Junge Frau liest sorgfältig einen Modelvertrag mit ernstem Gesichtsausdruck in einem Fotostudio

GNTM 2026: Welche Persönlichkeitsrechte haben Models bei TV-Verträgen?

Lena Lena MüllerGewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht
3 Min. Lesezeit 18. März 2026

In Folge 11 von Germany's Next Topmodel 2026 startete am 18. März das erste gemeinsame Shooting von Frauen und Männern — und hinter den Kulissen bleibt die Frage virulent: Was dürfen TV-Produktionen rechtlich von ihren Kandidaten verlangen? Ein Rechtsanwalt für gewerblichen Rechtsschutz erklärt die Grenzen.

GNTM 2026: Wer ist raus — und was bleibt denen, die es weit gebracht haben?

Folge 10 (12. März 2026) brachte den dreifachen Exit bei den Frauen — Alisa, Kim und Lola erhielten kein Ticket nach Los Angeles. Bei den Männern schieden bereits Cenk, Adrian und Benji in Folge 9 (11. März) aus. Die verbliebenen Kandidaten stehen jetzt vor einer entscheidenden Phase — und vor Verträgen, die juristische Brisanz enthalten.

Die Diskussion um GNTM-Verträge ist nicht neu. Der Spiegel dokumentierte 2023 systematische Probleme mit den Vertragsklauseln der Produktionsfirma ProSieben und der Modelagentur ONEeins Management (geleitet von Günther Klum). Rechtsanwalt Jörg Nabert bezeichnete diese öffentlich als „rechtswidrige Knebelverträge" — eine Einschätzung, die mehrere Gerichte seither bestätigt haben.

Was GNTM-Verträge typischerweise enthalten

Aktuelle GNTM-Vertragsklauseln binden Kandidaten auf mehreren Ebenen:

Exklusivitätsbindung — 2 Jahre: Die Modelagentur ONEeins fordert eine zweijährige Exklusivbindung, die bezahlte Werbeauftritte, TV-Erscheinungen und gesponserte Social-Media-Posts für bis zu sechs Monate nach dem Finale untersagt.

Bildrechtsabtretung: Produktionsverträge verlangen oft die weltweite, unbefristete Nutzung aller im Rahmen der Show entstandenen Fotos und Videos — inklusive Kindheitsbilder, sofern Kandidaten diese bereitstellen. Die Klausel erfasst auch private Instagram-Inhalte, die während der Produktion entstehen.

Löschrecht für Social Media: Redaktionen sichern sich vertraglich das Recht, Beiträge auf den privaten Accounts der Teilnehmenden zu löschen oder zu sperren.

Die rechtliche Bewertung: § 22 KUG und das Recht am eigenen Bild

Grundlage des deutschen Rechtsschutzes für Models ist § 22 des Kunsturhebergesetzes (KUG): Bildnisse dürfen nur mit ausdrücklicher schriftlicher Einwilligung verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Entscheidend für die juristische Bewertung ist die Frage der informierten Einwilligung.

Gerichte haben GNTM-Vertragsklauseln wiederholt als nichtig eingestuft, wenn:

  1. Die Abtretung von Bildrechten in einer Globalklausel erfolgt, die der Kandidat nicht vollständig verstehen konnte
  2. Die Exklusivbindung eine unzumutbare Härte darstellt (§ 307 BGB — AGB-Kontrolle)
  3. Persönlichkeitsrechte durch Vertragsklauseln dauerhaft eingeschränkt werden, ohne angemessene Gegenleistung

Wichtige Präzedenzfälle: Simone Kowalski (GNTM Staffel 14, 2020) klagte erfolgreich gegen Günther Klum — das Gericht erklärte den Vertrag für nichtig und Kowalski erhielt ihr volles Gehalt. Ähnliche Urteile ergingen zugunsten von Alisar Ailabouni (2011), Jana Beller (2012) und Aminata Sanogo (2016).

Was angehende Models wissen müssen — vor der Unterschrift

Wer an Reality-TV-Produktionen teilnimmt, sollte vor der Vertragsunterzeichnung fünf Fragen klären:

1. Wie lange dauert die Exklusivbindung und welche Tätigkeiten umfasst sie? — Klären Sie, ob auch nicht-kommerzielle Social-Media-Posts eingeschränkt sind.

2. Welche Rechte werden an Bildmaterial abgetreten? — „Weltweite unbefristete Nutzung" bedeutet, dass Ihr Bild theoretisch 70 Jahre nach Ihrem Tod noch kommerziell verwendet werden darf.

3. Gibt es ein Rücktrittsrecht? — Das Widerrufsrecht nach § 355 BGB gilt grundsätzlich auch für Verträge, die außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen werden.

4. Was ist die Gegenleistung für die Rechteabtretung? — Ein symbolischer Preis für weitreichende Rechte kann als AGB-widrig angefochten werden.

5. Wurde der Vertrag von einem Anwalt geprüft? — Produktionsverträge bei TV-Shows sind komplex. Ein auf Vertragsrecht spezialisierter Rechtsanwalt kann Klauseln identifizieren, die unwirksam oder anfechtbar sind.

GNTM als Symptom eines breiteren Problems

Der Streit um GNTM-Verträge ist kein Einzelfall. Influencer, YouTuber und Content Creators sehen sich zunehmend mit ähnlichen Vertragsstrukturen konfrontiert: Plattformverträge, Sponsoringvereinbarungen und Agenturverträge enthalten oft weitreichende Klauseln zur Rechteabtretung.

Das Gewerbliche Urheberrecht schützt das wirtschaftliche Interesse an kreativen Leistungen. Persönlichkeitsrechte schützen die Person selbst. Beide Bereiche überschneiden sich bei TV-Verträgen — und beide erfordern juristische Expertise, wenn Konflikte entstehen.

Praktischer Hinweis: Wenn Sie bereits einen solchen Vertrag unterzeichnet haben und Zweifel an einzelnen Klauseln haben, ist eine rechtliche Prüfung nicht nur möglich, sondern oft wirtschaftlich sinnvoll — besonders bevor Sie öffentlichkeitswirksame Aktivitäten aufnehmen, die Exklusivklauseln berühren könnten.

Was GNTM 2026 noch rechtlich aufwirft: Social-Media-Klauseln

Eine zunehmend relevante Grauzone betrifft Social-Media-Aktivitäten während und nach der Show. Kandidaten bauen während der Produktion eine Follower-Basis auf, die sie wirtschaftlich selbst nutzen möchten. Vertragsklauseln, die gesponserte Posts oder kommerzielle Kooperationen für sechs Monate nach Ausscheiden untersagen, können als unverhältnismäßige Einschränkung der wirtschaftlichen Handlungsfreiheit angefochten werden — insbesondere wenn die Show selbst von der Reichweite der Kandidaten profitiert hat.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in vergleichbaren Fällen klargestellt: Wettbewerbsverbote müssen eine angemessene wirtschaftliche Kompensation beinhalten, um wirksam zu sein. Ein symbolisches Preisgeld von einigen tausend Euro reicht in der Regel nicht aus, um weitreichende Tätigkeitsverbote über mehrere Monate zu rechtfertigen.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Vertrag diese Schwelle erfüllt, lohnt sich eine juristische Erstberatung — oft reicht bereits eine kurze Prüfung der zentralen Klauseln, um Handlungsspielräume zu erkennen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Vertragsfragen wenden Sie sich an einen zugelassenen Rechtsanwalt.

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