Krassnitzers Mutter starb mit Demenz: 4 Schritte für betroffene Familien

Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser bei einem öffentlichen Event in Wien

Photo : Manfred Werner - Tsui / Wikimedia

Lena Lena MeyerGesundheit
4 Min. Lesezeit 16. Mai 2026

Der österreichische Tatort-Star Harald Krassnitzer trauert öffentlich um seine Mutter Susanne: Sie starb am 14. Februar 2026 im Alter von 95 Jahren nach einer langen Demenz-Erkrankung. „Die Beziehung zwischen uns wurde zum Ende hin intensiver als je zuvor", sagte der Schauspieler. In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz-Diagnose — Tendenz steigend.

Was Krassnitzers Abschied sichtbar macht

Krassnitzer schilderte die letzten Monate mit seiner Mutter als emotional aufwühlend und gleichzeitig als tiefgreifende persönliche Erfahrung. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern verändert sich bei einer Demenz grundlegend: Der pflegende Angehörige übernimmt zunehmend Verantwortung und Entscheidungen, die der Erkrankte selbst nicht mehr treffen kann. Was viele Familien überrascht: Die medizinischen, rechtlichen und finanziellen Fragen kommen oft dann, wenn die Kraft am geringsten ist.

Krassnitzer ist kein Einzelfall. Millionen Deutsche pflegen derzeit einen Angehörigen mit Demenz — ohne ausreichende Vorbereitung und häufig ohne professionelle Unterstützung. Die Diagnose Demenz verändert nicht nur das Leben der erkrankten Person, sondern das gesamte Familiengefüge. Aufgaben werden neu verteilt, Rollen kehren sich um, und Entscheidungen müssen getroffen werden, für die sich niemand in der Familie zuständig fühlt. Was jetzt konkret helfen kann, erklärt dieser Überblick Schritt für Schritt.

Demenz in Deutschland: Was die Zahlen zeigen

Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft erkranken in Deutschland jährlich rund 400.000 Menschen neu an Demenz. Die Alzheimer-Krankheit ist mit etwa zwei Dritteln aller Fälle die häufigste Form. Mit steigendem Lebensalter nimmt das Risiko deutlich zu: Ab 85 Jahren ist bereits jede dritte Person betroffen.

Besonders bedeutsam ist die Betreuungssituation: Rund 70 Prozent aller an Demenz erkrankten Menschen werden zu Hause, meist durch Familienangehörige, gepflegt. Diese Personen übernehmen im Schnitt 36 Stunden Pflegearbeit pro Woche — häufig neben dem eigenen Beruf.

Schritt 1: Frühe Diagnose schafft entscheidenden Spielraum

Die erste und wichtigste Maßnahme bei einem Demenz-Verdacht ist die frühzeitige ärztliche Abklärung. Viele Familien warten zu lange, weil sie Symptome wie Vergesslichkeit oder Orientierungslosigkeit als normales Altersphänomen einordnen. Ein Hausarzt kann erste Tests durchführen und bei Bedarf an eine Gedächtnisambulanz oder einen Neurologen überweisen.

Früh handeln zahlt sich aus: Je früher eine Diagnose vorliegt, desto besser kann die weitere Pflege geplant werden. Zudem ist der Betroffene in frühen Stadien noch in der Lage, eigene Wünsche zu äußern und rechtliche Vorkehrungen selbst zu treffen. Dieses Zeitfenster sollte unbedingt genutzt werden.

Schritt 2: Rechtliche Vollmacht noch zu Lebzeiten regeln

Eine der dringlichsten und am häufigsten vernachlässigten Aufgaben ist die rechtliche Absicherung. Wer keine Vorsorgevollmacht hat, verliert mit fortschreitender Demenz die Möglichkeit zu bestimmen, wer für einen entscheiden darf. Im schlimmsten Fall muss ein Gericht einen gesetzlichen Betreuer einsetzen — ein Prozess, der Zeit, Kosten und familiäre Konflikte verursachen kann.

Eine Vorsorgevollmacht bevollmächtigt eine Vertrauensperson, in medizinischen, finanziellen und persönlichen Angelegenheiten zu entscheiden. Sie entfaltet ihre volle Wirkung, wenn der Vollmachtgeber nicht mehr entscheidungsfähig ist. Ergänzend empfiehlt sich eine Patientenverfügung, in der festgelegt wird, welche medizinischen Maßnahmen gewünscht oder abgelehnt werden.

Ein auf Vorsorgerecht oder Familienrecht spezialisierter Rechtsanwalt kann diese Dokumente rechtssicher aufsetzen und auf individuelle Wünsche abstimmen. Eine Beratung lohnt sich frühzeitig — auch dann, wenn noch keine Diagnose vorliegt.

Schritt 3: Pflegegrad und Leistungen richtig beantragen

Mit einer Demenz-Diagnose haben Betroffene Anspruch auf Pflegeleistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Voraussetzung ist ein anerkannter Pflegegrad, der beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung beantragt wird. Je nach Schwere der Erkrankung stehen unterschiedliche Leistungen zur Verfügung: von Pflegegeld für die häusliche Pflege bis hin zur vollstationären Versorgung in einem Pflegeheim.

Viele Familien schöpfen ihre Ansprüche nicht vollständig aus und verzichten damit auf erhebliche finanzielle Unterstützung. Ein Pflegeberater oder ein auf Sozialrecht spezialisierter Anwalt kann helfen, alle Leistungen korrekt und vollständig zu beantragen.

Schritt 4: Die eigene Gesundheit als pflegender Angehöriger schützen

Pflegende Angehörige sind überdurchschnittlich oft selbst von psychischen und körperlichen Erkrankungen betroffen. Schlafmangel, soziale Isolation und das Gefühl, allein mit der Situation zu sein, können langfristig zu Erschöpfung, Depressionen oder Burnout führen. Das ist kein persönliches Versagen, sondern eine klinisch belegte Folgebelastung, die Millionen pflegende Angehörige in Deutschland betrifft.

Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen der Alzheimer-Gesellschaft und professionelle Unterstützung durch Ärzte oder Psychologen können helfen, die eigene Belastungsgrenze zu erkennen und gegenzusteuern. Kurzzeit- und Verhinderungspflege ermöglichen es, selbst Pausen einzulegen — und damit längerfristig für die zu pflegende Person da zu sein.

Wichtig: Pflegende Angehörige sind sozialversicherungsrechtlich abgesichert, wenn sie mindestens zehn Stunden pro Woche pflegen. Die Pflegekasse des Pflegebedürftigen übernimmt in diesem Fall die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Viele Pflegepersonen kennen diesen Anspruch nicht und verzichten damit auf spätere Rentenansprüche, die ihnen rechtlich zustehen.

Wann ein Experte konkret helfen kann

Ob Sie erstmals einen Demenz-Verdacht hegen, eine Vorsorgevollmacht aufsetzen wollen oder Pflegeleistungen beantragen möchten: Die Situationen, in denen professionelle Unterstützung entscheidend ist, kommen früher als viele denken. Ärzte, Rechtsanwälte und Pflegeberater können Familien in jeder Phase der Erkrankung begleiten und helfen, die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen.

Besonders bei unklarer Diagnose, Familienstreitigkeiten über die Pflege oder der Frage, ob eine Unterbringung im Pflegeheim notwendig wird, ist rechtlicher Beistand wertvoll. Ein Fachanwalt für Familienrecht oder Erbrecht kann außerdem klären, wie das Vermögen der erkrankten Person geschützt wird und welche steuerlichen Aspekte bei der Pflege zu beachten sind.

Auf Expert Zoom finden Betroffene erfahrene Gesundheitsexperten und Rechtsanwälte, die auf Pflegerecht und Familienrecht spezialisiert sind. Dass Harald Krassnitzer seinen letzten Tatort-Fällen entgegensieht, während er gleichzeitig den Verlust seiner Mutter verarbeitet, zeigt: Solche Lebensphasen treffen auch Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Familien, die jetzt handeln, sind besser vorbereitet.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Bei Fragen zu Demenz, Pflegeleistungen oder rechtlicher Vorsorge wenden Sie sich bitte an einen Facharzt oder Rechtsanwalt.

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