Younes Ebnoutalib beim DFB: Was der Karrieresprung eines Jungstars über Finanzplanung lehrt

Eintracht Frankfurt Bundesliga Spielaktion – Karrieresprung und Finanzplanung für junge Profisportler

Photo : Chivista / Wikimedia

Julia Julia RichterVermögensberatung
6 Min. Lesezeit 24. September 2026

Als Jürgen Klopp im September 2026 persönlich bei Younes Ebnoutalib anrief, um ihm seine erste Nominierung für die Deutsche Fußballnationalmannschaft mitzuteilen, kamen dem 23-jährigen Stürmer von Eintracht Frankfurt die Tränen. „Nach dem Anruf kamen mir ein bisschen die Tränen, weil ich daran gedacht habe, wo ich noch vor zwei Jahren war", sagte Ebnoutalib gegenüber Medien. Zwei Jahre zuvor spielte er noch für den FC Gießen in der Regionalliga Südwest. Heute steht er im DFB-Kader für die Nations-League-Partien gegen die Niederlande und Griechenland — und ist damit neben Kai Havertz der einzige nominierte Mittelstürmer. Diese Karriere in Zeitraffer beeindruckt sportlich. Sie stellt aber auch eine Frage, die viele junge Hochverdiener erst zu spät stellen: Was passiert eigentlich mit dem Geld, wenn der Aufstieg so rasant ist?

Von Gießen über Elversberg zu Frankfurt: Ein Aufstieg in drei Sprüngen

Ebnoutalib wurde am 13. September 2003 in Frankfurt am Main geboren. Ende 2024 war er noch Spieler beim FC Gießen in der vierten deutschen Liga. Dann setzte eine Kettenreaktion ein, die in der deutschen Fußballgeschichte ihresgleichen sucht: Im Januar 2025 wechselte er zur SV Elversberg in die 2. Bundesliga. Dort traf er in der Rückrunde 2024/25 zwölf Mal in 17 Spielen — eine Quote, die Bundesliga-Scouts aufhorchen ließ.

Am 1. Januar 2026 schlug Eintracht Frankfurt zu: 8 Millionen Euro Ablöse, Vertrag bis 2031. Der Spieler, der kurz zuvor noch in der Regionalliga verdiente, wechselte nun in die Bundesliga — in die Heimatstadt, in der er aufgewachsen ist. Neun Monate später: erstmaliger DFB-Kader. „Wenn Klopp anruft, muss man hingehen", sagte Ebnoutalib, der auch von Marokko umworben wurde. Als doppelter Staatsbürger (deutsch-marokkanisch) hätte er für beide Verbände spielen dürfen — solange noch kein Pflichtspiel für eine Nationalelf absolviert war.

Nationalität und FIFA-Regularien: Was die Entscheidung bedeutet

Die Wahl für Deutschland oder Marokko ist keine rein emotionale. Nach Artikel 5 der FIFA-Regularien gilt: Wer für eine Nationalmannschaft in einem offiziellen Pflichtspiel eingesetzt wird, ist dauerhaft an diesen Verband gebunden — ein nachträglicher Wechsel ist ausgeschlossen. Für Spieler mit Doppelpass-Hintergrund ist dies eine der folgenreichsten Entscheidungen der Karriere.

Wer in dieser Situation steckt — oder als Elternteil oder Berater involviert ist — sollte vor dem ersten offiziellen Einsatz nicht nur sportliche, sondern auch rechtliche Beratung in Anspruch nehmen: Welche steuerlichen Wohnsitzfragen entstehen je nach Verband? Welche Ansprüche auf staatliche Förderungen (Spitzensportförderung) hängen an der Nationalitätswahl? Gibt es vertragsrechtliche Klauseln im Vereinsvertrag, die an Nationalmannschaftseinsätze geknüpft sind?

Plötzlich Spitzenverdiener: Was Profisportler finanziell oft falsch machen

Vom Regionalliga-Gehalt — typischerweise 1.500 bis 3.000 Euro monatlich — zur Bundesliga-Vergütung in der oberen Mittelklasse: Das bedeutet eine Einkommensmultiplikation innerhalb von zwei Jahren. Genau diese Sprünge überfordern viele junge Sportler, weil sie ohne strukturelle Vorbereitung stattfinden.

Studien des CIES Football Observatory belegen, dass bis zu 60 Prozent der Profisportler innerhalb von fünf Jahren nach Karriereende in finanziellen Schwierigkeiten sind — trotz teils sehr hoher Einnahmen im Aktivsport. Die Gründe wiederholen sich: keine Altersvorsorge, überhöhter Konsum, schlechte oder gar keine Beratung.

In Deutschland gilt für Spitzenverdiener ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von rund 277.826 Euro (Stand 2026) der Höchststeuersatz von 45 Prozent, laut Bundesministerium der Finanzen. Hinzu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer. Das bedeutet: Ohne optimierte Struktur verbleiben von einem hohen Bundesliga-Gehalt weniger als die Hälfte tatsächlich auf dem Konto des Spielers.

Profifußballer sind zwar sozialversicherungspflichtig angestellt, aber für ihre private Altersvorsorge weitgehend selbst verantwortlich. Die gesetzliche Rentenversicherung berücksichtigt 2026 nur Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 96.600 Euro jährlich — alles darüber hinaus schlägt sich nicht in höheren Rentenansprüchen nieder. Für jemanden, der zeitweise das Zwanzigfache dieses Betrages verdient, ist das eine massive Versorgungslücke.

Erschwerend kommt hinzu, dass Profikarrieren im Fußball im Schnitt nur acht bis zwölf aktive Jahre auf Bundesliga-Niveau umfassen. Wer mit 23 den Durchbruch schafft, muss damit rechnen, mit 33 oder 34 Jahren das letzte große Gehalt zu beziehen — danach folgen oft Jahre mit deutlich geringerem Einkommen im Trainerbereich, Nachwuchssport oder ganz außerhalb des Fußballs. Diese kurze Erwerbsphase auf hohem Niveau macht eine frühe und strategische Vermögensplanung umso dringlicher. Wer in den ersten Bundesliga-Jahren nicht beginnt, konsequent zu sparen und zu investieren, verliert wertvolle Zeit, die kein späteres Gehalt vollständig kompensieren kann.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuer- oder vermögensrechtliche Beratung.

Konkretes Szenario: Was von 1,5 Millionen Euro Jahresgehalt wirklich bleibt

Nehmen wir den Fall eines 23-jährigen Bundesligastürmers, der einen Fünfjahresvertrag mit einem Jahresgehalt von 1.500.000 Euro brutto unterzeichnet — ohne Boni oder Bildrechteeinnahmen.

Steuerbelastung (vereinfacht, 2026):

  • Effektiver Einkommensteuersatz für dieses Einkommen: ca. 44 Prozent
  • Einkommensteuer: ca. 660.000 Euro
  • Solidaritätszuschlag (5,5 % der Einkommensteuer): ca. 36.300 Euro
  • Netto verfügbar: rund 803.700 Euro

Zusätzlich erhält er einen Signing Bonus von 500.000 Euro im ersten Vertragsjahr. Auch dieser wird als Arbeitslohn voll besteuert — effektiv mit etwa 47 Prozent. Von den 500.000 Euro bleiben ca. 265.000 Euro übrig.

Wenn der Spieler ab dem ersten Vertragsjahr monatlich 20 Prozent seines Nettogehalts — also rund 13.400 Euro — in ein breit diversifiziertes Portfolio aus Indexfonds investiert und dabei eine historisch realistische Durchschnittsrendite von 5 Prozent pro Jahr erzielt, dann verfügt er nach einer zehnjährigen Karriere über ein angespartes Kapital von circa 2,1 Millionen Euro. Dieses Vermögen sichert bei einer nachhaltigen Entnahmerate von 4 Prozent jährlich rund 84.000 Euro — dauerhaft, ohne das Kapital zu verbrauchen.

Wenn hingegen keine strukturierte Planung stattfindet und der Lebensstil proportional zum Einkommenswachstum steigt, dann kann der Spieler bei Karriereende mit 33 bis 35 Jahren ohne nennenswerte Rücklagen dastehen — trotz kumulierter Brutto-Einnahmen von über 10 Millionen Euro.

Ein Vermögensberater kann darüber hinaus legale Steueroptimierungsstrategien aufzeigen: Viele Profisportler strukturieren ihre Bildrechte (also Einnahmen aus Werbeverträgen, Social Media und Sponsoring) über eine eigene GmbH. Diese Einnahmen werden dann mit dem günstigen Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent plus Gewerbesteuer besteuert — statt als Arbeitslohn mit bis zu 47 Prozent. Auch Rürup-Rentenverträge, Immobilienbeteiligungen und betriebliche Altersversorgungsmodelle spielen in der Praxis eine wesentliche Rolle.

Fünf Schritte für junge Hochverdiener in den ersten zwölf Monaten

Ebnoutalib's Geschichte ist nicht nur eine Fußball-Inspiration. Sie ist ein Modell für alle, die innerhalb kurzer Zeit einen Einkommenssprung in eine höhere Liga erleben — Sportler, Gründer nach einer Finanzierungsrunde, Freiberufler nach ihrem ersten großen Auftrag, Erben.

Die wichtigsten Maßnahmen im ersten Jahr nach einem starken Einkommensanstieg:

  1. Steuervorauszahlungen frühzeitig einrichten — Finanzämter fordern Vorauszahlungen auf Basis des Vorjahreseinkommens; bei einem starken Einkommensanstieg wie bei Ebnoutalib drohen ohne Anpassung Nachzahlungen in fünfstelliger Höhe.
  2. Konsum- und Investitionsvermögen konsequent trennen — Ein eigenes, separates Anlagekonto schützt vor unkontrolliertem Verbrauch und macht den Vermögensaufbau sichtbar und planbar.
  3. Altersvorsorge von Anfang an beginnen — Jedes Jahr früherer Start erhöht den Zinseszinseffekt erheblich; mit 23 Jahren hat man einen enormen Zeithorizont, den kaum ein anderes Finanzinstrument ersetzen kann.
  4. Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen — Sportler sind exponiert; eine schwere Verletzung kann die gesamte Karriereplanung in Frage stellen.
  5. Bildrechte und Gesellschaftsstruktur prüfen — Ob eine eigene GmbH sinnvoll ist, hängt von der Einkommensstruktur ab und sollte mit einem Steuerberater und Vermögensberater gemeinsam bewertet werden.

Für all diese Fragen stehen auf Expert Zoom erfahrene Vermögensberater zur Verfügung — Experten, die regelmäßig mit Selbständigen, Sportlern und Menschen mit unregelmäßigen Einkommensverläufen arbeiten. Ein erstes, unverbindliches Gespräch über die Plattform reicht oft aus, um die wichtigsten blinden Flecken zu identifizieren, bevor aus einem guten Jahr ein schlechtes Jahrzehnt wird.

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