David Hockney ist tot: Was sein Tod für Kunstsammler und Investoren in Deutschland bedeutet
Am 11. Juni 2026 verstarb der britische Maler David Hockney im Alter von 88 Jahren in seinem Londoner Wohnhaus. Der Tod des bekanntesten lebenden Künstlers der Welt erschüttert den globalen Kunstmarkt — und wirft für deutsche Sammler und Anleger drängende Fragen auf: Steigen jetzt die Preise? Ist der Kauf eines Hockney-Werkes eine gute Investition? Und welche steuerlichen Risiken lauern dabei?
Wer war David Hockney und welchen Stellenwert hatte er auf dem Kunstmarkt?
David Hockney, geboren am 9. Juli 1937 in Bradford, Yorkshire, zählte seit Jahrzehnten zur ersten Liga der zeitgenössischen Kunst. Bekannt für seine leuchtenden Schwimmbad-Gemälde, seine Bühnenbilder und seine innovativen iPad-Zeichnungen, erlangte er Weltruhm weit über Galeriekreise hinaus.
Sein Marktgewicht war enorm: Im November 2018 erzielte sein Gemälde Portrait of an Artist (Pool with Two Figures) bei Christie's in New York 90,3 Millionen US-Dollar — damals der höchste je bei einer Auktion für das Werk eines lebenden Künstlers erzielte Preis. Im Jahr 2022 erreichte sein Gesamtmarkt laut Artprice einen Jahresumsatz von 141 Millionen Euro und brachte ihn auf Platz 14 der weltweiten Künstlerrangliste. Selbst seine digitalen iPad-Zeichnungen, die 2014 noch für rund 19.000 Pfund den Besitzer wechselten, erzielten 2025 einen Auktionsrekord von 762.000 Pfund.
Der "Death Effect" — Mythos oder Realität?
In der Kunstwelt hält sich hartnäckig der Glaube, dass Künstlerwerke nach dem Tod ihres Schöpfers automatisch im Wert steigen. Die Forschung zeigt ein differenzierteres Bild.
Eine 2025 im Journal of Cultural Economics veröffentlichte Studie analysierte Hunderte von Künstlertoden und kam zu folgendem Ergebnis: In den fünf Jahren vor dem Tod steigen die Auktionspreise bedeutender Künstler im Durchschnitt um etwa 6 %. Im Todesjahr selbst sinken sie dann jedoch im Schnitt um 26 %, bevor sich langfristig ein posthumer Aufschlag einstellt — getrieben durch die nun endlich begrenzte Angebotsmenge bei weiter bestehender Nachfrage.
Für Hockney gilt eine Sonderstellung: Sein Markt war bereits lebensbegleitend außergewöhnlich stabil. Der Hockney-Preisindex zeigte 2023 lediglich einen Rückgang von 0,2 % — bemerkenswertes Zeichen für ein tief verwurzeltes Sammlerinteresse weltweit. Ob sein Tod nun zu einer weiteren Preisstabilisierung oder einer kurzfristigen Volatilität führt, bleibt in den nächsten Monaten zu beobachten.
Klar ist: Hockneys Nachlass ist international komplex — mit Studios und Archiven in London, Bridlington und West Hollywood, Kalifornien. Wie der Nachlass künftig mit Reproduktionsrechten und Editionen umgeht, wird den Sekundärmarkt direkt beeinflussen.
Kunstinvestments: Was deutsche Anleger wissen müssen
Kunst gilt als alternative Assetklasse und wird von manchen Vermögensberatern als Portfoliobeimischung empfohlen — vor allem, weil der Kunstmarkt historisch gesehen gering mit Aktien- und Anleihemärkten korreliert. Doch wer jetzt spontan in Hockney-Werke investieren möchte, sollte die spezifischen Risiken kennen:
Illiquidität: Ein Gemälde lässt sich nicht wie eine Aktie in Minuten verkaufen. Internationale Auktionsprozesse dauern Monate, und der Markt für bestimmte Werke kann sehr eng sein.
Hohe Transaktionskosten: Käufer zahlen bei führenden Auktionshäusern wie Christie's oder Sotheby's typischerweise ein Aufgeld (Buyer's Premium) von 15 bis 26 %. Auf der Verkäuferseite fallen zusätzliche Provisionen an.
Lagerung und Versicherung: Hochwertige Kunstwerke erfordern klimakontrollierte Aufbewahrung sowie umfangreiche Versicherungen — laufende Kosten, die die Rendite schmälern.
Keine laufende Rendite: Anders als Dividendenaktien oder Anleihen wirft Kunst keine regelmäßigen Erträge ab. Der Gewinn entsteht ausschließlich beim Verkauf.
Wer sich dennoch für einen Einstieg in den Hockney-Markt interessiert: Drucke und Editionen bieten einen zugänglicheren Einstieg als Unikate. Preise beginnen bei mehreren tausend Euro — ein Bruchteil der Kosten für ein Originalgemälde, mit einem liquiderem Sekundärmarkt. Eine übersichtliche Einführung in Kunstinvestments im Jahr 2026 bietet auch unser Artikel zur Biennale Venedig 2026 und Kunst als Kapitalanlage.
Steuerliche Aspekte in Deutschland nicht vergessen
Was viele Kunstkäufer unterschätzen: der steuerliche Aspekt. In Deutschland sind Gewinne aus dem Verkauf privater Kunstwerke grundsätzlich steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf weniger als ein Jahr liegt (Spekulationsfrist nach § 23 EStG). Wer länger als zwölf Monate wartet, kann in der Regel steuerfrei veräußern.
Zudem spielt die Mehrwertsteuer eine Rolle: Kunstwerke aus der EU unterliegen einem ermäßigten Steuersatz, während Importe aus Drittstaaten unterschiedliche Regelungen auslösen können.
Für Erben von Kunstsammlungen stellt sich zusätzlich die Frage der Erbschaftsteuer. Kunstwerke müssen im Erbfall bewertet werden, wobei der aktuelle Marktpreis maßgeblich ist — nicht der ursprüngliche Kaufpreis. Dies kann zu erheblichen Steuerlasten führen, wenn eine Sammlung im Wert stark gestiegen ist.
Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) empfiehlt Verbrauchern grundsätzlich, bei der Anlageberatung auf die Unabhängigkeit und Zulassung des Beraters zu achten — gerade bei komplexen alternativen Anlagen wie Kunst.
Was jetzt sinnvoll ist
Der Tod David Hockneys ist ein historischer Moment für den Kunstmarkt — aber kein Signal, überstürzt zu handeln. Wer bereits Hockney-Werke besitzt, sollte deren Versicherungswert aktuell halten und die Marktentwicklung aufmerksam verfolgen. Wer einsteigen möchte, tut gut daran, zuerst einen auf alternative Anlagen spezialisierten Vermögensberater zu konsultieren.
Eines bleibt für erfahrene Investoren klar: Kunst ist keine Geldanlage wie jede andere. Sie verbindet emotionalen Wert mit finanziellem Potenzial — und gerade das macht sie so besonders. Aber auch so riskant. Für individuelle Anlagestrategien steht Ihnen ein Vermögensberater auf Expert Zoom zur Verfügung.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung dar. Bitte wenden Sie sich für persönliche Entscheidungen an einen zugelassenen Finanzberater oder Steuerexperten.

Julia Richter