Deutsche Einzelhandelsmitarbeiterin besorgt in einem Textilgeschäft mit Schließungshinweis im Hintergrund

KiK schließt 50 Filialen: Was müssen betroffene Mitarbeiter jetzt über ihre Rechte wissen?

Arbeitsrecht 4 Min. Lesezeit 20. März 2026

Der Textildiscounter KiK schließt im ersten Quartal 2026 rund 50 Filialen in Deutschland — betroffene Mitarbeiter müssen jetzt ihre Rechte kennen, bevor die Türen schließen.

Was bei KiK passiert

Der Textilhändler KiK, der zur Tengelmann-Gruppe gehört, hat angekündigt, im ersten Quartal 2026 rund 50 Standorte zu schließen — 25 davon allein in Deutschland. Europaweit gelten rund 400 Filialen als wirtschaftlich problematisch, in Deutschland schreiben etwa 170 Märkte rote Zahlen. Parallel dazu plant das Unternehmen, die Öffnungszeiten zu reduzieren, um Personalkosten zu senken.

Das Management versichert, betroffene Mitarbeiter würden "in der Regel" in anderen Filialen weiterbeschäftigt. Doch was bedeutet das konkret, und welche Rechte haben Arbeitnehmer, wenn ihr Arbeitsplatz wegfällt?

Betriebsschließung und Kündigung: Was der Arbeitgeber leisten muss

Wenn eine Filiale schließt, müssen Arbeitgeber klare gesetzliche Anforderungen erfüllen. Eine Schließung ist kein Freifahrtschein für sofortige Kündigungen.

Sozialauswahl: Wenn nicht alle Mitarbeiter einer Filiale weiterbeschäftigt werden können, muss der Arbeitgeber eine Sozialauswahl nach § 1 KSchG durchführen. Dabei zählen vier Kriterien: Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten und eine eventuelle Schwerbehinderung. Wer sozial schutzwürdiger ist, darf nicht zuerst entlassen werden.

Kündigungsfristen: Die gesetzlichen Kündigungsfristen gelten auch bei Filialschließungen. Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit beträgt die Frist einen Monat, nach fünf Jahren zwei Monate, nach acht Jahren drei Monate. Tarifverträge oder Arbeitsverträge können längere Fristen vorsehen.

Abfindung: Eine gesetzliche Abfindungspflicht gibt es in Deutschland grundsätzlich nicht. Ausnahmen bilden ein Sozialplan, der mit dem Betriebsrat ausgehandelt wird, oder eine entsprechende Regelung im Tarifvertrag. KiK ist nicht tarifgebunden, verfügt aber über Betriebsräte in größeren Filialen.

Versetzung statt Kündigung: Zumutbar oder nicht?

KiK erklärt, betroffene Mitarbeiter könnten in andere Filialen wechseln. Arbeitsrechtlich ist eine Versetzung unter bestimmten Bedingungen möglich — aber nicht bedingungslos.

Eine Versetzung ist zumutbar, wenn:

  • Die neue Stelle eine vergleichbare Tätigkeit umfasst
  • Der Lohn unverändert bleibt
  • Der Weg zur neuen Filiale zumutbar ist (in der Regel bis zu ca. 30 Minuten Fahrtzeit, je nach Einzelfall)

Verweigert ein Mitarbeiter eine zumutbare Versetzung, kann der Arbeitgeber eine verhaltensbedingte Kündigung aussprechen. Ist die neue Stelle hingegen deutlich schlechter oder zu weit entfernt, haben Arbeitnehmer das Recht, die Versetzung abzulehnen — ohne ihren Kündigungsschutz zu verlieren.

Arbeitsrechtliche Fragen bei Betriebsänderungen sind komplex. Ein spezialisierter Anwalt kann helfen, die eigene Situation zu bewerten.

Betriebsrat und Interessenausgleich

In Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern hat der Betriebsrat bei Betriebsänderungen ein Mitbestimmungsrecht (§§ 111-113 BetrVG). Das bedeutet:

Interessenausgleich: Arbeitgeber und Betriebsrat müssen versuchen, einen Interessenausgleich zu erzielen, der regelt, ob und wie die Betriebsänderung durchgeführt wird. Ein Namensliste im Interessenausgleich kann die Sozialauswahl erleichtern.

Sozialplan: Bei erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen für die Belegschaft kann der Betriebsrat einen Sozialplan erzwingen. Dieser regelt Abfindungen, Outplacement-Maßnahmen oder Umschulungsangebote.

Nachteilsausgleich: Führt der Arbeitgeber die Betriebsänderung durch, ohne einen Interessenausgleich zu versuchen, können betroffene Mitarbeiter einen Nachteilsausgleich in Höhe von bis zu zwölf Monatsverdiensten beanspruchen.

Diese Regelungen gelten auch bei KiK — sofern in der betroffenen Filiale ein Betriebsrat existiert. Wo kein Betriebsrat vorhanden ist, sind die Möglichkeiten der Belegschaft eingeschränkter.

Änderungskündigung: Das steckt dahinter

Ein Instrument, das Arbeitgeber bei Filialschließungen häufig nutzen, ist die Änderungskündigung. Dabei wird das bestehende Arbeitsverhältnis gekündigt, gleichzeitig aber eine neue Stelle mit veränderten Bedingungen angeboten — zum Beispiel eine andere Filiale mit reduzierter Stundenzahl.

Der Arbeitnehmer kann das Angebot annehmen (unter Vorbehalt, um seine Rechte zu wahren), ablehnen oder die Änderungen gerichtlich prüfen lassen. Bei Annahme unter Vorbehalt kann der Betroffene innerhalb von drei Wochen Klage erheben, falls er die neuen Bedingungen für unzumutbar hält.

Wichtig: Die Drei-Wochen-Frist für die Klage gegen eine Kündigung beginnt ab Zugang des Kündigungsschreibens. Wer diese Frist verpasst, verliert in der Regel seinen Anspruch auf gerichtliche Überprüfung.

MEINE FRAGE STELLENArbeitsrecht

Was Betroffene jetzt tun sollten

Wenn Sie zu den Mitarbeitern einer KiK-Filiale gehören, die möglicherweise von Schließungen betroffen sind, empfehlen Arbeitsrechtler folgende Schritte:

  1. Kündigung nicht einfach hinnehmen. Prüfen Sie, ob die Kündigung formell korrekt ist und ob die Sozialauswahl eingehalten wurde.
  2. Frist beachten. Gegen eine Kündigung muss innerhalb von drei Wochen Klage beim Arbeitsgericht erhoben werden.
  3. Betriebsrat kontaktieren. Falls ein Betriebsrat vorhanden ist, informieren Sie diesen sofort — er hat Rechte, die Ihnen nützen können.
  4. Versetzungsangebot genau prüfen. Lassen Sie klären, ob die angebotene Alternative zumutbar ist.
  5. Anwalt für Arbeitsrecht hinzuziehen. Ein spezialisierter Rechtsanwalt für Arbeitsrecht kann die individuelle Situation bewerten und gegebenenfalls eine Abfindung verhandeln.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Die Umstände jedes Einzelfalls können abweichen.

Fazit

Die KiK-Filialschließungen betreffen Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ganz Deutschland. Wer weiß, welche Rechte er hat, ist klar im Vorteil — sei es bei der Verhandlung einer Abfindung, der Prüfung einer Versetzung oder der rechtzeitigen Klage gegen eine unwirksame Kündigung. Jetzt ist der richtige Moment, die eigene Situation zu prüfen und sich notfalls professionellen Beistand zu holen.

Öffnungszeitenreduzierung: Was das für Teilzeitkräfte bedeutet

Neben den Schließungen plant KiK, die Öffnungszeiten schwacher Standorte zu reduzieren. Märkte mit unterdurchschnittlichem Umsatz sollen zum Beispiel morgens eine Stunde später öffnen. Das klingt zunächst harmlos — hat aber für Teilzeitkräfte erhebliche Konsequenzen.

Eine einseitige Reduzierung der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber ist nur dann möglich, wenn der Arbeitsvertrag dies ausdrücklich vorsieht oder der Arbeitnehmer zustimmt. Andernfalls liegt eine unzulässige Vertragsänderung vor. Auch hier gilt: Bei einer entsprechenden Aufforderung zur Stundenreduzierung ohne vertragliche Grundlage sollte man juristischen Rat einholen — am besten, bevor man irgendetwas unterschreibt.

Nos experts

Avantages

Des réponses rapides et précises pour toutes vos questions et demandes d'assistance dans plus de 200 catégories.

Des milliers d'utilisateurs ont obtenu une satisfaction de 4,9 sur 5 pour les conseils et recommandations prodiguées par nos assistants.