Kalshi und Polymarket, die beiden größten Anbieter von Prediction Markets weltweit, stehen seit dem 23. März 2026 im Mittelpunkt der Finanzmärkte: Ihre CEOs unterstützen gemeinsam einen 35-Millionen-Dollar-Venture-Capital-Fonds namens 5c(c) Capital, der in rund zwanzig Startups im Prediction-Market-Sektor investieren soll. Gleichzeitig arbeitet der US-Senat an einem parteiübergreifenden Gesetz, das Sportwetten auf diesen Plattformen verbieten würde.
Was in den USA als legale Finanzinnovation gilt, ist in Deutschland weitgehend unzugänglich — und das hat rechtliche Gründe. Wer als deutscher Anleger trotzdem teilnehmen möchte, sollte die Risiken genau kennen.
Was sind Prediction Markets?
Prediction Markets, auf Deutsch auch „Vorhersagemärkte" oder „Ereigniskontrakte" genannt, funktionieren wie eine Börse — aber statt Aktien werden Wahrscheinlichkeiten gehandelt. Nutzer kaufen Anteile an einer Aussage wie „Wird die Inflation in der EU 2026 über 3 % steigen?". Liegt die Aussage am Ende richtig, zahlt der Anteil 1 Dollar aus. Liegt sie falsch, verfällt er wertlos.
Polymarket und Kalshi verarbeiten inzwischen Milliarden von Dollar an Handelsvolumen. Laut einer Analyse von Bloomberg vom 23. März 2026 haben die Plattformen Verträge auf Wahlergebnisse, Konjunkturdaten und Sportereignisse populär gemacht.
Warum sind sie in Deutschland nicht legal verfügbar?
Deutschland klassifiziert Prediction Markets wie Polymarket nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 als nicht lizenziertes Glücksspiel. Polymarket ist für Nutzer aus Deutschland aktiv gesperrt. Kalshi ist in Deutschland nicht zugelassen.
Der Grund: Deutsche Behörden betrachten diese Plattformen als regulierungsbedürftige Wettanbieter, nicht als Finanzinstrumente. Wer über ein VPN oder einen ausländischen Broker Zugang zu diesen Plattformen sucht, handelt in einer rechtlichen Grauzone — mit konkreten Risiken.
Steuerliche Risiken für deutsche Anleger
Selbst wenn eine deutsche Privatperson über Umwege Gewinne auf einer Prediction-Market-Plattform erzielt, entstehen steuerliche Pflichten:
- Kapitalertragsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag gilt grundsätzlich für Einkünfte aus strukturierten Finanzprodukten — ob die Plattform im Inland registriert ist oder nicht.
- Verluste lassen sich steuerlich nicht verrechnen, wenn die Plattform keine in Deutschland anerkannte Wertpapierverwahrstelle ist.
- Ausländische Konten müssen im Rahmen der jährlichen Steuererklärung offengelegt werden, wenn das Kontoguthaben 15.000 Euro überschreitet.
Wer Gewinne verschweigt, riskiert eine Nachzahlung plus Zinsen — im Extremfall auch strafrechtliche Konsequenzen wegen Steuerhinterziehung nach § 370 Abgabenordnung.
Rechtliche Risiken: Was droht bei Nutzung gesperrter Plattformen?
Die Nutzung von in Deutschland gesperrten Glücksspielangeboten ist für Privatpersonen bislang nicht ausdrücklich strafbar — aber riskant. Wer mit signifikanten Beträgen auf gesperrten Plattformen handelt, kann:
- Keine Ansprüche geltend machen, wenn die Plattform insolvent wird oder Gelder einfriert, da keine Einlagensicherung greift.
- Keine rechtliche Unterstützung in Deutschland erwarten, da Verträge mit nicht lizenzierten Anbietern als sittenwidrig gelten könnten.
- Zukünftige regulatorische Verschärfungen riskieren: Der EU-Gesetzgeber beobachtet Prediction Markets intensiv, eine europaweite Regulierung ist im Gespräch.
Ist die Lage in Bewegung?
Ja. In den USA bewegt sich der Markt schnell: Kalshi hat erst im vergangenen Jahr grünes Licht von der CFTC (Commodity Futures Trading Commission) erhalten, auf US-Sportmärkte auszuweiten. Ob das europäische Regulierungsumfeld folgt, ist offen. Eine Zulassung in der EU würde eine Lizenzierung nach MiFID II oder als Glücksspielbetreiber erfordern — beides dauert Jahre.
Bis dahin gilt für deutsche Anleger: Diese Märkte sind faszinierend, aber rechtlich und steuerlich ungeregelt. Wer trotzdem teilnehmen will, sollte dies nur mit Beträgen tun, deren Verlust er sich leisten kann — und vorher einen Steuerberater sowie einen auf Finanzrecht spezialisierten Rechtsanwalt konsultieren. Eine proaktive Beratung kostet weit weniger als eine nachträgliche Steuernachzahlung oder ein Bußgeld. Gerade bei neuen, wenig regulierten Finanzprodukten gilt: Wer sich früh informiert, schützt sowohl sein Kapital als auch seine Steuersituation langfristig.
Prediction Markets und Kryptowährungen: eine doppelte Grauzone
Viele Prediction-Market-Plattformen — insbesondere Polymarket — setzen auf Kryptowährungen als Zahlungsmittel, konkret auf USDC (USD Coin) als Stablecoin. Das fügt eine zweite regulatorische Dimension hinzu: Kryptovermögen, die auf ausländischen Wallets gehalten werden, unterliegen in Deutschland eigenen Meldepflichten.
Das Bundesfinanzministerium hat 2024 klargestellt, dass Gewinne aus Kryptowährungen, die innerhalb eines Jahres realisiert werden, als sonstige Einkünfte nach § 22 EStG steuerpflichtig sind. Gewinne aus Prediction Markets, die in Krypto ausgezahlt werden, sind daher doppelt relevant: einmal als Spekulationsgeschäft auf der Plattform, und erneut wenn die Kryptowährung in Euro umgetauscht wird.
Wer USDC-Gewinne aus Polymarket hält und in Euro konvertiert, ohne die Transaktion zu melden, riskiert — selbst bei kleinen Beträgen — eine rückwirkende Steuernachforderung. Die Finanzbehörden erhalten über die Auskunftspflichten nach dem automatischen internationalen Informationsaustausch (AEOI/CRS) zunehmend Zugang zu Daten ausländischer Finanzdienstleister.
Wann einen Experten hinzuziehen?
Eine Beratung durch einen Vermögensberater oder Steuerberater ist sinnvoll, wenn Sie:
- Gewinne aus ausländischen Plattformen in Ihrer Steuererklärung korrekt deklarieren möchten
- Unsicher sind, ob Ihre bestehenden Investments Berührungspunkte mit Prediction Markets haben (etwa durch tokenisierte Produkte)
- Ihre Anlagestrategie an die neuen Regulierungsrisiken anpassen wollen
Expert Zoom verbindet Sie mit unabhängigen Vermögensberatern und Steuerrechtsexperten in Deutschland, die für eine Online-Beratung zur Verfügung stehen. Für eine erste Orientierung empfehlen wir unseren Leitfaden zur Steueroptimierung für Anleger.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage- oder Rechtsberatung dar. Für individuelle Fragen wenden Sie sich an einen zugelassenen Steuerberater oder Rechtsanwalt.
