Am 1. Juni 2026 ist Internationaler Kindertag — ein Tag, an dem weltweit auf die Rechte von Kindern aufmerksam gemacht wird. In Deutschland trennen sich laut Statistischem Bundesamt jährlich mehr als 140.000 Paare mit minderjährigen Kindern. Für diese Familien stellt sich eine dringende Frage: Welche Rechte hat mein Kind — und wer schützt sie, wenn Eltern sich streiten?
Was steckt hinter dem Internationalen Kindertag?
Der Internationale Kindertag am 1. Juni wurde 1925 eingeführt und erinnert jedes Jahr an die gesellschaftliche Verpflichtung gegenüber Kindern. 2026 rückt ein konkretes Thema in den Mittelpunkt: die Durchsetzung von Kinderrechten im deutschen Familienrecht — insbesondere nach Trennung oder Scheidung.
In Deutschland regelt das Bürgerliche Gesetzbuch die elterliche Sorge in den Paragraphen 1626 bis 1632. Das Grundprinzip: Beide Elternteile tragen nach einer Trennung gemeinsam Verantwortung für ihr Kind. Nur ein Familiengericht kann davon abweichen — stets mit dem Kindeswohl als oberstem Maßstab.
Laut dem Familienportal des Bundes haben Kinder bei allen rechtlichen Entscheidungen Anspruch darauf, gehört zu werden. Das ist kein Ermessen, sondern gesetzlich verankert.
Recht 1: Das Recht auf gemeinsame elterliche Sorge
Das gemeinsame Sorgerecht bleibt nach einer Scheidung in aller Regel bestehen. Beide Elternteile entscheiden weiterhin gemeinsam über Schulwahl, Gesundheitsversorgung und Auslandsreisen. Das setzt voraus, dass beide Elternteile handlungsfähig und bereit sind, im Sinne des Kindes zu kooperieren.
Nur bei schwerwiegenden Gründen — nachgewiesener Kindeswohlgefährdung, dauerhafter Kontaktverweigerung oder psychischer Erkrankung — überträgt das Familiengericht das alleinige Sorgerecht auf einen Elternteil. Ein Fachanwalt für Familienrecht kann prüfen, ob solche Voraussetzungen vorliegen.
Recht 2: Das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen
§ 1684 BGB ist eindeutig: Das Kind hat das Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen — nicht umgekehrt. Eltern haben keine Dispositionsfreiheit darüber, ob ihr Kind den anderen Elternteil sieht. Wer den Umgang ohne triftigen Grund verweigert, riskiert eine gerichtliche Anordnung und im Extremfall den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts.
In der Praxis einigen sich viele Eltern auf ein Wechselmodell: Das Kind lebt abwechselnd bei beiden Elternteilen, meist im Rhythmus von einer bis zwei Wochen. Das Bundesfamiliengericht stärkt dieses Modell zunehmend, wenn beide Elternteile gleich weit von der Schule entfernt wohnen und kooperationsfähig sind.
Recht 3: Der Anspruch auf Kindesunterhalt
Kinder haben einen gesetzlichen Unterhaltsanspruch gegen den Elternteil, bei dem sie nicht überwiegend leben. Grundlage ist die Düsseldorfer Tabelle, die regelmäßig aktualisiert wird. Die monatlichen Mindestbeträge für 2026 liegen bei:
- Kinder bis 5 Jahre: 482 Euro
- Kinder zwischen 6 und 11 Jahren: 554 Euro
- Kinder zwischen 12 und 17 Jahren: 649 Euro
- Volljährige Kinder in Ausbildung: 693 Euro
Diese Beträge sind Mindestbeträge. Bei überdurchschnittlichem Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils kann der Unterhalt deutlich höher ausfallen. Weigert sich ein Elternteil, Unterhalt zu zahlen, können Kinder über das Jugendamt oder einen Anwalt vollstreckbare Titel erwirken — notfalls bis zur Pfändung.
Recht 4: Das Recht auf einen Verfahrensbeistand
In Streitfällen vor dem Familiengericht haben Kinder Anspruch auf einen Verfahrensbeistand — eine unabhängige Person, die ausschließlich die Interessen des Kindes vertritt. Diese Person hört das Kind an, besucht beide Haushalte und gibt gegenüber dem Gericht eine Empfehlung ab.
Das Gericht bestellt einen Verfahrensbeistand insbesondere, wenn:
- die Eltern sich über den Lebensmittelpunkt des Kindes nicht einigen,
- Vorwürfe von Vernachlässigung oder Gewalt erhoben werden,
- das Kind eigene Wünsche äußert, die berücksichtigt werden müssen.
Ab etwa drei Jahren äußert sich das Gericht zum Willen des Kindes. Ab 14 Jahren hat das Kind ein eigenes Antragsrecht im Sorgerechtsverfahren.
Recht 5: Schutz vor Kindeswohlgefährdung
Der Tatbestand der Kindeswohlgefährdung (§ 1666 BGB) ist der stärkste Schutztatbestand im deutschen Familienrecht. Das Jugendamt muss einschreiten, wenn Kinder körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt ausgesetzt sind oder durch Vernachlässigung ernsthaft gefährdet werden.
Auch Dritte — Nachbarn, Lehrkräfte, Ärzte, Bekannte — können und sollten das Jugendamt informieren, wenn sie eine ernsthafte Gefährdung vermuten. Das Jugendamt ist verpflichtet, jeden Hinweis zu prüfen, ohne sofort einzugreifen. Ein erster Kontakt führt nicht automatisch zur Inobhutnahme.
In gravierenden Fällen kann das Familiengericht das Sorgerecht sofort und ohne Anhörung entziehen — auch vorläufig, um sofortigen Schutz zu gewähren.
Wann lohnt sich ein Fachanwalt für Familienrecht?
Ein Rechtsanwalt ist nicht nur bei streitigen Scheidungen sinnvoll. Gerade nach Trennungen werden Sorge- und Umgangsrechte oft formlos geregelt — bis eine Seite die Absprache bricht. Ein anwaltlich geprüfter Umgangsplan oder eine gerichtlich genehmigte Sorgerechtsregelung schützt beide Seiten und gibt dem Kind Planungssicherheit.
Ein Fachanwalt für Familienrecht hilft Ihnen bei:
- Entwurf und Notarisierung eines Umgangsregelungsplans
- Antrag auf alleiniges Sorgerecht bei nachgewiesener Kindeswohlgefährdung
- Durchsetzung von Unterhaltsansprüchen bei Zahlungsverweigerung
- Vertretung vor dem Familiengericht
Ein Fachanwalt für Familienrecht hilft Ihnen bei:
- Entwurf und Notarisierung eines Umgangsregelungsplans
- Antrag auf alleiniges Sorgerecht bei nachgewiesener Kindeswohlgefährdung
- Durchsetzung von Unterhaltsansprüchen bei Zahlungsverweigerung
- Vertretung vor dem Familiengericht
Auf Expert Zoom finden Sie zugelassene Fachanwälte für Familienrecht, die diskret und schnell beraten — auch per Video-Beratung, ohne lange Wartezeiten in einer Kanzlei.
Was bedeutet der Internationale Kindertag konkret für Eltern?
Viele Eltern nutzen den 1. Juni nicht nur für Feste und Aktionen mit ihren Kindern, sondern auch, um rechtliche Situationen zu überprüfen. Bestehende Sorge- und Umgangsregelungen, die vor Jahren formlos getroffen wurden, können bei veränderter Lebenssituation — Umzug, neue Partnerschaft, Schulwechsel — angepasst werden.
Eine Neuregelung erfordert nicht zwingend ein Gerichtsverfahren. Viele Eltern regeln Änderungen einvernehmlich mit Unterstützung eines Mediators oder Anwalts, ohne das Familiengericht einschalten zu müssen. Der Rechtsanwalt setzt die getroffene Vereinbarung dann in eine vollstreckbare Form um.
UN-Kinderrechtskonvention: Was Deutschland verpflichtet
Deutschland hat die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 ratifiziert. Sie umfasst 54 Artikel, darunter das Recht auf Bildung, das Recht auf Gesundheitsversorgung, das Recht auf Schutz vor Gewalt und das Recht auf Beteiligung an allen sie betreffenden Entscheidungen.
Im deutschen Grundgesetz ist der Schutz der Kinder seit 2021 explizit in Art. 6 GG verankert. Kinder sind nach deutschem Recht keine bloßen Objekte elterlicher Entscheidungen, sondern eigenständige Rechtssubjekte mit einklagbaren Ansprüchen.
Was das im Alltag bedeutet: Ein Kind ab 14 Jahren kann selbst entscheiden, welchem Elternteil gegenüber es Kontakt wünscht. Ein Kind mit schwerer chronischer Erkrankung hat Anspruch auf medizinische Versorgung, die beide Elternteile finanzieren müssen — unabhängig von ihrer Trennungssituation.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Sorge-, Umgangs- oder Unterhaltsrecht wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Fachanwalt für Familienrecht.

Andreas Weber