Germany's Next Topmodel 2026: Wenn das Körperbild krank macht – wann ein Arzt helfen sollte
Staffel 21 von Germany's Next Topmodel läuft seit dem 16. April 2026 jeden Donnerstag auf ProSieben – und sorgt erneut für Diskussionen über Körperbild, Schönheitsdruck und die Gesundheit junger Frauen und Männer. Noch zwölf Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen um den Titel, während das Finale erstmals in Hollywood stattfinden soll.
GNTM 2026: Schönheitsdruck als Dauerbegleiter
Seit dem 11. Februar 2026 begleitet ProSieben die 21. Staffel des deutschen Topmodel-Formats. Erstmals kompetieren Frauen und Männer gemeinsam um den Sieg – ein Zeichen für gesellschaftlichen Wandel, aber auch ein Signal, dass Körperideale heute alle Geschlechter betreffen. Nach der Folge vom 23. April 2026, in der Antonia und Yanneck die Show verlassen mussten, sind noch zwölf Teilnehmende im Rennen. Das Finale ist für den 28. Mai 2026 geplant – und erstmals findet es in Hollywood in Heidi Klums Heimat statt, nicht in Deutschland.
Bereits beim Casting gab es Berichte über Body-Shaming zwischen Kandidatinnen: Kommentare über Gewicht, Körperform und Proportionen gehören offenbar weiterhin zum Alltag der Sendung. Trotz wachsender gesellschaftlicher Sensibilität für das Thema zeigt die laufende Staffel, dass sich an den Grundprinzipien des Formats wenig geändert hat.
Was Studien über GNTM und Essstörungen sagen
Die Zahlen sind besorgniserregend: Eine Analyse des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) ergab, dass jedes dritte Mädchen mit einer Essstörung die Sendung als Auslöser oder verstärkenden Faktor nannte. Eine aktuelle Studie, 2025 im Fachjournal Psychologische Rundschau veröffentlicht, zeigt: Frauen mit Essstörungen erleben nach dem Ansehen von GNTM-Episoden signifikant mehr Körperunzufriedenheit und negativen Affekt als Kontrollgruppen – messbar bereits nach einer einzigen Folge.
Der ZDF-Investigativfilm „Druck, Hass, Manipulation: Wie krank macht Germany's Next Topmodel?" dokumentierte 2023 Interviews mit über 50 ehemaligen Kandidatinnen, Jurymitgliedern und Produktionsmitarbeitenden. Das Ergebnis: Systemischer Druck, der Essstörungen begünstigt, ist kein Einzelphänomen, sondern ein strukturelles Problem der Sendung.
Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind in Deutschland rund 5 Prozent der Bevölkerung von Essstörungen betroffen – mit steigender Tendenz bei Jugendlichen. Magersucht (Anorexia nervosa) hat unter allen psychischen Erkrankungen die höchste Sterblichkeitsrate weltweit.
Warnsignale: Wann ist das Körperbild krankhaft?
Nicht jede Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist sofort behandlungsbedürftig – aber es gibt klare Warnsignale, die ernst genommen werden sollten. Der Unterschied zwischen einem gesunden Wunsch nach körperlicher Fitness und einer beginnenden Essstörung liegt oft im Zwang und in der Kontrolle.
Warnsignale bei Essstörungen:
- Starkes Einschränken von Mahlzeiten oder gezieltes Auslassen von Essen über mehrere Tage
- Exzessiver Sport trotz körperlicher Erschöpfung oder Verletzung
- Binge-Eating-Phasen mit anschließendem Erbrechen oder Laxativamissbrauch
- Extreme Beschäftigung mit Kalorienzählen, Körpergewicht und Spiegelbild
- Sozialer Rückzug rund ums Essen – Ausreden finden, um nicht mit anderen zu essen
- Deutlicher Gewichtsverlust in kurzer Zeit ohne medizinischen Grund
- Anhaltende Stimmungsschwankungen, die eng mit Essen oder dem Aussehen verknüpft sind
Ein Arzt – idealerweise ein Hausarzt als erste Anlaufstelle, danach bei Bedarf ein auf Essstörungen spezialisierter Facharzt für Psychiatrie oder Psychosomatik – kann eine erste Einschätzung geben, körperliche Schäden abklären und eine Weiterbehandlung einleiten. Gerade bei Jugendlichen ist eine frühe Intervention entscheidend: Je früher eine Essstörung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Wann sofort handeln: Bei Bewusstlosigkeit, extremem Gewichtsverlust innerhalb weniger Wochen, Herzrhythmusstörungen oder Ohnmachtsanfällen sollte sofort ein Notfall oder ein Arzt aufgesucht werden.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf eine Essstörung wenden Sie sich bitte an einen Arzt, eine Ärztin oder eine Fachklinik.
Die Rolle von Medien bei Körperbildstörungen
Heidi Klum, Moderatorin und Produzentin der Sendung, hat sich in der Vergangenheit gegen Kritik gewehrt. Doch Medienwissenschaftlerinnen und Psychologinnen sind sich einig: Sendungen wie GNTM, die Körper systematisch bewerten und vergleichen, beeinflussen das Selbstbild der Zuschauerinnen und Zuschauer – besonders von jungen Menschen in der Pubertät.
Social Media verstärkt diesen Effekt: Die häufige Nutzung von Instagram und TikTok, auf denen Kandidatinnen ihre „Transformationen" teilen, erhöht den Vergleichsdruck zusätzlich. Eine Umfrage der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 68 Prozent der 14- bis 17-jährigen Mädchen angeben, sich durch Fotos in sozialen Netzwerken schlechter zu fühlen.
Psychologinnen empfehlen deshalb, das gemeinsame Schauen von Reality-TV-Sendungen mit Kindern und Jugendlichen als Anlass zu nutzen, um über Körperideale, Diversität und Selbstakzeptanz zu sprechen. „Medienkritische Begleitung ist wichtiger als ein Verbot", erklärt eine auf Essstörungen spezialisierte Psychologin aus München. Das bedeutet konkret: Eltern können Folgen gemeinsam mit ihren Kindern schauen und dabei aktiv kommentieren, was realistisch ist – und was nicht.
Behandlung und Unterstützung in Deutschland
Deutschland verfügt über ein gut ausgebautes Netz an Hilfsangeboten für Menschen mit Essstörungen. Die BZgA bietet eine kostenlose telefonische Beratung an, zudem gibt es ambulante und stationäre Behandlungsangebote in psychiatrischen und psychosomatischen Fachkliniken.
Der erste Schritt für Betroffene oder Angehörige ist oft der schwierigste: das Gespräch zu suchen – mit einem Arzt, einer Ärztin oder einer Vertrauensperson. Ein Hausarzt kann nicht nur medizinische Aspekte abklären, sondern auch dabei helfen, geeignete Therapieangebote oder Beratungsstellen zu finden.
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Weitere Informationen zu Körperbild und Gesundheit finden Sie auch in unserem Artikel: Looksmaxxing und die Gesundheitsrisiken für Jugendliche
