Jana Ina Zarrella (49) und Giovanni Zarrella (48) haben auf dem Netflix-Event „What Next?" in Berlin eine eigene Doku-Serie angekündigt. „Die Zarrellas" soll 2026 starten, produziert von Leonine Documentaries, und soll einen intimen Blick hinter die Kulissen der deutsch-italienisch-brasilianischen Familie werfen: zwischen Glamour auf großen TV-Bühnen und dem Familienalltag mit drei Kindern. Was für Millionen Fans ein Unterhaltungsversprechen ist, beginnt für die Beteiligten mit einem juristischen Dokument: dem Produktionsvertrag.
Was regelt ein Netflix-Produktionsvertrag?
Ein Doku-Vertrag mit einem Streaming-Riesen wie Netflix ist kein gewöhnlicher TV-Auftrittsvertrag. Er umfasst in der Regel mehrere Schlüsselbereiche: Nutzungsrechte an den entstehenden Aufnahmen, die Vergütungsstruktur (Pauschalhonorar, Beteiligung, Staffeloptionen), Kontrollrechte über den finalen Schnitt sowie Regelungen zum Datenschutz für alle gefilmten Familienmitglieder.
Besonders heikel: Netflix-Verträge räumen dem Plattformbetreiber häufig weltweite, exklusive Nutzungsrechte auf unbefristete Zeit ein. Das bedeutet, dass die Serie nach der Ausstrahlung dauerhaft auf der Plattform verfügbar bleibt, ohne dass die Betroffenen später ein Veto einlegen können. Medienanwälte empfehlen daher, vor der Unterzeichnung einen Takedown-Mechanismus für bestimmte Sequenzen zu verhandeln.
Das Recht am eigenen Bild: Schutz nach dem Kunsturhebergesetz
In Deutschland schützt das Kunsturhebergesetz (KUG) das Recht am eigenen Bild. Gemäß § 22 KUG darf niemand ohne seine Einwilligung in einer Veröffentlichung abgebildet werden. Bei einer Netflix-Produktion gilt: Alle gefilmten Personen — auch Kinder, Verwandte und Freunde — müssen der Verwendung ihres Bildmaterials ausdrücklich zustimmen.
Für minderjährige Kinder ist das besonders relevant. Sie können keine eigenständige Einwilligung erteilen; beide Elternteile müssen gemeinsam zustimmen. Experten empfehlen zudem eine zeitliche Begrenzung der Einwilligung, damit Kinder als Erwachsene die Möglichkeit haben, die Verwendung ihres Bildmaterials zu überdenken. Bei Verstößen gegen § 22 KUG drohen Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche — auch gegenüber einem Streaming-Anbieter.
NDA und Verschwiegenheitsklauseln: Was bleibt privat?
Doku-Serien leben von Authentizität. Doch was bedeutet das für die Privatsphäre? Netflix-Produktionsverträge enthalten regelmäßig sogenannte Non-Disclosure Agreements (NDA): Klauseln, die Beteiligten verbieten, Details über die Produktion, den Inhalt oder interne Abläufe vorab zu veröffentlichen.
Gleichzeitig sollten Jana Ina und Giovanni sicherstellen, dass auch das Kamerateam und die Produktionsfirma zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Was hinter den Kulissen gefilmt wird, kann sensible Informationen über Dritte enthalten. Ein guter Medienvertrag enthält wechselseitige Verschwiegenheitsklauseln, die beide Seiten schützen.
Wichtig: In Deutschland sind übermäßig weitreichende NDA-Klauseln, die auch berechtigte öffentliche Äußerungen verbieten würden, nicht vollständig durchsetzbar. Ein Rechtsanwalt mit Erfahrung im Medienrecht kann prüfen, welche Klauseln rechtlich zulässig sind.
Finanzielle Aspekte: Honorar, Steuern und internationale Regelungen
Giovanni Zarrella ist als TV-Moderator und Sänger bereits gut im Entertainmentgeschäft aufgestellt. Dennoch bringt ein Netflix-Deal neue finanzielle Dimensionen mit sich. Da die Serie international ausgestrahlt wird, können Einnahmen aus verschiedenen Jurisdiktionen entstehen. Für Familien mit internationalem Hintergrund — Jana Ina stammt aus Brasilien — können dabei Fragen zu Doppelbesteuerungsabkommen relevant werden.
Auch die Art der vertraglichen Einbindung ist entscheidend: Werden Jana Ina und Giovanni als selbstständige Künstler oder im Rahmen eines Werkvertrags tätig? Das hat unmittelbare steuerliche Konsequenzen, etwa bei der Künstlersozialkasse oder der Umsatzsteuerpflicht für Produktionseinnahmen. Steuerberater, die auf Film- und Medienproduktionen spezialisiert sind, empfehlen, diese Fragen frühzeitig zu klären.
Wenn der Alltag zur Produktion wird: Inhaltliche Kontrolle
Doku-Serien gehen oft mit einem Authentizitätsanspruch einher. In der Realität sind Szenen häufig geplant, Dialoge abgesprochen und Konflikte bewusst inszeniert. Das kann rechtliche Implikationen haben: Falls Dritte einen nachweisbar falschen Eindruck über ihre Person bekommen, könnten Persönlichkeitsrechtsverletzungen entstehen.
Jana Ina und Giovanni Zarrella können inhaltliche Mitgestaltungsrechte vertraglich sichern. Ein sogenanntes „Final-Cut"-Recht ist in Netflix-Deals selten, aber Kompromisslösungen wie ein Veto bei bestimmten Szenen oder eine Vorabsichtung des fertigen Materials sind verhandelbar — vorausgesetzt, man hat diese Klauseln vor Vertragsschluss eingebaut.
Was Content-Creator und Influencer daraus lernen können
Der Netflix-Deal der Zarrellas ist kein Einzelfall. Influencer, YouTuber und Social-Media-Persönlichkeiten arbeiten regelmäßig mit Produktionsfirmen zusammen und stehen vor denselben rechtlichen Fragen — oft ohne professionelle Begleitung. Häufige Fehler laut Medienanwälten:
- Verträge ohne anwaltliche Prüfung unterzeichnen
- Nutzungsrechte pauschal und zeitlich unbegrenzt einräumen
- Einwilligungen für Dritte und Kinder unzureichend absichern
- Steuerliche Konsequenzen internationaler Streaming-Verträge unterschätzen
Besonders bei Dokumentarformaten kommt ein weiterer Aspekt hinzu: das Recht auf Gegendarstellung. Wenn in einer Sendung Aussagen über eine Person gemacht werden, die diese für falsch hält, steht ihr in Deutschland unter bestimmten Bedingungen das Recht auf eine Gegendarstellung zu. Dieses Recht sollte vertraglich nicht ausgehöhlt werden.
Wer heute mit einer Produktionsfirma oder einem Streaming-Dienst in Kontakt tritt, sollte frühzeitig rechtlichen Rat suchen. Die Kosten einer Erstberatung beim Medienrechtler stehen in keinem Verhältnis zu den potenziellen Folgekosten eines schlecht verhandelten Vertrags. Große Plattformen wie Netflix verfügen über erfahrene Rechtsabteilungen; auf der Gegenseite braucht es einen Anwalt auf Augenhöhe.
Fazit: Starauftritt mit rechtlichem Fundament
Jana Ina und Giovanni Zarrella sind erfahrene TV-Profis und haben mit Sicherheit rechtliche Beratung in Anspruch genommen. Das Beispiel „Die Zarrellas" zeigt aber, welche Rechtsfragen entstehen, wenn das Privatleben zur öffentlichen Produktion wird. Wer in ähnlicher Situation ist — als Influencer, Künstler oder Privatperson in einer Produktion — sollte die eigenen Rechte kennen. Informationen zum gesetzlichen Schutz bietet das Bundesministerium der Justiz. Ein Anwalt für Medienrecht kann dabei helfen, faire Vertragsbedingungen zu verhandeln und Persönlichkeitsrechte zu sichern.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

Lena Müller