Gianni Infantino hielt am 11. Juni 2026 in Mexiko-Stadt seine erste Pressekonferenz seit drei Jahren ab – und das kurz vor dem Eröffnungsspiel der WM 2026. Das Ergebnis: neue Ermittlungen wegen Ticketpreisen, ein Visa-Debakel für Schiedsrichter und offene Fragen zur FIFA-Governance. Was betroffene Fans, Sportler und Schiedsrichter rechtlich wissen müssen, erklärt dieser Artikel.
Was geschah bei Infantinos Pressekonferenz?
Nach drei Jahren Schweigen gegenüber der Presse stellte sich FIFA-Präsident Gianni Infantino am 11. Juni 2026 in Mexiko-Stadt den Fragen der Journalisten. Die Pressekonferenz war überschattet von mehreren Skandalen: Zwei Staatsanwaltschaften in den USA haben Ermittlungen gegen die FIFA wegen des Verdachts überhöhter Ticketpreise eingeleitet. Durchschnittspreise von 500 US-Dollar für reguläre Sitzplätze – bei Endspielen bis zu mehreren Tausend Dollar – haben Verbraucherschützer und Behörden alarmiert.
Infantino verteidigte die Preisgestaltung: Günstigere Tickets würden lediglich den Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt ankurbeln. "Ich bedauere gar nichts", erklärte der FIFA-Chef gegenüber anwesenden Reportern.
Das Visa-Debakel: Schiedsrichter und Spieler betroffen
Besonders brisant: Der somalische Schiedsrichter Omar Artan wurde von US-Behörden die Einreise verweigert. Begründung: angebliche Verbindungen zu Terrororganisationen – ein Vorwurf, den der Schiedsrichterverband entschieden zurückwies. Auch der irakische Stürmer Aymen Hussein wurde bei der Einreise sieben Stunden lang festgehalten, bevor er weiterreisen durfte.
Infantino reagierte mit Unverständnis: "Wir sind keine Könige der Welt, die über Regierungen und Polizeikräfte herrschen können. Wir sind eine Sportorganisation." Für die betroffenen Sportler und ihre Anwälte ist das jedoch keine befriedigende Antwort.
Wer als Sportler, Offizieller oder Fan Opfer einer ungerechtfertigten Einreiseverweigerung wird, hat grundsätzlich mehrere rechtliche Möglichkeiten – auch wenn diese im internationalen Kontext komplex sind.
Welche Rechte haben betroffene Sportler und Schiedsrichter?
Einreiseverweigerung anfechten
Bei einer Visa-Verweigerung oder Zurückweisung an der US-Grenze stehen Betroffenen in der Regel folgende Wege offen:
- Verwaltungsbeschwerde beim US-Außenministerium oder der Einwanderungsbehörde (USCIS/CBP)
- Diplomatischer Weg über die Botschaft des Heimatlandes
- Internationaler Rechtsweg über den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) bei cas-crt.org, sofern die FIFA-Statuten verletzt wurden
Wichtig zu wissen: Schiedsrichter und Spieler, die im Auftrag einer internationalen Sportorganisation tätig sind, können sich auf bestimmte Schutzklauseln in FIFA-Verträgen berufen. Die FIFA ist nach ihren eigenen Statuten verpflichtet, für ein visumfreies oder visumerleichtertes Einreiserecht zu sorgen.
Ticketpreise und Verbraucherrechte
Für deutsche Fans, die WM-Tickets zu überhöhten Preisen erworben haben oder auf dem Weiterverkaufsmarkt übervorteilt wurden, gelten sowohl deutsches Verbraucherrecht als auch EU-Regelungen. Konkret:
- Tickets, die über nicht autorisierte Plattformen verkauft werden, sind nach § 312 BGB oft anfechtbar
- Bei irreführenden Preisangaben greift das UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb)
- Sammelklagen gegen die FIFA sind in Deutschland über Verbandsklagen nach dem UKlaG möglich
Menschenrechtsorganisationen haben bereits Ethikbeschwerden gegen die FIFA eingereicht – ein Zeichen, dass die institutionelle Kontrolle über den Verband unter zunehmendem Druck steht.
FIFA-Governance: Kann man gegen den Verband klagen?
Die FIFA ist eine Schweizer Non-Profit-Organisation mit Sitz in Zürich, unterliegt aber dem Schweizer Privatrecht und dem eigenen Rechtssystem. Wer gegen FIFA-Entscheidungen vorgehen möchte, hat folgende Optionen:
CAS (Court of Arbitration for Sport): Dieser internationale Sportgerichtshof ist die erste Anlaufstelle für Streitigkeiten zwischen Sportlern, Vereinen und Verbänden. Urteile des CAS sind international anerkannt und können die FIFA binden.
Schweizer Gerichte: Als letzte Instanz können FIFA-Entscheidungen vor Schweizer Ordentliche Gerichte gebracht werden, sofern der Klageweg durch FIFA-Statuten nicht ausgeschlossen ist.
Deutsche Zivilgerichte: Für Schadensersatzansprüche aus Vertragsbeziehungen mit der FIFA (z.B. Sponsorenverträge, Ticketkaufverträge) sind in Deutschland die Zivilgerichte zuständig.
Laut Angaben des CAS selbst werden jährlich mehrere Hundert Fälle mit FIFA-Bezug eingereicht. Die Erfolgsquote für Kläger liegt bei etwa 30 Prozent – also durchaus ein gangbarer Weg für entschlossene Betroffene.
Infantino und Trump: Politische Einflussnahme als Rechtsproblem
Ein weiteres brisantes Thema der Pressekonferenz: Infantino unterhält enge persönliche Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump. Die FIFA-Büros befinden sich im Trump Tower; Trump überreichte Infantino einen selbst kreierten "Friedenspreis", nachdem das Nobelkomitee Trump selbst abgelehnt hatte. Menschenrechtsgruppen sehen darin eine unzulässige Politisierung des Sports.
Juristisch ist das relevant: Wenn ein internationaler Sportverband nachweislich politischen Interessen einer Regierung dient, kann das die Neutralitätspflicht verletzen, die viele FIFA-Statuten explizit verankern. Anwälte aus dem Bereich Sportrecht prüfen derzeit, ob dies Grundlage für Ethikverfahren oder zivilrechtliche Klagen bieten könnte.
Was Sie tun können: Rechtzeitig Rechtsberatung suchen
Ob als Fan mit einem Ticket-Streit, als Sportler mit Visa-Problemen oder als Verein, der von FIFA-Regeländerungen betroffen ist – in allen Fällen lohnt sich die frühzeitige Beratung durch einen auf Sportrecht oder Internationales Recht spezialisierten Anwalt.
Wichtige Fristen und Fakten:
- CAS-Einspruchsfrist: In der Regel 21 Tage nach Zustellung einer FIFA-Entscheidung
- Verbraucherschutzklage: Bis zu 3 Jahre nach Vertragsschluss in Deutschland möglich
- Reiserecht: Bei Einreiseverweigerungen sollten Betroffene sofort ihren Rechtsbeistand kontaktieren
Laut dem Internationalen Sportgerichtshof CAS bleibt der Schiedsweg oft die schnellste und effektivste Lösung für sportrechtliche Streitigkeiten auf internationaler Ebene. ExpertZoom verbindet Sie mit erfahrenen Anwälten für Sportrecht, die Ihnen helfen können, Ihre Interessen gegenüber der FIFA oder anderen Sportorganisationen durchzusetzen.
Die WM 2026 ist mehr als ein Fußballturnier – sie ist auch ein juristischer Testfall für Transparenz, Fairness und die Grenzen internationaler Sportorganisationen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten rechtlichen Fragen wenden Sie sich an einen qualifizierten Anwalt.

Andreas Weber