Jan-Lennard Struff beim ATP Hamburg 2026: Was Profi-Tennis über Finanzplanung bei variablem Einkommen lehrt

Jan-Lennard Struff beim Tennis beim Košice Open 2011

Photo : Rl91 / Wikimedia

Julia Julia RichterVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 18. Mai 2026

Jan-Lennard Struff beim ATP Hamburg 2026: Was Profi-Tennis über Finanzplanung bei schwankendem Einkommen lehrt

Jan-Lennard Struff tritt heute, am 18. Mai 2026, beim ATP-Turnier in Hamburg an. Der 35-jährige Deutsche rangiert auf ATP-Platz 81 und zählt damit zu den wenigen Spielern seiner Generation, die auf diesem Niveau noch Topresultate erzielen: Im April erreichte er in München als gesetzter Spieler das Finale und besiegte dabei Holger Rune, Felix Auger-Aliassime und Botic van de Zandschulp. Sein Einkommen hängt direkt von solchen Ergebnissen ab. Das verbindet ihn mit Millionen Selbstständigen, Freiberuflern und Projektarbeitern, die ebenfalls mit unregelmäßigen Einnahmen umgehen müssen.

Wie Profi-Tennispreisgeld wirklich funktioniert

Im professionellen Tennis gibt es kein Grundgehalt. Alles hängt von Turniersiegen, Rängen und Runden ab. Laut offiziellen ATP-Daten können die Einnahmen zweier ähnlich gut gerankter Spieler in einer Saison um Hunderttausende Euro auseinanderklaffen — abhängig davon, wie weit sie jeweils kamen und welche Turniere sie gespielt haben.

Struff gewann im April den Munich Open-Finaleinzug (als 4. Gesetzter) und erzielte in Rom eine Erstrunden-Qualifikation. Heute in Hamburg geht es weiter. Jeder dieser Auftritte bedeutet Reisekosten, Trainingskosten und potenzielle Einnahmen — ein finanziell anspruchsvolles Modell, das wenig mit einem normalen Angestelltenverhältnis gemein hat.

Für dieses Modell braucht es eine eigene Finanzdisziplin. Und die Grundsätze gelten genauso für Freiberufler, Selbstständige und Projektangestellte in Deutschland.

Das Kernproblem: Wenn gute Monate schlechte finanzieren müssen

Profitennisspieler und Selbstständige teilen dasselbe Grundproblem: Es gibt keine garantierten monatlichen Eingänge. Ein guter Monat (oder ein erfolgreiches Turnier) muss schlechte Phasen abfedern. Wer das nicht von Anfang an einplant, läuft Gefahr, in einem starken Jahr zu viel auszugeben — und im nächsten Jahr in Liquiditätsnot zu geraten.

Konkret: Struff verdiente 2026 durch seinen Finaleinzug in München eine erhebliche Summe. Doch was ist mit Wochen, in denen er in der ersten Runde ausscheidet? Die Kosten (Training, Reise, Physiotherapie, Agent) laufen weiter.

Für Freiberufler gilt Ähnliches: Ein Großprojekt bringt hohe Einnahmen, aber danach können Monate vergehen, bis der nächste Auftrag kommt. Wer in Hochphasen nicht spart und vorplant, wird von Lücken überrascht.

Vier Grundsätze der Finanzplanung bei variablem Einkommen

Laut dem Informationsportal der Deutschen Rentenversicherung für Selbstständige stehen Freiberufler und Selbstständige vor besonderen Herausforderungen bei der Altersvorsorge — weil die gesetzliche Rentenversicherung in vielen Fällen nicht greift. Das gilt strukturell auch für Profisportler.

1. Betriebsausgaben-Puffer anlegen Bevor Gewinne verplant werden, sollten mindestens drei bis sechs Monate laufende Kosten als Liquiditätsreserve auf einem separaten Konto liegen. Für Struff: Trainer- und Trainerkosten, Flüge, Hotels, Physiotherapie. Für Freiberufler: Büromiete, Software, Versicherungen.

2. Unregelmäßiges Einkommen glätten Ein bewährtes Modell ist das "Monatssalarien-Prinzip": Alle Einnahmen fließen zunächst auf ein Hauptkonto. Von dort überweist man sich monatlich einen festen "Gehalt" auf das Privatkonto. Was darüber liegt, bleibt im Geschäftskonto als Puffer. Struff wendet dieses Prinzip faktisch an, wenn er Turniergewinne nicht sofort konsumiert, sondern strukturiert spart.

3. Steuerliche Vorauszahlungen nicht unterschätzen Selbstständige in Deutschland müssen Vorauszahlungen auf Einkommensteuer und ggf. Gewerbesteuer leisten. Diese sind Schätzwerte und passen sich dem tatsächlichen Jahreseinkommen an. Wer ein sehr gutes Jahr hatte, muss im Folgejahr höhere Vorauszahlungen leisten — auch wenn das Einkommen dann niedriger ausfällt. Ohne Rücklagenplanung wird das zur Falle.

4. Altersvorsorge aktiv aufbauen ATP-Spieler haben keine Betriebsrente. Struff muss — wie jeder Selbstständige — privat vorsorgen: über eine Rürup-Rente (Basisrente), private Rentenversicherung, Immobilien oder diversifiziertes Kapitalvermögen. Entscheidend ist, früh zu beginnen und nicht auf "bessere Zeiten" zu warten.

Was Struffs Karrieredauer über Durchhaltevermögen und Kapitalaufbau lehrt

Struff ist seit Jahren konstant in den Top 100 aktiv — ohne jeweils unter die Top 10 der Welt vorzudringen. Das klingt nach mittlerer Karriere, bedeutet aber in Wirklichkeit: nachhaltiger Berufsaufbau über Qualität statt kurzfristiger Euphorie. Er hat nie auf einen "großen Moment" gewartet, sondern Schritt für Schritt seinen Rang gefestigt.

Diese Strategie ist auf Finanzplanung übertragbar: Wer auf die eine große Investition wartet, die alles ändert, verpasst Jahre mit konstantem, solidem Vermögensaufbau. Langfristig outperformen regelmäßige, diversifizierte Anlagen in aller Regel das Warten auf den "perfekten Moment".

Struffs Finanzstrategie ist vermutlich nicht glamourös — aber genau das macht sie nachahmenswert.

Warum 35 der kritischste Punkt ist — auch für Angestellte

Für Struff markiert das Alter 35 den Beginn der Karriereplanung nach der aktiven Zeit. Tennisspieler auf ATP-Niveau sind nach 40 die Ausnahme. Das bedeutet: Irgendwann in den nächsten Jahren wechselt er von aktivem Einkommen zu passivem Vermögen.

Dasselbe gilt für viele Arbeitnehmer: Mit 35 ist die erste Karrierephase vorbei, die Einkommensspitze noch nicht erreicht, aber die Zeit für Vermögensaufbau läuft. Wer jetzt keine konkreten Maßnahmen ergreift — Sparplan, Altersvorsorge, Schuldenabbau — verliert wertvolle Zinseszeitjahre.

Ein Vermögensberater kann für diese Phase einen individuellen Finanzplan erstellen: Was brauchen Sie im Ruhestand? Was müssen Sie monatlich sparen? Welche Produkte passen zu Ihrem Risikoprofil?

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Erstgespräch?

Warten Sie nicht darauf, "genug Geld" zu haben, um einen Vermögensberater aufzusuchen. Das häufigste Missverständnis ist, dass Finanzberatung erst ab einem bestimmten Vermögen relevant wird. Das Gegenteil ist wahr: Je früher Sie mit der Planung beginnen, desto mehr Spielraum haben Sie.

ExpertZoom verbindet Sie mit verifizierten Vermögensberatern, die auf Finanzplanung für Selbstständige, Freiberufler und Angestellte in der zweiten Karrierehälfte spezialisiert sind. Ein Erstgespräch zeigt, wo Sie stehen — und was Sie konkret tun sollten.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzberatung.

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