Grippe, RSV und COVID in Hamburg: Wann Sie im Herbst 2026 unbedingt zum Arzt sollten

Arzt untersucht älteren Patienten auf Grippe in Hamburger Praxis im Herbst 2026
Lena Lena MeyerGesundheit
6 Min. Lesezeit 17. September 2026

Hamburg meldet bereits steigende Zahlen bei Grippe, RSV und COVID-19 — und die eigentliche Erkältungswelle steht erst bevor. Seit Anfang September 2026 registriert die Hansestadt wöchentlich rund 14 neue Grippefälle, eine COVID-19-Sieben-Tage-Inzidenz von 1,2 pro 100.000 Einwohner und erste RSV-Nachweise. Was bedeutet das für Sie? Und wann sollten Sie nicht länger warten?

Der aktuelle Stand: Was die Zahlen über Hamburgs Herbst 2026 sagen

Die Zahlen klingen noch überschaubar: Laut RKI-Daten (Stand 09.09.2026) liegt Hamburgs Grippe-Inzidenz bei 0,75 pro 100.000 Einwohner in Kalenderwoche 35, die COVID-19-Inzidenz bei 1,2 und RSV zeigt mit 0,11 noch geringe Werte. Doch wer den Jahresverlauf kennt, weiß: In Woche 7 des Jahres 2026 schnellte der RSV-Wert in Hamburg auf 7,56 pro 100.000 Einwohner — das Siebenundsechzigfache des aktuellen Stands.

Das Muster ist verlässlich: Sobald die Temperaturen im Oktober und November sinken, steigen die Infektionszahlen steil an. Die Hamburger Sozialbehörde beobachtet die Entwicklung der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) kontinuierlich und veröffentlicht aktuelle Daten zu Inzidenzwerten für alle gängigen Atemwegeserreger. Wer heute weiß, wann ein Arztbesuch wirklich notwendig ist, kann im Krankheitsfall schneller und besser handeln — und möglicherweise schwerwiegende Komplikationen verhindern. Gerade in einer Großstadt wie Hamburg, wo täglich Hunderttausende öffentliche Verkehrsmittel nutzen, verbreiten sich Atemwegsviren besonders schnell.

Laut RKI-Surveillance für akute Atemwegserkrankungen zählen gerade Herbst und Winter zu den kritischsten Phasen für Atemwegsinfektionen in Deutschland.

Grippe, RSV oder Erkältung — was ist das eigentlich?

Grippe (Influenza)

Influenza beginnt typischerweise abrupt: hohes Fieber über 38,5 Grad Celsius, starkes Krankheitsgefühl, Muskel- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Erkältung, die sich langsam aufbaut, kommt die echte Grippe oft wie ein Hammer. Hamburgs Grippe-Inzidenz von 0,75 in KW 35 wirkt niedrig — doch erfahrungsgemäß kann dieser Wert bis Dezember auf über 40 pro 100.000 ansteigen.

RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus)

RSV ist für gesunde Erwachsene meist ein milder Atemwegsinfekt mit Schnupfen und leichtem Husten. Für Säuglinge und Kleinkinder unter zwei Jahren ist das Virus jedoch gefährlich und kann zu schwerer Bronchiolitis führen. Der Hamburger Winter-Peak von 7,56 pro 100.000 in KW 7/2026 zeigt, wie schnell sich die Lage ändern kann. Eltern von Kleinkindern sollten dieses Virus auf dem Radar haben.

COVID-19

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1,2 pro 100.000 (Stand 09.09.2026) bleibt COVID-19 präsent. Besonders ältere Menschen und immungeschwächte Personen sollten Symptome ernst nehmen — auch wenn die Zahlen weit unter den Hochphasen liegen.

Wann muss ich zum Arzt? Die sieben wichtigsten Fragen

Frage 1: Meine Symptome sind leicht — brauche ich überhaupt einen Arzt? Bei leichten Erkältungssymptomen ohne Fieber (Schnupfen, leichter Husten, leichte Müdigkeit) in der Regel nein. Ruhe, viel Trinken und warme Kleidung reichen meist aus. Wenn nach drei Tagen keine Verbesserung eintritt, ist eine kurze telefonische Beratung sinnvoll.

Frage 2: Wie lange darf ich warten, bevor es kritisch wird? Die Faustregel: Nach spätestens zehn Tagen sollte eine deutliche Besserung spürbar sein. Wenn die Symptome dann noch stark sind oder sich nach einer kurzen Besserungsphase erneut verschlechtern, ist ein Arztbesuch notwendig — so empfehlen es Krankenkassen und das RKI übereinstimmend.

Frage 3: Wer zählt zu den Risikogruppen? Das RKI benennt klar: Personen über 60 Jahre, Kinder unter zwei Jahren sowie Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem. Für diese Gruppen gilt: lieber früher als später zum Arzt — unabhängig vom Impfstatus.

Frage 4: Welche Symptome sind Alarmsignale für einen sofortigen Arztbesuch? Suchen Sie umgehend den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder eine Notaufnahme auf, wenn Sie oder ein Familienmitglied folgende Zeichen zeigen:

  • Atemnot, schnelles oder pfeifendes Atmen (besonders bei Kindern)
  • Anhaltendes Fieber über 39 Grad Celsius, das auf Ibuprofen oder Paracetamol nicht anspricht
  • Verwirrung, starke Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit
  • Blaue oder gräuliche Lippen und Fingernägel (Zeichen für Sauerstoffmangel)
  • Symptome, die sich nach einer Besserungsphase erneut und stärker verschlechtern

Frage 5: Ist eine Online-Konsultation sinnvoll? Bei unkomplizierten Verläufen ohne Risikogruppen-Zugehörigkeit kann eine digitale Arzt-Konsultation bei verifizierten Gesundheitsexperten auf Plattformen wie ExpertZoom den Praxisbesuch ergänzen oder ersetzen. Ein erfahrener Allgemeinmediziner kann per Videochat Symptome einschätzen, Medikamente empfehlen und entscheiden, ob eine physische Untersuchung notwendig ist. Für Risikogruppen gilt: Online-Beratung beschleunigt den Weg zur richtigen Fachkraft, ersetzt aber nicht die körperliche Untersuchung.

Frage 6: Wann lohnt sich die Grippeimpfung noch? Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für Risikogruppen idealerweise im Oktober — also jetzt, in den nächsten Wochen. Wer noch nicht geimpft ist: Vereinbaren Sie jetzt einen Termin, bevor die Praxen in der Erkältungswelle überfüllt sind.

Frage 7: Was ist außerhalb der Praxiszeiten zu tun? Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter der kostenfreien Nummer 116 117 rund um die Uhr erreichbar. Für lebensbedrohliche Notfälle gilt: Rettungsdienst unter 112 anrufen.

Wenn Geduld zur Gefahr wird: Ein konkretes Beispiel aus Hamburg-Altona

Karl ist 66 Jahre alt, lebt in Hamburg-Altona und erkrankt am 10. September 2026 an einem typischen Herbstinfekt: Fieber von 38,8 Grad, trockener Husten, starke Abgeschlagenheit. Am dritten Tag fühlt er sich etwas besser. Er wartet weiter zuhause. Am siebten Tag kehrt das Fieber zurück — diesmal mit 39,5 Grad und Brustenge beim Atmen.

Was das RKI für diesen Fall vorschreibt: Karl gehört mit 66 Jahren zur Risikogruppe (über 60 Jahre). Bei einer Verschlechterung nach anfänglicher Besserung — die hier am siebten Tag eintritt — sollte er innerhalb von 24 Stunden medizinische Hilfe suchen, nicht erst nach zehn Tagen.

Die Wenn-Dann-Regel für Risikogruppen:

  • Wenn Sie über 60 sind (oder unter zwei Jahre alt) und sich nach anfänglicher Besserung erneut verschlechtern → dann Arzt innerhalb von 24 Stunden aufsuchen.
  • Wenn Fieber über 39 Grad drei Tage anhält → dann Arzt, unabhängig vom Alter.
  • Wenn Atemnot oder Brustschmerzen auftreten → dann sofort 116 117 oder 112 anrufen.

Der Grund für die Dringlichkeit: Bei älteren Patienten kann eine Influenza oder COVID-19 innerhalb von 24 bis 48 Stunden in eine Lungenentzündung (Pneumonie) übergehen, die eine stationäre Behandlung erfordert. Die Kosten und Risiken einer ungeplanten Hospitalisierung übersteigen bei weitem die eines rechtzeitigen Arztbesuchs.

Hinweis (YMYL): Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine medizinische Beratung. Bei konkreten Gesundheitsbeschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117).

So bereiten Sie sich auf die Hamburger Erkältungssaison 2026 vor

Für Hamburger Arbeitnehmer ist die Erkältungssaison auch eine arbeitsrechtliche Frage: Wie viele Krankentage sind ohne ärztliches Attest erlaubt? In den meisten deutschen Unternehmen dürfen Arbeitnehmer bis zu drei Werktage ohne Attest zu Hause bleiben. Ab dem vierten Tag ist ein Attest vom Arzt Pflicht. Ein frühzeitiger Arzttermin — etwa am zweiten oder dritten Krankheitstag — kann helfen, diesen Nachweis pünktlich zu haben und gleichzeitig medizinisch abgesichert zu sein.

Fünf Schritte, die Sie jetzt angehen sollten:

  1. Grippeimpfung jetzt vereinbaren: Idealerweise im Oktober, bevor die Praxen überlastet sind. Gilt besonders für über 60-Jährige, Schwangere und Menschen mit chronischen Erkrankungen.

  2. Notfallnummer 116 117 speichern: Der ärztliche Bereitschaftsdienst hilft bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen außerhalb der Praxiszeiten — kostenlos, rund um die Uhr.

  3. Symptomprotokoll führen: Notieren Sie täglich Fieberwerte, Art und Stärke der Symptome. Das erleichtert dem Arzt die Einschätzung erheblich.

  4. Risikogruppen im Haushalt identifizieren: Leben Kinder unter zwei Jahren oder Personen über 60 bei Ihnen? Klären Sie vorab, welche Praxis oder welche Notaufnahme für schnelle Versorgung zuständig ist.

  5. Online-Erstcheck nutzen: Bei leichten Symptomen ohne Alarmsignale bietet ExpertZoom im Bereich Gesundheit schnelle Beratung durch verifizierte Fachärzte — ohne Wartezeiten in der überfüllten Herbstpraxis.

Hamburg geht in seine kritischsten Gesundheitsmonate. Mit den richtigen Informationen und einem klaren Plan sind Sie besser vorbereitet als die meisten.

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