das keine Altersvorsorge – das ist eine Lücke.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales beziffert die durchschnittliche Versorgungslücke in Deutschland – also die Differenz zwischen dem letzten Nettogehalt und der zu erwartenden Rente – auf rund 700 Euro monatlich. Für Profisportler mit kurzer Aktivzeit und hohem Einkommensniveau während der Karriere kann diese Lücke deutlich größer sein. Die traurige Realität: Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge verlassen sich 43 Prozent der Beschäftigten ausschließlich auf die gesetzliche Rente – trotz dieser bekannten Lücke.

Das Problem sitzt im Kopf. Im Eifer des sportlichen Alltags, angesichts laufender Gehaltszahlungen und im Gefühl körperlicher Stärke erscheint Altersvorsorge abstrakt. Matthias Ginters Vertragsverlängerung ist ein passender Anlass, das zu ändern – für Sportler und für alle anderen.

Wenn der Körper aufhört, ein Gehalt zu zahlen

David ist 33 Jahre alt und spielt in der Regionalliga Südwest. Nebenberuflich arbeitet er als Personal Trainer in Freiburg. Sein monatliches Nettoeinkommen beträgt 3.200 Euro: 800 Euro aus seinem Spielervertrag und 2.400 Euro aus der Trainertätigkeit. Der Spielervertrag läuft im Sommer 2027 aus – eine Verlängerung ist nicht sicher. Mit dem Ende der aktiven Spielerkarriere – realistisch gerechnet spätestens mit 35 – wird er vollständig auf Trainer-Einnahmen angewiesen sein.

Seit seinem 20. Lebensjahr zahlt David in die gesetzliche Rentenversicherung ein: 13 Jahre lang, mit einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 24.000 Euro jährlich. Laut Rentenrechner der Deutschen Rentenversicherung ergibt das bei diesen Eckdaten und einem Renteneintritt mit 67 Jahren einen monatlichen Anspruch von rund 345 Euro.

Wenn David jetzt nichts unternimmt: Er schiebt das Thema auf, weil „noch Zeit ist". Erst mit 45 beginnt er einen ETF-Sparplan über 200 Euro im Monat. Bei einer historischen Durchschnittsrendite von 7 Prozent – dem Langzeitdurchschnitt des MSCI World, wie ihn die Deutsche Bundesbank in Berichten zu Kapitalmarktrenditen ausweist – ergibt das nach 22 Jahren ein Kapitalvermögen von rund 129.000 Euro. Bei einer Entnahme über 25 Jahre entspricht das monatlich etwa 430 Euro. Zusammen mit seinem GRV-Anspruch stehen David im Alter rund 775 Euro zur Verfügung – monatlich.

Wenn David jetzt handelt: Er vereinbart ein Erstgespräch mit einem Vermögensberater. Die Kosten: zwischen 150 und 250 Euro. Der Berater empfiehlt einen ETF-Sparplan über 250 Euro monatlich, kombiniert mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung – als körperlich tätiger Trainer besonders wichtig. Startpunkt: heute, mit 33. Bei gleicher Rendite über 34 Jahre, bis zum 67. Lebensjahr, wächst das angesparte Kapital auf rund 452.000 Euro. Bei einer Entnahmeplanung über 25 Jahre entspricht das monatlich rund 1.500 Euro. Zusammen mit seiner GRV-Rente: rund 1.845 Euro monatlich.

Der Unterschied: 1.070 Euro monatlich – ein Leben lang.

Das Ergebnis eines einzigen Beratungsgesprächs, das unter 250 Euro gekostet hätte, liegt bei rund 323.000 Euro mehr Kapitalvermögen am Lebensende. Das ist die Kraft des Zinseszinses – und der Preis, den spätes Handeln kostet.

Was Vertragsverlängerungen für alle Arbeitnehmer bedeuten

Matthias Ginters Verlängerung trifft einen Nerv, der weit über den Profifußball hinausreicht. Jedes Mal, wenn ein Arbeitnehmer – ob Profikicker, Handwerker oder Bürokaufmann – seinen Vertrag verlängert, entsteht eine trügerische Botschaft: „Ich habe noch Zeit." Und genau diese Botschaft ist das Problem.

Wer physisch arbeitet – ob als Sportler, Handwerker oder in der Pflege – hat strukturell ein höheres Risiko, vor dem regulären Renteneintritt berufsunfähig zu werden. Das Statistische Bundesamt weist aus, dass Erkrankungen des Bewegungsapparats in körperlich belastenden Berufen die häufigste Ursache von Frühverrentungen sind. Eine Berufsunfähigkeit mit 45 bedeutet: kein Einkommen mehr, aber auch keine weiteren GRV-Beiträge – und damit eine noch größere Rentenlücke im Alter.

Was ein Vermögensberater in einem Erstgespräch konkret prüft:

  • Den aktuellen GRV-Rentenanspruch laut offizieller Rentenauskunft
  • Bestehende Lebens- oder Rentenversicherungen und deren tatsächlichen Wert
  • Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge (bAV), die der Arbeitgeber mitfinanzieren muss
  • Steueroptimierte Anlageformen wie private ETF-Sparpläne oder die Rürup-Rente für Selbstständige und Freiberufler
  • Den Absicherungsbedarf gegen Berufsunfähigkeit, der bei körperlich tätigen Berufen oft höher einzustufen ist

Für jüngere Arbeitnehmer zwischen 30 und 40 – Matthias Ginters Altersgruppe – ist die Wirkung des Zinseszinses am stärksten. Jedes Jahr, das man mit dem Start einer privaten Altersvorsorge wartet, reduziert das Endvermögen spürbar. Das ist keine Theorie – das zeigt Davids Beispiel in Zahlen.

In drei konkreten Schritten zur gesicherten Altersvorsorge

Matthias Ginter hat für seine Zukunft eine Entscheidung getroffen und seinen Vertrag verlängert. Wer es ihm in finanzieller Hinsicht gleichtun möchte, kann mit drei Schritten beginnen:

Schritt 1: Rentenauskunft einholen. Die Deutsche Rentenversicherung stellt unter www.deutsche-rentenversicherung.de kostenlos eine individuelle Rentenauskunft aus. Sie zeigt, wie hoch der bisherige Anspruch ist – die Grundlage jeder weiteren Planung. Wer noch nie eine angefordert hat, wird oft überrascht sein, wie niedrig die prognostizierte Rente tatsächlich ausfällt.

Schritt 2: Versorgungslücke berechnen. Welches monatliche Budget wird im Ruhestand benötigt? Was fehlt zwischen diesem Wunschbetrag und dem GRV-Anspruch? Diese Differenz bestimmt die nötige Höhe privater Vorsorge – und damit den Druck, jetzt zu handeln.

Schritt 3: Experten konsultieren. Ein qualifizierter Vermögensberater hilft dabei, die optimale Mischung aus betrieblicher Altersvorsorge, privaten Sparplänen und Berufsunfähigkeitsabsicherung zu finden. Auf ExpertZoom finden Sie spezialisierte Vermögensberater, die genau diese Fragen beantworten – transparent, unabhängig und auf Ihre Situation zugeschnitten.

Eine Erstberatung kostet in Deutschland typischerweise zwischen 100 und 300 Euro. Ein überschaubarer Betrag – im Vergleich zu den Tausenden Euro, die durch verzögerte oder fehlende Vorsorge verloren gehen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine steuerliche oder finanzielle Beratung dar. Für individuelle Empfehlungen wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Finanzberater oder Steuerberater.

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