Bosnien vs. Schweden: Was die bosnische Diaspora jetzt über Doppelpass-Recht wissen muss

Bosnischer Mann und Anwalt besprechen Doppelstaatsbürgerschaft in Münchner Kanzlei

Bildnachweise

Andreas Andreas WeberRechtsanwälte
6 Min. Lesezeit 2. Oktober 2026

Das Duell zwischen Bosnien-Herzegowina und Schweden in der UEFA Nations League am 2. Oktober 2026 bringt zwei Länder zusammen, zwischen denen eine der bedeutendsten Migrationsgeschichten Europas besteht. Denn während Fans das Spiel verfolgen, kämpfen mehr als 30.000 Bosnier in Deutschland noch immer darum, ihren bosnischen Pass zurückzubekommen – und das, obwohl Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft seit 2024 gesetzlich zugelassen hat. Ein Rechtsanwalt kann hier den Unterschied zwischen jahrelangem Warten und einer schnellen Lösung bedeuten.

Das Spielpaarung Bosnien gegen Schweden in der UEFA Nations League 2026/2027 der Liga B trifft einen Nerv: In keinem anderen europäischen Land außerhalb des Balkans gibt es so viele Menschen bosnischer Herkunft wie in Schweden. Wer in Schweden lebt, hat heute rechtlich deutlich mehr Optionen als seine Landsleute in Deutschland. Das hat Konsequenzen – für Erbschaften, Renten, Immobilien und Pässe.

Warum rückt das Spiel heute eine Rechtsfrage in den Fokus?

Schweden ist die Heimat von über 100.000 Menschen mit Wurzeln in Bosnien-Herzegowina. Die Mehrheit kam in den 1990er-Jahren als Flüchtlinge des Balkankrieges. Viele haben inzwischen die schwedische Staatsbürgerschaft angenommen – und befinden sich damit in einer rechtlich privilegierten Position.

Denn zwischen Bosnien-Herzegowina und Schweden besteht ein bilaterales Abkommen, das die doppelte Staatsbürgerschaft ausdrücklich erlaubt. Bosniaken in Schweden können damit sowohl ihren bosnischen als auch ihren schwedischen Pass behalten oder zurückerlangen – ohne rechtliche Hürden.

Das Nations-League-Spiel heute Abend macht sichtbar, was viele nicht wissen: Je nachdem, in welchem Land man lebt, ist die Rechtslage für Angehörige der bosnischen Diaspora grundlegend verschieden.

Was regelt die doppelte Staatsbürgerschaft zwischen Bosnien und Schweden – und was gilt für Deutschland?

Bosnien-Herzegowina erlaubt die doppelte Staatsbürgerschaft grundsätzlich. Aber: Ein bilaterales Abkommen mit dem jeweiligen Land der zweiten Staatsbürgerschaft ist zwingend erforderlich.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Ländern:

Bosnien + Schweden: Bilaterales Abkommen vorhanden. Doppelte Staatsbürgerschaft ist rechtlich anerkannt. Wer als Bosniake die schwedische Staatsbürgerschaft angenommen hat, kann seinen bosnischen Pass erneuern oder zurückbeantragen.

Bosnien + Deutschland: Kein bilaterales Abkommen. Obwohl Deutschland seit dem 26. Juni 2024 die Mehrstaatigkeit im eigenen Recht erlaubt, blockiert das fehlende Abkommen mit Sarajevo die Rückgewinnung des bosnischen Passes für Zehntausende Betroffene.

Laut dem bosnischen Nachrichtensender N1 warten über 30.000 in Deutschland lebende Bosnier noch immer auf die Möglichkeit, ihre bosnische Staatsbürgerschaft zurückzuerlangen. Die bosnischen Behörden haben das entsprechende Abkommen mit Berlin bis heute nicht unterzeichnet.

Die schwedische Migrationsbehörde Migrationsverket teilte zudem im Februar 2025 mit, dass Aufenthaltsanträge aus Bosnien-Herzegowina seit März 2025 nicht mehr über die Botschaft in Sarajevo, sondern über die schwedische Botschaft in Skopje, Nordmazedonien, eingereicht werden müssen. Das betrifft alle Personen ohne dauerhaftes schwedisches Aufenthaltsrecht.

Welche konkreten Rechtsfragen entstehen aus dieser Situation?

Die Frage nach der doppelten Staatsbürgerschaft ist nicht nur ein Verwaltungsthema. Sie hat direkte Auswirkungen auf mehrere Lebensbereiche:

Erbschaft und Eigentum in BiH: Wer in Bosnien-Herzegowina Immobilien oder Erbvermögen hat, muss je nach Staatsbürgerstatus unterschiedliche Verfahren durchlaufen. Eine ungeklärte Staatsangehörigkeit kann ein Erbschaftsverfahren um Jahre verzögern – mit erheblichen Kosten.

Rentenansprüche: Deutschland und Bosnien-Herzegowina haben ein Sozialversicherungsabkommen. Wer in beiden Ländern gearbeitet hat, kann Rentenansprüche aus beiden Systemen haben. Das setzt jedoch eine korrekt dokumentierte Staatsbürgerschaft voraus.

Reiserecht: Ein gültiger bosnischer Pass ermöglicht Visa-freies Reisen in bestimmte Länder, die kein Abkommen mit Deutschland haben. Für Geschäftsreisende oder bei Familienbesuchen in der Region kann das praktisch relevant sein.

Staatsangehörigkeit von Kindern: In binationalen Familien ist die Staatsbürgerschaft der Kinder ein häufiger Streitpunkt. Wann gilt das Abstammungsprinzip? Welche Fristen gelten für die Anmeldung? Diese Fragen sind einzelfallabhängig und werden ohne anwaltliche Beratung häufig falsch beantwortet.

Steuerliche Auswirkungen: Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft, die Einkünfte oder Vermögen in beiden Ländern haben, können in zwei Steuersystemen gleichzeitig pflichtig sein. Deutschland und Bosnien-Herzegowina haben zwar ein Doppelbesteuerungsabkommen, aber dessen korrekte Anwendung setzt eine klare Klärung der steuerlichen Ansässigkeit voraus. Ein Rechtsanwalt oder Steuerberater mit internationalem Fokus kann hier doppelte Steuerzahlungen vermeiden.

Personalausweispflicht und Behördengänge: Wer in Deutschland lebt und noch einen gültigen bosnischen Pass besitzt, muss bei bestimmten Behördengängen – etwa bei der Anmeldung eines Unternehmens oder beim Kauf einer Immobilie – klären, welche Nationalität er in welchem Kontext angeben muss. Falsche Angaben, auch unbeabsichtigte, können als Ordnungswidrigkeit gewertet werden.

Was passiert konkret: Das Beispiel eines Bosnier-Deutschen in München

Stellen Sie sich Emir S. vor, 52 Jahre alt, seit 1998 in München. Er nahm damals die deutsche Staatsbürgerschaft an und gab – nach damaliger Rechtslage zwingend – seinen bosnischen Pass ab.

Seit Juni 2024 gilt das neue Staatsangehörigkeitsgesetz in Deutschland. Emir könnte theoretisch seinen bosnischen Pass zurückbeantragen, ohne die deutsche Staatsbürgerschaft zu verlieren. Aber: Das bosnische Staatsangehörigkeitsgesetz verlangt ein bilaterales Abkommen mit dem Land der zweiten Staatsbürgerschaft. Dieses Abkommen zwischen Deutschland und Bosnien-Herzegowina existiert nicht.

Emir steht damit vor einer konkreten Rechtslücke:

  • Anwaltskosten für das Verfahren: Für eine rechtliche Prüfung und Vertretung im Staatsangehörigkeitsrecht fallen in der Regel zwischen 1.000 und 3.500 Euro an – je nach Komplexität des Einzelfalls.
  • Zeitrahmen bei Erfolg: Selbst wenn das Bilateral-Abkommen in Kraft träte, dauert ein bosnisches Einbürgerungsverfahren erfahrungsgemäß 12 bis 24 Monate.
  • Praktische Ausweichstrategie: Ein Rechtsanwalt kann prüfen, ob über Abstammungslinien (Eltern oder Geschwister mit bosnischer Staatsangehörigkeit) ein alternativer Weg zur Rückgewinnung besteht. Das ist kein Garantieweg, aber eine anerkannte Variante, die in der Praxis funktioniert.

Das Gegenteil gilt für seinen Cousin in Göteborg: Dieser hat 1997 die schwedische Staatsbürgerschaft angenommen. Dank des Bilateral-Abkommens zwischen Bosnien und Schweden kann er seinen bosnischen Pass jederzeit erneuern – der Aufwand beschränkt sich auf die Botschaft in Stockholm und wenige Wochen Bearbeitungszeit. Kein Anwalt erforderlich, keine politische Blockade.

Wenn hingegen Emirs in München geborener Sohn (Jahrgang 2001) seinen bosnischen Ursprung geltend machen möchte: Er hat die bosnische Staatsbürgerschaft nie besessen und müsste ein komplettes Einbürgerungsverfahren in BiH durchlaufen. Die maximale Erstberatungsgebühr durch einen deutschen Rechtsanwalt beträgt gemäß Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) 190 Euro netto – für die Klärung der Optionen eine überschaubare Investition, die jahrelange Fehlwege verhindert.

Die Ungleichbehandlung zwischen bosnischer Diaspora in Schweden und in Deutschland ist kein Einzelfall. Sie spiegelt das unvollendete Diplomatiknetz von BiH wider – und trifft reale Menschen mit konkreten Rechts- und Vermögensfragen.

Was sollten Betroffene jetzt tun?

Das Nations-League-Spiel heute Abend erinnert daran: Die Verbindung zwischen Bosnien-Herzegowina und Schweden ist nicht nur sportlicher Natur. Für Hunderttausende Menschen hat sie direkte rechtliche Konsequenzen.

Konkrete Schritte, wenn Sie von der beschriebenen Situation betroffen sind:

1. Prüfen Sie Ihren Staatsbürgerstatus – sowohl im aktuellen Wohnsitzland als auch in Bosnien-Herzegowina. Die bosnische Botschaft in Berlin oder Wien gibt Auskunft, ob Ihre Staatsbürgerschaft noch aktiv ist.

2. Klären Sie, ob ein Bilateral-Abkommen für Ihr Land gilt – der Unterschied zwischen Schweden und Deutschland ist gravierend. Informationen dazu finden Sie bei der offiziellen schwedischen Migrationsbehörde oder beim deutschen Bundesministerium des Innern.

3. Lassen Sie Ihren Fall anwaltlich einschätzen – vor jedem Antrag bei einer Botschaft. Ein Erstgespräch kostet nach RVG maximal 190 Euro netto. Es kann Ihnen Monate oder Jahre an Verfahrensfehlern ersparen. Auf Expert Zoom finden Sie weitere Informationen zu ähnlichen Fallkonstellationen rund um doppelte Staatsbürgerschaft und Diaspora-Recht.

4. Beobachten Sie politische Entwicklungen – Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Bosnien-Herzegowina über ein Bilateral-Abkommen laufen seit 2024. Eine Einigung könnte 2026 kommen. Wer rechtzeitig rechtlich vorbereitet ist, kann schnell handeln.

Die offiziellen aktuellen Regelungen für Aufenthalts- und Staatsbürgerschaftsfragen aus Bosnien-Herzegowina finden Sie beim schwedischen Migrationsverket.

Hinweis: Dieser Artikel dient zu allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Staatsangehörigkeitsrechtliche Fragen variieren je nach persönlicher Situation erheblich. Bitte konsultieren Sie einen qualifizierten Rechtsanwalt für Ihren konkreten Fall.

Bildnachweise : Dieses Bild wurde mittels künstlicher Intelligenz generiert.

Vorteile

Schnelle und präzise Antworten auf alle Ihre Fragen und Hilfsanfragen in über 200 Kategorien.

Tausende von Nutzern haben eine Zufriedenheit von 4,9 von 5 für die Beratung und Empfehlungen unserer Assistenten erhalten.

Kontaktieren Sie uns

E-Mail
Folgen Sie uns