WHO erklärt Ebola-Notlage: Was Reisende aus dem Kongo jetzt wissen müssen

Gesundheitshelfer in Schutzausrüstung bekämpfen Ebola in Westafrika

Photo : CDC Global / Wikimedia

Lena Lena MeyerGesundheit
4 Min. Lesezeit 19. Mai 2026

Im Mai 2026 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wegen eines Ebolafieber-Ausbruchs in der Ituri-Provinz der Demokratischen Republik Kongo die internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Bis zu 246 Verdachtsfälle und rund 80 mutmaßliche Todesfälle wurden gemeldet, acht Fälle sind laborbestätigt. Zwei infizierte Personen reisten nach Uganda ein – einer von ihnen starb dort. Auch in der Hauptstadt Kinshasa wurde ein Fall bestätigt.

Für Reisende und Menschen mit Verbindungen in die betroffene Region stellen sich jetzt dringende Fragen: Was sind die Symptome? Wie wird Ebola übertragen? Und ab wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Was die aktuelle Virusvariante besonders macht

Der aktuelle Ausbruch wird durch den sogenannten Bundibugyo-Stamm des Ebolavirus verursacht – eine Variante, für die bislang kein zugelassener Impfstoff existiert. Das unterscheidet die aktuelle Situation erheblich von früheren Ausbrüchen, bei denen der Zaire-Stamm dominierte und für den ein Impfstoff verfügbar ist.

Die Sterblichkeitsrate des Bundibugyo-Stamms liegt laut WHO bei 25 bis 40 Prozent – deutlich niedriger als beim Zaire-Ebolavirus mit historisch bis zu 90 Prozent Mortalität, aber dennoch medizinisch ernst zu nehmen. Wer frühzeitig behandelt wird, hat erheblich bessere Überlebenschancen als jemand, der die Erkrankung verschleppt.

Symptome: Woran erkennt man eine Ebola-Infektion?

Die Inkubationszeit – also der Zeitraum zwischen Ansteckung und ersten Symptomen – beträgt zwei bis 21 Tage. In dieser Phase sind Betroffene noch nicht ansteckend. Die Erkrankung beginnt zunächst unspezifisch:

Erste Phase (Tage 1-3):

  • Plötzliches Fieber (über 38,5°C)
  • Starke Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Muskel- und Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen

Zweite Phase (ab Tag 3-5):

  • Erbrechen und Durchfall
  • Hautausschlag
  • Eingeschränkte Nieren- und Leberfunktion
  • In schweren Fällen: innere und äußere Blutungen

Das Problem: Die ersten Symptome ähneln stark einer schweren Grippe oder Malaria – beides Erkrankungen, die in Subsahara-Afrika häufig vorkommen. Diese Ähnlichkeit erschwert die Früherkennung erheblich.

Wie wird Ebola übertragen?

Im Unterschied zu Atemwegserkrankungen wie Grippe oder COVID-19 ist Ebolafieber nicht über die Luft übertragbar. Der Virus überträgt sich ausschließlich durch direkten Kontakt mit:

  • Körperflüssigkeiten infizierter Personen (Blut, Speichel, Urin, Schweiß, Erbrochenes)
  • Körperflüssigkeiten verstorbener Ebola-Patienten
  • Kontakt mit infizierten Wildtieren (Fledermäuse, Primaten)

Das bedeutet: Das Infektionsrisiko für Menschen, die keinen direkten körperlichen Kontakt mit Erkrankten oder deren Körperflüssigkeiten haben, ist gering. Dennoch gilt besondere Vorsicht für medizinisches Personal, Pflegepersonal und Familienangehörige von Erkrankten.

Wann sollten Reisende aus der DRC zum Arzt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, bei folgenden Symptomen nach einer Reise in betroffene Gebiete sofort einen Arzt aufzusuchen:

  1. Fieber über 38°C innerhalb von 21 Tagen nach Rückkehr aus der DRC oder Uganda
  2. Zusätzliche Symptome wie Erbrechen, Durchfall oder Hautausschlag
  3. Möglicher Kontakt mit erkrankten Personen oder Wildtieren in der Region

Wichtig: Vor dem Arzttermin telefonisch Bescheid geben, damit das Praxispersonal Schutzmaßnahmen ergreifen kann. Kein unangekündigtes Erscheinen in der Notaufnahme. Der Arzt entscheidet dann, ob eine Isolierung und labormedizinische Testung erforderlich ist.

Ein Allgemeinmediziner oder ein Tropenmediziner – zum Beispiel über eine reisemedizinische Beratungsstelle – kann die Symptome einordnen und die notwendigen Schritte einleiten.

Schutz für Reisende: Was ist jetzt ratsam?

Das Auswärtige Amt hat aktuelle Reisehinweise für die Demokratische Republik Kongo ausgesprochen. Reisende in die betroffene Ituri-Provinz sollten dringend auf folgende Punkte achten:

  • Kein Kontakt zu offensichtlich erkrankten Personen
  • Keine Wildtierprodukte konsumieren (Buschfleisch, sogenanntes "Bushmeat")
  • Regelmäßiges Händewaschen mit Seife oder Verwendung von Desinfektionsmittel
  • Reiseapotheke mit Fieberthermometer und Fiebermittel
  • Krankenversicherung prüfen – nicht alle deutschen Reisekrankenversicherungen decken Behandlungen in Hochrisikozonen ab

Wer mit gesundheitlichen Beschwerden nach einer Reise in ein Ausbruchsgebiet zurückgekehrt ist und unsicher ist, ob ein Arztbesuch erforderlich ist, sollte nicht zögern: Im Zweifelsfall gilt immer, frühzeitig medizinische Beratung zu suchen. Auch Informationen zu Tropenmedizin und Reiseschutzimpfungen – die zwar gegen den aktuellen Bundibugyo-Stamm nicht direkt schützen, aber andere Reisekrankheiten abdecken – können über spezialisierte Mediziner erfragt werden. Welche Risiken bei einem Aufenthalt in Nordafrika ebenfalls zu beachten sind, erläutern wir in unserem Artikel zu Gesundheitsrisiken im Ausland.

Wie wird Ebola behandelt?

Eine spezifische antivirale Standardtherapie gegen den Bundibugyo-Stamm existiert derzeit nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf intensivmedizinische Unterstützung: Flüssigkeitszufuhr, Elektrolytausgleich, Sauerstofftherapie und Behandlung von Sekundärinfektionen. Je früher eine Infektion erkannt wird, desto höher sind die Überlebenschancen. Krankenhausisolierung und strikte Schutzmaßnahmen sind für das behandelnde Personal unerlässlich.

In Deutschland sind spezialisierte Sonderisolierstationen für hoch-infektiöse Erkrankungen an bestimmten Universitätskliniken eingerichtet – unter anderem in Hamburg, Frankfurt und Berlin. Das RKI koordiniert im Bedarfsfall die Verlegung von Verdachtsfällen in diese Einrichtungen.

Fazit: Frühzeitige Beratung kann Leben retten

Ebolafieber ist eine schwere Erkrankung, die ohne sofortige medizinische Versorgung lebensbedrohlich wird. Gleichzeitig ist das Infektionsrisiko für Menschen ohne direkten Kontakt zu Erkrankten sehr gering. Wer sich unsicher ist – ob wegen eigener Reisepläne, nach einer Reise oder wegen besorgter Angehöriger –, sollte das Gespräch mit einem Hausarzt oder Tropenmediziner suchen. Frühzeitigkeit ist der entscheidende Faktor: Symptome ignorieren kostet im schlimmsten Fall das Leben; eine unnötige Arztbeschäftigung kostet nur Zeit.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Wenden Sie sich bei Symptomen oder konkreten Fragen stets an einen Arzt.

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