Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali sorgt mit ihrer angekündigten Dokumentation für Aufsehen: „Am Puls mit Dunja Hayali – Unsere Bahn: geliebt, verflucht, gefährlich?" beleuchtet Sicherheitsmängel, Dauerverspätungen und politisches Versagen im deutschen Schienenverkehr. Auslöser ist das Zugunglück von Burgrain vom 3. Juni 2022, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen und 78 verletzt wurden. Was viele Reisende dabei nicht wissen: Bei Verspätungen, Zugausfällen und Bahnunfällen haben sie weitreichende gesetzliche Rechte – und ein Rechtsanwalt kann helfen, diese auch tatsächlich durchzusetzen.
Was Hayalis Doku über die Bahn enthüllt
Die Dokumentation trifft einen wunden Punkt. Laut einer aktuellen Umfrage der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) geben 80 Prozent der befragten Triebfahrzeugführer an, dass gemeldete Mängel an Gleisen oder Oberleitungen „nie" oder „selten" eine Rückmeldung erhalten. Der Abschlussbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) vom 3. Juni 2025 bestätigt: Vorgeschädigte Betonschwellen mit von außen nicht erkennbaren Materialschäden führten in Burgrain zur Entgleisung – rund 5 Millionen Euro Sachschaden, fünf Todesopfer.
Für ihre Doku reist Hayali auch nach Belgien, das sein Schienennetz innerhalb von zehn Jahren durch einen umfassenden Masterplan grundlegend modernisiert hat. Alle Beteiligten wurden an einen Tisch gebracht, Zuständigkeiten klar geregelt, Investitionen gezielt eingesetzt. Der Vergleich fällt für Deutschland ernüchternd aus: Während in Belgien Verspätungsquoten drastisch sanken, kämpfen deutsche Fahrgäste weiterhin mit Zugausfällen, maroder Infrastruktur und langen Wartezeiten auf Entschädigungen. Doch während die Politik debattiert, sind es die Fahrgäste, die täglich mit den Folgen leben – und ihre Rechte oft nicht kennen.
Ihre 5 Fahrgastrechte: Was ein Anwalt erklärt
1. Entschädigung ab 60 Minuten Verspätung
Wer am Zielbahnhof 60 Minuten oder mehr zu spät ankommt, hat Anspruch auf 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises. Ab 120 Minuten steigt die Entschädigung auf 50 Prozent. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) stellt klar: Diese Regelung gilt für alle Zuggattungen der Deutschen Bahn – S-Bahn, RB, RE, IRE, IC/EC, ICE und Nachtzüge. Die Bagatellgrenze liegt bei vier Euro; darunter erfolgt keine Auszahlung.
2. Recht auf Reiseabbruch und volle Erstattung
Ist absehbar, dass eine Verspätung von mindestens 60 Minuten entstehen wird, dürfen Fahrgäste die Reise abbrechen und den gesamten Fahrpreis erstattet verlangen – auch wenn sie den Zug bereits bestiegen haben. Dieses Recht bleibt in der Praxis häufig ungenutzt, weil die Deutsche Bahn es nicht proaktiv kommuniziert.
3. Hotelübernachtung auf Kosten der Bahn
Wer aufgrund einer Verspätung nicht mehr nach Hause kommt, hat Anspruch auf Erstattung einer angemessenen Hotelübernachtung – in der Regel auf 3-Sterne-Niveau. Alle Belege sollten aufbewahrt und der Antrag schriftlich gestellt werden. Verweigert die Bahn die Kostenübernahme, lohnt es sich, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
4. Frist von 12 Monaten für den Entschädigungsantrag
Viele Reisende glauben, sofort handeln zu müssen. Dabei gilt für Entschädigungsanträge eine großzügige Frist von 12 Monaten nach der Fahrt. Anträge lassen sich online über das DB-Kundenkonto, per Formular oder persönlich am DB-Reisezentrum stellen. Auch nachträglich können Reisende also noch Geld zurückfordern. Wer mehrere Verspätungsfahrten hat, sollte alle Belege konsequent sammeln – selbst kleinere Beträge addieren sich über ein Jahr schnell zu einer nennenswerten Summe.
5. Schadensersatz bei grobem Verschulden
Geht ein Zugausfall oder ein Unfall auf grobes Verschulden der Deutschen Bahn zurück – wie im Fall Burgrain, wo mangelhafte Wartung und fehlende Kontrollen eine zentrale Rolle spielten –, können Fahrgäste weitergehende Schadensersatzansprüche geltend machen: Schmerzensgeld, Behandlungskosten, Verdienstausfall. Diese Ansprüche sind komplex und erfordern zwingend anwaltliche Begleitung, da die Deutsche Bahn über erfahrene Rechtsabteilungen verfügt.
Wann lohnt es sich, einen Rechtsanwalt einzuschalten?
Für Standard-Entschädigungen (25 % bzw. 50 % Fahrpreiserstattung) können Reisende häufig selbst handeln. Doch es gibt Situationen, in denen professionelle Unterstützung unverzichtbar ist:
Nach einem Zugunfall mit Verletzungen: Schmerzensgeld, Behandlungskosten und Verdienstausfall lassen sich ohne rechtliche Beratung kaum vollständig durchsetzen. Die Beweislage ist oft schwierig.
Bei Folgeschäden durch Verspätungen: Wer wegen eines Zugausfalls einen wichtigen Geschäftstermin verpasst, einen Anschlussflug verpasst oder erhebliche Zusatzkosten hat, kann möglicherweise weitergehenden Schadensersatz verlangen – das hängt von den Umständen ab.
Wenn die Bahn zahlt nicht: Lehnt die Deutsche Bahn berechtigte Ansprüche pauschal ab, ist ein Anwalt der effektivste Weg zur Durchsetzung. Erfahrungen zeigen, dass viele Fahrgäste nach dem ersten Ablehnungsbescheid aufgeben – obwohl ihr Anspruch rechtlich begründet ist.
Wie TV-Juristin und Moderatorin Laura Karasek deutlich macht, können juristische Kenntnisse im Alltag entscheidend sein – auch als ganz normaler Zugfahrgast.
So finden Sie den richtigen Rechtsanwalt
Hayalis Dokumentation zeigt: Das Versagen der Deutschen Bahn ist strukturell – Mängel werden nicht gemeldet, Wartungen verschleppt, Verantwortung abgeschoben. Wer als Fahrgast auf sein Recht besteht, braucht Hartnäckigkeit. Und manchmal braucht er rechtliche Unterstützung.
Auf ExpertZoom finden Sie Rechtsanwälte mit Spezialisierung auf Verkehrsrecht, Reiserecht und Schadensersatz. Eine erste Beratung klärt schnell, ob und in welcher Höhe Ihnen Ansprüche zustehen – und wie Sie diese am besten geltend machen. Viele Anwälte bieten eine kostenlose Ersteinschätzung an und arbeiten auf Erfolgsbasis, sodass für Sie kein finanzielles Risiko entsteht.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten rechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt.

Andreas Weber