England – Argentinien 2026: Was das 9,3-Millionen-Dollar-Trikot über Sammler-Investments verrät

Gerahmtes historisches blaues Fußballtrikot in einer beleuchteten Vitrine in einem Auktionshaus
Julia Julia RichterVermögensberatung
4 Min. Lesezeit 15. Juli 2026

Wenn England und Argentinien bei der WM 2026 aufeinandertreffen, geht es um mehr als drei Punkte: Kein anderes Duell ist so aufgeladen mit Geschichte, Emotion – und Geld. Ausgerechnet ein Trikot aus genau dieser Rivalität hält bis heute einen Weltrekord. Das blaue Hemd, das Diego Maradona 1986 beim berüchtigten „Hand-Gottes"-Tor gegen England trug, wurde im Mai 2022 bei Sotheby's für 7,1 Millionen Pfund (rund 9,3 Millionen Dollar) versteigert – laut dem Auktionshaus der höchste Preis, der je für ein Sport-Sammlerstück gezahlt wurde. Kein Wunder, dass rund um das Wiedersehen der beiden Nationen 2026 wieder eine alte Frage aufkommt: Sind Fußball-Sammlerstücke eine ernsthafte Geldanlage – oder nur teure Nostalgie?

Vom Trikottausch zum Millionen-Objekt

Die Geschichte hinter dem Rekord zeigt, wie unberechenbar dieser Markt ist. Nach Argentiniens 2:1-Sieg im Viertelfinale 1986 tauschte Maradona sein Trikot mit dem englischen Mittelfeldspieler Steve Hodge. Der bewahrte es über drei Jahrzehnte auf – zeitweise als Leihgabe in einem Museum – bevor er es 2022 zur Auktion gab. Aus einem simplen Trikottausch wurde so ein zweistelliges Millionenobjekt.

Solche Zahlen befeuern die Fantasie. Auch match-getragene Trikots von Weltstars, historische Bälle, Medaillen oder signierte Erstverträge erzielen bei spezialisierten Auktionen inzwischen Preise, die vor zehn Jahren undenkbar waren. Der Markt für Sport-Memorabilia hat sich professionalisiert: Es gibt Auktionshäuser, Fachhändler, Online-Plattformen und sogar Fonds, die Sammlerstücke als „Passion Assets" bündeln.

Warum Sammlerstücke als Anlageklasse gelten

Vermögensberater ordnen Objekte wie Trikots, Uhren, Oldtimer oder Kunst als sogenannte Sachwerte oder „emotionale Anlagen" ein. Der Reiz liegt auf der Hand: Ein seltenes Stück ist physisch vorhanden, nicht beliebig vermehrbar und in Krisenzeiten unabhängig von Aktienkursen. Wer ein ikonisches Objekt besitzt, hält zudem ein Stück Geschichte in den Händen – ein Wert, den kein Aktiendepot bietet.

Doch genau hier beginnt die Vorsicht der Profis. „Emotionale Anlagen gehören für die meisten Privatanleger allenfalls als kleine Beimischung ins Portfolio", ist eine Faustregel, die viele unabhängige Berater seit Jahren wiederholen. Der Grund: Ein einziger Rekordpreis wie beim Maradona-Trikot sagt wenig über die durchschnittliche Wertentwicklung von Millionen anderer Sammlerstücke aus. Für jedes 9,3-Millionen-Objekt gibt es unzählige Trikots, die kaum mehr wert sind als der Materialpreis.

Die vier Risiken, die Fans oft übersehen

Vor dem ersten Kauf sollten Interessierte die typischen Fallstricke kennen, auf die ein Vermögensberater hinweist:

  • Echtheit: Der Markt ist ein Paradies für Fälschungen. Ein Trikot ist nur so viel wert wie seine lückenlose Herkunftsgeschichte („Provenienz") und ein anerkanntes Echtheitszertifikat. Fehlen Fotobelege oder eine plausible Kette vom Spieler bis zum Verkäufer, ist Skepsis geboten.
  • Liquidität: Aktien lassen sich in Sekunden verkaufen, ein seltenes Trikot nicht. Bis sich ein zahlungskräftiger Käufer findet, können Monate vergehen – und der erzielbare Preis hängt stark von der Tagesform des Marktes ab.
  • Nebenkosten: Auktionshäuser verlangen Aufgelder von häufig 20 bis 30 Prozent, dazu kommen Versicherung, fachgerechte Lagerung und gegebenenfalls Restaurierung. Diese Kosten schmälern die Rendite erheblich.
  • Kein laufender Ertrag: Anders als eine Aktie mit Dividende oder eine vermietete Immobilie wirft ein Trikot keine laufenden Erträge ab. Der Gewinn entsteht ausschließlich beim Wiederverkauf – falls überhaupt jemand mehr zahlt.

Was das deutsche Steuerrecht sagt

Für deutsche Sammler ist die steuerliche Behandlung ein oft unterschätzter Punkt. Der Verkauf von privaten Sammlerstücken fällt unter die sogenannten privaten Veräußerungsgeschäfte nach § 23 des Einkommensteuergesetzes. Vereinfacht gilt: Wer ein Objekt länger als ein Jahr im Privatvermögen hält und danach mit Gewinn verkauft, muss diesen Gewinn in der Regel nicht versteuern. Verkauft man dagegen innerhalb der einjährigen „Spekulationsfrist", ist der Gewinn steuerpflichtig, sobald die jährliche Freigrenze überschritten wird. Die genauen Regelungen und aktuellen Grenzen sind im Gesetzestext zu § 23 EStG nachzulesen (gesetze-im-internet.de).

Wichtig: Wer Sammlerstücke gewerblich kauft und verkauft – also mit dem klaren Ziel, systematisch Gewinne zu erzielen – kann steuerlich als Händler eingestuft werden. Dann gelten völlig andere Regeln. Wo genau die Grenze zwischen privatem Hobby und gewerblichem Handel verläuft, ist im Einzelfall knifflig und sollte mit einem Steuerberater geklärt werden.

So gehen erfahrene Sammler vor

Wer trotz aller Risiken einsteigen möchte, tut das idealerweise mit klarem Kopf statt aus reiner Fan-Begeisterung. Berater empfehlen, nur Geld einzusetzen, dessen Verlust man verschmerzen könnte, und den Wert der Sammlung auf einen kleinen Teil des Gesamtvermögens zu begrenzen. Wichtig sind außerdem eine ordentliche Dokumentation jedes Kaufs, eine passende Versicherung und die realistische Erwartung, dass die meisten Objekte keine Rekordpreise erzielen werden.

Für viele bleibt der eigentliche Gewinn ohnehin ein anderer: die Freude am Objekt und an seiner Geschichte. Ein signiertes Trikot, das an einer emotionalen Nacht wie England gegen Argentinien hängt, hat einen Wert, den keine Rendite-Tabelle abbildet – solange man es nicht mit einer sicheren Altersvorsorge verwechselt.

Fazit: Leidenschaft ja, Depot-Ersatz nein

Das Maradona-Trikot zeigt eindrucksvoll, welche Summen der Markt in Ausnahmefällen hergibt. Für die Vermögensplanung taugen Sammlerstücke dennoch nur als kleine, emotionale Beimischung – niemals als Ersatz für breit gestreute Anlagen. Wer über einen größeren Kauf nachdenkt oder eine bestehende Sammlung steuerlich sauber aufstellen will, sollte vorab das Gespräch mit einem unabhängigen Vermögensberater suchen. Ein Fachmann hilft dabei, die emotionale Seite des Hobbys von der nüchternen Frage zu trennen, was ein Objekt für das eigene Portfolio wirklich bedeutet.

Wer sich rund um die WM 2026 ohnehin mit den finanziellen Seiten des Turniers beschäftigt, findet weitere Orientierung in unserem Überblick zur Finanzplanung für teure WM-Tickets.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Für konkrete Entscheidungen sollten Sie einen qualifizierten Vermögens- oder Steuerberater hinzuziehen.

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