DHB-Frauen in der EM-Quali: Drei Spielerinnen verletzt — was Hobbysportler daraus lernen können

Handballspielerin hält ihr Knie auf dem Spielfeld nach einer Verletzung beim Landung
Lena Lena MeyerGesundheit
4 Min. Lesezeit 9. April 2026

Am 8. April 2026 empfängt die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Frauen in Skopje Nordmazedonien im vorletzten Spiel der EM-Qualifikation. Das DHB-Team ist bereits qualifiziert — doch Bundestrainer Markus Gaugisch muss auf drei verletzte Spielerinnen verzichten: Sarah Wachter, Annika Lott und Marlene Tucholke fallen aus. Die Qualifikation fürs Turnier in Dezember 2026 steht, aber die Verletztenliste zeigt, welche körperlichen Anforderungen Handball auf höchstem Niveau stellt.

Dass ausgerechnet ein Sport wie Handball trendet, hat einen einfachen Grund: In Deutschland spielen über 775.000 Menschen Handball — in Vereinen, Freizeitteams und Schulsport. Und viele kennen das Muster: kurz nach Saisonstart geht die Schulter, im Frühjahr knackst das Knie. Was Profis wie Wachter und Lott trifft, trifft Hobbyspieler genauso häufig — nur mit weniger medizinischer Unterstützung.

Die häufigsten Verletzungen im Handball

Handball ist ein Kontaktsport mit hohem Tempo, abrupten Richtungswechseln und intensivem Körperkontakt. Sportmediziner sehen bei Handballern vor allem vier Verletzungsmuster:

1. Knieverletzungen (Kreuzband, Meniskus) Das vordere Kreuzband ist im Handball die häufigste ernste Verletzung — besonders bei Frauen, deren anatomische Gelenkanatomie das Risiko erhöht. Typische Auslöser: Landung nach Sprungwurf, abruptes Stoppen, Drehbewegungen unter Last. Ohne frühzeitige medizinische Abklärung können Meniskusschäden, die zunächst harmlos erscheinen, zu Arthrose führen.

2. Schulterverletzungen Der Wurfarm ist im Handball extremer Belastung ausgesetzt. Schulterschmerzen beginnen oft schleichend — Schleimbeutelentzündungen, Rotatorenmanschetten-Risse oder Impingement-Syndrome entwickeln sich über Wochen und werden häufig zu lange ignoriert.

3. Sprunggelenk-Distorsionen Das Umknicken beim Landung nach einem Sprungwurf oder bei schnellen Seitwärtsbewegungen gehört zum Handballalltag. Leichte Bänderzerrungen heilen mit RICE (Ruhe, Eis, Kompression, Hochlagerung) — aber wiederholte Umknicktraumen ohne Therapie führen zu chronischer Gelenkinstabilität.

4. Fingerverletzungen Bänderrisse und Frakturen der Finger entstehen beim Fangen harter Würfe. Sie werden oft unterschätzt und nicht behandelt — mit Folgen für die Handfunktion über Jahre.

Wann unbedingt zum Arzt?

Der häufigste Fehler von Hobbyhandballern: Verletzungen aussitzen. Die Profimannschaft des DHB hat Sportärzte vor Ort — Hobbyteams haben das nicht. Daher brauchen Freizeitspieler klare Kriterien, wann eine sportmedizinische oder orthopädische Konsultation notwendig ist:

Sofort zum Arzt (Notaufnahme oder Hausarzt am gleichen Tag):

  • Gelenk stark geschwollen nach Trauma und kaum belastbar
  • Hör- oder fühlbares Knacksen im Knie mit anschließendem Stabilitätsverlust
  • Schulterschmerzen, die in Arm oder Hand ausstrahlen
  • Taubbheitsgefühl oder Kribbeln nach Kontaktverletzung

Innerhalb einer Woche zum Facharzt:

  • Schulter- oder Knieschmerzen, die nach 5–7 Tagen Schonung nicht nachlassen
  • Anhaltendes Schwellungsgefühl ohne klare Ursache
  • Schmerzen, die bei bestimmten Bewegungsmustern wiederholt auftreten
  • Eingeschränkte Bewegungsfreiheit nach einer Distorsion

Vor Saisonbeginn: Eine sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung vor der nächsten Saison ist besonders empfehlenswert für Spieler über 40, nach einer Verletzungspause, oder wenn chronische Beschwerden (Knie, Schulter, Achillessehne) immer wieder auftreten.

Warum Handballer oft zu spät zum Arzt gehen

Ein Muster wiederholt sich in sportmedizinischen Praxen ständig: Spieler kommen erst nach sechs bis acht Wochen Schmerzen zur Untersuchung, weil sie "die Saison nicht im Stich lassen" wollen. Das Ergebnis sind oft schwerere Diagnosen, die bei früherer Vorstellung vermeidbar gewesen wären.

Handballer — sowohl Männer als auch Frauen — zeigen eine kulturell bedingte Tendenz, Verletzungen zu bagatellisieren. "Spielen, bis es nicht mehr geht" ist im Teamsport ehrenvoller als "früh absagen und abklären". Das DHB-Nationalteam hat erkannt, dass diese Mentalität langfristig teuer wird — und trainiert seine Spielerinnen heute in Verletzungsbewusstsein und frühzeitiger Kommunikation mit dem medizinischen Stab.

Prävention: Was Profis machen — und was Hobbyteams tun können

Die Verletzungszahlen im deutschen Amateursport sind hoch, weil Prävention oft vernachlässigt wird. Das DHB-Frauenteam setzt auf professionelle Physiotherapeuten, regelmäßiges Kraft- und Koordinationstraining sowie strukturiertes Aufwärmen. Für Vereine und Freizeitteams sind diese Ressourcen selten verfügbar — aber einige Maßnahmen sind kostengünstig umsetzbar:

Aufwärmprogramm: Das wissenschaftlich entwickelte Prevent Injury and Enhance Performance (PEP)-Programm wurde speziell für Handball und Fußball entwickelt und reduziert Kniebandrisse nachweislich. Es dauert 20 Minuten und erfordert keine Geräte.

Propriozeptionstraining: Einbeinige Balanceübungen, Minitrampolin-Einheiten und Gleichgewichtsbretter stärken die Sprunggelenksstabilität und reduzieren Umknicktraumen erheblich. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) stellt kostenlose Leitlinien zur Verletzungsprävention im Mannschaftssport bereit.

Abkühlphase nicht überspringen: Viele Hobbyspieler verlassen die Halle direkt nach dem Schlusspfiff. Dehnen und Cooldown reduzieren Muskelkater und ermöglichen früheres Erkennen von Überbelastungszeichen.

Besondere Risiken für ältere Amateurspieler

Im deutschen Handball gibt es eine wachsende Gruppe von Spielern über 40, die in Freizeit- und Seniorenteams aktiv sind. Für diese Gruppe gelten besondere Hinweise:

Sehnenveränderungen nehmen ab dem 40. Lebensjahr zu. Die Achillessehne und die Rotatorenmanschette der Schulter verlieren an Elastizität — ohne dass Schmerzen als Frühwarnsignal auftreten. Ein Riss "aus dem Nichts" während eines Sprungwurfs ist für Spieler über 40 keine Seltenheit.

Kardiovaskuläres Screening ist für Einsteiger oder Wiedereinsteiger über 40 in Kontaktsportarten sinnvoll. Ein Sportmediziner kann mit einem Belastungs-EKG ausschließen, dass intensive Belastungen ein unerkanntes Herzproblem triggern.

Regenerationszeit verdoppelt sich. Was mit 25 Jahren nach einem Tag Muskelkater vergessen ist, braucht mit 50 Jahren drei bis vier Tage. Wer diese biologische Realität ignoriert und sofort wieder trainiert, erhöht das Verletzungsrisiko massiv.

Das Fazit aus dem Profisport für Hobbyteams

Der DHB verliert drei Spielerinnen für die EM-Quali-Phase — trotz professioneller medizinischer Betreuung. Im Amateursport ist das Risiko ohne Sportarzt noch höher. Die gute Nachricht: Die meisten Handball-typischen Verletzungen lassen sich mit frühzeitiger Diagnose und gezielter Therapie vollständig ausheilen — wenn sie nicht zu lange ignoriert werden.

Wenn Sie nach einer Handball-Verletzung unsicher sind, ob eine ärztliche Untersuchung notwendig ist, lieber einmal zu viel als zu wenig abklären. Wer mehr über typische Handball-Verletzungen und die richtigen ersten Schritte erfahren möchte, findet hilfreiche Informationen in unserem Artikel über die häufigsten Handballverletzungen und wann ein Arztbesuch notwendig ist. Über ExpertZoom finden Sie Sportmediziner und Orthopäden, die auf Sportverletzungen spezialisiert sind und kurzfristige Termine anbieten.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose. Bei akuten Verletzungen wenden Sie sich bitte sofort an einen Arzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

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