Levante hat am 8. Mai 2026 Osasuna in einem dramatischen Spiel der 35. LaLiga-Spielrunde 3:2 besiegt – mit einer Zwei-Tore-Aufholjagd und einer roten Karte für Osasuna-Keeper Sergio Herrera als Wendepunkt. Was passiert nun rechtlich mit dem Torhüter? Ein Überblick über die Rechte von Spielern bei Sperren im Profifußball.
Levante gegen Osasuna: Was den Abend so dramatisch machte
Das Spiel im Estadio Ciutat de València schien lange verloren. Osasuna führte zur 11. Minute mit 2:0 – Tore durch ein Eigentor von Toljan und einen Treffer von Budimir. Doch die Roten Karte für Osasuna-Torwart Sergio Herrera veränderte das gesamte Match.
In Unterzahl war Osasuna nicht mehr in der Lage, das Ergebnis zu halten. Víctor García glich zunächst zum 2:2 aus, ehe Etta Eyong in der 90. Minute per Kopf das Siegtor erzielte. Levante gewann 3:2 und hält damit seine Ambitionen auf einen Europaplatz aufrecht.
Für Sergio Herrera bedeutet die rote Karte: gesperrt, möglicherweise mehrere Spieltage. Genau hier beginnt der Weg durch das Sportrecht.
Rote Karte im Profifußball: Was folgt rechtlich?
Im professionellen Fußball löst jede rote Karte ein standardisiertes Disziplinarverfahren aus. Für Spiele der LaLiga EA Sports ist der spanische Fußballverband RFEF (Real Federación Española de Fútbol) zuständig.
Automatische Sperre: Bei einer einfachen roten Karte gilt in der LaLiga in der Regel eine Mindestsperre von einem Spiel. Bei besonders schweren Vergehen – wie groben Fouls, Tätlichkeiten oder Beschimpfungen – kann die Sperre deutlich länger ausfallen.
Einspruchsrecht: Jeder Spieler hat das Recht, gegen eine Sperre Einspruch einzulegen. Dazu muss der Verein innerhalb einer Frist beim zuständigen Komitee Stellung nehmen. Der Videobeweis (VAR) spielt dabei eine zentrale Rolle: Wenn Videoaufnahmen belegen, dass die Entscheidung des Schiedsrichters falsch war, kann die Sperre aufgehoben werden.
Vertragsrechtliche Konsequenzen: Lange Sperren können auch arbeitsrechtliche Folgen haben. Ein Profivertrag enthält oft Klauseln, die bei Disziplinarverstößen eine Gehaltskürzung oder sogar außerordentliche Kündigung ermöglichen. Was genau gilt, hängt vom individuellen Vertrag ab.
Was deutsche Fans und Sportprofis über Spielersperren wissen sollten
Sportrecht ist kein Nischenthema – es betrifft Profis, Amateure und zunehmend auch Nachwuchsspieler in organisierten Ligen. Die wichtigsten Punkte:
1. Das Disziplinarrecht des Verbandes geht dem staatlichen Recht vor. Sportverbände wie die RFEF, der DFB oder die UEFA haben eigene Disziplinarregeln, die Spieler bei Vertragsunterzeichnung akzeptieren. Staatliche Gerichte greifen nur ein, wenn fundamentale Rechte verletzt werden oder bei besonders gravierenden finanziellen Schäden.
2. Die Beweislast liegt beim Spieler. Wer eine Sperre anfechten will, muss nachweisen, dass die Entscheidung sachlich falsch oder verfahrensrechtlich fehlerhaft war. Das ist in der Praxis schwierig – Schiedsrichterentscheidungen genießen hohes Vertrauen.
3. Fristen sind kurz. In vielen Verbänden beträgt die Einspruchsfrist nur 48 bis 72 Stunden nach Bekanntgabe der Sperre. Verpasste Fristen bedeuten: Die Sperre wird automatisch rechtskräftig.
4. Versicherungslücken bei Sperren. Viele Spielerverträge sehen keine Entgeltfortzahlung während einer Sperre vor. Ein Rechtsanwalt für Sportrecht kann prüfen, ob Ansprüche auf Lohnfortzahlung bestehen oder ob Vertragsklauseln rechtlich angreifbar sind.
Wann braucht ein Sportler einen Anwalt?
Nicht jede rote Karte erfordert anwaltliche Hilfe – aber es gibt klare Situationen, in denen ein Sportrechtsanwalt unverzichtbar ist:
- Bei Sperren von mehr als drei Spielen: Ab dieser Grenze sind finanzielle und karrieremäßige Schäden signifikant. Ein Anwalt prüft, ob eine Anfechtung Erfolgsaussichten hat.
- Bei Verdacht auf Verfahrensfehler: Wurde der Spieler nicht ordnungsgemäß angehört? Gibt es Widersprüche im Schiedsrichterbericht?
- Bei gleichzeitigen Vertragsverhandlungen: Eine laufende Sperre kann den Marktwert eines Spielers temporär senken und Transferverhandlungen verkomplizieren.
- Bei Dopingverdacht oder Tätlichkeitsvorwürfen: Diese Verfahren haben eigene Regelwerke und können berufsbeendend sein.
Ein erfahrener Sportrechtsanwalt kennt die Verbandsstatuten und weiß, welche Argumentationslinie bei Einsprüchen erfolgreich ist. Die Kosten für eine erste Beratung sind überschaubar – das Risiko, ohne rechtliche Begleitung zu handeln, oft deutlich größer.
Was Amateurspieler von Profifällen lernen können
Die Regelwerke im Amateurfußball und Breitensport orientieren sich an den Verbandssatzungen der Profiligen – die Grundprinzipien sind vergleichbar. Auch im DFB-Amateurbetrieb gilt: Rote Karten führen zu automatischen Sperren, die beim zuständigen Kreisverband angefochten werden können.
Der Unterschied liegt vor allem im Tempo: Während Profis 48 bis 72 Stunden haben, können Fristen im Amateurbetrieb je nach Verband variieren. Wichtig zu wissen: Auch Amateurvereine sind vertraglich an ihre Spieler gebunden. Bei ungerechtfertigten langen Sperren können sowohl der Spieler als auch der Verein rechtliche Schritte einleiten.
Besonders relevant ist das Thema für Spieler in höheren Amateurligen, die Transferprämien oder Aufwandsentschädigungen erhalten. Hier entstehen echte finanzielle Schäden durch Sperren – und echte Ansprüche, die ein Anwalt prüfen kann.
Levante, Osasuna und die Realität des Sportrechts
Der Fall Sergio Herrera ist exemplarisch für eine Situation, die im Profifußball täglich vorkommt. Hinter jedem roten Pappkarton steckt ein komplexes Verfahren mit Fristen, Einspruchsmöglichkeiten und vertraglichen Folgen.
Auf Expert Zoom finden Sie qualifizierte Rechtsanwälte mit Spezialisierung auf Sportrecht, die Spieler, Agenten und Vereine in Disziplinarverfahren unterstützen.
Lesen Sie auch: Was Fußball-Arbeitsverträge über Sperren sagen – Xabi Alonso und der Fall Liverpool
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Für Ihren konkreten Fall empfehlen wir ein persönliches Gespräch mit einem Fachanwalt für Sportrecht.

Lena Müller