Jessica Pegula steht als gesetzte Nummer drei im Viertelfinale der US Open 2026 — und das nach einer Turnierwoche voller Comebacks, harter Matches und körperlicher Belastung. Ihr Durchhaltevermögen in New York macht Mut. Es wirft aber auch eine Frage auf, die für Millionen aktive Sportlerinnen und Sportler in Deutschland hochrelevant ist: Wann sind anhaltende Erschöpfung und Leistungseinbrüche ein Zeichen dafür, dass professioneller medizinischer Rat dringend nötig ist — und nicht einfach „mehr Pause"?
Pegulas Weg durch die 2026 US Open
Die US Open 2026 schreiben Geschichten. Jessica Pegula, 32 Jahre alt und auf dem Zenit ihrer Karriere, hat sich in New York Runde für Runde durchgebissen. Nach einem schwachen ersten Satz gegen Leylah Fernandez in Runde drei drehte sie das Match noch 1:6, 6:4, 6:3 — ein mentales Meisterstück. Im Viertelfinale wartet nun Emma Navarro auf sie, ebenfalls eine Amerikanerin: ein All-American-Quarterfinal auf dem Arthur Ashe Stadium.
Was viele nicht wissen: Pegula hat in ihrer Karriere immer wieder mit körperlichen Rückschlägen zu kämpfen gehabt. Eine schwere Knieverletzung, anhaltende Gesundheitsprobleme, Phasen der Unsicherheit. In einem Interview mit dem Onlinemagazin The Healthy (August 2026) beschreibt sie ihre strukturierte Recovery-Routine als zentralen Baustein ihres anhaltenden Erfolgs — tägliches Monitoring, gezielte Regenerationsprotokoll, professionelle Begleitung.
Ihr Beispiel illustriert etwas Wesentliches: Spitzensportler, die mit chronischen Belastungen umgehen, tun das selten allein. Sie haben ein Team von Experten hinter sich, das genau erkennt, wann normale Erschöpfung aufhört — und Krankheit anfängt.
September in Deutschland: Hochsaison für Borreliose-Infektionen
Während in New York die Tennisbälle fliegen, läuft in Deutschland eine stille, aber bedeutende Saison: die zweite Hochphase der Zeckenaktivität. Neben dem Frühling ist der Herbst — vor allem September und Oktober — einer der Hauptmonate für Zeckenstiche in Mitteleuropa. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) infizieren sich in Deutschland jedes Jahr rund 200.000 Menschen mit Lyme-Borreliose, der häufigsten durch Zecken übertragenen Infektionskrankheit in Europa.
Für Sportlerinnen und Sportler, die im Freien aktiv sind — Tennisspieler auf Außenplätzen, Radfahrerinnen, Läufer, Wanderer — ist das Risiko besonders relevant. Zecken finden sich nicht nur im tiefen Wald: Sie sitzen auf Wiesen, in Parkanlagen, am Rand von Sportplätzen. Eine einzige unbemerkte Zecke genügt für eine Infektion.
Das Heimtückische an Borreliose: Die Beschwerden sind oft unspezifisch und leicht mit anderen Problemen zu verwechseln. Erschöpfung, Gelenkschmerzen, Konzentrationsstörungen, Muskelschmerzen — genau jene Symptome, die aktive Sportler reflexartig als Übertraining oder Saisonmüdigkeit abtun.
Wenn Borreliose wie Übertraining aussieht
Wissenschaftler der Universität des Saarlandes, die sich mit Infektionserkrankungen im Leistungssport befassen, stellen fest: Borreliose ist im sportmedizinischen Kontext eine der am häufigsten falsch eingeordneten Erkrankungen. Das unspezifische Beschwerdebild ähnelt dem eines Übertrainingszustands so stark, dass die Diagnose oft monatelang ausbleibt — selbst bei aktiven Sportlern, die regelmäßig medizinische Betreuung in Anspruch nehmen.
Das ist ein Problem, denn die Prognose hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Behandlung ab. Laut RKI liegen die Heilungsraten bei rechtzeitiger Therapie für lokalisierte und früh disseminierte Verlaufsformen bei 95 bis 100 Prozent. Wird die Erkrankung hingegen nicht oder erst im Spätstadium behandelt, drohen chronische Verläufe: Neuroborreliose mit neurologischen Ausfällen oder Lyme-Arthritis mit dauerhaften Gelenkschäden — Zustände, die sich oft nur langsam oder gar nicht zurückbilden lassen.
Für Sportler kommt ein weiterer Faktor hinzu: intensive körperliche Belastung kann ein geschwächtes Immunsystem weiter strapazieren und Frühsymptome überlagern oder verstärken. Wer im ambitionierten Amateurbereich oder Leistungssport trainiert, neigt strukturell dazu, Warnzeichen zu ignorieren — und verliert dadurch wertvolle Zeit.
Ein weiterer aktueller Aspekt: Der Borreliose-Impfstoffkandidat VLA15 von Valneva und Pfizer befindet sich derzeit in Phase-3-Studien, mit einer möglichen Zulassung noch 2026. Bis dahin bleibt die beste Prävention mechanischer Schutz — und schnelle Reaktion.
Ein realistisches Szenario: Wenn die Erschöpfung nicht aufhört
Folgendes Szenario aus dem deutschen Breitensport ist nicht konstruiert — es beschreibt eine Situation, die in Sportmedizin-Praxen regelmäßig vorkommt:
Martin, 38 Jahre alt, spielt in einem Münchner Tennisclub Vereinstennis und trainiert dreimal pro Woche auf Außenplätzen. Im August 2026 bemerkt er nach einem Training im angrenzenden Stadtpark eine kleine Rötung am Oberschenkel, die er als harmlos einstuft. Drei Wochen später kämpft er mit anhaltender Müdigkeit, diffusen Gelenkschmerzen in Knie und Schulter sowie anhaltenden Konzentrationsproblemen. Er trainiert weiter — und wird schlechter statt besser.
Die entscheidende Wenn-dann-Logik:
- Wenn Martin seinen Hausarzt oder Sportmediziner innerhalb von 4 bis 6 Wochen nach Symptombeginn aufsucht und eine Wanderröte (Erythema migrans) noch dokumentierbar ist → Diagnose klinisch, Antibiotikatherapie für 14 bis 21 Tage, Heilungswahrscheinlichkeit nahezu 100 Prozent, Gesamtkosten der Behandlung in der Regel vollständig kassenversichert.
- Wenn er weitere 6 bis 8 Wochen wartet → Bluttest notwendig (ELISA-Test plus ggf. Westernblot-Bestätigung), möglicherweise bereits disseminiertes Stadium, Behandlung dann 21 bis 28 Tage; Eigenanteil für Zusatzdiagnostik: 50 bis 150 Euro je nach Kassenleistung.
- Wenn er ein Jahr ohne Diagnose weitertrainiert → Gefahr einer Neuroborreliose oder Lyme-Arthritis mit möglichen Dauerschäden; Rehabilitationskosten im Spätstadium können mehrere Tausend Euro betragen — vom Verlust der sportlichen Leistungsfähigkeit ganz zu schweigen.
Ein Sportmediziner oder Internist mit infektiologischem Schwerpunkt kann in solchen Fällen entscheidend helfen — und oft deutlich schneller zur richtigen Diagnose kommen als eine allgemeinmedizinische Ersteinschätzung, weil er das Zusammenspiel aus sportlicher Belastung und Infektionssymptomen gezielt einordnet. Wer beispielsweise bei Tennisamateurin Mirra Andreeva nachvollzogen hat, wie fließend die Grenze zwischen Rückenschmerzen durch Übertraining und organischer Erkrankung ist, versteht die Dringlichkeit: Ähnliche Symptome können vollkommen unterschiedliche Ursachen haben — und entsprechend unterschiedliche Konsequenzen, wenn sie unbehandelt bleiben. Wie Sportmediziner dabei im Einzelfall vorgehen, erklärt das Expert-Zoom-Interview zu Boreliose-Differentialdiagnostik bei Tennisspielern.
Was Sportlerinnen und Sportler jetzt tun können
Der September ist in Deutschland die letzte aktive Zeckenphase vor dem Winter. Wer jetzt im Freien Sport treibt, sollte:
Nach jedem Outdoor-Training sich selbst auf Zecken absuchen — besonders Kniebeugen, Achseln, Leistengegend und Nacken. Zecken sind oft nur 1 bis 3 mm groß und leicht zu übersehen.
Die Wanderrötung im Blick behalten: Eine kreisförmige, wandernde Rötung (Erythema migrans) um eine Bissstelle ist das klarste Borreliose-Zeichen und tritt bei 50 bis 70 Prozent der Infizierten auf. Bei Verdacht sofort zum Arzt — nicht Wochen abwarten.
Zecken korrekt entfernen: Mit einer Zeckenzange oder Pinzette möglichst nah an der Haut ansetzen und gerade herausziehen. Niemals drehen oder quetschen — das erhöht das Infektionsrisiko.
Chronische Symptome ernst nehmen: Anhaltende Erschöpfung, die nach zwei Wochen Regeneration nicht weicht, kombiniert mit Gelenkschmerzen und Konzentrationsproblemen, sollte immer ärztlich abgeklärt werden — nicht rationalisiert werden.
Für die Suche nach dem richtigen Spezialisten gilt: Ein Facharzt für innere Medizin, Infektiologie oder Sportmedizin ist die richtige Anlaufstelle. Wer unsicher ist, welcher Experte zu seinem konkreten Fall passt, kann über Expert Zoom direkt mit einem zugelassenen Fachexperten sprechen und sich eine fundierte Ersteinschätzung holen — bevor wertvolle Wochen ohne Diagnose vergehen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an einen zugelassenen Arzt.
Was Pegulas Beispiel zeigt
Jessica Pegula kämpft sich in New York durch jeden Satz — nicht weil ihr alles leichtfällt, sondern weil sie gelernt hat, auf ihren Körper zu hören, professionelle Unterstützung zu suchen und konsequent dranzubleiben. Das ist eine Haltung, die auch für Breitensportlerinnen und -sportler in Deutschland gilt, wenn sie mit anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden konfrontiert sind.
Chronische oder schleichende Erkrankungen wie Borreliose verschwinden nicht durch Ignorieren — sie werden ernster. Und ein Sportmediziner, der Übertraining von Infektion unterscheiden kann, ist kein Luxus: Er ist der entscheidende Unterschied zwischen einem kurzen Einschnitt und einem langen Karriereverlust.

Lena Meyer